Natürliche Abführmittel – welche Hausmittel bringen Erleichterung?

Behandlung > Alternativmedizin

Natürliche Abführmittel – welche Hausmittel bringen Erleichterung?

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Wer an Verstopfungen leidet, greift gern einmal zu Abführmitteln. Bevorzugte Alternativen zu den rezeptpflichtigen Abführmitteln der Apotheken sind natürliche Abführmittel. Doch Vorsicht sei geboten, denn die dauerhafte Anwendung natürlicher Abführmittel kann ebenfalls Nebenwirkungen mit sich bringen – natürlich bedeutet nicht unbedingt sicher.

Welche natürlichen Abführmittel gibt es?

Der natürlichste Weg um die Verdauung dauerhaft anzuregen ist eine ballaststoffreiche Ernährung, verbunden mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr und viel Bewegung. Besonders Vollkornprodukte, Obst und Gemüse sowie Hülsenfrüchte sollten nicht auf dem Speiseplan fehlen. Zudem sollte man mindestens 1,5 l ungesüßte Getränke dem Körper über den Tag verteilt zuführen. Sollte dies jedoch nicht ausreichen, kann zu natürlichen Abführmitteln gegriffen werden. Natürliche Abführmittel sind zum Teil pflanzlicher Natur und je nach Art der Wirkungsweise in Quell- und Füllstoffe, osmotisch oder hydragog wirkende Stoffe einteilbar.

Quell- und Füllstoffe

Diese natürlichen Abführmittel zeichnen sich durch ihren Reichtum an Ballaststoffen aus. Dazu zählen unter anderem Flohsamen, Flohsamenschalen, Leinsamen und Weizenkleie. Die enthaltenen Ballaststoffe binden Wasser im Darm und quellen dabei auf. Durch die Volumenzunahme im Darm wird die Darmtätigkeit angeregt. Zudem wird der Stuhl weicher und somit die Ausscheidung erleichtert. Ballaststoffe unterliegen weiterhin bakterieller Fermantation im Dickdarm, welches die Verdauung zusätzlich unterstützt. Bei Anwendung von Leinsamen ist es ratsam diese vorher zu schroten, da ansonsten die Ballaststoffe im Inneren der Samen nicht verfügbar sind.

Bei Verwendung von Quell- und Füllstoffen zur Behandlung von Verstopfungen sollte darauf geachtet werden, diese nur in Maßen und mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen. Ansonsten kann es aufgrund ihres Wasserhaltevermögens Verstopfungen weiter verschlimmern. Wer an eine ausreichende Ballaststoffzufuhr nicht gewöhnt ist, sollte anfangs nur geringe Mengen zu sich nehmen und die Dosis nur langsam erhöhen, da es ansonsten zu Nebenwirkungen wie Blähungen und Vollegefühl kommen kann.

Osmotisch wirkende Stoffe

Zu den osmotisch wirkenden Abführmitteln gehören sowohl Glauber– und Bittersalze, als auch bestimmte Zucker wie Milchzucker und Laktulose aber auch der Zuckeralkohol Sorbitol. Die Wirkung dieser Stoffe beruht auf ihrer Fähigkeit ein osmotisches Druckgefälle im Darm aufzubauen, was zu einem Wassereinstrom im Darm führt. Der Stuhl bleibt somit weich und die Darmentleerung wird so erleichtert. Diese natürlichen Abführmittel können sowohl bei gelegentlichen sowie chronischen Verstopfungen eingesetzt werden. Jedoch kann es zu Elektrolytstörungen kommen. Der häufigste Nebeneffekt ist Durchfall aufgrund einer falsch eingestellten Behandlungsdosis. Des Weiteren kann es zu Vollegefühl, Übelkeit und Blähungen kommen.

Stimulierend wirkende Stoffe

Stimulierend wirkende Abführmittel können aus Aloe, Rhabarber, Faulbaumrinde oder Sennesblätter gewonnen werden. Auch Rizinusöl zählt zu dieser Gruppe. Diese Stoffe regen zum einen die Darmbewegung an und hemmen zum anderen die Wiederaufnahme von Wasser im Dickdarm. Dem Stuhl wird so weniger Wasser entzogen und er bleibt folglich weicher.

