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CED – chronisch-entzündliche Darmerkrankung

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Die Abkürzung „CED” steht für „chronisch-entzündliche Darmerkrankung”. Darunter sind unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst. Die Symptome kehren in der Regel immer wieder, daher wird von chronischen Krankheiten gesprochen. Alle Erkrankungen dieser Form betreffen den Darm und können mit ähnlichen Symptome einhergehen. Nicht immer ist nur der Darm betroffen, es können auch andere Beschwerden auftreten. In Deutschland sind viele Menschen von einer CED betroffen.


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Welche Erkrankungen zählen zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen?

Als chronisch-entzündliche Darmerkrankungen fasst man die beiden Erkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zusammen. Kann eine Entzündung im Dickdarm nicht klar einer dieser beiden Erkrankungen zugeordnet werden, spricht man von einer unklassifizierten CED (CED-U) oder Colitis indeterminata. Sowohl bei Colitis ulcerosa als auch bei Morbus Crohn liegt eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut vor, aber der genaue Ort der Entzündung (medizinisch: die Lokalisation) und das Verteilungsmuster unterscheiden sich bei den beiden Erkrankungen. Bei den chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten handelt es sich nicht um ansteckende Erkrankungen.

Welche Beschwerden treten bei CED auf?

Chronische oder schubförmig auftretende Durchfälle können ein Hinweis auf eine CED sein. Bei Colitis ulcerosa treten häufig blutig-schleimige Durchfälle auf. Diese sind bei Morbus Crohn selten. Bei Morbus Crohn sind die Durchfälle jedoch häufig von starken Bauchschmerzen begleitet. In manchen Fällen kann auch Verstopfung im Wechsel mit Durchfällen auftreten.

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Wie häufig sind CED?

Laut einer Schätzung von 2013 waren zu diesem Zeitpunkt etwa 0,3 Prozent der europäischen Bevölkerung von einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung betroffen. Das entspricht etwa 2,5 bis 3 Millionen Menschen. Dabei nehmen die Zahlen der Neuerkrankungen in den westlichen Industrienationen stetig zu. Auch wenn die genauen Entstehungsfaktoren noch unklar sind, wird die CED daher als Zivilisationskrankheit gesehen. Unter diesem Begriff werden Krankheiten verstanden, die im Zusammenhang mit dem Lebensstil in den Industrienationen stehen.

Was tun bei Verdacht auf CED?

Selten beginnt eine CED mit einem akuten Schub, also einer Phase mit starken Beschwerden. In der Regel ist der Beginn schleichend. Anhaltende oder immer wiederkehrende (chronische) Durchfallerkrankungen sollten in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden.

Verschiedene Untersuchungen werden durchgeführt, um eine CED auszuschließen oder zu bestätigen. Die ersten Schritte können beim Hausarzt erfolgen. Hat dieser dann weiterhin den Verdacht auf eine CED, überweist er den Betroffenen an einen Gastroenterologen. Bei Kindern sollten diese Untersuchungen in einem spezialisierten Zentrum mit ausgebildeten Kinder-Gastroenterologen erfolgen, da sich der Stoffwechsel eines Kindes von dem eines Erwachsenen unterscheidet.

  1. Untersuchung beim Hausarzt:
  2. ausführliche Befragung zur Krankengeschichte (Anamnese)
  3. körperliche Untersuchung
  4. Laboruntersuchung: Entzündungsmarker im Blut und Stuhl zum Ausschluss von Infektionen
  5. Untersuchung beim Gastroenterologen:
  6. Untersuchung des Darms mittels Kamera von innen (Endoskopie)
  7. Gewebeentnahme der Darmschleimhaut für Gewebeuntersuchung (Biopsie) aus dem Endstück des Dünndarms (Ileum), des Dickdarms (Kolon) und des Mastdarms (Rektum)
  8. bildgebende Untersuchung des Dünndarms: Ultraschall (Sonografie), Röntgen, ggf. Magnetresonanztomografie (MRT)

Es gibt viele Ursachen für Durchfallbeschwerden. Neben Nahrungsmittelintoleranzen, Allergien oder akuten Magen-Darm-Infekten kann ein Reizdarmsyndrom oder auch eine CED vorliegen. Daher ist eine umfassende Untersuchung (Diagnostik) bei einem auf Magen und Darm spezialisierten Arzt (Gastroenterologen) bei anhaltenden Beschwerden sinnvoll.

