Der Einlauf – ein altbewährtes Verfahren zu Darmreinigung und -sanierung

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Der Einlauf – ein altbewährtes Verfahren zu Darmreinigung und -sanierung

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Einläufe werden bereits seit der Antike eingesetzt. Schon damals war bekannt, dass ein einwandfrei funktionierender Darm das A und O für Gesundheit und Wohlbefinden ist. Dass auch unser Inneres hin und wieder einer gründlichen Reinigung bedarf, darüber sind sich die medizinischen wie spirituellen Experten einig. Ob in der Schulmedizin oder in der jahrtausendealten Yogapraxis aus Indien – überall finden sich unterschiedlichste Methoden, um die inneren Organe zu reinigen und die Darmtätigkeit anzuregen. Der Einlauf ist eines der einfachsten und schonendsten Verfahren, um den Organismus von innen zu reinigen und gegen häufige Verdauungsprobleme wie Verstopfung vorzugehen.

Was ist ein Einlauf?

Bei einem Einlauf wird meist warmes, reines und stilles Wasser über den Anus in den Darm geleitet, um diesen zu spülen. Bei Völlegefühl, Verstopfung, Blähungen und einem allgemeinen Unwohlsein in der Darmregion verspricht ein Einlauf meist schnelle Besserung. Er kann mit verschiedenen Einlaufgeräten durchgeführt werden. Außerdem ist dies sowohl zuhause allein oder unter professioneller Betreuung eines Arztes oder Heilpraktikers möglich. Allerdings sollte ein Einlauf nicht zu oft durchgeführt werden. Bei chronischer Verstopfung kann eine Ernährungsumstellung bei gleichzeitiger Erhöhung der Flüssigkeitszufuhr und viel Bewegung besser und vor allem nachhaltiger helfen.

Wusstest du, dass der Einlauf …

…eine der ältesten Behandlungsmethoden ist und bereits in der Antike angewendet wurde?

…synonym auch als Darmspülung, oder fachsprachlich als Klistier oder Enema bezeichnet wird?

…in der Alternativmedizin als ausleitendes Verfahren begleitend zum Fasten eingesetzt wird?

Was sind gängige Einlaufgeräte und –mittel?

Für die Darmreinigung kannst du verschiedene Einlaufgeräte verwenden. Während in den Arztpraxen von Alternativmedizinern professionelle Darmspülungsgeräte mit zwei Kanälen zum Einsatz kommen, sind kleinere, manuelle und Einweg-Einlaufgeräte für die Anwendung zuhause erhältlich. So zum Beispiel Klistierspritzen und -bälle oder manuelle Irrigatoren. Als Einlaufmittel dient vor allem abgekochtes, stilles Wasser. Dies wird je nach Vorliebe mit verschiedenen Zusätzen, wie etwa Kamillentee oder Kochsalz angereichert. Auch Kaffee-Einläufe werden, obwohl ihre Wirkkraft wissenschaftlich nicht belegt ist, häufig vor allem zur Leberreinigung durchgeführt.

Klistier vs. Einlauf: Die Unterschiede

Als Klistier wird ein einfaches Pumpgerät bezeichnet, die Klistierspritze oder auch der Klistierball. Das Klistier besteht aus einer Klyso-Pumpe und einem Klistierrohr. Mit dem Klistier spült man Wasser über den Anus in den Darm. Dieses Verfahren dient vor allem der Förderung des Stuhlgangs. Es wird weniger Wasser eingesetzt als beim Einlauf.

Hingegen wird ein Einlauf bei hartnäckigeren und schwerwiegenderen Beschwerden angewendet. Dabei wird der Darm mit deutlich mehr Wasser bis hin zum Mast- und Dickdarm gespült, um festen Stuhl aufzuweichen.

Wann ist es sinnvoll, einen Einlauf durchzuführen?