Am schnellsten entfalten stimulierend wirkende Laxantien ihre Wirkung, normalerweise innerhalb von Stunden. Sie sollten aber nur für gelegentlich auftretende Verstopfung verwendet werden, da es möglicherweise zu Störungen im Elektrolythaushalt sowie krampfartigen Schmerzen im Verdauungstrakt kommen kann.

Was sollte bei pflanzlichen Abführmitteln beachtet werden?

Trotz ihrer natürlichen Herkunft sollten pflanzliche Abführmittel nicht ohne Bedenken eingenommen werden. Von einer kontinuierlichen Einnahme wird prinzipiell abgeraten, da es zu einer Gewöhnung des Verdauungstraktes an die Laxantien kommen kann. Zudem ist die Verwendung nicht frei von Nebenwirkungen. Es sollte deshalb darauf geachtet werden, die Verdauung und vor allem die gesunde Darmflora durch eine ausgewogene Ernährung zu unterstützen. Die Darmflora lebt in Symbiose mit ihrem Wirt. Eine gesunde Darmflora kann sich so positiv auf die Darmtätigkeit und das Darmmilieu auswirken. Vor allem die Verwendung von Quell-und Füllstoffen kann sich so fördernd auf die Verdauung auswirken.

Vorsicht!

Auch natürlich Abführmittel solltest du nicht dauerhaft einnehmen, da es zu einer Gewöhnung des Verdauungstraktes an die Laxantien kommen kann!

Welche Hausmittel haben eine natürlich abführende Wirkung?

Verschiedene Hausmittel eignen sich um die natürliche Darmtätigkeit zu steigern. Die Wirkungen beruhen dabei auf unterschiedlichen Mechanismen. Der Verzehr von Hülsenfrüchten, Leinsamen und anderen ballaststoffreichen Lebensmitteln hat positive Auswirkungen auf die Darmflora, welche die Darmtätigkeit fördert. Zudem lockern Ballaststoffe den Stuhl und erleichtern so die Ausscheidung. Sauerkraut sowie dessen Saft oder Probiotika können die gesunde Darmflora unterstützen, da es sich fördernd auf die Darmentleerung äußert. Viele Obstsorten sind natürliche Quellen von osmotisch wirkenden Abführstoffen und regen somit die Verdauung an.

Salzwasser als natürliches Abführmittel?

Ein altes Hausmittel gegen Verstopfungen ist Salzwasser. Das in Wasser aufgelöste Kochsalz wirkt aufgrund seiner osmotischen Wirkung abführend. Jedoch ist aus ernährungsphysiologischer Sicht dringend davon abzuraten, da eine gesteigerte Salzaufnahme ähnlich wie andere osmotisch oder stimulierend wirkende Abführmittel zu Mineralstoffverlusten führt. Zudem wird dem Körper Wasser entzogen um den erhöhten osmotischen Druck im Blut auszugleichen.

Aufgepasst!

Leidest du unter Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen? Dann solltest du dieses natürliche Abführmittel umbedingt meiden.

Eignen sich natürliche Abführmittel zum Abnehmen?

Eine Gewichtsreduktion sollte immer durch eine gesunde ausgewogene Ernährung und sportlicher Aktivität erreicht werden. Der Einsatz von Abführmitteln ist aus mehreren Gründen zu diesem Zweck nicht geeignet. Zum einen ist die Einnahme vieler natürlicher Laxantien vorwiegend mit einem Wasserverlust verbunden, der nur kurzfristig zu einem geringen Gewichtsverlust führt. Sobald der Wasserhaushalt des Körpers sich wieder reguliert hat, ist dieser Gewichtsverlust wieder ausgeglichen. Zum anderen wird der Mineralstoffhaushalt durch die Einnahme natürlicher Abführmittel gestört.