Können auch Kinder an einer CED erkranken?

Am häufigsten tritt Morbus Crohn zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr auf. Colitis ulcerosa tritt meist zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr auf. Man kann aber dennoch auch schon im Kleinkindesalter eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung entwickeln. Die Erkrankungshäufigkeit von Kindern unter dem zehnten Lebensjahr nimmt sogar zu.

Wann sollte ein Kind auf eine CED untersucht werden?

Bei Verdacht auf eine CED sollten Kindern und Jugendliche ärztlich untersucht werden. Ein Anhaltspunkt ist hier, wenn der Betroffene vier Wochen lang am Stück oder mehrmals im Laufe von sechs Monaten (mehr als zwei Episoden) über die folgenden Beschwerden klagt.

Symptome, die auf eine CED (bei Kindern) hindeuten:

  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Gewichtsverlust
  • Unterernährung (Malnutrition)
  • Appetitmangel
  • Blut im Stuhlgang (rektaler Blutabgang)
  • Müdigkeit und Blässe durch Blutarmut, zum Beispiel bei Eisenmangel
  • Abnahme der Leistungsfähigkeit (Leistungsknick)
  • Fieber
  • verzögertes Einsetzen der Pubertät
  • Fissuren (Einrisse) und Fisteln (röhrenartige Verbindungen zu anderen Organen oder an die Körperoberfläche) im Analbereich

Die genannten Symptome treten insbesondere bei Morbus Crohn auf. Colitis ulcerosa zeigt sich häufig nur durch blutige Durchfälle.


Achtung!

Nur circa ein Viertel der an CED erkrankten Kinder zeigt die klassischen Symptome mit Bauchschmerzen, Durchfall und Gewichtsverlust.


Was verursacht CEDs?

Die Ursache von CEDs ist momentan noch nicht bekannt. Allerdings haben Verwandte ersten Grades (also Kinder oder Eltern) von CED-Betroffenen ein vier- bis achtfach erhöhtes Risiko, ebenfalls an einer CED zu erkranken. Bei Morbus Crohn wurden bereits einige veränderte (mutierte) Gene identifiziert.

Es liegt also eine sogenannte familiäre Disposition vor. Experten nehmen an, dass durch diese Genmutationen (zum Beispiel des NOD2-Gens) das Immunsystem nicht effektiv gegen eingedrungene Bakterien ankämpfen kann. Dadurch können die Bakterien im Darm verweilen und in die Darmwand eindringen. Ist dies der Fall, kommt es wiederum zu einer übersteigerten Immunreaktion und die Darmschleimhaut entzündet sich stark. Der Bauch schmerzt und es kommt zu Durchfällen.

Im Verlauf der CED können sich durch die überschießende Entzündungsreaktion Eiteransammlungen (Abszesse) und Fisteln bilden. Langfristig ist bei einer CED das Risiko für krankhafte Gefäßablagerungen (Arteriosklerose) und Ereignisse im Bereich der Arterien erhöht. Als Ursache wird die chronische systemische Entzündung vermutet.


Rauchen ist bekanntermaßen ungesund und erhöht das Risiko für Erkrankungen der Lunge, des Herz-Kreislauf-Systems und für verschiedene Krebsarten. Auch bei Morbus Crohn ist Rauchen ein Risikofaktor und führt zu einem schwereren Krankheitsverlauf. Bei Colitis ulcerosa hingegen gilt Nikotin als schützender (protektiver) Faktor. Allerdings leiden auch Colitis ulcerosa-Patienten unter tabakabhängigen Erkrankungen wie Herz- und Gefäßerkrankungen oder Krebs.


Ist nur der Darm betroffen?

