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Wie hilft Magaldrat bei Sodbrennen und Magenschmerzen?

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Der Wirkstoff Magaldrat ist auch unter dem Namen Riopan oder Magaldrat ratiopharm bekannt. Das Medikament gehört zur Klasse der Antazida. Es neutralisiert die Magensäure und fördert die Entstehung einer schützenden Schicht auf der Magenschleimhaut. Weitere wichtige Hinweise über Magaldrat liest du hier.


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Was ist Magaldrat?

Magaldrat ist der Wirkstoffname der Arzneimittel Riopan und Magaldrat ratiopharm. Bei Riopan handelt es sich um das Original-Präparat, das bereits seit 1983 in Deutschland zugelassen ist. Nachdem das Patent ablief, kam das dem Original nachentwickelte Arzneimittel (Generikum) Magaldrat ratiopharm auf den Markt. Beide Präparate enthalten den Wirkstoff Magaldrat. Im gleichen Ausmaß wirken die Mittel bei Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden. Allerdings sind Generika wie Magaldrat ratiopharm meist deutlich günstiger im Einzelhandel erhältlich.

Magaldrat besteht aus Aluminium- und Magnesium-Ionen, die nach einem Schichtgitter-Prinzip in mehreren Lagen übereinander liegen. Sie gehören damit zur neuen Gruppe der Schichtgitter-Antazida. Das besondere an Schichtgitter-Antazidia ist, dass sie die Säure im Magen besonders langanhaltend und konstant neutralisieren, da der Wirkstoff langsam freigesetzt wird.

Für Interessierte


Sodbrennen und säurebedingten Magenprobleme werden zunächst durch eine Umstellung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten behandelt. Falls diese Maßnahmen erfolglos bleiben, können verschiedene Medikamente die Beschwerden verbessern. Je nach Ursache und Häufigkeit der Symptome kommen Protonenpumpen-Hemmer, H2-Blocker und Antazida zum Einsatz.


Wie wirkt Magaldrat?

Durch die Magensäure gehört der Magen zu den sauersten Bereichen unseres Körpers. Der pH-Wert ist dementsprechend niedrig. Dies schafft optimale Bedingungen für die Verdauung von Nahrung und verhindert die Ansiedlung gesundheitsschädlicher Keime.

Bei säurebedingten Magenbeschwerden ist der pH-Wert niedriger als erwünscht – der Magen ist zu sauer.

Schichtgitter-Antazida wie Magaldrat lösen sich erst bei einem sehr niedrigen pH-Wert langsam auf. Die gelösten Aluminium- und Magnesium-Ionen neutralisieren die Magensäure. Daraufhin steigt der pH-Wert langsam an und die Löslichkeit von Magaldrat nimmt wieder ab.

Innere, noch nicht gelöste Schichten des Antazidums können im Magen verbleiben und werden erst bei erneuter Übersäuerung wieder aktiviert. Dieses kontrollierte Neutralisieren soll ein erneutes Überschießen der Magensäureproduktion verhindern, wie es bei einer zu starken Entsäuerung des Magens der Fall wäre.

Zusätzlich soll Magaldrat die Magenschleimhaut schützen und ihre Regeneration bei säurebedingten Verletzungen unterstützen. Dies geschieht, indem die Produktion bestimmter chemischer Verbindungen im Körper (Prostaglandine und Hydrogencarbonat) angeregt wird.

Achtung


Im Gegensatz zu Protonenpumpen-Hemmern und H2-Blockern wirkt Magaldrat besonders schnell. Daher ist es für die Behandlung kurzfristig auftretender, akuter Beschwerden geeignet. Magaldrat solltest du daher nur in geringen Mengen und nicht länger als zwei Wochen am Stück einnehmen. Zudem gelangt ein Teil der Wirkstoffes aus dem Magen ins Blut und kann zu Nebenwirkungen führen.


Was sind typische Auslöser für säurebedingte Magenbeschwerden?

Antazida wie Magaldrat gehen nicht gegen die Ursache der Beschwerden vor, sondern lindern sie lediglich. Bei Beschwerden, die länger als zwei Wochen andauern, sollte der Auslöser spezifisch behandelt werden.

