Behandlung

Alternativmedizin

In einer Studie in den USA gaben etwa 40% aller Menschen an, Alternativmedizin in Anspruch zu nehmen. Dieser Anteil stieg in den letzten Jahrzehnten stark an und wächst weiter.12

Diese Tatsache zeigt: Menschen haben großes Interesse an Heilmethoden jenseits der Medizin, wie sie typischerweise in Krankenhäusern praktiziert wird.

Doch was genau meinen die Begriffe „Alternativmedizin“ und „Schulmedizin“ eigentlich? Welche alternativmedizinische Verfahren gibt es? Und welche davon wirken wirklich? Das erfährst du im folgenden Artikel.

Viele Begriffe – viel Verwirrung?

Über Alternativmedizin wird viel und heftig gestritten. Fast genau so viel wird über Begrifflichkeiten diskutiert. Deswegen ist es wichtig, zunächst einmal Klarheit in das Gewirr verschiedener Bezeichnungen zu bringen.

Mit Schulmedizin wird üblicherweise die Medizin zusammengefasst, die an den Universitäten unterrichtet wird. Angehende Ärztinnen und Ärzte werden in Physik, Chemie und Biologie unterrichtet und lernen, die Funktionen und Krankheiten des Körpers als messbare biologische und molekulare Prozesse zu verstehen. Behandlungsmethoden basieren dementsprechend auch auf biologischen, chemischen und physikalischen Erwägungen und nehmen in den meisten Fällen die Form von Medikamenten oder Operationen an.

Wie wird Alternativmedizin definiert?

Nun gibt es Heilmethoden und Konzepte von Krankheit und Gesundheit, die dieser Schulmedizin kritisch gegenüberstehen und andere Diagnose- und Behandlungskonzepte anbieten. Je nachdem, ob diese Heilmethoden sich anstelle _von (also alternativ) oder _ergänzend (also komplementär) zu wissenschaftlich begründeter Medizin verstehen, spricht man dementsprechend von Alternativmedizin oder Komplementärmedizin. Ein Großteil der Patientinnen und Patienten, die nicht-schulmedizinische Heilmethoden in Anspruch nehmen, nutzen diese nicht anstelle _von Schulmedizin, sondern eben _ergänzend dazu. Deshalb benutzen viele Menschen, die sich intensiv mit diesem Gebiet beschäftigen, vorzugsweise den Begriff Komplementärmedizin.3

Was zeichnet die Schulmedizin aus?

Die Grundüberzeugung der Schulmedizin ist, dass jede Behandlung auf einem wissenschaftlichen Wirknachweis basieren sollte. Deshalb bezeichnen Anhänger der Schulmedizin ihren Ansatz als evidenzbasiert. Wichtig für den Wirknachweis ist dabei, dass die Wirksamkeit der Behandlung mit der Wirksamkeit einer Scheinbehandlung (Placebo) verglichen wird, ohne dass Ärztin oder Patient wissen, ob der Patient gerade das echte Medikament oder das Placebo eingenommen hat.

Nach dieser Überzeugung kann in der Schulmedizin jede Behandlung eingesetzt werden, die in korrekt durchgeführten Studien einem Placebo überlegen war. Damit ist die Schulmedizin prinzipiell offen, Behandlungsmethoden aus der Komplementärmedizin zu integrieren.

Was zeichnet Alternativmedizin aus?

Unter dem Begriff Alternativmedizin werden verschiedenste Heilungsansätze aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt zusammengefasst. Dementsprechend unterschiedlich sind auch alternativmedizinische Methoden.

Was viele alternativmedizinische Philosophien gemeinsam haben, ist ein ganzheitlicher Ansatz im Bezug auf den Körper. Organsysteme werden meist nicht, wie so oft in der Schulmedizin, getrennt von unterschiedlichen Fachärztinnen und Fachärzten untersucht und behandelt. Stattdessen wird dem ganzen Körper Aufmerksamkeit geschenkt. Oft wird auch der Einfluss von Lebenssituation und seelischen Faktoren auf die Heilung berücksichtigt.

Ein weiteres Merkmal, das viele alternativmedizinische Ansätze teilen, ist ein Fokus auf mögliche Selbstheilungskräfte des Körpers. Oft geht es nicht nur darum, Krankheiten zu beseitigen. Stattdessen ist das Ziel, einen stabilen, ausgeglichenen Zustand von Gesundheit und Wohlbefinden wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten.4

Welche alternativmedizinischen Verfahren gibt es ?

Pflanzenheilkunde

Die Nutzung von Pflanzen zur Heilung von Krankheiten ist schon seit Jahrtausenden schriftlich belegt und wird auf der ganzen Welt praktiziert. Sehr viele Medikamente, die wir heute täglich nutzen, wurden ursprünglich aus Heilpflanzen isoliert. Das Wissen um den Einsatz spezieller Pflanzen zur Heilung verschiedenster Krankheiten ist teilweise schriftlich, oft auch nur mündlich seit Jahrhunderten überliefert worden. Für viele Heilpflanzen gibt es inzwischen auch gute wissenschaftliche Wirknachweise. An der medizinischen Nutzung von Heilpflanzen bei verschiedensten Erkrankungen wird auch immer noch aktiv geforscht.5 Auch die Nutzung von Mineralien zu Heilungszwecken kann unter dem Überbegriff Naturheilkunde hier dazugezählt werden

Zum Weiterlesen für Interessierte: Angelikawurzel, Bachblüten, Beifuß, Mariendistel, Glaubersalz, Zeolith

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Die TCM ist eine seit Jahrtausenden überlieferte heilkundliche Praxis, die vor allem im ostasiatischen Raum genutzt wird, aber auch immer mehr Interessierte in der westlichen Welt findet. Sie basiert auf dem Konzept des Qi, das in etwa so viel wie Lebensenergie bedeutet, und das durch den Körper fließt. Störungen in diesem Energiefluß-Gleichgewicht verursachen Erkrankungen.

