Beifuß – Die Heilpflanze

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Beifuß – Die Heilpflanze

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Der Beifuß ist eine Unterart der Gattung Artemisia. Die Bezeichnung leitet sich vom Namen der griechischen Göttin Artemis ab. Dieser Bezug kam zustande, weil Mediziner die Heilpflanze bereits in der Antike als gynäkologisches Mittel nutzten – zum Beispiel, um die Schmerzen bei einer Geburt zu lindern. Die Pflanze trägt in verschiedenen Regionen und Ländern unterschiedliche Namen: Er ist als Besenkraut, Beifußkraut, Gewürzkraut oder Gänsekraut bekannt. Heute kommen ihre Wirkstoffe am häufigsten bei Verdauungsbeschwerden und Malariaerkrankungen zum Einsatz.

Wie lässt sich Beifuß erkennen?

Die Heilpflanze gehört zur Familie der Korbblütengewächse, die mit mehr als 25.000 Arten und 1.100 Gattungen zu den größten Familien der Blütenpflanzen zählen. In der freien Natur wächst sie in Mittel- und Nordeuropa, in Afrika und Asien auf brachen Flächen, an Wegesrändern und Zäunen sowie auf Geröll- und Schutthalden. Typisch für den Beifuß sind seine kantigen, rötlich gefärbten Stängel, die bis zu zwei Meter hoch werden.

Im oberen Teil trägt die Heilpflanze Rispen mit weiß-gelblichen oder roten Blütenkörben sowie fiederspaltige Blätter mit einer dunkelgrün-matten Oberseite und einer filzig-haarigen Unterseite. Aus den Blütenkörben gehen kleine Früchte hervor, die eine graubraune Farbe aufweisen und mit feinen Streifen durchzogen sind. Treibt die Pflanze einmal keine Blüten aus, ist sie nicht leicht zu erkennen, weshalb sie häufig mit anderen Pflanzen verwechselt wird:

Mit diesen Pflanzen kann Beifuß verwechselt werden

  • Durch seine optische Ähnlichkeit zum hochgiftigen Blauen Eisenhut ist bei der Ernte von wildem Beifuß Vorsicht geboten: Er lässt sich durch seine weißfilzigen Blattunterseiten eindeutig von der giftigen Pflanze abgrenzen
  • Der gemeine Beifuß sieht dem Wermut zum Verwechseln ähnlich. Im Gegensatz zum Wermut sind seine Blüten jedoch aufrecht angeordnet, während die Wermut-Blüten leicht einknicken. Er ist außerdem nicht so pelzig-behaart wie der Wermut.
  • Das Beifuß-Traubenkraut ähnelt optisch der Stauden-Ambrosie. Sie lässt sich aber durch ihre horizontal verlaufenden Wurzeln und die geringer gefiederten Blätter erkennen.
  • Der gemeine Beifuß hat, im Gegensatz zum artverwandten Beifuß-Traubenkraut, Rispen- statt Traubenform und weißfilzige statt grüne Blätter auf der Unterseite.
  • Der Einjährige Beifuß ist anhand seines intensiven Geruchs leicht identifizierbar.

Wirkstoffe

Es sind vor allem die in der Pflanze vorkommenden Bitterstoffe namens Psilostachyn und Vulgarin, die eine positive Wirkung auf die Verdauung erzielen können.

Als sekundäre Pflanzenstoffe, die eine eigene Wirkstoffklasse bilden, regen sie den Körper an, mehr Magensäure und Speichel zu produzieren. Außerdem stimulieren die Bitterstoffe die Funktion der Gallenblase, der Bauspeicheldrüse und der Leber. Bei Verdauungsbeschwerden ist die Wirkung aller Art äußerst vielseitig. Die Heilpflanze kann Appetitlosigkeit ebenso lindern wie Störungen in der Magengegend, die mit Mundgeruch einhergehen. Sogar Beschwerden wie Durchfall und Blähungen lassen sich mit Beifuß behandeln.

