Behandlung

Medikamente

Medikamente, die auf den Magen-Darm-Trakt wirken: ein Überblick

Was genau sind eigentlich Medikamente und woher kommt der Begriff? Was sind Wechselwirkungen und was versteht man unter Nebenwirkungen?

Der folgende Artikel soll einen Überblick über die verschiedenen Arten von Medikamenten sowie über die verschiedenen Arzneimittelgruppen verschaffen und erklären, was unter den einzelnen Begrifflichkeiten zu verstehen ist.


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Was versteht man unter Medikamenten?

Der Begriff Medikament stammt aus dem Lateinischen. Er ist abgeleitet von dem Wort “medicamentum”, was übersetzt Heilmittel bedeutet. Unter Medikamenten versteht man ganz allgemein Arzneimittel. Diese wiederum sind laut dem Arzneimittelgesetz (AMG) definiert als Stoffe oder Zubereitungen aus Stoffen, die zur Anwendung im oder am menschlichen oder tierischen Körper bestimmt sind. Sie dienen beispielsweise zur Heilung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten oder krankhaften Beschwerden. Außerdem können sie auch körperliche, den Stoffwechsel oder das Immunsystem beeinflussende Zustände wiederherstellen oder korrigieren. Zudem sind sie ebenso zur Diagnose von Erkrankungen dienlich, wie zum Beispiel Kontrastmittel, die bei Röntgenuntersuchungen verabreicht werden, um bestimmte Strukturen im Körper sichtbar zu machen.1

Diese Definition grenzt Arzneimittel somit auch von anderen Produkten wie Medizinprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln oder Kosmetika ab.2 Die meisten Arzneimittel enthalten nur einen Wirkstoff (Monopräparate), manche aber auch mehrere Wirkstoffe (Kombipräparate), um dem Patienten die Einnahme zu erleichtern oder die gewünschte Wirkung zu verstärken.

Welche Arten von Medikamenten gibt es?3

Medikamente können unterschiedlich gruppiert werden, je nachdem ob man das Behandlungskonzept, das Anwendungsgebiet oder den Vertriebsweg betrachtet.

Nach ihrem Vertriebsweg können verschreibungspflichtige und apothekenpflichtige Arzneimittel unterschieden werden. Arzneimittel sind dann verschreibungspflichtig, wenn diese einer ärztlichen Überwachung oder deren Anwendung einer vorherigen ärztlichen Diagnose bedürfen. Auch Arzneimittel, die Stoffe enthalten, welche auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Gesundheit gefährden können wenn diese ohne ärztliche Verschreibung angewendet werden, sind verschreibungspflichtig.4 Auch Arzneimittel, die häufig missbräuchlich angewendet werden und damit die Gesundheit mittelbar oder unmittelbar gefährden können, unterliegen der Verschreibungspflicht.5

Verschreibungspflichtige Medikamente dürfen nur gegen Vorlage einer ärztlichen

Verordnung (Rezept) an den Verbraucher abgegeben werden.6 Die Abgabe erfolgt in Apotheken. Verschreibungspflichtige Präparate sind somit immer automatisch auch apothekenpflichtig.7

Gesetzlich geregelte Ausnahmen existieren auch hier, wie beispielsweise die Abgabe von Impfstoffen direkt beim Arzt oder die Abgabe von verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln beim Tierarzt.

Nach § 43 Abs. 1. des Arzneimittelgesetzes besteht in Deutschland eine grundsätzliche Apothekenpflicht für Arzneimittel.8 In den darauf folgenden Paragraphen des Arzneimittelgesetzes sowie der Verordnung über apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel wird darüber hinaus geregelt, welche Arzneimittel der Apothekenpflicht unterliegen und welche für den Verkehr auch außerhalb von Apotheken (beispielsweise in Drogerien, Reformhäusern) freigegeben sind.9

Nicht verschreibungspflichtige Präparate, die in der Drogerie oder Apotheke erworben werden können, bezeichnet man auch als freiverkäufliche oder Over-the-counter-Produkte (OTC). OTC-Produkte spielen im Rahmen der Selbstmedikation eine zentrale Rolle.

