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Molevac − wie wirksam ist das Mittel gegen Madenwürmer?

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Die Vorstellung einer Infektion mit Madenwürmern (Oxyuren) ist zwar für viele ekelerregend. Doch der Verlauf ist meist harmlos und lediglich mit unangenehmen Symptomen verbunden. Durch Medikamente gegen Würmer (Anthelminthika) werden die Parasiten im Darm abgetötet und anschließend ausgeschieden. Zu den in der Apotheke frei verkäuflichen Mitteln gehört Molevac.


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Was ist Molevac?

Der Wirkstoff des Medikaments Molevac heißt Pyrviniumembonat. Schon im Jahr 1953 wurde die Wirkung dieses Stoffes gegen Madenwürmer entdeckt. Während andere Anthelminthika bei verschiedenen Wurm-Infektionen einsetzbar sind, ist Molevac spezifisch für die** Infektion mit Madenwürmern** geeignet.

Das Anthelminthikum Molevac greift direkt in den Entwicklungs-Zyklus der Würmer ein. Zunächst erfolgt die Aufnahme der Wurmeier durch den Mund. Die Larven schlüpfen im Dünndarm und wandern anschließend in den Dickdarm. Dort besteht ihr Leben aus Fressen und Vermehrung. Hierfür wandern die Weibchen aus dem Dickdarm in den Analbereich und legen Eier ab. Es kommt zu einem starken Jucken im Analbereich, dem Hauptsymptom der Wurm-Infektion.

Für Interessierte


Im Gegensatz zu anderen Wurm-Erkrankungen sind Menschen die einzigen Wirte der Madenwürmer. Die Übertragung erfolgt daher nicht durch Kontakt zu Tieren, sondern von Mensch zu Mensch. Eine Infektion wird in der Medizin auch als Oxyuriasis oder Enterobiasis bezeichnet.


Wie wirkt Molevac gegen Würmer?

Molevac wird über den Mund (oral) eingenommen. So gelangt der Wirkstoff Pyrviniumembonat mit der verdauten Nahrung in den Lebensraum der ausgewachsenen Würmer – unseren Dickdarm. Die dort angesiedelten Würmer ernähren sich hauptsächlich von Zucker, den wir mit der Nahrung aufnehmen. Er bietet die Grundlage für Wachstum und Vermehrung der Würmer. Die Wirkung von Pyrviniumembonat beruht darauf, dass es den Zucker-Stoffwechsel der Madenwürmer schädigt. Sobald sie ihr Hauptnahrungsmittel nicht mehr verwerten können, verhungern sie innerhalb weniger Tage.

Wie schnell wirkt Molevac?

In der Regel dauert es ein bis zwei Tage bis die Wirkung einsetzt und die ausgewachsenen Würmer absterben. Die Dauer ist von der Zeit abhängig, die das Medikament benötigt, um den Magen-Darm-Trakt komplett zu passieren. Erst wenn es in den unteren Abschnitt des Darms gelangt, tritt die Wirkung ein. Die typische Rot-Färbung des Stuhls zeigt an, dass Molevac am Wirkungsort angekommen ist.

Anschließend sollte nach Absprache mit dem behandelnden Arzt eine erneute Kontrolle erfolgen. Molevac wirkt nur gegen ausgewachsene Würmer. Ihre Eier können sich auch nach der ersten Behandlung noch im Körper befinden. Die Larven schlüpfen innerhalb der nächsten Wochen, daher ist möglicherweise eine erneute Behandlung nötig.

Die genaue Anzahl der Kontrollen und Behandlungen sowie die Abstände dazwischen sollte der Patient individuell mit dem behandelnden Arzt absprechen.

In welcher Form ist Molevac erhältlich?

Das Medikament gegen Würmer ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. In einer Packung sind acht Dragees enthalten. Als Dragees werden Tabletten bezeichnet, die mit einer Beschichtung überzogen sind, damit sie leichter heruntergeschluckt werden können. Als angenehmer Nebeneffekt wird der Geschmack des Wirkstoffes Pyrviniumembonat überdeckt.

