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Medikamente gegen Verstopfung – welche Medikamente helfen wirklich?

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Viele Menschen sind von Verstopfung betroffen. Die Ursachen sind unterschiedlich. Beispielsweise können bestimmte Medikamente, Störungen der Darmbewegung oder eine ungünstige Ernährung verantwortlich sein. Aber auch verschiedene Erkrankungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose können Verstopfungen verursachen. Gegen die lästige Verstopfung gibt es Medikamente, sogenannte Laxantien. Diese Mittel sind teilweise auch ohne Rezept erhältlich. Es folgt ein Überblick über diese Medikamente. Außerdem werden weitere Methoden zur Behandlung von Verstopfung vorgestellt.

Wie sieht die Therapie von Verstopfungen im Allgemeinen aus?

Zunächst wird versucht, die Verstopfung auf natürliche Weise zu behandeln. Eine wesentliche Rolle spielt dabei eine ballaststoffreiche Ernährung. Unter Umständen kann man der Nahrung auch zusätzlich Ballaststoffe wie Indische Flohsamenschalen zusetzen. Diese sind im Reformhaus oder in der Drogerie erhältlich und müssen mit einer ausreichenden Trinkmenge kombiniert werden. Oft reichen diese Mittel aus, um den Stuhlgang zu erleichtern.

Bestehen die Beschwerden weiterhin, kommt eine medikamentöse Therapie zum Einsatz. Medikamente gegen Verstopfung bezeichnet man als Abführmittel oder Laxantien. Laxantien können auf verschiedenen Wegen wirken: Einige ziehen Wasser in den Darm, andere führen dazu, dass der Darm aktiv Wasser in den Darm abgibt und so der Stuhl weicher wird. Wieder andere Medikamente regen die Darmbewegungen an.

Zu den Mitteln erster Wahl zählen Macrogol, Bisacodyl und Natriumpicosulfat. Sind diese nicht gut wirksam oder werden sie nicht gut vertragen, kann man zu Mitteln zweiter Wahl wie Lactulose oder Antrachinonen greifen.

Geht die Verstopfung von einer Entleerungsstörung des Enddarmes aus, können Einläufe oder Zäpfchen helfen. Diese helfen vor Ort (lokal), die Verstopfung zu beheben und die Darmentleerung wieder in Gang zu bringen. Allerdings sollten Einläufe nur kurzfristig zum Einsatz kommen, denn bei längerer Anwendung können Nebenwirkungen entstehen.

Wirkt keine dieser Maßnahmen, stehen neuere Medikamente wie Prucaloprid oder Linaclotid zur Verfügung.

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Welche rezeptfreien Medikamente gegen Verstopfung gibt es?

Es gibt viele rezeptfreie Medikamente, die eine Verstopfung erfolgreich behandeln können. Macrogol, Natriumpicosulfat und Bisacodyl sind die Mittel erster Wahl. Bei diesen Medikamenten tritt keine Gewöhnung oder Abhängigkeit ein.

Empfehlungsgrad Medikamente
besonders empfohlen Macrogol

Natriumpicosulfat

Bisacodyl

empfohlen Lactulose

Antrachinone (besonders bei chronischer Verstopfung)

nicht empfohlen Magnesiumsalze

Bittersalz

Glaubersalz

Einläufe (nur in akuten Situationen)

Tab. 1. Medikamente gegen Verstopfung mit Empfehlungsgrad


Wichtig

Vor dem Einsatz von Laxantien sollte man versuchen, die Verdauung auf natürlichem Wege anzuregen. Dabei spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle, wie am Ende des Artikels genauer erklärt wird.


1. Macrogole

Macrogole (zum Beispiel Dulcolax M Balance, Movicol, Movicol Junior, Isomol) sind osmotisch wirksame Laxantien. Das bedeutet, dass sie im Darm Wasser binden und so den Stuhl geschmeidiger machen. In seltenen Fällen treten Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen oder Blähungen auf. In der Regel kommt es nicht zu Veränderungen des Salzhaushaltes des Körpers, so dass man sie ohne zeitliche Begrenzung einnehmen kann. Häufig setzt man die Mittel vor Darmspiegelungen ein. Wichtig bei der Anwendung von Macrogolen ist, dass sie mit viel Flüssigkeit eingenommen werden.