Weitere Unterscheidungen zwischen Arzneimitteln können nach Art und Behandlungskonzept getroffen werden. Zum einen gibt es Arzneimittel, die auf Basis naturwissenschaftlicher Überlegungen oder Studien entwickelt wurden. Daneben existieren zahlreiche Pharmaka, die sich nicht primär auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse stützen, sondern meist einen ganzheitlichen Ansatz in der Behandlung verfolgen. Teilweise mit sehr guter Studienlage wie zum Beispiel in der Pflanzenheilkunde können sie das medizinische Spektrum sinnvoll ergänzen. Deshalb spricht man in diesem Fall auch von Komplementärmedizin. Für einige Konzepte fehlen allerdings wissenschaftliche Belege, so dass deren Anwendung daher umstritten bleibt.

Folgende Therapiekonzepte sind unter anderen bekannt:

  • Naturwissenschaftliche Medizin (Schulmedizin)
  • Naturheilkunde/Pflanzenheilkunde (Phytotherapie)
  • Homöopathie
  • Anthroposophische Medizin
  • Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
  • Biochemie nach Dr. Schüßler
  • Spagyrik
  • Bachblüten10
  • Aromatherapie11

Medikamenten-Verzeichnis

Außerdem werden Arzneimittel nach ihrem Anwendungsgebiet beziehungsweise ihrer Wirkweise unterteilt. Die folgende Liste gibt nur einen Überblick und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Medikamente für den Verdauungstrakt: zur Anwendung bei Sodbrennen (Antazida), Reflux (zum Beispiel Protonenpumpenhemmer, PPI), Gastritis Protonenpumpeninhibitoren (PPI)

  • Antazida

    • Natriumhydrogencarbonat
    • Maaloxan
  • Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen

  • Medikamente zur Behandlung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

    • Mesalazin
    • Infliximab (Remicade)
    • Adalimumab (Humira)
    • Golimumab (Simponi)
  • Abführmittel: Medikamente zur Anwendung bei Verstopfung (Obstipation)

    • Natriumpicosulfat (Laxoberal)
    • Macrogol (Movicol)
    • Lactulose
    • Bisacodyl (Dulcolax)
  • Arzneimittel gegen Blähungen (Meteorismus)

  • Medikamente zur Anwendung bei Durchfall (Diarrhö)

    • Elotrans (zum Ausgleich von Elektrolytverlust)
    • Loperamid (Lopedium, Imodium)
    • Tannacomp
  • Krampflösende Medikamente: Anwendung bei Bauchkrämpfen

  • Medikamente zum Aufbau der Darmflora

    • Symbiolact
    • Symbioflor
    • OMNi-BiOTiC Enzymersatz-Produkte
    • Kreon
    • Lactase Verdauungsunterstützende Medikamente, die Enzyme enthalten
    • Bromelain
    • Caricol
  • Psychopharmaka: die Psyche beeinflussende Arzneimittel wie beispielsweise Antidepressiva, Mittel gegen Demenz, Medikamente gegen Angststörungen
  • Schlafmittel, Hypnotika: den Schlaf beeinflussende Arzneimittel
  • Analgetika: Schmerzmittel
  • Antirheumatika: zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen
  • Lokalanästhetika: zur lokalen Betäubung Narkosemittel: zur Vorbereitung auf Operationen
  • Muskelrelaxantien: die Skelettmuskulatur erschlaffende Wirkstoffe; Einsatz bei Muskelverspannungen oder Operationen
  • Antiepileptika: Medikamente zur Anwendung bei Epilepsie
  • Antiparkinsonmittel: Medikamente zur Anwendung bei Parkinson
  • Hormone: zum Beispiel Schilddrüsenmedikamente, Osteoporosemittel, Sexualhormone, Anti-Baby-Pille
  • Antiallergika: Medikamente zur Anwendung bei Allergien
  • Medikamente für das Herz-Kreislauf-System: zum Beispiel Lipidsenker, Medikamente gegen Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz, bei koronarer Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörungen
  • Venen- und Hämorrhoidenmittel
  • Medikamente für die Atemwege: zur Anwendung bei Asthma bronchiale, COPD; Hustenmittel, Schleimlöser
  • Medikamente für die ableitenden Harnwege: Diuretika, Antidiuretika, Prostatamittel
  • Arzneimittel zur Behandlung am Auge: zum Beispiel gegen Glaukom
  • Arzneimittel zur Anwendung bei Hauterkrankungen: zum Beispiel bei Psoriasis vulgaris, Akne, Infektionskrankheiten, Tumorerkrankungen
  • Mikronährstoffe: Vitamine und Spurenelemente zum Einsatz bei Krankheiten infolge von Mangelernährung
  • Therapie von Infektionskrankheiten: Antibiotika (Arzneimittel gegen bakterielle Infektionen), Antimykotika (gegen Pilzerkrankungen), Medikamente gegen Viruserkrankungen oder Parasiten
  • Chemotherapie: bei bösartigen Tumoren
  • Immunologisch wirksame Stoffe: Immunsuppressiva wie Glucocorticoide,, Antikörper, Therapie der Multiplen Sklerose
  • Medikamente bei Leber- und Gallenwegsbeschwerden
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Welche möglichen Nebenwirkungen haben Medikamente?