Molevac kann man auch als Suspension kaufen. Dabei handelt es sich um eine dicke Flüssigkeit mit Kirsch-Aroma, in der die Wirkstoffe gelöst sind. Vor allem Kinder bevorzugen diese Art der Einnahme.

Wichtig


Auch wenn Molevac nicht rezeptpflichtig ist, solltest du beim Verdacht auf eine Oxyuriasis zunächst einen Arzt aufsuchen. Der Fachmann kann andere Ursachen für die Symptome ausschließen und die Infektion mit Madenwürmern diagnostizieren.


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Wie wird Molevac dosiert?

Das Medikament wird pro Behandlungszyklus einmal eingenommen. Hierfür wird es je nach Gewicht des Anwenders dosiert. Pro zehn Kilogramm Körpergewicht werden ein Dragee oder fünf ml Suspension eingenommen. Dementsprechend ergibt sich folgende Einnahme-Empfehlung:

  • 20 kg Körpergewicht: zwei Dragees oder 10 ml Suspension
  • 30 kg Körpergewicht: drei Dragees oder 15 ml Suspension
  • 40 kg Körpergewicht: vier Dragees oder 20 ml Suspension
  • 50 kg Körpergewicht: fünf Dragees oder 25 ml Suspension
  • 60 kg Körpergewicht: sechs Dragees oder 30 ml Suspension
  • 70 kg Körpergewicht: sieben Dragees oder 35 ml Suspension
  • 80 kg Körpergewicht: acht Dragees oder 40 ml Suspension

Insgesamt dürfen Patienten höchstens acht Dragees oder 40 ml Suspension einnehmen. Auch bei einem Gewicht von über 80 kg beschränkt sich die Anwendung auf acht Stück, da die Nebenwirkungen bei höheren Dosierungen stark zunehmen.

Falls das eigene Gewicht genau zwischen zwei Angaben liegt, kann man die niedrigere oder die höhere Menge wählen. Das Medikament darf nicht zerteilt werden.

Wie wird Molevac eingenommen?

Die Einnahme sollte möglichst auf leeren Magen erfolgen. Dabei ist darauf zu achten, die Dragees im Ganzen und mit reichlich Flüssigkeit zu schlucken. Ist eine größere Menge Dragees oder Suspension nötig? Dann kann ein Drittel der Menge vor dem Essen, ein Drittel während des Essens und ein Drittel nach dem Essen eingenommen werden.

Etwas Fruchtsaft verleiht der Suspension einen angenehmeren Geschmack. Dabei solltest du allerdings darauf achten, die Mischung gut zu rühren oder zu schütteln.

Welche Nebenwirkungen können bei der Einnahme auftreten?

In seltenen Fällen kann es durch den Wirkstoff zu diesen Nebenwirkungen kommen:

Weitere mögliche Nebenwirkungen, die jedoch sehr selten auftreten, sind Kopfschmerzen, Schwindel, Atembeschwerden und Entzündungen der Mundschleimhaut. Des Weiteren ist eine allergische Reaktion auf den Wirkstoff Pyrviniumembonat möglich.

Warum kommt es bei der Einnahme zu rotem Stuhl?

Kurz nach Verabreichung von Molevac, kann sich der Stuhl hellrot färben. Die Färbung ist nicht gesundheitsgefährdend. Allerdings kann sie aus Textilien nicht mehr ausgewaschen werden. Pyrviniumembonat hat eine kräftige rot bis orangene Farbe, die in den Stuhl übergeht. Sie zeigt an, dass der Wirkstoff den Magen-Darm-Trakt passiert hat.

Die Rot-Färbung bildet sich typischerweise am Tag der Behandlung. Sie lässt allerdings keinen Rückschluss darauf zu, ob Molevac wie erwartet wirkt. Ein roter Stuhl kann auftreten, ohne dass Molevac die gewünschte Wirkung zeigt. Allerdings kann die Rot-Färbung auch ausbleiben und die Würmer sind dennoch erfolgreich bekämpft.

Für wen ist Molevac geeignet?

Da sich Kinder am häufigsten mit dem Madenwurm infizieren, ist die Suspension mit Kirscharoma besonders auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet. Sie ist für Kinder ab einem Jahr zugelassen. Die Dragees sind für Kinder ab drei Jahren geeignet.