2. Natriumpicosulfat

Natriumpicosulfat kommt als Wirkstoff unter anderem in Laxoberal und Agiolax Pico vor. Natriumpicosulfat ist ein Abkömmling des Bisacodyl, das zum Beispiel in Dulcolax und Bekunis enthalten ist. Sowohl Natriumpicosulfat als auch Bisacodyl sind stimulatorisch wirkende Laxantien. Sie steigern die Flüssigkeitsausscheidung im Darm, hemmen die Aufnahme von Flüssigkeit aus dem Darm und regen die Darmbewegung an.

Als Nebenwirkung können Bauchschmerzen auftreten. Die Wirkung setzt nach sechs bis acht Stunden ein. Dementsprechend sollte eine Einnahme am besten vor dem Schlafengehen erfolgen. Auch bei der Anwendung von Bisacodyl und Natriumpicosulfat sollte man unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Veränderungen im Salzhaushalt sind bei alleiniger Einnahme nicht zu befürchten. Bei gleichzeitiger Anwendung anderer Medikamente, die die Ausscheidung von Kalium begünstigen, kann diese Wirkung jedoch verstärkt werden. Ein Gewöhnungseffekt tritt nur äußerst selten auf.

3. Antrachinone

Antrachinone wendet man vor allem bei dauerhafter (chronischer) Obstipation an. Die Stoffe finden sich beispielsweise in Sennesblättern oder -früchten (zum Beispiel Alasenn, Midro Abführtabletten). Antrachinone können auch in Form von Abführtee eingenommen werden, beispielsweise als Bekunis oder Midro Tee. Des Weiteren sind sie in Aloe oder Rhabarberwurzel enthalten. Antrachinone sind Mittel zweiter Wahl bei Verstopfung. Als Nebenwirkung können Bauchschmerzen auftreten. Sie regen die Darmbewegung an und machen den Stuhl geschmeidiger. Die Wirkung tritt nach acht bis zehn Stunden auf. Eine Gewöhnung findet bei den Stoffen nur sehr selten statt.

4. Lactulose

Lactulose (zum Beispiel enthalten in Bifiteral oder Lactulose Hexal) wird ebenfalls bei chronischer Obstipation eingesetzt. Lactulose kann im Darm nicht aufgenommen werden und wird dort von Bakterien in Milchsäure gespalten. Diese bindet wiederum Wasser und macht den Stuhl weicher. Bei der Umsetzung der Lactulose zu Milchsäure und Acetat entstehen jedoch Gase, welche zu Blähungen führen können.

5. Salinische Laxantien

Salinische Laxantien wie Magnesiumsalz, Bittersalz (zum Beispiel F.X. Passage SL) oder Glaubersalz beziehungsweise Natriumsulfat wurden früher recht häufig eingesetzt. Aktuellen Erkenntnissen zufolge sind sie aber nicht zu empfehlen. Diese Laxantien wirken osmotisch, ziehen Wasser in den Darm und verhindern so das Eindicken des Stuhles. Bei Überdosierung kann es allerdings zu Problemen wie Vergiftung, einem Darmverschluss oder Nierenversagen kommen. Daher werden sie heute nur noch selten eingesetzt.

6. Zäpfchen

Bisacodyl-Zäpfchen oder Kohlenstoffdioxid(CO2)-freisetzende Zäpfchen kann man rektal angewenden, um die Darmentleerung zu fördern. Besonders hilfreich sind Zäpfchen, wenn die Verstopfung durch eine Entleerungsstörung des Enddarms bedingt ist. Das kann beispielsweise aufgrund von Schmerzen beim Stuhlgang durch Hämorrhoiden der Fall sein.

7. Einläufe

Einläufe enthalten unter anderem Lactulose oder Natriumphosphat. Einläufe sollten nicht dauerhaft eingesetzt werden, denn eine regelmäßige Anwendung kann zu einem Ungleichgewicht der Blutsalze (Elektrolytstörungen) führen. Im Falle einer akuten Verstopfung sind Einläufe aber eine sinnvolle Therapie. So kann zum Beispiel das effektiv wirkende Natriumhydrogenphosphat als Einlauf schnell Abhilfe verschaffen.

Welche Medikamente darf man in der Schwangerschaft gegen Verstopfung einnehmen?

