Die Nebenwirkungen von Pantoprazol – Säureblocker mit unerwünschten Begleiterscheinungen

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Die Nebenwirkungen von Pantoprazol – Säureblocker mit unerwünschten Begleiterscheinungen

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol wirken effektiv gegen Sodbrennen, saures Aufstoßen und andere Beschwerden im Magen- und Darmbereich, wie beispielsweise Magengeschwüre. Kurzum entfalten sie ihre Wirkung gegen alles, das in Zusammenhang mit der unerwünschten Ausschüttung von Magensäure steht. Daher erfreut sich Pantoprazol auch als Magenschutz in Deutschland größter Beliebtheit und wird häufig eingesetzt. Doch der sofortigen Wirkung des beliebten Arzneimittels stehen Nebenwirkungen gegenüber, die nicht ignoriert, sondern vor allem hinsichtlich Einnahme und Dosierung berücksichtigt werden sollten.

Wie und wo wirkt Pantoprazol?

Pantoprazol wirkt direkt an der Magenschleimhaut. Dort blockiert es jene Transporter, die für die Ausschüttung der Magensäure zuständig sind. Auf diese Weise wirkt es sofort, direkt und effektiv gegen all jene Beschwerden, die in Zusammenhang mit der unerwünschten Ausschüttung von Magensäure stehen. Konkret hilft es bei Sodbrennen, saures Aufstoßen oder bei einer Entzündung der Speiseröhre (Refluxösophagitis), aber auch gegen Magengeschwüre. Mehr zur Wirkweise und Zusammensetzung von Pantoprazol gibt es hier nachzulesen.

Pantoprazol Anwendungsgebiete im Überblick


  • Refluxösophagitis (Refluxkrankheit mit Entzündung der Speiseröhre)
  • Zwölffingerdarm- und/oder Magengeschwür
  • Krankhaft erhöhte Magensäureproduktion: Zollinger-Ellison-Syndrom
  • Helicobacter pylori (in Kombination mit anderen Arzneimitteln)
  • als Magenschutz zur Komedikation bei Einsatz von Medikamenten, die den Magen angreifen (z.B. ASS)

Was passiert, wenn die Protonenpumpen gehemmt werden?

Pantoprazol hemmt die Protonenpumpen, die in den Belegzellen der Magenschleimhaut dafür zuständig sind, dass ausreichend Magensäure ausgeschüttet wird. Daher kommt der Name Protonenpumpenhemmer, oder auch Protonenpumpeninhibitoren (PPI). Die Ausschüttung von Magensäure ist ein notwendiger Prozess, um den Säuregehalt im Magen auszugleichen und eine mikrobielle Abwehr zu gewährleisten. Ohne Magensäure steigt dort der pH-Wert an, woraufhin die Nahrung nicht mehr ausreichend vorverdaut werden kann, bevor sie in den Darm weitertransportiert wird. Ein Problem, das vor allem bei einer langfristigen Einnahme von Pantoprazol zu einer Reihe von Nebenwirkungen führen kann. So können bei langfristiger Einnahme mitunter Infektionen im Magen-Darm-Trakt die Folge sein.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Pantoprazol 40 gehören

  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Blähungen
  • Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, allgemeine Schwäche, Schlafstörungen und Magnesiummangel
  • Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut wie Juckreiz oder Hautausschlag
  • Anstieg der Leberwerte

Wo kann ich Pantoprazol kaufen?

Erhältlich ist Pantoprazol in der Apotheke. Als Wirkstoff findet sich Pantoprazol in zahlreichen Arzneimitteln und unterschiedlichen Darreichungsformen. Je nach Dosierung ist Pantoprazol rezeptpflichtig. So sind Pantoprazol 20 mg Tabletten auch apothekenpflichtig, aber ohne Rezept erhältlich. Im Gegensatz dazu sind die höher dosierten Pantoprazol 40 mg rezeptpflichtig.

Wusstest du, dass


  • Pantoprazol das in Deutschland am häufigsten verschriebene Arzneimittel ist?
  • die langfristige Einnahme von Pantoprazol das Risiko für Osteoporose erhöhen kann?
  • Pantoprazol mitunter Sehstörungen bedingen kann?

Haben alle Säureblocker die gleichen Nebenwirkungen?

Während Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol im Allgemeinen als äußerst gut verträglich gelten, können sie dennoch zu Nebenwirkungen führen. Vor allem dann, wenn sie langfristig und/oder hoch dosiert eingenommen werden. Das ist bei Pantoprazol oftmals der Fall, da der Säureblocker häufig als magenschützende Ergänzung zu Schmerztabletten verabreicht wird. Die Nebenwirkungen einer langfristigen Einnahme äußern sich generell meist in Form von Kopfschmerzen, Unwohlsein, Übelkeit, Durchfall, Schwindel und ähnlichen Beschwerden. Pantoprazol zeigt darüber hinaus spezifische Nebenwirkungen wie Sehstörungen oder ein erhöhtes Osteoporose-Risiko. Einige Patienten berichten zudem von einer Gewichtszunahme oder dem Auftreten von Reizhusten.

Achtung bei langfristiger Einnahme von Pantoprazol


Wie Studien gezeigt haben, führt vor allem eine langfristige Einnahme von Pantoprazol zu unerwünschten Nebenwirkungen. Der Protonenpumpenhemmer verhindert demnach nämlich nicht nur die Ausschüttung von Magensäure, sondern blockiert auch die Aufnahme wichtiger Vitamine und Mineralstoffe wie B12 oder Kalzium, einem wichtigen Bestandteil des Knochenstoffwechsels.

Mit welchen spezifischen Nebenwirkungen von Pantoprazol muss ich rechnen?

