Movicol – sanfte Hilfe bei Verstopfung

Behandlung > Medikamente

Movicol – sanfte Hilfe bei Verstopfung

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Abhilfe bei Verstopfungen schafft das schonende Abführmittel Movicol. Der Wirkstoff Macrogol weicht den Stuhl auf und erhöht das Stuhlvolumen – die entstehenden Reize der Darmwand setzen die Darmbewegung in Gang und verschaffen Erleichterung, ohne den Organismus zu belasten. Das rezeptfreie Produkt gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Schoko oder Orange, aber auch aromafrei zu kaufen – vorproportionierte Beutel erlauben es, Movicol schnell einzunehmen und einfach zu dosieren.

Was sind die Folgen einer Verstopfung?

Verstopfungen sind unangenehm. Typische Symptome sind ein harter Stuhlgang, der weniger als dreimal die Woche erfolgt, kleines Stuhlvolumen sowie Schmerzen und erforderliches starkes Pressen beim Stuhlgang. Daneben treten meist auch Völlegefühl und Bauschmerzen sowie Übelkeit und Sodbrennen auf. Verdauungsprobleme belasten, weil Schadstoffe länger als üblich im Körper bleiben und Nährstoffe nicht richtig verarbeitet werden können – ein allgemeines Schwächegefühl, Müdigkeit und Kopfschmerzen sind die Folge. Fester Stuhlgang kann zudem die Darmwand oder den After verletzen, was sich durch Blut im Stuhl zeigt. Ist die Darmwand beschädigt, bietet das einen Angriffspunkt für schädliche Bakterien, während Risse am After Schmerzen verursachen können. Zu starkes Pressen während des Stuhlvorgangs begünstigt die Vergrößerung von Hämorriden. Das stark durchblutete Gewebepolster dichtet den Darm nach außen hin ab – vergrößerte Blutgefäße können aber zu Juckreiz, Nässen und Blutungen führen.

Welche Inhaltsstoffe und Wirkstoffe enthält Movicol?

Eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und Bewegung helfen dabei, die Verdauung zu fördern und Verstopfungen aufzulösen. In akuten oder chronischen Fällen bringen Abführmittel schnelle Abhilfe – diese dürfen jedoch nur kurzfristig angewendet werden und führen bei längerer Einnahme selbst zu Verdauungsproblemen. 

Movicol enthält Macrogol. Der Wirkstoff bindet ähnlich einem aufquellenden Gel auf seinem Weg in den Dickdarm möglichst viel Wasser an sich. Dort angekommen weicht er den verhärteten Stuhl auf, der sich so einfacher transportieren lässt. Das nun größere Stuhlvolumen führt zu einer Dehnung der Darmwände – der so ausgelöste Reiz setzt die Darmbewegung in Gang und transportiert den Stuhl weiter. Die gesteigerte Darmbewegung führt dazu, die Verstopfungen zu lösen und den Stuhlgang zu erleichtern. Movicol hilft dem Darm also dabei, sich selbst zu helfen, ohne ihn von sich abhängig zu machen. Der Wirkstoff Macrogol wird von den Darmbakterien kaum zersetzt und nur geringfügig von dem Organismus aufgenommen. Eine Belastung für den Körper wird damit vermieden.

Eine sanfte Alternative

Movicol ist ein schonendes Abführmittel, das hilft, den Stuhl zu transportieren und ohne dabei den Organismus unnötig zu belasten. Das macht es zu einer sanften Alternative zu herkömmlichen Abführmitteln. Movicol führt nicht zur Gewöhnung des Darms und kann deshalb auch über einen längeren Zeitraum hinweg eingenommen werden.

Übliche Abführmittel führen dazu, dass Wasser und die Mineralstoffe Kalium und Natrium in großen Mengen ausgeschieden werden – das führt zu einer Unterversorgung und Schwächung des Körpers, ähnlich den Folgen eines Durchfalls. In Movicol hingegen sind Elektrolyte enthalten – diese werden über die Darmwand mit den Elektrolyten der Körperflüssigkeit ausgetauscht und anschließend ausgeschieden. So bleibt die gleiche Anzahl an Mineralstoffen im Körper enthalten.

In welcher Dosierung wird Movicol eingenommen?

Movicol wird in verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Schoko, Orange oder aromafrei angeboten. Sie können wählen, wie Sie Movicol einnehmen möchten – das Produkt ist als Pulver oder trinkfertige Lösung erhältlich. Je nach Stärke der Verstopfung wird empfohlen, täglich ein bis drei Beutel einzunehmen. Dazu sollte dem Körper genügend Flüssigkeit, etwa 2 bis 2,5 Liter pro Tag, zugeführt werden. Movicol trinkfertig liefert handliche Beutel, in denen Movicol als flüssige Lösung enthalten ist. Diese lassen sich einfach transportieren und dosieren und sind besonders für unterwegs geeignet. Wird Movicol als Pulver zu sich genommen, wird der Inhalt eines Beutels in 125 Milliliter Wasser aufgelöst und getrunken. Movicol flüssig pro Beutel mit 100 Milliliter Wasser verdünnen und einnehmen. Movicol kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden.

