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Mariendistel – Heilpflanze für die Leber

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Schon im Mittelalter kannte man die heilsame Wirkung der Mariendistel. Die Früchte der Distel enthalten den Wirkstoff Silymarin, der die Leber vor schädlichen Einflüssen von Medikamenten, Alkohol oder Schadstoffen schützen und ihr helfen soll, sich zu entgiften und schneller zu regenerieren. Die Pflanze kann auch vorbeugend eingenommen werden und gilt als unbedenklich.

Was sind Mariendisteln?

Mariendisteln stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, wo sie in trockenen, meist unwegsamen Gebieten wachsen. Die lila blühende Distel wird aber auch in Deutschland als Zierpflanze und – dank ihrer positiven Wirkung auf die Leber – als Heilpflanze angebaut. Die Pflanze mit dem lateinischen Namen Silybum marianum gehört zu der Familie der Korbblüter und ist regional auch unter den Namen Donnerdistel, Fieberdistel oder Frauendistel bekannt.

Bereits in der Antike erkannten die Griechen die Wirksamkeit der Pflanze – doch erst im späten Mittelalter etablierte sie sich auch hier unter den Heilkundigen und wurde als Mittel gegen Verstopfung oder Harnbeschwerden eingesetzt. Hildegard von Bingen etwa empfahl die Pflanze gegen Seitenstechen. Stillende Mütter sollte die Pflanze bei der Milchbildung unterstützen. Laut einer Legende entstand der Name der Mariendistel, weil der Jungfrau Maria beim Stillen des Jesuskindes ein paar Tropfen Muttermilch auf die Pflanze fielen – und damit die weißen Streifen auf der lila Blüte bildeten.

Heute gehört sie zu den beliebtesten Heilpflanzen in Europa. Die Samen ihrer länglichen Früchte, die im August oder September reifen, enthalten Wirkstoffe, die vor allem der Leber zugutekommen. In der Schulmedizin wird sie unter anderem als Gegengift bei Pilzvergiftungen oder bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen der Leber eingesetzt.

Welche Wirkstoffe enthält die Mariendistel?

Die heilsamen Wirkstoffe der Mariendistel sitzen vor allem in den schwarzen Samen, die aus den reifen Früchten geerntet werden können. Der hier gewonnene Wirkstoff Silymarin setzt sich aus den Stoffen Silibinin, Isosilibinin, Silychristin und Silydiani zusammen. In der Frucht finden sich zudem fettreiches Öl, Vitamin E, Eiweiß sowie sogenannte Flavonoide.

Silymarin wirkt krampflösend, regt die Gallenproduktion an und schützt die Leber. Silymarin stärkt die äußere Hülle der Zellmembran. So können nicht nur weniger Giftstoffe in die Leberzellen gelangen, auch wichtige Bestandteile der Zellen wie Enzyme gehen nicht unnötig verloren – was bei einer Beschädigung der Zellen der Fall wäre. Sind die Zellen bereits geschädigt, hilft Silymarin dabei, dass diese sich schneller wieder erholen können. Giftstoffe, die die Leberzellen bedrohen, können zum Beispiel Alkohol, Drogen, Medikamente oder Umweltgifte sein.

Flavonoide finden sich meist in hoher Konzentration in den Schalen oder Blättern von Pflanzen. Sie sind nicht nur für die Farbgebung verantwortlich, sondern schützen die Pflanze auch vor schädlichen Umwelteinflüssen. Nach dem Verzehr fördern sie die körpereigenen Abwehrmechanismen des Menschen und wirken beruhigend und entzündungshemmend.

Die in der Frucht der Mariendistel enthaltenden Schleimstoffe helfen zudem dabei, Schmerz zu lindern und die Verdauung anzuregen.

Gegen welche Beschwerden hilft Mariendistel?

Die Mariendistel wird sowohl in der Schulmedizin als auch in der Naturheilkunde vor allem dazu verwendet, Leberbeschwerden entgegenzuwirken und die Leber zu entgiften. Sie wirkt vor allem entgiftend, harntreibend, krampflösend und leberstärkend.

