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Bauchkrämpfe

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Bauchkrämpfe, auch Koliken genannt, kommen sehr häufig vor. Es ist oft schwierig zu unterscheiden, ob die Beschwerden harmlos sind oder ob eine ernste Ursache dahinter steckt. Mögliche Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall und eine genaue Analyse begleitender Faktoren können Hinweise geben. Zum Beispiel können Stress oder eine falsche Ernährung Krämpfe auslösen. Der folgende Text gibt einen Überblick über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Bauchkrämpfen.


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Das Wichtigste in Kürze


  • Bauchkrämpfe sind ein häufiges Phänomen und können viele Ursachen haben
  • Art, Dauer, Lokalisation oder Begleitsymptome können auf die Ursache hinweisen
  • auch die weibliche Periode ist häufig für wiederkehrende Bauchkrämpfe verantwortlich
  • bei bestimmten Warnzeichen wie sehr starken Schmerzen, Blut im Stuhl oder bretthartem Bauch sollten Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen
  • in der Schwangerschaft sollten Bauchschmerzen ärztlich abgeklärt werden
  • zur Behandlung leichter Bauchkrämpfe stehen Hausmittel und freiverkäufliche Mittel zur Verfügung

Wie fühlen sich Bauchkrämpfe an?

Beim sogenannten Dauerbauchschmerz halten die Beschwerden beständig an. Dagegen sind Bauchkrämpfe zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedlich stark. Die Krämpfe verlaufen häufig in Wellen: Schmerzfreie Phasen steigern sich langsam zu Schmerzspitzen. Betroffene von starken Bauchkrämpfen beziehungsweise Koliken beschreiben diesen Schmerz als wehenartig („Schmerzen wie bei Geburtswehen“).

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Wie entstehen Bauchkrämpfe?

Krampfartige Bauchschmerzen werden meistens durch ein Hohlorgan hervorgerufen, das gereizt ist. Zu diesen Organen zählen der Magen, der Darm, die Gallenblase, die Harnblase, die Harnleiter und bei Frauen die Gebärmutter. Die Reizung kann beispielsweise durch eine Entzündung, einen Fremdkörper oder ein Geschwür entstanden sein. Während eines Krampfes zieht sich das Organ zusammen und entspannt sich anschließend wieder. Durch die Verkrampfungen sollen etwaige Fremdkörper nach draußen befördert werden. Bei Durchfällen und Verstopfung können ebenfalls Bauchkrämpfe auftreten, die den Darminhalt in Richtung After bewegen.

Wie lassen sich Bauchkrämpfe unterscheiden?

Bauchkrämpfe lassen sich nach verschiedenen Kriterien klassifizieren:

Ort des Schmerzes (Lokalisation) Ober-, Mittel-, Unterbauch

rechts, links, mittig

Qualität des Schmerzes wie lange dauern die beschwerdefreien Intervalle?

Ist der Schmerz brennend, stechend oder dumpf?

wie stark ist der Schmerz auf einer gedachten Skala von 1 (wenig Schmerz) bis 10 (größter vorstellbarer Schmerz)?

Schmerzentwicklung haben sich die Schmerzen langsam und über einen längeren Zeitraum entwickelt oder sind sie plötzlich, einschießend aufgetreten?
Zeitpunkt des Auftretens vor, bei oder nach dem Essen
Beziehung zur Ausscheidung Besserung nach Erbrechen, Gas-Abgang oder Ausscheidung von Stuhl
Begleitsymptome treten weitere Symptome auf (beispielsweise ein allgemeines Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Fieber)?

wird der Schmerz durch Übelkeit, Erbrechen oder auch Durchfall begleitet?

gibt es Hinweise auf Blutungen (Erbrechen von Blut, schwarzer Stuhlgang, Blut-Auflagerungen im Stuhl)?

Wichtig


Auch ein Herzinfarkt kann sich durch (Ober-)Bauchschmerzen äußern. Insbesondere bei Frauen sind solche unspezifischen Beschwerden eines Herzinfarkts sogar häufig. Die Schmerzen sind jedoch eher andauernd und äußern sich nicht durch Koliken.


Bauchkrämpfe – was kann die Ursache sein?

Bauchkrämpfe sind eher unspezifische Beschwerden. Sie lassen sich jedoch anhand der oben genannten Punkte unterscheiden. Dies lässt Rückschlüsse auf die Ursachen der Schmerzen zu.

Beispielsweise spricht ein sich langsam entwickelnder Schmerz eher für einen Entzündungsprozess im Bauchraum. Rasch und heftig auftretende Schmerzen können hingegen ein Hinweis für fehlende Durchblutung wichtiger Abschnitte des Bauchraums oder sogar eine Darmruptur sein. Solch starke, einschießende Schmerzen sollten also möglichst direkt medizinisch abgeklärt werden. Bauchschmerzen lassen sich auch grob nach ihrem Auftrittsort einteilen. Dieser kann Hinweise auf die Ursachen der Schmerzen geben.