Das Mittel erster Wahl in der Schwangerschaft ist Lactulose. Daneben können Schwangere auch Macrogol einsetzen. Wenn keines der beiden Mittel ausreichend wirkt, sind die Substanzen Bisacodyl oder Natriumpicosulfat weitere Optionen.

Antrachinon-Verbindungen wie sie in Senna, Rhabarberwurzel oder Aloe enthalten sind sollten in der Schwangerschaft nicht zum Einsatz kommen. Ebenso sind Bittersalze nicht geeignet. Es sollte immer eine Beratung durch einen Arzt oder Apotheker erfolgen.

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Wie kann man eine Verstopfung natürlich behandeln?

Bevor Medikamente eingesetzt werden, sollte man versuchen die Verstopfung auf natürlichem Weg zu bekämpfen. Bei der Anwendung von Medikamenten sollte man sich vorher von einem Arzt oder Apotheker beraten lassen. Das gilt insbesondere dann, wenn weitere Erkrankungen bestehen oder schon andere Medikamente eingenommen werden.

Allgemeine Verhaltensregeln

Es ist wichtig ausreichend zu trinken: Ein Flüssigkeitsmangel kann den Stuhl hart machen und die Stuhlmenge verringern. Empfohlen werden eineinhalb bis zwei Liter Wasser täglich. Bestimmte Nahrungs- und Genussmittel wie Bitterschokolade oder Rotwein machen eventuell den Stuhl fester und können so Verstopfungen begünstigen.

Unterdrückt man den Stuhldrang aus Zeitnot, Stress oder Ekel, wird eine Verstopfung zusätzlich gefördert. Auch ein Bewegungsmangel wirkt sich negativ auf den Stuhlgang aus: Insbesondere ältere, bettlägerige Menschen leiden unter Verstopfungen. Um die Darmtätigkeit wieder anzuregen, kann eine Massage des Bauches hilfreich sein.

Vermeiden von Medikamenten, die Verstopfung verursachen können

Ein weiterer Auslöser von Verstopfung sind verschiedene Medikamente. Bestimmte Schmerzmittel (Opiate), entwässernde Substanzen (Diuretika) sowie Antidepressiva können eine Verstopfung verursachen. Wenn man unter Verstopfung leidet und solche Medikamente einnimmt, sollte man den behandelnden Arzt darauf ansprechen, damit gegebenenfalls alternative Medikamente verwendet werden oder aber die Verstopfung behandelt wird.

Ballaststoffe

Eine ballaststoffarme Ernährung ist häufig Grund für Verstopfungen. Um dem vorzubeugen, sollte man über 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag zu sich nehmen. Zu den ballaststoffreichen Lebensmitteln zählen unter anderem Vollkornprodukte, Obst und Gemüse. Die Ernährung sollte zudem wenig ballaststoffarme Lebensmittel wie Weißbrot, Fleisch oder Fisch enthalten. Eine medikamentöse Therapie ist in der Regel nicht dafür geeignet ist, Verstopfungen dauerhaft zu behandeln. Eine Ernährungsumstellung kann dagegen Verstopfungen dauerhaft und natürlich verhindern. Wir empfehlen die Ernährungs- und Symptomtagebuch-App Cara Care. Die kostenlose Darmgesundheits-App kannst Du hier herunterladen und dir fachliche Unterstützung von unseren Experten sichern.

Es gibt verschiedene natürliche Ballaststoffe, die man der Nahrung zusetzen kann. Weizenkleie, Indische Flohsamenschalen oder Leinsamen kann man beispielsweise ins Müsli einrühren. Sie wirken dadurch, dass sie im Darm aufquellen, die Darmwand dehnen und darüber die Darmbewegungen stimulieren. Daher ist es besonders wichtig, bei der Einnahme auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten. Allerdings kann eine ergänzende Ballaststoffzufuhr auch zu Beschwerden wie Bauchschmerzen und Blähungen führen.

Herold, Gerd: Innere Medizin, 2018

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. AWMF – Leitlinien. Langfassung der Leitlinie. Chronische Obstipation bei Erwachsenen. Registernummer 021/019. Online abgerufen am 18.3.2018 unter http://www.awmf.org/uploads/txszleitlinien/021-019lS2kChronischeObstipation_2013-06-abgelaufen.pdf

Karow, Thomas / Lang-Roth, Ruth: Pharmakologie und Toxikologie 2018, 26. Auflage.

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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