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können auch außerhalb des Darms zu Entzündungen und Beschwerden führen. Diese sogenannten extraintestinalen Symptome sind bei CED vielseitig und häufig. Kommt es im Rahmen einer CED zu schmerzhaften Gelenkentzündungen, bezeichnet man diese als enteropathische Arthritiden (EA). Man unterscheidet zwei Typen:

Typ 1

  • tritt akut im Schub auf und betrifft häufig das Kniegelenk
  • bei neunzig Prozent verschwinden die Beschwerden innerhalb von sechs Monaten von selbst (Spontanremission)

Typ 2

  • eher chronischer Verlauf mit häufigen Rückfällen
  • mehrere Fingergrundgelenke sind von der schmerzhaften Entzündung betroffen

Neben den Gelenken finden sich extraintestinale Symptome der CED vor allem an der Haut, den Augen und dem Gallengangssystem.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei CED?

Welche Rolle die Ernährung bei der Entstehung und Therapie der CED spielt, wird kontrovers diskutiert. Fest steht, dass das Risiko für Mangelernährung bei CED-Patienten erhöht ist und diese die Prognose verschlechtert. Daher sollte einer Mangelernährung immer entgegengewirkt werden.

Neben einer spezifischen Ernährungsberatung können im Bedarfsfall auch Supplemente von Mikronährstoffen eingesetzt werden (Kalzium, Vitamin D, Folsäure, Vitamin B12, Eisen und Zink). Der Einsatz von Probiotika (Präparate mit gesundheitsförderlichen Bakterienkulturen) kann bei Colitis ulcerosa während der Remissionsphase (Phase mit keiner oder geringer Krankheitsaktivität) unterstützend wirken.

Bei Morbus Crohn scheint hingegen kein zusätzlicher positiver Effekt aufzutreten. Da bei CED-Betroffenen gehäuft Unverträglichkeiten gegen bestimmte Nahrungsmittel vorliegen, sollten diese abgeklärt werden. Sie können die Beschwerden nämlich mit verursachen und verschlimmern. Da der Einfluss von Ernährungsgewohnheiten auf die CED noch nicht ausreichend geklärt ist, gibt es keine besonderen Ernährungsempfehlungen.

Generell gilt jedoch: Im akuten Schub sollte die Ernährung besonders darmschonend und deshalb möglichst ballaststoffarm sein. In der symptomfreien Phase gehören Quellstoffe wie zum Beispiel Flohsamen auf den Speiseplan. Dann können sich Betroffene auch wieder ballaststoffreicher ernähren. Dennoch sollten sie auch dann auf schlecht verträgliche Lebensmittel verzichten.

Was tun, wenn man eine Nahrungsmittel-Intoleranz vermutet?

Bei CED-Patienten ist die Verträglichkeit verschiedener Lebensmittel sehr individuell. Welche Nahrungsmittel und Zubereitungsformen Beschwerden hervorrufen, kann man über ein Ernährungs- und Symptom-Tagebuch herausfinden. Hierbei werden täglich die eingenommenen Lebensmittel und die Symptome vermerkt, so dass man mit der Zeit Muster und Zusammenhänge zwischen bestimmter Nahrung und den Beschwerden ermitteln kann.

Wie werden CED therapiert?

Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können heutzutage noch nicht geheilt werden. Ausnahme ist die chirurgische Entfernung des Dickdarms bei Colitis ulcerosa, wenn es keine alternative Behandlung mehr gibt. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass es sich um eine große Operation handelt. Außerdem kann die Entfernung des Dickdarms erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen.

Die medikamentöse Therapie zielt bei beiden Krankheiten im Schub auf eine Minderung der Entzündungsaktivität ab. Sie richtet sich nach der Schwere der Entzündungsreaktion. In der beschwerdefreien Phase (Remission) versucht man, diese medikamentös zu stabilisieren. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern und die Darmfunktion zu erhalten.

Einmal erkrankt, begleitet die CED die Betroffenen ein Leben lang. Doch durch den schubförmigen Verlauf und die medikamentöse Therapie können die Auswirkungen sehr unterschiedlich sein.

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Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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