Eine Ausnahme bilden die Füll-und Quellstoffe. Der Verzehr von ballaststoffhaltigen Lebensmitteln, wie Lein- und Flohsamen, ist mit einem größeren Völlegefühl verbunden. Man fühlt sich schneller satt und nimmt dadurch weniger Kalorien auf. Jedoch ist nur der Verzehr geringer Mengen dieser Lebensmittel empfehlenswert, da ein exzessiver Konsum von diesen Ballaststoffquellen mit einer verringerten Minearlstoffaufnahme verbunden sein kann.

Achtung!

Auch beim Fasten sollte aufgrund des erhöhten Wasserverlustes und damit verbundenen Elektrolytverlusten auf Abführmittel verzichtet werden. Wenn gewünscht, sollte der Einsatz von Abführmitteln zum Fasten ausschließlich auf die anfängliche Darmentleerung begrenzt sein und möglichst mit sanften Abführmitteln, wie Sauerkraut- oder Pflaumensaft, ausgeführt werden.

Welche natürliche Abführmittel sind für Kinder geeignet?

Besonders bei Kindern mit Verstopfungen sollte die Verdauung nur durch natürliche Abführmittel unterstützt werden. Dabei eignen sich vor allem Lebensmittel, die natürlicherweise abführend wirkende Inhaltsstoffe beinhalten. Früchte sowie Fruchtsäfte sind eine gute Wasserquelle und enthalten zugleich Sorbitol und Fruktose, welche zu den osmotisch wirkenden Laxantien zählen. Außerdem sind sie ballaststoffreich und enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, die zugleich die gesunde Darmflora unterstützen. Durch die natürliche Süße von Obst und Fruchtsäften sind sie besonders beliebt bei Kindern. Hierfür eignen sich vor allem Äpfel, Birnen, Aprikosen, Pflaumen, Weintrauben und Kiwis. Die Verwendung von Probiotika, zum Beispiel in Form von Jogurts kann sich ebenfalls förderlich auf die Darmtätigkeit auswirken.

Tipp

Mixe probiotisches Jogurt mit Früchten wie Äpfel, Birnen oder Trockenpflaumen um eine gesunde leicht bekömmliche Zwischenmahlzeit für dein Kind anzurichten, die zugleich die Verdauung anregt.

Was ist beim Einsatz natürlicher Abführmittel während der Schwangerschaft zu beachten?

Verstopfungen können vor allem ein Problem während der Schwangerschaft sein. Anfänglich sollte man versuchen seine Ernährung dementsprechend anzupassen, indem man die Ballaststoffzufuhr erhöht, mehr Wasser trinkt und sich mehr bewegt. Sollte dies einmal nicht ausreichen, sollten bevorzugt natürlich sanfte Laxantien, wie Füll- und Quellstoffe, eingesetzt werden. Diese unterstützen die gesunde Darmflora sowie die natürliche Darmtätigkeit. Auf osmotisch und stimulierend wirkende Abführmittel sollte man wegen der bereits aufgeführten möglichen Nebenwirkungen nur in Ausnahmefällen zurückgreifen.

Bae, S. H. 2014. Diets for constipation, Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition, 17 (4), pp. 203 – 208. Online abgerufen am 15.05.2018 unter: https://synapse.koreamed.org/DOIx.php?id=10.5223/pghn.2014.17.4.203.

Emmanuel, A.V., Tack, J., Quigley, E.M., Tally N.J. 2009. Pharmacological management of constipation, Neurogastroenterology and Motility, 21 (s2), pp 41 – 54. Online abgerufen am 15.05.2018 unter: https://doi.org/10.1111/j.1365-2982.2009.01403.x.

Harris, L. 2006. Chronic constipation: mechanisms of action and effective treatment, Advanced Studies in Medicine, 5 (10B), pp, 965 – 976. Online abgerufen am 15.05.2018 unter: http://www.jhasim.com/files/articlefiles/pdf/XASIM_Issue_5_10B_p965_976.pdf.

Trottier, M., Erebara, A., Bozzo, P. 2012. Treating constipation during pregnancy, Canadian Family Physician, 58 (8), pp. 836 – 838. Online abgerufen am 15.05.2018 unter: http://www.cfp.ca/content/58/8/836.long

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.