Weitere Einsatzgebiete

Der in Ostasien und China angebaute Einjährige Beifuß ist eine besondere Form der Heilpflanze, die sich durch eine größere Blattdichte und höher dosierte Inhaltsstoffe auszeichnet. Für medizinische Zwecke lassen sich gewöhnlich die oberen Teile der bis zu drei Meter hohen Pflanze verwenden. Die traditionelle Nutzung der heilenden Pflanze geriet lange in Vergessenheit. Doch 2002 erkannten Forscher den sekundären Pflanzenstoff Artemisinin, der auf den Blättern und Blüten vom Einjährigen Beifuß reift, als effektives Mittel zur Bekämpfung von Malaria. Seitdem wird er wieder eingesetzt.

In seinen Blättern und Blüten sind 0,75 bis 1,4 Prozent Artemisinin enthalten. Der Erfolg des Wirkstoffes begründet sich auf seine Reaktionsfähigkeit mit Eisen, das in den Malaria-Erregern hochkonzentriert vorliegt. Artemisinin ruft, sobald es mit Eisen in Kontakt kommt, eine chemische Reaktion hervor, die freie Radikale freisetzt. Diese greifen die Zellmembrane der Erreger an, trennen sie voneinander und zerstören sie. Bezüglich der Anwendung bei Darm- und Verdauungsbeschwerden liegen bisher kaum wissenschaftliche Studien vor, die eine gesicherte Wirksamkeit belegen können.

Gibt es Nebenwirkungen?

Klinischen Studien zufolge leiden einige Malaria-Patienten, die den Einjährigen Beifuß als Tee oder Tinktur einnehmen, unter gelegentlichen Nebenwirkungen. Die unerwünschten Begleiterscheinungen, die während oder nach der Behandlung auftraten, waren Schwindelgefühle, Ohrgeräusche, Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen und Juckreiz. Für schwangere Frauen ist seine Konsumation im Zusammenhang mit einer Malaria-Infektion wie bei Geburtsleiden oder Verdauungsbeschwerden nicht empfehlenswert, da er sich bei einer Überdosierung schädlich auswirken kann.

Wichtig!

Erhöhte Vorsicht für Schwangere bei der Dosierung von Beifuß-Tee

Schwangere Frauen oder Mütter, die sich in der Stillzeit befinden, sollten von einer medizinischen Behandlung mit Beifuß-Tee absehen. Dies gilt besonders für die frühen Phasen der Schwangerschaft, um das Risiko einer Fehlgeburt zu verringern.

Wie lässt sich Beifuß-Tee herstellen und anwenden?

Die auf den Patienten abgestimmte medizinische Behandlung erfolgt in den meisten Fällen mit Tee, der aus den Blättern und Blüten der Pflanze gewonnen wird. Da er eine sehr stark wirksame Heilpflanze ist, sollte die Dosierung auf Anweisung des Arztes und gemäß der empfohlenen Menge erfolgen. Üblicherweise genügt ein Teelöffel der Blätter, der mit 200 ml kochendem Wasser aufgegossen wird. Der fertige Trank muss nach der Zubereitung rund sieben bis zehn Minuten ziehen. Anschließend ist das Kraut abzusieben. Pro Tag sind mindestens eine und maximal drei Tassen Beifuß-Tee empfehlenswert. Da die enthaltenen Bitterstoffe die Wirkungsweise maßgeblich verstärken, ist eine ungesüßte Einnahme anzuraten.

Was müssen Allergiker beachten?