Häufige Gründe für säurebedingte Magenbeschwerden sind:

  • ein schwacher Schließmuskel der Speiseröhre
  • zu große Essensmengen
  • fettreiche oder stark gewürzte Mahlzeiten
  • Übergewicht
  • die Einnahme bestimmter Medikamente
  • Rauchen
  • Blähungen (Flatulenz)
  • Reizmagen (funktionelle Dyspepsie)
  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis)

Folgende Erkrankungen können zu säurebedingten Magenbeschwerden führen, sind jedoch eher selten:

  • Eingeweidebrüche (Hernien) im Bereich des Zwerchfells
  • anatomische Fehlbildungen (Anomalien)
  • Tumorerkrankungen

Auch während einer Schwangerschaft kann es durch den erhöhten Druck im Bauch vermehrt zu Sodbrennen kommen.

In welcher Form ist Magaldrat erhältlich?

Der Wirkstoff Magaldrat ist als Riopan und Magaldrat ratiopharm freiverkäuflich in der Apotheke erhältlich. Riopan gibt es als Kautabletten oder Gel. Die Kautabletten schmecken nach Minz oder haben ein Sahne-Karamell-Aroma. Das Gel hat eine leicht flüssige Konsistenz und schmeckt ebenfalls nach Sahne-Karamell.

Magaldrat ratiopharm wird derzeit nur als Kautabletten mit Minzgeschmack angeboten.

Kautabletten sind in Packungen mit 20, 50 und 100 Stück erhältlich. Das Gel wird in Packungen mit zehn, 20 und 50 Stück verkauft. Jede Portion befindet sich in einem separaten Beutel mit jeweils zehn Milliliter Gel.

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Wie dosiert man Magaldrat?

Magaldrat sollte man direkt bei den ersten Anzeichen von säurebedingten Beschwerden einnehmen. Eine vorbeugende Einnahme wird nicht empfohlen, da die Zeit bis zum Wirkeintritt nur wenige Minuten beträgt.

Die Dosierungsempfehlung der Hersteller lautet ein Beutel, beziehungsweise ein bis zwei Kautabletten. Falls mehrmals täglich Beschwerden auftreten oder die Symptome nach der ersten Anwendung weiterhin auftreten, können Betroffene bis zu vier Beutel beziehungsweise acht Kautabletten täglich einnehmen.

Wie nimmt man Magaldrat ein?

Die Kautabletten lassen sich entweder kauen oder lutschen. Das Gel wird für sich oder mit etwas Flüssigkeit verdünnt eingenommen. Dabei ist wichtig, dass der Anwender zum Zeitpunkt der Einnahme keine säurehaltigen Getränke zu sich nimmt. Dazu gehören Fruchtsäfte, Getränke mit Kohlensäure, Wein und viele andere alkoholische Getränke sowie Kaffee und schwarzer Tee.

Falls die Beschwerden nach dem Essen auftreten, sollte die Einnahme von Magaldrat nicht sofort erfolgen. Generell wird empfohlen, nach einer Mahlzeit circa eine Stunde zu warten, damit die Verdauung nicht gestört wird und der Wirkstoff länger im Magen verweilen kann.

Außerdem sollte man einen Mindestabstand von zwei Stunden zur Einnahme von anderen Medikamenten einhalten. Denn Magaldrat vermindert die Aufnahme (Resorption) von einigen Arzneimitteln erheblich. Bei der Einnahme bestimmter Antibiotika sollten Patienten daher auf eine Therapie mit Magaldrat verzichten.

Wie schnell wirkt Magaldrat?

Die neutralisierende Wirkung von Magaldrat entfaltet sich bereits innerhalb weniger Minuten. Nach kurzer Zeit soll bereits eine deutliche Besserung der Beschwerden spürbar sein. Generell hält die Wirkung von Antazida für zwei bis drei Stunden an. Bei Schichtgitter-Antazida wie Magaldrat soll die Wirkung etwas länger anhalten.

Wie lange darf Magaldrat eingenommen werden?

Magaldrat solltest du nicht länger als zwei Wochen verwenden. Falls die Beschwerden länger andauern, solltest du einen Arzt aufsuchen. Der Hausarzt oder Allgemeinmediziner ist erster Ansprechpartner bei Fragen, die säurebedingte Magenbeschwerden betreffen. In einem Anamnese-Gespräch und durch Untersuchungen, geht er der Ursache der Beschwerden auf den Grund.

Warum sollte Magaldrat nicht dauerhaft eingenommen werden?

