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Blähungen – Was hilft gegen einen Blähbauch?

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Viele sprechen von Blähungen, wenn sie das Gefühl vermehrter Luftansammlung im Bauch haben. Etwa jeder dritte Erwachsene ist davon betroffen. In dem Zusammenhang kommt es auch zum Blähbauch (Meteorismus) − einer vermehrten Gasansammlung im Darm. Doch es gibt einen Unterschied zwischen Blähungen und dem Blähbauch. Dieser Artikel beschreibt Ursachen von Blähungen und vom Blähbauch und zeigt Möglichkeiten zur Behandlung auf.


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Wann spricht man von Blähungen und wann vom Blähbauch?

Durch Ansammlungen von Gasen im Darm haben viele Betroffene ein Spannungsgefühl im Bauch. Der daraus resultierende Blähbauch (Meteorismus) mit erhöhter Spannung der Bauchwand wird als abdominelle Distension bezeichnet. Bei Blähungen gehen häufig Darm-Gase über den Enddarm (Rektum) ab. Meteorismus und Flatulenz können auch unabhängig voneinander auftreten.

Wie viele Blähungen sind normal?

Die durchschnittlich durch Darmwinde (Flatus) ausgeschiedene Menge an Gas schwankt stark. Im Durchschnitt gibt jeder Mensch 705 Milliliter Gas pro Tag in Form von Flatus ab. Diese Menge schwankt zwischen 0,5 und 1,5 Liter und hängt insbesondere von der Ernährung ab.

Bei gesunden Menschen, die sich ausgewogen ernähren, stellen Blähungen meist kein Problem dar. Durchschnittlich kommt es unter diesen Bedingungen zur Abgabe von etwa zehn bis 20 Darmwinden pro Tag. Dies kann sich steigern, wenn die Ernährung reich an Mehrfachzuckern ist. Diese als FODMAP (fermentierbare** Oligo-, Di-, **Monosaccharide und (englisch and) Polyole) bezeichnete Gruppe von Lebensmitteln kann nur teilweise resorbiert werden und wird deswegen durch Darmbakterien vergoren. Dabei entstehen Gase. Ein FODMAP-reiches Gericht kann die Gasproduktion im Darm erheblich steigern. FODMAP-reich ist zum Beispiel eine Mahlzeit, die zur Hälfte aus Bohnen besteht. Solche Speisen können die Gasproduktion beispielsweise von 15 Millilitern auf 180 Milliliter pro Stunde erhöhen.

Ab wann spricht man von funktionellen Blähungen?

Blähungen (Flatulenzen) sind das häufigste Symptom funktioneller Darmerkrankungen. Für die Diagnose funktioneller Blähungen müssen folgende Kriterien vorliegen (Rome-III-Kriterien):

  • Gefühl von Blähungen oder von außen sichtbare Aufblähung (Distension) des Bauches für mindestens drei Tage pro Monat während der letzten drei Monate
  • mit den Blähungen verbundene Symptome erfüllen nicht die Kriterien eines Reizdarmsyndroms (ansonsten würden die Blähungen als Ausdruck des Reizdarmsyndroms gelten) oder die Kriterien anderer funktioneller Darmerkrankungen
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Was sind mögliche Ursachen von zu viel Luft im Bauch?

Vermehrte Gasansammlungen im Bauch haben zwei Hauptursachen. Einerseits kann eine erhöhte Produktion von Gasen durch Bakterien der Grund sein. Gerade die bakterielle Gärung (Fermentation) von FODMAPs erhöht die Produktion von Wasserstoff im Darm, was Blähungen fördert. Außerdem wird durch Bakterien das Gas Methan gebildet. Andererseits kann auch ein verminderter Gasaustausch eine Rolle spielen. Das im Darm durch Bakterien produzierte Gas kann zum Teil wieder durch die Darmwand ins Blut abtransportiert werden. So vermindern sich Blähungen durch Diffusion (die Abgabe von Gasen aus dem Darm an das Blut). Durch die Diffusion wird ein großer Teil der Darmgase letztlich einfach wieder abgeatmet. Unter bestimmten Umständen kann der Mechanismus vermindert sein und Blähungen sind die Folge.

Früher wurde außerdem angenommen, dass das Verschlucken von Luft (Aerophagie) einen Hauptgrund für vermehrte Luftansammlungen im Bauch darstellt. Inzwischen wird dies jedoch nur nach als allenfalls untergeordnete Ursache angesehen.

Welche Krankheiten verursachen einen Blähbauch?

Funktionelle Darmerkrankungen führen häufig zu einem Blähbauch. So gehört er beispielsweise zu den Symptomen des Reizdarmsyndroms und des Reizmagens (funktionelle Dyspepsie). Beim Reizdarmsyndrom vermutet man, dass vor allem eine Veränderung der Darmflora zu verstärkten Blähungen führt. Bei der Darmflora handelt es sich um im Darm lebenden Mikroorganismen wie Bakterien.

Außerdem können auch folgende Erkrankungen zu Blähungen führen:

Wie viel Gas ist im Darm enthalten?

Experten haben durch verschiedene Messmethoden die Menge an Gasen in Dünn- und Dickdarm von Menschen mit und ohne Blähungsbeschwerden gemessen. Die Versuchsteilnehmer hatten noch keine Nahrung aufgenommen. Im Durchschnitt waren 200 Milliliter Gas im Darm enthalten ist. Mediziner sprechen hierbei vom Darm-Gas-Volumen.