Zu den spezifischen Nebenwirkungen von Pantoprazol gehören unter anderem Sehstörungen. Diese treten laut Studien bei 5 Prozent der Patienten auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Nebenwirkungen auftreten, steigt vor allem durch zu hohe Dosierung des Protonenpumpenhemmers. Letzteres gilt auch für die meisten der anderen spezifischen Nebenwirkungen von Pantoprazol.

Eine dauerhafte Hemmung der Protonenpumpen führt zudem zu einer Minderversorgung mit dem wichtigen Vitamin B12. In seiner Funktion als PPI blockiert Pantoprazol zudem die Aufnahme von Kalzium, wodurch Pantoprazol langfristig Nebenwirkungen wie Knochenschwund (Osteoporose) begünstigen kann. Bei älteren Patienten kann eine langfristige Einnahme von Pantoprazol, also auch eine geringere Dosierung über ein Jahr hinweg, zur Erhöhung des Risikos für Knochenbrüche (Frakturen) in Hüfte, Handgelenken oder auch der Wirbelsäule führen.

Wie lange und wie oft muss ich Pantoprazol einnehmen?

Die Dauer der Anwendung und die Höhe der Dosierung hängen vor allem von der Art und Stärke der Beschwerden ab. Aber vor allem eine langfristige Einnahme von Pantoprazol sollte mit einem Arzt abgeklärt werden.

Pantoprazol 40 mg Tabletten werden bei einem Zwölffingerdarmgeschwür beispielsweise zwei bis vier Wochen lang verabreicht. Ein Magengeschwür oder eine Refluxösophagitis verlangen etwa vier bis acht Wochen Behandlungszeit, während die Bekämpfung von Helicobacter-pylori-Bakterien rund ein bis zwei Wochen dauert.

Bei einer krankhaft erhöhten Ausschüttung von Magensäure, wie dies beim Zollinger-Ellison-Syndrom der Fall ist, sollte die Anwendungsdauer hingegen individuell von einem Arzt besprochen werden.

Kann ich Pantoprazol einfach ohne Nebenwirkungen wieder absetzen?

Ein plötzliches Absetzen von Pantoprazol führt vor allem nach langfristiger Einnahme zu Beschwerden. Grund dafür ist der sogenannte Rebound-Effekt, der häufig auftritt, sobald Pantoprazol abgesetzt wird. Dieser verstärkt zunächst die Symptome, die Pantoprazol eigentlich bekämpfen soll, da kurzfristig mehr Magensäure entsteht als zuvor. Diese Phase zu überstehen, ohne auf Pantoprazol zurückzugreifen, macht das Absetzen des wirksamen Arzneimittels für viele schwierig. Hier können mitunter alternative Heilmittel unterstützend wirken.

Gibt es wirksame Alternativen zu Pantoprazol?

Eine kurzfristige Einnahme von Pantoprazol ist durchaus sinnvoll, da der Wirkstoff effizient genau dort wirkt, wo er wirken soll und daher kaum zu akuten Nebenwirkungen führt. Eine langfristige Einnahme solltest du aber unbedingt mit einem Arzt absprechen und mit ihm gemeinsam nach Alternativen suchen.

Wer Pantoprazol absetzen möchte, wird mitunter im Pflanzenreich fündig. Natürliche Säureblocker wie etwa Leinsamentee können hier helfen. Wer Pantoprazol weiterhin einnehmen möchte, kann indes versuchen, auf eine andere Darreichungsform des Wirkstoffs umzusteigen. Denn Pantoprazol kann sich als Wirkstoff je nach Produktform unterschiedlich auswirken und ist in Tablettenform, als Granulat und Injektionspräparat erhältlich.

Doch auch abseits von Arzneimitteln, kann der übermäßigen Ausschüttung von Magensäure entgegengewirkt werden. So etwa mit ausreichend Bewegung und einer ballaststoffreichen und eiweißhaltigen Ernährung. So regt beispielsweise ein Leinsamentee vor jeder Mahlzeit den Verschlussmechanismus zwischen Magen und Speiseröhre an und verhindert somit den Rückfluss von Magensäure – das Hauptsymptom der Refluxkrankheit.

Wenn du Unterstützung bei deiner Ernährungsanpassung benötigst, stehen dir unsere zertifizierten Ernährungsberater an der Seite. Informiere dich in einem kostenlosen Erstgespräch, ob die Therapie für dich in Frage kommt. Sie ist auf deine speziellen Bedürfnisse zugeschnitten und wird von den meisten Krankenkassen großzügig bezuschusst.

Überblick über natürliche Alternativen zu Pantoprazol


  • Ernährungsumstellung: ballaststoffreiche, eiweißhaltige und bindende Lebensmittel
  • Viel Bewegung: Sport und Bewegung regt die Funktionalität von Magen und Darm an
  • Natürliche Heilmittel: Leinsamentee, Kaugummi kauen, Kartoffelsaft, etc

Cheer S.M., Prakash A., Faulds D., Lamb H.M. Pantoprazole: an update of its pharmacological properties and therapeutic use in the management of acid-related disorders. Drugs, 2003, 63(1), 101-33 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12487624

Sandig, C., Flechtenmacher, C., Stremmel, W., & Eisenbach, C. (2011). Pantoprazole induces severe acute hepatitis. Zeitschrift für Gastroenterologie49(02), 207-210. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21298607

Shirazi, M., Alimoradi, H., Kheirandish, Y., Etemad-Moghadam, S., Alaeddini, M., Meysamie, A. & Dehpour, A. R. (2014). Pantoprazole, a proton pump inhibitor, increases orthodontic tooth movement in rats. Iranian journal of basic medical sciences17(6), 448. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4137949/

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.