Unter Nebenwirkungen versteht man meist unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW). Bei fast allen Arzneistoffen muss mit Nebenwirkungen, also mit weiteren Wirkungen neben der Hauptwirkung, gerechnet werden. Diese können unerwünscht, aber auch erwünscht sein, harmlos bis schwerwiegend, dosisabhängig oder dosisunabhängig, vorhersehbar oder nicht vorhersehbar sein. Daher wird bei der Verschreibung eines Arzneimittels eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung durchgeführt. 12

Für Interessierte


Manche Arzneistoffe finden ihren heutigen Einsatz nur deshalb, weil sie zuvor zufällig über ihre Nebenwirkung „entdeckt“ wurden, welche nun als Hauptwirkung genutzt wird. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Sildenafil (Viagra), das bei bei Erektionsbeschwerden zum Einsatz kommt.


Es können unterschiedliche Arten von Nebenwirkungen auftreten. Im Folgenden sind einige aufgeführt:

  • Arzneimittelallergien (z.B. Penicillinallergie)
  • Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Medikamente, die nicht in Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden dürfen, da sie Nebenwirkungen auf das ungeborene Kind haben können
  • Gewöhnung an das Arzneimittel und damit Gefahr des Arzneimittelmissbrauchs
  • psychische Nebenwirkungen
  • Photosensibilisierung: beispielsweise sollte bei der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten oder Antibiotika wie Doxycyclin direktes Sonnenlicht vermieden werden, da die Haut durch diese Medikamente lichtempfindlicher wird und es somit schneller zu einem Sonnenbrand kommen kann
  • Gewichtszunahme
  • Hautreaktionen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Schwindel
  • Schlafstörungen

Nebenwirkungen werden zudem nach der Häufigkeit ihres Auftretens unterteilt:

Kategorie Häufigkeit

sehr häufig > 10 Prozent

häufig 1 - 10 Prozent

Gelegentlich 0,1 - 1 Prozent

Selten 0,01 - 0,1 Prozent

sehr selten < 0,01 Prozent

nicht bekannt nicht abschätzbar13

Als sehr häufig wird also eine Nebenwirkung eingestuft, wenn sie bei einem von zehn Patienten auftritt. Die restlichen neun Patienten haben demnach keine Beschwerden.

Die meisten Risiken und Nebenwirkungen lassen sich dadurch vermeiden, dass die empfohlenen Dosierungs- und Einnahmehinweise genau eingehalten werden (beispielsweise die Tageszeit betreffend, vor oder nach dem Essen, zeitlicher Abstand zur Begleitmedikation).** **

Dosierung, Art und Dauer der Anwendung

Jedes Arzneimittel muss in einer bestimmten Dosierung eingenommen werden. Meist sind die Medikamente in ihrer Wirkstärke bereits so hergestellt, dass sie für die Patienten eine einfache Einnahme (ganze oder halbe Tablette; 1 Messlöffel) erlauben. Je nach Art und Schwere der Erkrankung entscheidet der behandelnde Arzt über die Stärke des verordneten Medikaments sowie über die Häufigkeit und Dauer der Einnahme. Ein Antibiotikum beispielsweise muss über einen Mindestzeitraum eingenommen werden, um sicherzustellen, dass die bakterielle Infektion ausreichend bekämpft wird und um Resistenzen zu vermeiden.