Krämpfe im Oberbauch

Krämpfe im Oberbauch können durch eine Magenverstimmung, Reizung oder Entzündung der Magenschleimhaut sowie ein Geschwür des Magens oder des Zwölffingerdarms (Duodenum) entstehen. Rechtsseitige, krampfartige Oberbauchschmerzen lassen eine Gallenblasenentzündung oder den schmerzhaften Abgang eines Gallensteins vermuten. Der Verdacht auf Gallensteine erhärtet sich noch, wenn die Schmerzen zusätzlich in den oberen Rücken ausstrahlen.

Dauerschmerzen im Oberbauch

Entzündungen der Leber können ebenfalls rechtsseitige Bauchschmerzen verursachen, häufig mit ausstrahlenden Schmerzen bis unter die Rippen. Ein Milzinfarkt, also eine fehlende Durchblutung der Milz, führt hingegen zu linksseitigen Bauchschmerzen. Gürtelförmige Oberbauchschmerzen sind wiederum charakteristisch für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse.

Krämpfe im Mittelbauch

Krämpfe im Mittelbauch können vielfältige Ursachen haben. Zum Beispiel können akute oder chronische Darmentzündungen der Grund sein. Eine Nierenbeckenentzündung und abgehende Nierensteine können ebenfalls Bauchschmerzen verursachen; häufiger aber führen diese Erkrankungen zu dauernden oder kolikartigen Flankenschmerzen auf der betroffenen Seite.

Unterbauchkrämpfe

Unterbauchkrämpfe können auf Erkrankungen sowohl von Dünn- und Dickdarm als auch der Geschlechts- und harnableitenden Organe hinweisen. Rechtsseitige Unterbauchschmerzen treten insbesondere in Verbindung mit Blinddarmentzündungen und bei Morbus Crohn auf. Mittig lokalisierte Unterbauchschmerzen können bei einer Blasenentzündung, Magen-Darm-Infekten, Erkrankungen der Eierstöcke und Eileiter während der Periode, bei Hodentorsionen und Leistenhernien auftreten. Hartnäckige Verstopfung kann ebenfalls zu unspezifischen Mittel- und Unterbauchschmerzen führen.

Wichtig


Unspezifische Bauchkrämpfe und Bauchschmerzen mit wechselnder Intensität und Lokalisation können auch durch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder funktionelle Verdauungsbeschwerden wie das Reizdarmsyndrom ausgelöst werden.


Warum kommt es während der Periodenblutung zu Bauchkrämpfen?

Während der Periodenblutung zieht sich die Gebärmutter immer wieder zusammen. Auf diese Weise stößt der Körper die Gebärmutterschleimhaut ab. Durch diesen Prozess kann es zu krampfartigen Unterbauchschmerzen kommen. Der Hormonabfall, welcher die Perioden-Blutung auslöst, kann auch den Magen-Darm-Trakt beeinflussen. Dann zieht sich auch der Darm zusammen. Bei manchen Frauen ist sogar der Magen betroffen: Es kommt zu Durchfällen und Erbrechen. Auch schon durch den Stress, den starke Periodenschmerzen auslösen, können Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle begünstigt werden.

Wann sollte man bei Bauchkrämpfen zum Arzt?

Bauchkrämpfe treten häufig auf und sind oft auch harmlos, zum Beispiel nach dem Verzehr schwer verdaulicher Speisen. Wenn folgende Warnzeichen auftreten, sollte man jedoch sofort einen Arzt aufsuchen:

  • Erbrechen von Blut, sichtbares Blut im Stuhl, schwarzer Stuhlgang
  • sehr starke Schmerzen („Vernichtungsschmerz“)
  • brettharter, berührungsempfindlicher Bauch
  • Wasserlassen und/oder Stuhlgang nicht möglich, obwohl entsprechender Drang besteht
  • akutes Krankheitsbild mit starken Schmerzen, Fieber und starker körperlicher Schwäche
  • bei Kindern und älteren Personen, wenn die Gefahr einer Austrocknung (Dehydratation) aufgrund von Flüssigkeitsverlusten durch Durchfälle und Erbrechen besteht
  • bei Vorliegen von Begleiterkrankungen, einer Bauch-Operation in der Vorgeschichte und neuen, nicht erklärlichen Beschwerden
  • anhaltende kolikartige Schmerzen, die sich nicht durch Schmerzmittel, Nahrungskarenz und Ruhe beheben lassen

Besondere Aufmerksamkeit ist auch geboten, wenn Bauchkrämpfe während einer Schwangerschaft auftreten.

Wann haben Bauchkrämpfe mit der Ernährung zu tun?