Auf einen Blick

Movicol ist als Pulver oder trinkfertige Lösung erhältlich. Es enthält Elektrolyte, die der körperlichen Dehydration entgegenwirkt. Zusätzlich solltest du pro Tag 2 bis 2,5 Liter pro Tag, trinken. Nach ein bis zwei Tagen kannst du mit der Wirkung rechnen.

Wann seine Wirkung einsetzt, ist vom Ausmaß der Verstopfung, der Begleitmedikation und anderen Faktoren abhängig. Meistens ist mit einer Erleichterung des Stuhlgangs

nach ein oder zwei Tagen zu rechnen. Bei chronischen Verstopfungen kann Movicol – in Absprache mit einem Arzt – auch auf längere Zeit angewendet werden. Oft ist es möglich, die Dosierung dabei nach einiger Zeit dank der angeregten Darmbewegung zu reduzieren. 

Aufgepasst!

Eine Einnahme des Produktes länger als 14 Tage sollte mit einem Arzt abgesprochen werden.

Welche Nebenwirkungen hat Movicol?

Das Medikament gilt als allgemein gut verträgliches und sanftes Abführmittel. Dennoch können Nebenwirkungen auftreten. Bereits bestehende Erkrankungen und die Einnahme anderer Medikamente können zu Wechselwirkungen führen – nähere Informationen dazu findest du auf dem Beipackzettel des Produktes. Für Kinder unter zwölf Jahren ist das Produkt nicht geeignet – für sie wurde speziell das Mittel Movicol Junior entwickelt.

Während der Schwangerschaft oder Stillzeit

Ob Movicol während der Schwangerschaft oder Stillzeit verwendet werden darf, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sprich dafür am besten mit deinem Arzt oder Apotheker.

Häufige Nebenwirkungen von Movicol sind:

  • Bauchschmerzen
  • vermehrte Darmgeräusche
  • Übelkeit
  • leichte Blähungen.
  • Durchfall

Gelegentlich führt die Einnahme zu Erbrechen, unfreiwilligem Stuhlabgang, Reizmagen, Kopfschmerzen und Schwindel. In einzelnen Fällen kann das Produkt zu allergischen Reaktionen führen. Nicht angewendet werden darf das Produkt bei einem Darmverschluss, einer Darmverengung, bei Unverträglichkeiten von Inhaltsstoffen des Medikaments sowie bei einem Ungleichgewicht des Flüssigkeits- oder Elektrolythaushaltes. Als Alternative gibt es weitere Abführmittel, die mit dem Wirkstoff Macrogol arbeiten, zum Beispiel Isomol oder Macrogol Hexal.

Ist das Medikament für Kinder ebenfalls geeignet?

Auch Kinder und Babys leiden häufig unter Verdauungsproblem und Verstopfungen. Speziell für Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren wurde das Produkt Movicol Junior entwickelt. Es ist im Handel in verschiedenen Sorten wie Schoko oder aromafrei erhältlich. Bei chronischen Verstopfungen darf das Medikament Kindern auch über einen längeren Zeitraum wie sechs oder zwölf Monaten verabreicht werden – hier reicht ein Beutel täglich, der in einem viertel Glas Wasser aufgelöst und anschließend getrunken wird.

Fünf- bis Elfjährigen, die an einem Kotstau (Koprostase) leiden, wird Movicol Junior bis zu eine Woche lang in hohen Dosen verabreicht, bis Stuhl in großen Mengen oder als Durchfall ausgeschieden wird. Hier sollte zunächst mit einem Arzt abgeklärt werden, ob die Diagnose Kotstau auf das Kind zutrifft.

Wo kann man Movicol kaufen?

Movicol ist nicht verschreibungspflichtig und rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Der Preis richtet sich nach Art und Abpackungsgröße des Produktes. Es gibt verschiedene Fälle, in denen es auf Kassenrezept ausgestellt wird: Dazu gehören Grunderkrankungen wie einige Tumorleiden oder ein Megakolon. Außerdem kann auch bei Einsatz bestimmter Medikamente, die Verstopfungen begünstigen, Movicol zusätzlich rezeptiert werden. Beispiele dafür sind starke Schmerzmittel, die Opioide, sowie phosphatbindende Medikamente, die bei chronischer Niereninsuffizienz eingesetzt werden.

Ungar, A., 2000. Movicol in treatment of constipation and faecal impaction. Hospital Medicine61(1), pp.37-40. Online abgerufen am 16.07.18 unter: https://www.magonlinelibrary.com/doi/abs/10.12968/hosp.2000.61.1.1861?journalCode=hosp

Hanson, S., & Bansal, N. (2006). The clinical effectiveness of Movicol® in children with severe constipation: An outcome audit. Paediatric nursing, 18(2), 24. Online abgerufen am 16.07.18 unter: https://search.proquest.com/openview/cc83dc43576d9d81583fd723e42cfa07/1?pq-origsite=gscholar&cbl=33983

Movicol Gebrauchsinformationen. Online abgerufen am 16.07.18 unter: https://www.movicol.de/fileadmin/user_upload/gebrauchsinformationen/Gebrauchsinformation_Movicol_aromafrei_2016.pdf

Krammer, H., Schlieger, F., & Singer, M. V. (2005). Therapieoptionen der chronischen Obstipation. Der Internist, 46(12), 1331-1338. Online abgerufen am 16.07.18 unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s00108-005-1509-3

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.