Eine Darmreinigung ist immer dann sinnvoll, wenn die Abläufe im Darm nicht mehr reibungslos funktionieren, wie das etwa typischerweise bei Verstopfungen der Fall ist. Auch bei der Vorbereitung auf eine Fastenkur, eine Leberreinigung oder zur allgemeinen Vorsorge, kann eine Darmreinigung nützlich sein. Eine Darmspülung kann in einigen Fällen auch bei Durchfall helfen. Vor allem, wenn dieser schädlichen Bakterien im Darm geschuldet ist.

Zudem werden Einläufe oft vor der Geburt auf Wunsch von werdenden Müttern eingesetzt. Dieser wird mittels eines Irrigators oder Klistiers durchgeführt. Da der Einlauf die Darmtätigkeit anregt, wird dadurch meistens auch die Wehentätigkeit der Mütter gefördert. Dies ist vor allem bei noch wirkungslosen Wehen vorteilhaft und erleichtert den Geburtsvorgang.

Gründe für einen Einlauf im Überblick

  • Verstopfung (akut und anhaltend)
  • Zur Verabreichung von Medikamenten (z.B. Lactulose-Einlauf bei Leberzirrhose)
  • Darmspiegelung
  • Zur Diagnostik im Enddarmbereich (Rektoskopie, Kontrasteinlauf, etc.)
  • Fiebersenkung
  • Operationen im Darmbereich
  • Zur Entlastung bei einer natürlichen Geburt
  • Darmreinigung vor und während einer Fastenkur
  • Sexualpraktiken wie BDSM oder Klinikerotik

Kann ich einen Einlauf selber machen?

Natürlich kannst du einen Einlauf auch unkompliziert und rasch zuhause selbst setzen. Dies macht vor allem bei leichten Verstopfungen und allgemeinen Verdauungsbeschwerden Sinn. Einfach bedienbare Einlaufgeräte für Zuhause wie Birnenspritzen, Irrigatoren oder Klyso-Pumpen und Einlauf-Sets können in der Apotheke gekauft werden.

Die Wahl des Einlaufmittels hängt im Grunde von individuellen Präferenzen ab. Am besten eignet sich stilles, leicht erwärmtes Wasser. Wer möchte, kann dieses mit mineralischen und/oder pflanzlichen Zusätzen anreichern. So etwa mit Kochsalz, Basenpulver oder verschiedenen Tees. Beliebt sind vor allem Kamillen- und Kräutertees.

Was passiert nach dem Einlauf?

Das ist je nach Ausgangssituation verschieden. Wird der Einlauf begleitend zur Fastenkur durchgeführt, dann beginnst du einfach danach mit dem Fasten. Dient er einer Darmsanierung, sollte die Darmflora nach dem Einlauf mit Schonkost und milchsäurereichen Speisen wiederaufgebaut werden. Auch wenn der Einlauf der Beseitigung von akuter Verstopfung dient, sollte begleitend eine Ernährungsumstellung hin zu verdauugsfördernden Nahrungsmitteln stattfinden.

Hilft ein Einlauf wirklich beim Entschlacken, Entsäuern und Entgiften?

Besonders in der Alternativmedizin werden Einläufe beziehungsweise Darmreinigungen gerne zur Entschlackung angewandt. Dafür werden dann meist mittels eines Schlauches bis zu 60 Liter in den Darm gespült. Über einen zweiten Schlauch können die 60 Liter wieder abfließen. Der versprochene reinigende Effekt konnte jedoch bisher nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Zusätzlich gibt es aber auch eine Reihe von medizinischen Gründen, die für einen Einlauf sprechen.

Exkurs: Colon-Hydrotherapie

Die Colon-Hydrotherapie ist eine weiterentwickelte Form des Einlaufs, bei der noch mehr Wasser als beim Klistier oder beim Einlauf angewandt wird. Etwa 10 bis 30 Liter Wasser werden dabei mit einem professionellen Einlaufgerät ohne Druck und mit wechselnder Temperatur in den Darm geleitet. Während des Verfahrens wird die Bauchdecke immer wieder massiert, um die Darmtätigkeit noch mehr anzuregen. Eine Colon-Hydrotherapie wird im Allgemeinen zwei bis drei Mal hintereinander durchgeführt, um den Darm gründlich zu reinigen und vor allem auch ältere, verhärtete Kotreste zu entfernen. Viele Alternativmediziner empfehlen, jährlich eine Colon-Hydrotherapie durchführen zu lassen und schwören auf deren Wirkung, insbesondere als Auftakt einer Fastenkur oder in Kombination mit einer Leberreinigung.