Die Leber nimmt eine wichtige Funktion im Stoffwechselkreislauf ein: Sie wandelt Stoffe wie Zucker oder Alkohol in Fette um und entgiftet den Körper. Hat die Leber aber mit zu vielen Giften wie Alkohol oder Umweltgiften zu kämpfen, kann sie geschwächt und in ihrer Funktion beschränkt werden, was sich auch negativ auf andere Organe auswirken kann. Chronisch-entzündliche Erkrankungen der Leber werden mit der Mariendistel behandelt. Zu den typischen Krankheiten dieser Art gehören:

Mit einer regelmäßigen Einnahme der Pflanzenprodukte kann man hier vorbeugen. Des weiteren kommt die Mariendistel auch bei folgenden Beschwerden zur Anwendung:

  • Verdauungsbeschwerden
  • Migräne
  • Reiseübelkeit
  • Krampfadern
  • Pilzvergiftungen
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Welche Produkte mit Mariendistel gibt es?

Präparate mit Mariendistel gibt es in verschiedenen Ausführungen zu kaufen. Je nachdem wie hoch der Wirkstoff dosiert und in welcher Regelmäßigkeit er eingenommen werden soll, können sich verschiedene Präparate empfehlen. Üblich sind im Handel vor allem folgende Produkte:

  • Mariendistel-Tee
  • Mariendistel-Öl
  • Mariendistel-Tabletten
  • Mariendistel-Tropfen
  • Mariendistel-Tonikum
  • Mariendistel-Kapseln
  • Mariendistel-Pulver
  • Mariendistel-Samen

Die Wirkstoffe der Mariendistel sind nur sehr schwer wasserlöslich. Ein Tee aus der Heilpflanze ist deshalb nicht stark genug, um die Leber zu schützen oder Krankheiten günstig zu beeinflussen. Ein Tee hilft jedoch, unangenehme Symptome wie Blähungen oder Völlegefühl akut zu lindern. Hoch dosiert kommt der Wirkstoff hingegen in vorproduzierten Mitteln wie Kapseln oder Tabletten vor. Die Samen können auch gemahlen und direkt verzehrt werden.

Wichtig!

Bei Verdacht auf ernsthafte Leberbeschwerden solltest du dich jedoch keinesfalls nach eigenem Ermessen selbst behandeln. In diesem Fall benötigst du ärztliche Aufsicht und eine genaue Absprache der Behandlungsmöglichkeiten.  

Wie wird Mariendistel dosiert?

In welcher Dosis und über welchen Zeitraum das Heilmittel eingenommen wird, hängt von der gewünschten Wirkung ab – so unterscheidet sich die Menge, wenn eine Krankheit akut bekämpft oder allgemein vorgebeugt werden soll.

Meist liegt der Silymarin-Anteil der Kapseln zwischen 100 und 500 Milligramm. Zur Vorbeugung von Krankheiten empfiehlt sich eine Einnahme von zwei bis drei Mal täglich einer Kapsel mit 200 mg. Alternativ kann auch täglich 1 TL Mariendistel-Samen gekaut werden.

Bei leichten Beschwerden stellt sich schon nach zwei bis drei Wochen eine Linderung ein. Für chronische oder ernsthafte Erkrankungen muss das Präparat über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, bevor die Auswirkungen seiner Heilstoffe zu spüren sind.

Zu hoch dosiert, kann die Pflanze aber auch zu Bauchschmerzen oder Blähungen führen. Hinweise zur Dosierung erhältst du auch von deinem Arzt oder Apotheker. Ernsthafte Erkrankungen wie Leberschäden sollten nicht ohne ärztliche Aufsicht behandelt werden.

Vorsicht!

Die Pflanze gehört zu der Familie der Korbblüter – wer allergisch auf diese Pflanzen reagiert, sollte von der Einnahme absehen.

Wie wird Mariendistel in der Homoöpathie eingesetzt?

Üblicherweise wird der Wirkstoff in niedrigen Potenzen bis D6 oder D12 verabreicht. Dafür werden drei Mal täglich fünf Globuli eingenommen.

Wo kann ich Produkte mit Mariendistel kaufen?

Zahlreiche Drogerien, gut ausgestattete Supermärkte sowie Apotheken führen Produkte mit dem pflanzlichen Wirkstoff. Auch die Drogeriekonzerne dm und Rossmann bieten entsprechende Produkte an. Dm verkauft Kapseln und Tee aus Mariendistel. Und natürliche lassen sich die Präparate über zahlreiche Anbieter im Internet beziehen.

Flora, Kenneth, Martin Hahn, Hugo Rosen, and Kent Benner. “Milk thistle (Silybum marianum) for the therapy of liver disease.” The American journal of gastroenterology 93, no. 2 (1998): 139. https://www.nature.com/articles/ajg1998644

Shaker, E., Mahmoud, H. and Mnaa, S., 2010. Silymarin, the antioxidant component and Silybum marianum extracts prevent liver damage. Food and Chemical Toxicology, 48(3), pp.803-806. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0278691509005936

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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