Die Heilmethoden der TCM sind vor allem naturheilkundliche Medikamente, Diätempfehlungen, die Akupunktur sowie die Moxibustion, also das Erwärmen von Akupunkturpunkten mit speziellen Räucherstäbchen. Für viele Methoden der TCM liegen keine überzeugenden Wirknachweise vor.6 Für die Akupunktur gibt es allerdings eine Anzahl positiver Studien, die eine positive Wirkung bei verschiedenen Erkrankungen nahelegen.7

Homöopathie

Die Homöopathie ist eine Behandlungsmethode, die um 1800 vom Deutschen Arzt Samuel Hahnemann erdacht wurde. Die Homöopathie beruht auf zwei Grundannahmen:

  1. dem Simile-Prinzip, das besagt, dass Gleiches mit Gleichem behandelt werden soll, also, dass eine Krankheit durch Stoffe geheilt werden kann, die Symptome, die der Krankheit ähnlich sind, auslösen können.
  2. dem Prinzip der Potenzierung durch Verdünnung, das besagt, dass die Wirkung der Heilsubstanz umso größer ist, je stärker sie verdünnt wurde.

Beide diese Prinzipien widersprechen grundlegend den Prinzipien der Molekularbiologie, beziehungsweise der Pharmakologie. Auch gibt es keine überzeugenden Studien, die die Wirksamkeit von homöopathischen Arzneimittel belegen. Hingegen gibt es eine Vielzahl von Studien, die fanden, dass homöopathische Arzneimittel keine heilende Wirkung besitzen, die über die eines Placebos hinausgehen.8

Oft werden homöopathische Arzneimittel in Form von Milchzuckerkügelchen, sogenannten Globuli, verabreicht, auf die Menschen mit Lactoseintoleranz mit Bauchbeschwerden reagieren können.

Auf den Prinzipien der Homöopathie basiert auch die Therapie mit sogenannten Schüßler-Salzen.

Bach-Blüten

In den 1930er Jahren entwickelte der britische Arzt Edward Ernst eine Behandlungsmethode mittels Blumen-Essenzen, die er, je nach Gemütsverfassung der Erkrankten einsetzte, um das seelische Gleichgewicht wiederherzustellen. Laut aktueller Studienlage sind Bach-Blüten nicht wirksamer als Placebo-Präparate.9

Zum Weiterlesen für Interessierte: Bachblüten

Heilfasten

Beim Heilfasten wird für einen Zeitraum von einigen Tagen die Ernährungszufuhr stark reduziert. Meist wird an den Fastentagen nur wenig flüssige Nahrung eingenommen. Dadurch soll der Körper „entschlackt“ werden, er soll also Giftstoffe ausscheiden, was sich positiv auf die Gesundheit auswirken soll.

Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Heilfasten bei verschiedenen Erkrankungen positive Effekte haben kann. Zur Sicherheit sollte Heilfasten immer ärztlich begleitet werden, da die starke Reduktion der Nahrungszufuhr auch gefährlich werden kann.10

Zum Weiterlesen für Interessierte: Heilfasten, Entgiftungskuren

Sonstige Verfahren

Neben den oben aufgeführten Schulen der Alternativmedizin gibt es noch unzählige weitere Heilmethoden, die sich von der Schulmedizin abgrenzen und Heilung bei verschiedenen Erkrankungen versprechen.

Dazu gehören: MSM, Einläufe, Colon-Hydrotherapie, Ozontherapie, Darmkur, Darmsanierung


  1. Eisenberg DM, Davis RB, Ettner SL, et al. Trends in alternative medicine use in the United States, 1990-1997: results of a follow-up national survey. JAMA. 1998;280(18):1569-1575. doi:10.1001/jama.280.18.1569
  2. Gunnarsdottir TJ, Örlygsdóttir B, Vilhjálmsson R. The use of complementary and alternative medicine in Iceland: Results from a national health survey. Scand J Public Health. 2020;48(6):602-608. doi:10.1177/1403494819863529
  3. World Health Organization. Traditional, complementary and integrative medicine. Published online 2014.
  4. Willich SN, Girke M, Hoppe J-D, et al. Schulmedizin und Komplementärmedizin: Verständnis und Zusammenarbeit müssen vertieft werden. Dtsch Arztebl. 2004;101(19):1314-1319.
  5. Falzon CC, Balabanova A. Phytotherapy: An Introduction to Herbal Medicine. Prim Care. 2017;44(2):217-227. doi:10.1016/j.pop.2017.02.001
  6. Shang A, Huwiler K, Nartey L, Jüni P, Egger M. Placebo-controlled trials of Chinese herbal medicine and conventional medicine comparative study. Int J Epidemiol. 2007;36(5):1086-1092. doi:10.1093/ije/dym119
  7. Vickers AJ, Vertosick EA, Lewith G, et al. Acupuncture for Chronic Pain: Update of an Individual Patient Data Meta-Analysis. J Pain. 2018;19(5):455-474. doi:10.1016/j.jpain.2017.11.005
  8. Jonas WB, Kaptchuk TJ, Linde K. A critical overview of homeopathy. Ann Intern Med. 2003;138(5):393-399. doi:10.7326/0003-4819-138-5-200303040-00009
  9. Ernst E. Bach flower remedies: a systematic review of randomised clinical trials. Swiss Med Wkly. 2010;140:w13079. doi:10.4414/smw.2010.13079
  10. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Pressemitteilung: Heilfasten, Basenfasten, Intervallfasten. Published online 2018.

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