Obwohl manche Personen das Gefühl hatten, zu viel Luft im Bauch zu haben, konnte keine größere Gas-Menge im Darm festgestellt werden. Wie entsteht also das Gefühl von Luft im Bauch? Vermutlich liegt eine erhöhte Empfindlichkeit des Darms (viszerale Hypersensitivität) vor.

Woher kommt der Geruch von Blähungen?

Der Geruch von Blähungen und Stuhl wird hauptsächlich durch bakterielle Gärung verursacht. Bei der Vergärung bestimmter Nahrungsmittel wie zum Beispiel Kohl kommt es zur Bildung des Gases Schwefelwasserstoff (H2S). Dieses Gas wird mit anderen schwefelhaltigen Verbindungen hauptsächlich für den Geruch von Blähungen verantwortlich gemacht.

Welche Untersuchungen erfolgen bei Blähungen?

Blähungen können auf verschiedene Ursachen hinweisen. Meistens sind sie vollkommen harmlos. Schon eine kleine Umstellung des Lebensstils kann die Beschwerden lindern. Belastet der Blähbauch jedoch dauerhaft, schränkt das die Lebensqualität ein. In solchen Fällen sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Der Arzt untersucht, ob möglicherweise eine Erkrankungen die Blähungen auslöst. Zudem folgt im Anschluss auf eine Diagnose die Behandlung.

Bei einem Blähbauch führt der Arzt je nach Beschwerden folgende Untersuchungen durch:

  • Anamnese (Fragen unter anderem bezüglich der Ernährungsgewohnheiten und des Stuhlgangs)
  • körperliche Untersuchung (mit Abhören, Abklopfen und Abtasten des Bauchs)
  • Blutuntersuchung (Glucose, Blutbild, Blutsenkungsgeschwindigkeit, Leberwerte und andere)
  • Wasserstoff-Atemtest (um eine Lactose-, Fructose- und/oder Sorbit-Intoleranz ausschließen zu können)
  • Ultraschall des Bauches (Sonographie)
  • **Ösophago-Gastro-Duodenoskopie **(ÖGD): eine Magenspiegelung, bei der auch die Speiseröhre (Ösophagus) und der Zwölffingerdarm (Duodenum) mit untersucht werden. Dabei können auch kleine Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden
  • Darmspiegelung (Koloskopie)
  • Enteroklysma nach Sellink (spezielle Röntgenaufnahme des Dünndarms)

Aus welchen Gase besteht die Luft im Bauch?

Das Gas im Dünn- und Dickdarm besteht zu 99 Prozent aus diesen fünf Gasen: Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und den Treibhausgasen Methan und Kohlenstoffdioxid. Hierbei schwankt, wie viel des jeweiligen Gases im Darm produziert wird. Bei starken Blähungen steigt der Anteil an Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid; der Stickstoff-Anteil sinkt dagegen.

Stickstoff (N2) 11 bis 92 Prozent
Sauerstoff (O2) 0 bis 11 Prozent
Kohlendioxid (CO2) 3 bis 54 Prozent
Wasserstoff (H2O) 0 bis 86 Prozent
Methan (CH4) 0 bis 56 Prozent

Was hilft gegen Blähungen?

Folgende Tipps helfen, Blähungen zu reduzieren:

  • Bewegung: körperliche Aktivität vermindert Luft im Bauch
  • unregelmäßiges Essen meiden: unregelmäßiges Essen (insbesondere nachts) und sehr große Portionen meiden
  • fermentierbare Kohlenhydrate und Zuckeralkohole meiden: eine Ernährung, die arm an FODMAPs (bspw. Hülsenfrüchte wie Bohnen), ist vermindert die Gasproduktion im Bauch
  • Ballaststoff-Überschuss vermeiden: ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte können Blähungen fördern
  • kohlensäurehaltige Getränke weglassen
  • langsam essen: bewusstes, langsames Essen vermindert die Aufnahme von überschüssiger Luft
  • kein Kauen von Kaugummi

Treten beim Reizdarmsyndrom Blähungen auf, können auch bestimmte Reizdarmmedikamente zum Einsatz kommen.

Welche Nahrungsmittel fördern Blähungen?

Bestimmte Lebensmittel, insbesondere FODMAP-haltige Lebensmittel, können Luft im Bauch fördern. Zu diesen Lebensmitteln gehören unter anderem:

  • Hülsenfrüchte (zum Beispiel Erbsen, Bohnen, Linsen)
  • Rosenkohl
  • Zwiebeln und Knoblauch
  • Weizenkleie
  • Rosinen
  • Pflaumen
  • Vollkornbrot

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Litschauer-Poursadrollah, M., El-Sayad, S., Wantke, F., Fellinger, C. and Jarisch, R., 2012. Bauchschmerzen, Blähbauch, Diarrhoe: Fruktosemalabsorption, Laktoseintoleranz oder Reizdarmsyndrom?. Wiener Medizinische Wochenschrift, 23(162), pp.506-512. Online: http://link.springer.com/article/10.1007/s10354-012-0158-0#/page-1, abgerufen am 10.04.2020

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite wir eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet. Lade die Cara Care-App jetzt kostenlos herunter.

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