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MCP Tropfen – Übelkeit und Erbrechen lindern

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

MCP Tropfen haben sich in der Humanmedizin bewährt. Als Arzneimittel gegen Erbrechen und Übelkeit kommen sie sowohl bei akuten Beschwerden als auch nach Operationen oder bei der Krebstherapie zum Einsatz. Der Wirkstoff MCP (Metoclopramid) blockiert spezifische Rezeptoren im Gehirn und sorgt dadurch für schnelle Linderung der Symptome. MCP Tropfen mit hoher Dosierung des Wirkstoffs wurden im Jahr 2014 vom Arzneimittelmarkt genommen, jedoch ein Jahr später durch eine niedriger dosierte Variante ersetzt. Nun ist die Arznei wieder auf Rezept für die kurzzeitige Behandlung erhältlich.

Wann kommen MCP Tropfen zum Einsatz und wie wirken sie?

MCP Tropfen sind ein bewährtes Arzneimittel bei Störungen des Magen-Darm-Trakts. Der synthetische Wirkstoff MCP wirkt dem körpereigenen Botenstoff Dopamin entgegen. Dopamin ist oft die Ursache für Erbrechen und Magen-Darm-Beschwerden. MCP blockiert die Dopamin-Rezeptoren im Körper und verhindert so den Effekt des Dopamins (dopamin-antagonistische Wirkung). Darüber hinaus setzt MCP Botenstoffe frei, die die Magenbewegungen anregen und Beschwerden lindern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Relevanz des Wirkstoffs erkannt und MCP-Präparate auf die „Liste der unentbehrlichen Arzneimittel“ gesetzt. Bei folgenden Anwendungsgebieten verschreiben Ärzte MCP Tropfen:

  • symptomatische Behandlung von Übelkeit und Erbrechen
  • Reiseübelkeit
  • migränebedingtes Erbrechen
  • Übelkeit und Erbrechen infolge eines operativen Eingriffs
  • Übelkeit und Erbrechen infolge einer Strahlen- oder Chemotherapie
  • Motilitätsstörungen (Bewegungsstörungen) des Magen-Darm-Trakts
  • gelähmter Magen aufgrund einer Diabetes (Diabetische Gastroparese)
  • Unverträglichkeit gegenüber anderen Arzneien

Warum waren MCP Tropfen verboten?

Zum Unmut vieler Ärzte und Patienten hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) MCP Tropfen im Jahr 2014 vom deutschen Markt genommen. Damit folgte es der europäischen Vorgabe, die besagt, dass Arzneimittel mit über 1 mg/ml des Wirkstoffs MCP nicht mehr verabreicht werden dürfen. Als Begründung dafür wurden starke Nebenwirkungen am Herzen angeführt. Zuvor beinhalteten MCP Tropfen zwischen 4 und 5 mg/ml MCP. Dies traf auf zahlreiche bekannte Medikamente wie Paspertin, Gastronerton oder MCP Tropfen von Ratiopharm oder Stada zu.

Insbesondere Onkologen kritisierten diesen Schritt, da sie das Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen infolge von Strahlen- und Chemotherapien verschrieben hatten. Das Arzneimittel lindere die Nebenwirkungen der Krebstherapie und verursache – entgegen der europäischen Meinung – vergleichsweise geringe Nebenwirkungen.

2015 brachten die Arzneimittel-Hersteller MCP Tropfen zurück auf den Markt. Die Dosierung des Wirkstoffs MCP wurde von 4 bis 5 mg/ml auf 1 mg/ml verringert, sodass das Medikament die europäischen Vorgaben erfüllte und seitdem wieder verabreicht werden darf.

Welche Dosierung für MCP Tropfen ist empfohlen?

Patienten, die MCP Tropfen gegen Übelkeit und Erbrechen einnehmen, sollten die Dosierungsrichtlinien des behandelnden Arztes sowie des Arzneimittel-Herstellers beachten. Für Erwachsene ist eine Einzeldosis von 10 mg empfohlen und die Tagesdosis von 30 mg sollte nicht überschritten werden.

Für Kinder und Jugendliche ist eine Behandlung mit MCP Tropfen grundsätzlich nicht empfohlen, da bei ihnen verstärkt Nebenwirkungen beobachtet wurden. Nur wenn andere Medikamente infolge einer Chemo- oder Strahlentherapie keine Wirkung zeigen, sollten Kinder und Jugendliche MCP Tropfen gegen Übelkeit einnehmen. Grundsätzlich sollten Ärzte erst die Alternativen für MCP Tropfen ausprobieren.

Aufgepasst!

Deine Tagesdosis soll maximal 30mg beinhalten und das Arzneimittel nicht länger als fünf Tage eingenommen werden.

Welche Nebenwirkungen von MCP Tropfen sind bekannt?

