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Morbus Crohn – Welche Symptome muss ich kennen?

Elizabeth Oliver, PhD

Elizabeth Oliver, PhD

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmkrankheit, der oft zunächst eine Odyssee an Arztbesuchen und Untersuchungen vorausgeht, ehe sie diagnostiziert und behandelt werden kann. Grund dafür: Die Symptome sind oft nicht sehr aussagekräftig und können leicht mit anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts verwechselt werden. Die Symptome variieren zudem stark von Mensch zu Mensch und können schnell fehlinterpretiert werden. Wie bei allen chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Darmtrakts (CED) ist aber eine frühe Diagnose entscheidend, um Langzeitschäden zu verhindern. Morbus Crohn wird meist mit Durchfällen in Verbindung gebracht, doch neben diesen Symptomen gibt es noch viele andere. Welche dies sind und welche Organe außer dem Darm betroffen sein können, das legt dieser Beitrag umfassend dar.


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Wie häufig zeigen sich Morbus-Crohn-Symptome?

Morbus Crohn verläuft in Schüben. Das heißt, die meisten Betroffenen leiden nicht kontinuierlich unter den entsprechenden Symptomen, sondern leben zwischen den Schüben völlig beschwerdefrei ohne Einbußen ihrer Lebensqualität. Wann, wie oft und wie stark ein Schub auftritt, ist prinzipiell von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Einige Betroffene werden nur wenige Tage von den Morbus-Crohn-Symptomen begleitet. Andere wiederum über mehrere Wochen.

Wie lässt sich Morbus Crohn feststellen?

Auch der Verlauf von Morbus Crohn unterscheidet sich von Fall zu Fall. Da die Erkrankung schleichend beginnt, können die Symptome nicht immer sofort richtig gedeutet und eingeordnet werden.

Um Morbus Crohn festzustellen, sollten im Arzt-Patienten-Gespräch aktuelle Beschwerden , der bisherige Krankheitsverlauf, und eventuell bestehende Darmerkrankungen in der Familie thematisiert werden. Eine vollständige körperliche Untersuchung hilft dabei, typische Veränderungen, die auf Morbus Crohn hindeuten, zu identifizieren.

Ein eindeutiger Nachweis des Morbus Crohn lässt sich allerdings nicht allein anhand der typischer Symptome erbringen. Um die Krankheit eindeutig festzustellen, müssen diagnostische Verfahren (Blutuntersuchung, bildgebende Verfahren, Darmspiegelung, Dünndarmbiopsie etc.) eingesetzt werden.

Was sind die häufigsten Symptome bei Morbus Crohn?

In welcher Form und Intensität die Beschwerden in Erscheinung treten, hängt davon ab, wie stark der Verdauungstrakt betroffen ist. Im Anfangsstadium der Krankheit fühlen sich Betroffene zunächst häufig unwohl: Sie leiden unter Blähungen und Durchfall. Je ausgeprägter die Krankheit wird, desto stärker zeigen sich die Symptome.

Die häufigsten Symptome von Morbus Crohn im Überblick:

Dabei treten jedoch nicht immer alle Symptome gleichzeitig auf.

Was sind Symptome des Magen-Darm-Trakts?

Die ersten Anzeichen des Morbus Crohn, sogenannte Kardinalsymptome, sind bei den meisten Betroffenen gleich. Zu ihnen zählen:

  • breiige bis flüssige Durchfälle (meist nicht blutig)
  • starke Bauchschmerzen bis hin zu Bauchkrämpfen (typischerweise im rechten Unterbauch)
  • Blähungen

Achtung


Aus dieser Symptomkonstellation heraus entstehen häufig weitere Probleme wie Untergewicht und ein Mangel an Nährstoffen.


Diese Symptome sind nur wenig spezifisch und lassen großen Interpretationsspielraum. Jeden Tag suchen viele Menschen mit ähnlichen Beschwerden einen Arzt auf, was die Diagnosestellung schwierig macht.. Typisch für Morbus Crohn ist hingegen, wenn diese Symptome schubförmig auftreten und sich mit symptomfreien Phasen abwechseln. Außerdem leiden Betroffene zum Zeitpunkt der Vorstellung beim Arzt schon seit längerer Zeit an ihren Beschwerden, was bei der Abgrenzung zu unkomplizierten Magen-Darm-Infektionen hilft.