Ob die Anwendung in der Schwangerschaft dem ungeborenen Baby schaden kann, ist unklar. Bisher gab es nur wenige Studien, die diese Frage untersucht haben. Daher sollte Molevac nur in enger Absprache mit einem Arzt während der Schwangerschaft eingenommen werden. Gleiches gilt für die Einnahme während der Stillzeit.

Diabetiker sollten beachten, dass die Suspension Kohlenhydrate enthält. Dabei entsprechen 5 ml 0,10 BE. Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Leber- oder Nierenschäden dürfen sowohl die Suspension, als auch die Dragees nicht einnehmen.

Durch welche Maßnahmen kann ich die Behandlung mit Molevac unterstützen?

Viele Patienten leiden unter einem wiederkehrenden (rezidivierenden) Wurmbefall. Medikamente wie Molevac oder Helmex scheinen wirkungslos zu sein. Allerdings führt meist ein falsches Hygiene-Verhalten während der Behandlung zu einer erneuten Infektion.

Die weiblichen Madenwürmer legen ihre Eier kurz vor dem Analbereich ab. Daher können sie leicht an der Unterwäsche und der Bettwäsche haften bleiben und zu einem erneuten Befall führen. Um dem entgegenzuwirken, sind besondere Hygiene-Maßnahmen erforderlich:

  • So wenig wie möglich im Analbereich kratzen, damit die Eier nicht unter den Fingernägeln kleben bleiben.
  • Die Fingernägel möglichst kurz schneiden.
  • Nach jedem Gang zur Toilette die Hände waschen, damit die Eier nicht an den Fingern haften bleiben.
  • Den Analbereich mehrmals täglich feucht reinigen, jedoch ohne die empfindliche Haut mit Seife zu reizen.
  • Alle Bereiche, in denen sich infizierte Personen aufgehalten haben, mit einem feuchten Tuch reinigen − Desinfektionsmittel sind gegen die Eier von Madenwürmern wirkungslos.
  • Infizierte Personen sollten nur ihre eigenen Handtücher und Bettwäsche benutzen.
  • Falls Molevac am Abend eingenommen wird, sollten Handtücher, Bettwäsche und die Unterwäsche am nächsten Morgen bei mindestens 60° C gewaschen werden.
  • Falls Molevac am Morgen eingenommen wird, sollte man Handtücher, Bettwäsche und die Unterwäsche noch am selben Tag wechseln.

Die Maßnahmen sollten bestenfalls bis zum nächsten Einnahmezyklus von Molevac erfolgen. Denn die Eier können auch außerhalb des Körpers für mehrere Wochen überleben. Bei einem vorzeitigen Abbruch der Hygienemaßnahmen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Infektion (Rezidivs).

Welche alternativen Mittel gibt es?

Für die Behandlung der Oxyuriasis beim Menschen eignen sich verschiedene Wirkstoffe und Präparate. Empfohlen wird derzeit die Behandlung mit Mebendazol (Vermox, Surfend) oder Albendazol (Eskazole).

Allerdings sind beide Mittel nicht für die Behandlung bei Kindern zugelassen. Mebendazole dürfen keinesfalls während einer Schwangerschaft eingenommen werden. Für Kinder ab einem Jahr ist Pyrvinium (Molevac, Pyrcon) das Mittel der Wahl. Kinder ab sechs Monaten können die Eltern auch Pyrantel (Helmex) verabreichen.

St Georgiev V. Chemotherapy of enterobiasis (oxyuriasis). Expert Opin Pharmacother. 2001;2(2):267-275. doi:10.1517/14656566.2.2.267

Desai AS. Single-dose treatment of oxyuriasis with pyrvinium embonate. Br Med J. 1962;2(5319):1583-1585. doi:10.1136/bmj.2.5319.1583 Rote Liste. Molevac. Online abgerufen am 18.03.2020 unter: https://www.rote-liste.de/suche/molevac Hüttemann D. Da steckt der Wurm drin. Pharmazeutische Zeitung. Ausgabe 21/2015. Online abgerufen am 18.03.2020 unter: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-212015/da-steckt-der-wurm-drin/

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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