MCP Tropfen können zu diversen Nebenwirkungen führen. Vor Behandlungsbeginn sollten Patienten diese mit dem Arzt besprechen und den Beipackzettel der Arznei aufmerksam lesen. Wer bei der Therapie Nebenwirkungen feststellt, sollte seinen behandelnden Arzt darüber unterrichten. Er passt die Dosierung an oder veranlasst die Absetzung des Medikaments. Bei besonders schwerwiegenden Nebenwirkungen muss die Behandlung sofort abgebrochen werden. Folgende Nebenwirkungen treten gelegentlich und selten auf:

  • Angstzustände, Depressionen
  • Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Ruhelosigkeit
  • Hautausschlag
  • Atemnot
  • Krämpfe oberhalb der Schultern in Verbindung mit einer Blickstarre
  • Verkrampfung der Gesichts- und Kaumuskulatur
  • Blutdruckabfall
  • parkinsonähnliche Störungen des Bewegungsablaufs wie Zittern, Muskelsteifheit
  • Blutdruckabfall
  • Bewegungsdrang
  • Durchfall
  • bei Langzeitanwendung: Brustdrüsenschwellung, Menstruationsausfall

Vorsicht!

Bei Nebenwirkungen konsultiere sofort deinen Arzt.

Welche Wechselwirkungen haben MCP Tropfen mit anderen Medikamenten?

Nehmen Patienten während der Therapie andere Medikamente ein, können gegebenenfalls Wechselwirkungen mit diesen auftreten. Potenzielle Risiken sollten daher vorab mit einem Arzt besprochen werden. Auch der Beipackzettel gibt über eventuelle Wechselwirkungen Auskunft. Bekannte Wechselwirkungen bestehen beispielsweise mit:

  • Digoxin
  • Cimetidin
  • Schmerzmittel
  • Mittel gegen Parkinson
  • Antibiotika
  • Arzneien mit Lithium
  • Muskelrelaxanzien
  • Alkohol

Wann sollten MCP Tropfen nicht eingenommen werden?

Liegt eine Allergie gegen den Wirkstoff MCP vor, sollten Patienten von der Einnahme absehen. Auch wenn eine Unverträglichkeit gegenüber einem Hilfsstoff besteht, ist von einer Behandlung abzuraten. Vor der Therapie sollten Betroffene den Beipackzettel aufmerksam lesen und sich über die Inhaltsstoffe informieren. Wenn folgende Beschwerden vorliegen, sollten Betroffene keine MCP Tropfen einnehmen:

  • Epilepsie
  • hormonabhängige Tumoren
  • Tumor im Nebennierenmark
  • Darmdurchbruch
  • Blutungen im Magen-Darm-Bereich
  • mechanischer Darmverschluss
  • Störungen des natürlichen Bewegungsablaufes, etwa durch Parkinson

MCP Tropfen während der Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangere Frauen sollten das Arzneimittel nur im äußersten Bedarfsfall und auf ärztliche Anweisung einnehmen. Grundsätzlich ist davon jedoch abzuraten, da keine weitreichenden Studien über die Wirkung von MCP bei Schwangeren vorliegen und das Medikament zumeist Alkohol enthält.

Bitte beachte!

Im ersten Trimester (erstes Drittel der Schwangerschaft) solltest du MCP Tropfen gar nicht einnehmen.

Auch während der Stillzeit sollten Beschwerden nicht mit dem Medikament behandelt werden, da der Wirkstoff MCP in die Muttermilch gelangt. Dieser kann unter Umständen Blähungen oder andere Nebenwirkungen beim Säugling verursachen. Auch wenn Studien der Charité in Berlin lediglich geringe Konzentrationen des Stoffes nachgewiesen haben, sollten Frauen in der Stillzeit MCP Tropfen nur im Notfall einnehmen.

Welche Alternativen gibt es?

Liegt eine Unverträglichkeit gegen MCP vor, lassen sich Übelkeit und Erbrechen auch mit folgenden anderen Medikamenten oder Hausmitteln behandeln:

Alternative Medikamente Pflanzliche Mittel/Phytotherapeutika
  • Dimenhydrinat (Vomex)
  • Domperidon
  • Ondansetron
  • Granisetron
  • Buscopan
  • Emesan
  • Haloperidol
  • Scopolamin
  • Ingwertee
  • Kamille, Pfefferminz, Fenchel, Anis, Kümmel
  • Iberogast
  • Gastritol
  • Payagastron

Sind MCP Tropfen rezeptpflichtig?

MCP Tropfen sind rezeptpflichtig. Eine Behandlung mit dem Arzneimittel sollte unter keinen Umständen ohne vorherige ärztliche Untersuchung erfolgen. Lass dich von deinem Arzt umfassend über die Nebenwirkungen informieren und lies den Beipackzettel vor der Einnahme genau.

Springer Medizin, 2015. Pflanzliches gegen Übelkeit und Erbrechen. MMW-Fortschritte der Medizin157, pp.26-26. Online abgerufen am 10.08.2018 unter:  https://link.springer.com/article/10.1007/s15006-015-7592-z

Raedsch, R., Hanisch, J., Bock, P., Sibaev, A., Vinson, B. and Gundermann, K.J., 2007. Wirksamkeit und Unbedenklichkeit des Phytopharmakons STW 5 versus Metoclopramid bei funktioneller Dyspepsie unter Praxisbedingungen-eine retrolektive Kohortenstudie. Zeitschrift für Gastroenterologie45(10), pp.1041-1048. Online abgerufen am 10.08.2018 unter:  https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2007-963357

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.

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