Wichtig


Lange und schwere Entzündungsreaktionen steigern mit der Zeit zudem das Risiko der Entartung. Die Folge können Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktes sein.


Durchfälle bei Morbus Crohn

Als eines der wichtigsten Symptome gelten die ständig wiederkehrenden Durchfälle. Meist sind sie wässrig bis schleimig und gehen mit krampfartigen Bauchschmerzen einher. Anders als bei der Colitis ulcerosa sind die Durchfälle allerdings seltener blutig belegt.

Von Morbus Crohn Betroffene berichten teilweise über das andauernde, äußerst schmerzhafte Gefühl des ständigen Stuhldranges. Der Arzt bezeichnet dieses Phänomen als sogenannte Tenesmen (griech. teinesmós =Hartleibigkeit).

Stenosen und Darmverschluss

Je nach Dauer und Ausdehnung können im Verlauf der Erkrankung Komplikationen auftreten, die auch eine Operation erforderlich machen. Dazu zählen beispielsweise sogenannte Stenosen; diese Verengungen oder Engstellen des Darmes können Darmverschlüsse verursachen und damit den Transport des Darminhalts verhindern.

Fisteln und Fissuren

Leiden Betroffene über Jahre an Morbus Crohn, wirken sich die Entzündungen schädigend auf die Schleimhäuteaus. Fisteln oder Fissuren können die Folge sein. Fissuren sind Hautrisse, die vor allem im Bereich des Afters entstehen. Als Fisteln werden Verbindungsgänge zwischen den Darmabschnitten oder zwischen Darm und Haut bezeichnet.

Schwere Komplikationen bei Morbus Crohn

Eine chronische Entzündung geht auf lange Sicht nicht spurlos an der Darmschleimhaut vorbei. Besteht der Morbus Crohn seit Jahren, kann er die Schleimhäute stark schädigen. Die Folgen sind unter anderem:

  • entzündungsbedingte Risse in der Haut (Fissuren), vor allem im Bereich des Afters
  • mit Eiter gefüllte Hohlräume (Abszesse), die sich aus Darm- oder Anusfisteln bilden können
  • Verbindungsgänge zwischen zwei Darmschlingen, dem Darm und der Bauchdecke oder zu anderen Organen wie der Harnblase (Fisteln)
  • Löcher in der Darmwand (Perforationen), durch die Darminhalt in den Bauchraum treten und dadurch eine schwere Infektion (Peritonitis) verursachen kann

Achtung


Eine Darmperforation ist lebensbedrohlich.


Welche Symptome treten außerhalb des Verdauungstrakts auf?

Morbus-Crohn-Symptome zeigen sich nicht nur in Form von Magen-Darm-Beschwerden. Indizien für die Erkrankung finden sich auch außerhalb des Verdauungstrakts. Beispiele hierfür sind:

  • Gelenkschmerzen und -entzündungen (Arthritis)
  • Entzündungen und Rötungen an den Augen
  • Leber- und Gallenprobleme
  • Fieber
  • Hautreizungen und -entzündungen (häufig an den Beinen und im Mund)
  • Müdigkeit
Organ Symptom
Haut offene Stellen in der Mundschleimhaut (Aphthen) bei etwa zehn Prozent der Betroffenen, rote schmerzhafte Knötchen auf der Haut (Erythema nodosum), großflächige Hautgeschwüre (Pyoderma gangraenosum)
Augen Rötungen, Augenhautentzündung
Gelenke Gelenkentzündung bei über zehn Prozent der Betroffenen
Leber und Galle Gallenwegsentzündung (primär sklerosierende Cholangitis),

Symptome im Mundbereich

Zwar gehört der Mundbereich anatomisch noch zum Verdauungstrakt, jedoch bezeichnet man diese Symptome des Morbus Crohn als außerhalb des Magen-Darm-Trakts gelegen. Neben der Mundschleimhaut können dabei auch das Zahnfleisch und die Lippen betroffen sein. Hier beobachten Betroffene schmerzhafte Symptome wie:

  • Rötung
  • Schwellung
  • kleine Bläschen
  • entzündliche, tiefreichende Wundreale mit weißlichem Belag (Aphthen)

Symptome der Haut

Die Haut kann sich bei Morbus Crohn ebenfalls entzündlich verändern. Betroffen sind meist die Beine und hier vor allem die Unterschenkel. Je nach Art der Hautentzündung unterscheidet der Arzt:

  • eine Entzündung des Unterhautfettgewebes mit rötlichen Papeln (Erythema nodosum)
  • entzündliche und äußerst schmerzhafte Geschwüre mit Blasen, Pusteln, schwarzen Verfärbungen und abgestorbenen Hautarealen (Nekrosen) – die sogenannte Pyoderma gangraenosum tritt jedoch nur sehr selten im Rahmen des Morbus Crohn auf und ist etwas häufiger bei der Colitis ulcerosa

Symptome der Gelenke

Häufig von Entzündungen betroffen sind die Gelenke (enteropathische Arthritis). Viele Betroffene berichten sogar noch vor den Problemen des Magen-Darm-Trakts von Schmerzen in den Gelenken (Arthralgien) und der Wirbelsäule.

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Symptome der Augen

Auch die Augen können im Rahmen des Morbus Crohn betroffen sein.Je nachdem welche Bereiche des Auges betroffen sind, spricht man von unterschiedlichen Arten der Entzündung:

  • Entzündung der mittleren Augenhaut (Uveitis); diese umfasst die Aderhaut (Choroidea), den Strahlenkörper (Corpus ciliare) sowie die Regenbogenhaut (Iris)
  • Entzündung der Regenbogenhaut (Iritis)
  • Entzündung der äußerlichen Lederhaut (Skleritis)

Symptome der Galle und Leber

Entzündungen der Leber- und Gallengänge sind seltene Varianten des Morbus Crohn und treten häufiger bei der Colitis ulcerosa auf. Entzünden sich die Gallenwege chronisch und weisen mit der Zeit auch narbige Verhärtungen sowie Verengungen auf, spricht man von der primär sklerosierenden Cholangitis.

Welchen Einfluss hat die Erkrankung auf die Psyche?

Morbus Crohn kann sich negativ auf das allgemeine Wohlbefinden und die Psyche auswirken. Viele Betroffene fühlen sich durch die Krankheit in ihrem Leben stark eingeschränkt – sowohl in der Partnerschaft als auch im Beruf und in der Freizeit. Der häufige Stuhldrang bei einem aktiven Schub führt dazu, dass sich die Betroffenen nur in der Nähe einer Toilette bewegen können. Reisen, Sport oder andere Freizeitbeschäftigungen sind für die meisten während eines Schubs nicht möglich. Viele Betroffene reduzieren deshalb ihre sozialen Kontakte und ziehen sich zurück.

Wie zeigt sich Morbus Crohn bei Kindern?

Auch Kinder und Säuglinge können von Morbus Crohn betroffen sein. In Deutschland leiden jedes Jahr bis zu 1.500 Kinder unter der entzündlichen Darmkrankheit. Anders als bei Erwachsenen ist die Erkrankung bei Heranwachsenden zudem mit erheblichen Entwicklungsverzögerungen verbunden. Eine Entzündung der Verdauungsorgane führt neben Durchfällen und Appetitlosigkeit auch zu einer schlechteren Nährstoffaufnahme. Erschöpfungsgefühle sind häufig die Folge sowie Verzögerungen in der Entwicklung. Häufig wachsen betroffene Kinder daher langsamer. Auch kann die Pubertät zu einem späteren Zeitpunkt einsetzen.

Genauso wie bei Erwachsenen wirkt sich Morbus Crohn bei Kindern nicht nur auf das Verdauungssystem aus. Andere Organe können ebenfalls betroffen sein und Veränderungen an Augen, Haut oder Gelenken sind keine Seltenheit.