Korrekte Einnahme von Arzneimitteln:

1x täglich zum Beispiel morgens

2x täglich morgens und abends

3x täglich morgens, mittags und abends

vor dem Essen ungefähr 30-60 Minuten vor der Mahlzeit

nach dem Essen ungefähr 30-60 Minuten nach der Mahlzeit

zum Essen während der Mahlzeit


Da auch manche Lebensmittel wie beispielsweise Grapefruitsaft oder Milch Wechselwirkungen mit Arzneimitteln eingehen können, sollten Medikamente grundsätzlich mit Wasser eingenommen werden.

Was versteht man unter Kontraindikationen?

Unter Kontraindikationen versteht man Gegenanzeigen, also Umstände (zum Beispiel Schwangerschaft, Asthma) bei denen ein bestimmtes Arzneimittel nicht angewendet werden darf, weil mit starken Nebenwirkungen gerechnet werden muss.

Was versteht man unter Wechselwirkungen?

Wenn zwei oder mehr Arzneimittel gleichzeitig angewendet werden, können sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung verändern. Dann spricht man von Wechselwirkungen oder Interaktionen. Dabei kann es sowohl zu einer Wirkungsabschwächung bis hin zum Wirkverlust als auch zu einer Wirkverstärkung oder sogar Vergiftungserscheinungen kommen.14

Daher ist es wichtig, dem behandelnden Arzt einen Überblick über alle Medikamente zu geben, die regelmäßig eingenommen werden, um so die Therapie optimal auszurichten und Wechselwirkungen vermeiden zu können. Gerade bei Antiepileptika, Gerinnungshemmern und Diabetesmedikamenten sollte man zusätzliche Medikamente nur in Abstimmung mit dem Arzt nehmen oder den Apotheker um Rat fragen. Auch bei der Einnahme von nicht verschreibungspflichtigen Produkten, wie Abführmitteln oder Mitteln gegen zu viel Magensäure, wird häufig ein zeitlicher Abstand zur Einnahme anderer Medikamente empfohlen. Auch hier ist es sinnvoll, den Arzt oder Apotheker um Rat zu fragen.

Wichtig


Auch pflanzliche oder andere frei verkäufliche, vermeintlich sanfte Medikamente können ernstzunehmende Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Deshalb sollte man am besten auch die Einnahme frei verkäuflicher Medikamente vorher mit einem Arzt absprechen.


Zusammenfassung

Dank dem heutigen Einsatz von Arzneimitteln können zahlreiche Krankheiten gelindert oder sogar geheilt werden. Doch bei fast allen Arzneistoffen muss mit Nebenwirkungen, also mit weiteren Wirkungen neben der Hauptwirkung, gerechnet werden. Aus diesem Grund sollte grundsätzlich eine Risiko-Nutzen-Abschätzung bei der Verschreibung von Medikamenten erfolgen. Durch bestimmungsgemäßen Gebrauch lassen sich, bei Einhaltung der Dosierungs- und Einnahmehinweise, die meisten Risiken und Nebenwirkungen vermeiden.


  1. AMG § 2 Abs. 1

  2. Bundesministerium für Gesundheit. Übersichtswebsite Arzneimittel. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/arzneimittelversorgung/arzneimittel.html. Aufgerufen am 09.03.2020.

  3. Mutschler E. Mutschler Arzneimittelwirkungen. 10. Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2013.

  4. AMG § 48 Abs. 2 2a.

  5. AMG § 48 Abs. 2 2b.

  6. AMG § 48 Abs. 1.

  7. AMG § 43 Abs. 3.

  8. AMG § 43.

  9. AMG § 44-46.

  10. Bauer G, Baumgarte H, Eisele M, Emde B, Glöckler M, Haverland D, Kasperzik B, Müller-Frahling M, Schlenk M. Komplementärmedizin für die Kitteltasche. 2. Auflage. Stuttgart: Deutscher Apotheker Verlag; 2012.

  11. Stadelmann I. Ganzheitliche Therapien für die Kitteltasche. 1. Auflage. Stuttgart: Deutscher Apotheker Verlag; 2011.

  12. Mutschler E. Mutschler Arzneimittelwirkungen. 10. Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2013.

  13. vfa. Die forschenden Pharma-Unternehmen. Website: Packungsbeilagen lesen lernen. https://www.vfa.de/de/patienten/arzneimittelsicherheit/packungsbeilagen-lesen-lernen.html. Aufgerufen am 09.03.2020.

  14. Verspohl E, Verspohl J. Interaktionen. 4. Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2001.

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