Magaldrat gelangt vom Magen in den Blutkreislauf. Kleine Mengen filtern die Nieren aus dem Blut heraus und scheidet diese über den Urin aus. Wird Magaldrat über mehrere Jahre eingenommen, kann es jedoch zu einem erhöhten Aluminium- und Magnesium-Gehalt im Blut kommen. Große Mengen Magnesium sind nur in seltenen Fällen gesundheitsschädlich. Ist hingegen zu viel Aluminium im Blut vorhanden, kann es sich im Nerven- und Knochengewebe ablagern.

Aluminium hat Auswirkungen auf den Phosphat-Haushalt im Körper. Es bewirkt den Abbau von Phosphat. Der Stoff gehört allerdings zu den Grundbausteinen der Knochen und gibt ihnen die benötigte Stabilität. Das bedeutet, dass bereits gelöstes Phosphat im Knochen umgewandelt und ausgeschieden wird. Schlimmstenfalls kann es durch einen Phosphat-Mangel zur Erweichung der Knochen kommen. In der Medizin trägt dieser Vorgang den Namen Aluminium-assoziierte Renale Osteodystrophie.

Auch andere Erkrankungen wie die Blutarmut (Anämie), krankhaften Veränderungen des Gehirns (Enzephalopathie) und die Alzheimer-Demenz werden mit einem erhöhten Aluminium-Spiegel in Verbindung gebracht. In solchen Fällen handelt es sich aber meist um schwerwiegenden Aluminium-Vergiftungen. Die Einnahme von Antazida spielt eine untergeordnete Rolle.

Welche Nebenwirkungen können bei der Einnahme von Magaldrat auftreten?

Auch bei kurzfristiger Anwendung von Magaldrat können Nebenwirkungen auftreten. Bei mehr als einem von zehn Anwendern kommt es zu weichem Stuhl. Davon abgesehen ist die niedrige Dosierung von Magaldrat sehr nebenwirkungsarm.

Vorsicht gilt bei einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz). Denn es können ähnliche Nebenwirkungen wie bei der dauerhaften Einnahme auftreten. Auch bei kurzer Einnahmedauer kommt es zu einem erhöhten Magnesium- und Aluminium-Gehalt im Blut. Die Folge sind Aluminium-Ablagerungen in Nerven und Knochen und ein Phosphat-Mangel.

Während einer Schwangerschaft sind keine spezifischen Nebenwirkungen während der Einnahme von Magaldrat bekannt. In normaler Dosierung können Schwangere Magaldrat daher problemlos einsetzen. Allerdings wird empfohlen bei einer länger andauernden Therapie auf andere Arzneimittel umzustellen. Hierfür eignen sich beispielsweise Protonenpumpen-Hemmer.

Wie viel kostet Magaldrat?

Die Preise für Magaldrat variieren je nach Produkt. Der empfohlene Verkaufspreis für Riopan liegt bei:

  • 7,97 Euro für 20 Kautabletten oder zehn Beutel
  • 15,97 für 50 Kautabletten
  • 13,99 Euro für 20 Beutel
  • 29,99 Euro für 100 Kautabletten oder 50 Beutel

Die Preisempfehlungen für das Generikum Magaldrat ratiopharm liegen unter diesen Preisen:

  • 20 Kautabletten sind für 5,05 Euro erhältlich
  • 50 Stück kosten 12,05 Euro
  • der Preis für 100 Stück liegt bei 18,28 Euro

Vor allem in Online-Apotheken können die Preise deutlich unter den Preisempfehlungen liegen.

Wills MR, Savory J. Aluminium poisoning: dialysis encephalopathy, osteomalacia, and anaemia. Lancet. 1983;2(8340):29-34. doi:10.1016/s0140-6736(83)90014-4

Weber C. Akute Gastritis - den Magen in Schutz nehmen. Deutsche Apotheker Zeitung. 43/2006. Online abgerufen am 18.03.2020 unter: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2006/daz-43-2006/uid-16692.

Rote Liste. Magaldrat. Online abgerufen am 18.03.2020 unter: https://www.rote-liste.de/suche/stoff/069680/Magaldrat.

Embryotox. Magaldrat. Online abgerufen am 18.03.2020 unter: https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/magaldrat/.

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite wir eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet. Lade die Cara Care-App jetzt kostenlos herunter.

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