Was sind Symptome durch Mangelernährung bei Morbus Crohn?

Der Darm ist nicht nur dafür verantwortlich, den Nahrungsbrei einzudicken und zu Stuhl zu verarbeiten. Er entzieht ihm neben Flüssigkeit auch wichtige Nährstoffe, die mit der Nahrung aufgenommen werden. Ist die Darmwand ständig entzündet, funktioniert die Aufnahme der Nährstoffe nicht mehr richtig. Der Körper reagiert auf diesen Mangel an Nährstoffen wiederum auf unterschiedliche Art und Weise. Besonders typisch sind Symptome wie:

  • Gewichtsverlust
  • Appetitlosigkeit
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Wachstumsverzögerungen bei Kindern
  • Blutarmut (Anämie) durch die chronische Entzündung, den Verlust von Eisen durch die Blutungen im Darm und das Fehlen von Vitamin B12 (Cobalamin), das für die regelrechte Bildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) wichtig ist
  • fehlerhafte Wiederaufnahme von Gallensäuren und damit verbundene Durchfälle, fettiger Stuhlgang, Mangel an fettlöslichen Vitaminen, Gallen- und Harnsteine
  • durch Zinkmangel bedingte Hautablösungen an Händen und Füßen sowie im Genitalbereich, die der sogenannten Acrodermatitis enteropathica ähneln

Wie lassen sich Morbus-Crohn-Symptome lindern?

Morbus Crohn ist nicht heilbar. Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen, können allerdings Symptome reduzieren. Ziel der Therapie ist dabei der Gewinn an Lebensqualität und außerdem die Verhinderung des Fortschreitens der Erkrankung. Dazu erarbeitet der Arzt mit dem Betroffenen einen individuellen Therapieplan, der Aspekte einer Ernährungsumstellung, einer medikamentösen und möglicherweise auch operativen Therapie enthält. Auch eine Anpassung der Lebensgewohnheiten trägt dazu bei, dass sich die Abstände zwischen den Schüben verlängern und die auftretenden Symptome deutlich gelindert werden können.

Tipps für von Morbus Crohn Betroffene


  • regelmäßige Arztbesuche und Kontrolle der Blutwerte helfen bei der Auswahl der richtigen Therapie und bei der frühzeitigen Erkennung etwaiger Komplikationen
  • eine nährstoffreiche Ernährung mit vielen Vitaminen und Spurenelementen mindert Mangelerscheinungen. Für eine Ernährungsumstellung bietet sich eine begleitende Ernährungsberatung an
  • sehr hilfreich ist es außerdem, mit dem Rauchen aufzuhören: Die Schübe treten seltener auf und das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs sinkt
  • Entspannungsübungen, Selbsthilfegruppen und Gesprächstherapien helfen Betroffenen dabei, mit den psychischen Belastungen umzugehen

Treten bisher unbekannte Symptome auf oder kündigt sich ein neuer Schub an, sollten Betroffene schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, der Therapie und Medikation dann entsprechend anpasst.

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. AWMF – Leitlinien. Langfassung der Leitlinie. Diagnostik und Therapie des M. Crohn. Register Nr. 021-004. Online abgerufen am 22.05.2018 unter http://www.awmf.org/uploads/txszleitlinien/021-004lS3MorbusCrohnDiagnostikTherapie_2014-09.pdf.

Conrad S., Muche-Borowski. C., Raspe H. (2009): Evidenzbasierte und interdisziplinär konsentierte Versorgungspfade für Patientinnen und Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, online abgerufen unter https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0028-1109323#AZfG-0107-1.

Seminar F. (2015): Stenose bei Morbus Crohn: Dilatation oder Operation?, CME, Volume 12, pp 34. Online abgerufen a, 22.05.2018 unter https://link.springer.com/article/10.1007/s11298-015-1529-9.

Elizabeth Oliver, PhD

Elizabeth Oliver, PhD

Elizabeth Oliver is a researcher and freelance writer with a passion for health sciences. She completed her degree in pharmacology at the University of Edinburgh and PhD in reproductive health at Imperial College London. She currently works as a researcher at the Karolinska Institutet Stockholm.

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