Bauchkrämpfe treten oft während oder nach einer Mahlzeit auf. Das kann Rückschlüsse auf eine Erkrankung im Verdauungstrakt liefern:

  • deutliche Bauchkrämpfe nach fettreichen Mahlzeiten können auf Gallensteine hinweisen
  • Krämpfe, die immer wieder nach dem Essen auftreten, können durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten und damit verbundene, starke Blähungen (Flatulenzen) verursacht sein
  • Bauchkrämpfe mit Übelkeit, Unwohlsein und Völlegefühl nach einer Mahlzeit können auch durch verdorbene Nahrungsmittel verursacht sein. Die Beschwerden bessern sich in der Regel, wenn der Körper sich durch Erbrechen oder Durchfall von den verdorbenen Speisen entledigt hat
  • bei einem Magen-Darm-Infekt hören die Symptome gewöhnlich nach wenigen Tagen auf
  • Schmerzen im Oberbauch unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme können auf ein Geschwür des Magens hindeuten
  • Schmerzen im nüchternen Zustand, die sich mit Nahrungsaufnahme bessern, können auf ein Geschwür des Zwölffingerdarms hindeuten

Ein Ernährungs- und Symptomtagebuch kann dabei helfen, der Ursache der Beschwerden auf die Spur zu kommen. Dabei hilft dir zum Beispiel die Cara Care App.

Sind Bauchkrämpfe in der Schwangerschaft ein Grund zur Sorge?

Bauchkrämpfe und Bauchschmerzen sind in der Frühschwangerschaft, aber auch in den späteren Schwangerschaftsmonaten ein häufiges Symptom. Viele Schwangere geraten dann schnell in Sorge. Ein leichtes Ziehen im Bauch, Bauchkrämpfe bei den Mahlzeiten oder Beschwerden in der Spät-Schwangerschaft bei ungünstiger Lage des Kindes können völlig harmlos sein. Dennoch sollten Schwangere alle Beschwerden mit ihrem Arzt abklären.

Wann sollte man bei Bauchkrämpfen in der Schwangerschaft sofort einen Arzt aufsuchen?

Bei Blutungen oder einer plötzlich auftretenden schweren Krankheit mit Fieber sowie starken Schmerzen sollte man so schnell wie möglich einen Frauenarzt konsultieren.

Was hilft gegen Bauchkrämpfe?

Bauchkrämpfe während der Periode, Verdauungsbeschwerden oder Magen-Darm-Infekte können das Allgemeinbefinden deutlich beeinträchtigen. Einige Hausmittel und freiverkäufliche Arzneimittel können schnell Linderung verschaffen. Dabei ist es oft individuell verschieden, welche Mittel den Betroffenen am besten helfen.

Mögliche Hausmittel zur Linderung von Bauchkrämpfen:

  • verdauungsfördernde Tees zum Beispiel mit Fenchel, Anis und Kümmel oder Kamille
  • Wärmflasche auf den Bauch (insbesondere bei Periodenschmerzen; es muss darauf geachtet werden, sich nicht zu verbrennen)
  • eine Weile mit angezogenen Beinen auf dem Rücken im Bett liegen
  • während der Periode kann es helfen, für ein paar Minuten den Vierfüßlerstand einzunehmen

Darüber hinaus gibt es eine große Auswahl an rezeptfreien Medikamenten, die ebenfalls gegen Bauchkrämpfe helfen können:

  • Iberogast wirkt krampflösend
  • Entschäumer wie Simeticon (Handelsnamen zum Beispiel Sab simplex oder Lefax) helfen gegen Blähungen
  • Caricol, das pürierte Papaya enthält, kann bei Verdauungsbeschwerden helfen

Was sollte man bei Bauchkrämpfen essen?

In jedem Fall sollte man bis zur Linderung der Beschwerden nur leicht verdauliche Kost („Schonkost“) essen. Als Schonkost werden Speisen bezeichnet, die dem Verdauungsapparat wenig Probleme bereiten. Dafür sollten sie fettarm, zuckerarm und nicht scharf sein und außerdem keine Blähungen verursachen. Haferflocken mit Joghurt und Apfel sind ein Beispiel für Schonkost. Wenn man notfallmäßig zum Arzt oder ins Krankenhaus geht, sollte man nüchtern bleiben, bis die Ursache der Schmerzen und das weitere Vorgehen geklärt sind.

Henne-Bruns, D. (2012): Duale Reihe Chirurgie. Thieme-Verlag. Online abgerufen am 11.10.2018 unter: https://www.uni-wuerzburg.de/fileadmin/EXT00189/HenneDualeRChirurgie4.pdf

Natesan, S., Lee, J., Volkamer, H., & Thoureen, T. (2016): Evidence-based medicine approach to abdominal pain. Emerg Med Clin North Am, 34(2), 165-90.

Cappell, Mitchell S., and David Friedel. (2003): Abdominal pain during pregnancy. Gastroenterology Clinics 32.1, 1-58.

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite wir eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet. Lade die Cara Care-App jetzt kostenlos herunter.

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