Allergiker sollten ihren behandelnden Arzt konsultieren und die medizinische Therapie abstimmen. Bei Allergikern und empfindlichen Menschen ruft die Heilpflanze unter Umständen allergische Reaktionen hervor. Ob und wie stark die Reaktionen ausfallen, ist von der individuellen Veranlagung abhängig. Viele Patienten bekommen bei einer Überdosierung lediglich einen leichten Hautausschlag, bei anderen kann Beifuß Asthma auslösen. Je nach Unterart können die Reaktionen abweichen: Einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge lösen besonders der gewöhnliche Beifuß sowie das Beifuß-Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) mitunter heftige allergische Reaktionen aus. Viele erwachsene Patienten (11, 2 Prozent der insgesamt 7.025 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern) weisen mindestens eine Sensibilisierung gegenüber den verwendeten Gesamtextrakten auf.

Wichtig!

Allergiker sollten vor der Einnahme umbedingt einen Arzt aufsuchen und die Therapie abstimmen, da die Pflanze heftige allergische Reaktionen auslösen kann.

Wo kann man Beifuß-Tee kaufen?

Es sind überwiegend die Rispen, die zum Verkauf stehen und sich als Gewürze zum Essen hinzugeben lassen. Um den Tee herzustellen, empfiehlt es sich, getrocknete Blätter oder bereits geschnittene Wurzeln zu erwerben. Diese erhalten Patienten und Konsumenten in Apotheken, bei ausgewählten Kräuterhändlern oder in spezialisierten Online-Shops.

Wirkt Beifuß gegen Krebs?

Studien über die Beifuß-Wirkungsweise bei Krebs sind bisher unzureichend vorhanden. Die biologisch gestalteten Chemotherapien sind jedoch vielversprechend. Mediziner wenden hier häufig den Einjährigen Beifuß an, der eine hemmende Wirkung auf die Krebszellen haben soll. Hierbei setzt die Medizin überwiegend halbsynthetische Wirkstoffe ein, die gut verträglich und leicht zu verabreichen sind. Viele Patienten nehmen Artemisinin als Kapsel zu sich. Die Einnahme erfolgt täglich; die empfohlene Dosis bemisst sich nach dem individuellen Körpergewicht.

Duale-Medizin.de: Biologische Chemotherapie als vielversprechender Therapieansatz. Online abgerufen am 19.06.2018 unter https://www.duale-medizin.de/behandlungsmethoden/biologische-chemotherapie/

Ambrosiainfo.de: Häufige Verwechselungen der Beifuß-Ambrosie. Online abgerufen am 19.06.2018 unter http://ambrosiainfo.de/532238999e1020901/index.html

Bader, Christa (2015): Wilde Kräuter und Heilende Pflanzen für Körper und Seele: Ein Kurs in Heilpflanzenkunde. Online abgerufen am 19.06.2018 unter https://books.google.de/books?id=-t8oBgAAQBAJ&pg=PA72&dq=beifu%C3%9F+tee&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjopNOX9d_bAhXBkSwKHZuzCFQQ6AEIOTAD#v=onepage&q=beifu%C3%9F%20tee&f=false

Dr. Med. Wormer, Eberhard J., Buhner, Steffen Harold (2015): Grüne Antibiotika: Heilkräftige Medizin aus dem Pflanzenreich. Online abgerufen am 19.06.2018 unter https://books.google.de/books?id=cX0sCQAAQBAJ&pg=PA125&dq=beifu%C3%9F+medizin&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi-6caK7d_bAhVDWSwKHRh0CJkQ6AEINDAC#v=onepage&q=beifu%C3%9F%20medizin&f=false

Knoblauch, Gerold (2015): Natürliche Heilmittel von A-Z. Online abgerufen am 19.06.2018 unter https://books.google.de/books?id=w9Q2AwAAQBAJ&pg=PT202&dq=beifu%C3%9F+medizin&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi-6caK7d_bAhVDWSwKHRh0CJkQ6AEIRjAF#v=onepage&q=beifu%C3%9F%20medizin&f=false

Robert-Koch-Institut: Die Häufigkeit von Sensibilisierungen gegen Allergene von Beifuß und Ambrosia. Ergebnisse der Studie des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Online abgerufen am 19.06.2018 unter https://edoc.rki.de/handle/176904/2006

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.