Eine Colon-Hydrotherapie sollte stets von einem erfahrenen Darmspezialisten durchgeführt werden.

Kann ein Einlauf Nebenwirkungen zeigen?

Ein Einlauf kann einige Körperreaktionen hervorrufen. Dabei handelt es sich nicht um Nebenwirkungen im klassischen Sinn, sondern meist um Folgeerscheinungen einer zu häufigen oder unsachgemäßen Durchführung von Einläufen. Zu den häufigsten Risiken und Nebenwirkungen von Darmspülungen gehören:

  • Schädigung der Darmflora (insbesondere bei zu häufiger Anwendung)
  • Krämpfe und Verbrühungen im Darm (falsche Wassertemperatur)
  • Verletzungen der Darmwand oder des Afters (unsachgemäße Anwendung)
  • Infektionen (Folgeerscheinung von Verletzungen durch unsachgemäße Anwendung)
  • Reizungen der Darmschleimhaut (zu hoher Säuregehalt der Spülflüssigkeit)
  • allergischer (anaphylaktischer) Schock (als Reaktion auf spezifische Zusätze in der Spülflüssigkeit)
  • aufgeblähter Bauch oder Bauchschmerzen
  • Übelkeit (eventuell in Verbindung mit Erbrechen)
  • Durchfall
  • Kreislaufprobleme (aufgrund des Flüssigkeitsverlusts, der bis hin zur Austrocknung führen kann)
In diesen Situationen sollte der Einlauf vermieden werden:

  • Darmverschluss
  • Bei akuten Baucherkrankungen wie Peritonitis
  • Bei angeborenen Fehlbildungen im Dick- oder Enddarmbereich
  • Hämorrhoiden
  • Während der Schwangerschaft (erst direkt vor der Geburt wieder unbedenklich)
  • Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa

  • Blutungen im Magen-Darm-Trakt
  • Nierenerkrankungen
  • Herzerkrankungen

Wie oft kannst du einen Einlauf machen?

Werden Einläufe zu häufig durchgeführt, kann dies eine Reihe unangenehmer und gesundheitsgefährdender Folgereaktionen des Körpers hervorrufen. So kann etwa die Darmflora darunter leiden oder es kann zu Austrocknungen oder Infektionen kommen. Vorbeugend empfiehlt sich eine Darmspülung daher nur etwa ein- bis zweimal jährlich. Bei akuten Verstopfungen muss der Einlauf gezielt gesetzt werden. Tritt der Verstopfungszustand jedoch sehr häufig auf und wird chronisch, sollte ein Arzt konsultiert werden und über alternative Behandlungsmethoden gesprochen werden.

Wo kann ich Einlaufgeräte kaufen?

Einen Einlaufirrigator, Klyso-Pumpen, Birnenspritzen sowie ganze Einlauf-Sets sind ohne Rezept in jeder Apotheke und teilweise auch in Drogeriemärkten erhältlich.

Quellen:

Mosimann, F., & Cornu, P. (1998). Are enemas given before abdominal operations useful?. European Journal of Surgery, 164(7), 527-530. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9696975

Kupferschmidt, F. Darmreinigung vor Koloskopie: Ein Vergleich zweier Abführlösungen bezüglich Reinigungseffektivität und Patiententoleranz. https://d-nb.info/1067099069/34

Rauch, E. (1960). Die Darmreinigung nach Dr. med. FX Mayr. Depression74, 78. 

Rehmann, I. H. (1997). Darmreinigung mit Polyethylenglykol/Macrogol-Elektrolytlösung als Mittel der Wahl: Eigenrezeptur versus Klean-Prep®. coloproctology, 19(1), 33-40.

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.