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Nahrungsmittelunverträglichkeiten testen

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

In den westlichen Industrienationen leiden viele Menschen unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (NMU). Dabei kommt es häufig zu Schmerzen nach dem Essen, Bauchkrämpfen, Übelkeit und Durchfall. Es sind viele Auslöser bekannt, die zu einer Unverträglichkeit gegen bestimmte Nahrungsbestandteile führen können. Dieser Artikel erklärt, welche Unverträglichkeiten es gibt und wie man testet, ob eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vorliegt.


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Was ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Nahrungsmittelunverträglichkeit ist ein Oberbegriff für Krankheitssymptome, die durch die Aufnahme von Nahrungsmitteln hervorgerufen werden. Von den Nahrungsmittelunverträglichkeiten muss man die Nahrungsmittelallergien abgrenzen. Allergien werden vom Immunsystem vermittelt, bei Unverträglichkeiten spielt das Immunsystem hingegen keine Rolle. Die Ursache von Nahrungsmittelunverträglichkeiten liegt an anderer Stelle. Sie werden durch Enzym-Defekte (zum Beispiel Lactose-Intoleranz) oder gezielte Reaktionen auf bestimmte Stoffe (zum Beispiel Histaminunverträglichkeit) ausgelöst.

Welche Tests für verschiedene Formen der Nahrungsmittelunverträglichkeit gibt es?

Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden durch verschiedene Mechanismen ausgelöst. Aus diesem Grund gibt es auch eine Vielzahl an Tests, um die Unverträglichkeit zu bestimmen. Die Art des Tests richtet sich nach der Art der Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Test auf Lactose-Unverträglichkeit (Lactose-Intoleranz)

Laktoseunverträglichkeit test

Hier geht’s zum Laktoseintoleranz-Selbsttest

Die Unverträglichkeit von Lactose (Lactose-Unverträglichkeit) ist sehr häufig. Ihr liegt eine verminderte bis komplett fehlende Aktivität des Enzyms Lactase zugrunde, das für die Aufspaltung von Lactose im Darm verantwortlich ist. Eine solche fehlende oder verminderte Enzym-Aktivität kommt bei bis zu drei Viertel der Weltbevölkerung vor. Die Lactose kann dann nicht im Darm gespalten und aufgenommen werden kann. Als Folge wird sie von Bakterien der Darmflora zu Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasserstoff (H2) verarbeitet. Diese Gase werden über die Darmwand aufgenommen, über das Blut zur Lunge transportiert und mit der Ausatemluft abgegeben. Dieses Phänomen macht man sich in der Diagnose der Lactose-Intoleranz zu Nutze.

Beim sogenannten H2-Atemtest wird dem Patient eine bestimmte Menge an Lactose verabreicht (meist 50 Gramm, bei Kindern ein bis zwei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht). Im Anschluss wird der Wasserstoff in der Ausatemluft gemessen. Kommt es zu hohen Mengen von Wasserstoff in der Ausatemluft, liegt der Verdacht auf eine Lactose-Intoleranz nahe. Der Grenzwert ist hier üblicherweise 20 ppm („parts per million”, bestimmte Art, Konzentrationen anzugeben). Außerdem wird während der gesamten Testzeit auf Symptome wie Blähungen und Bauchschmerzen geachtet.

Da ein Defekt im Gen für die Lactase der häufigste Auslöser für eine Lactose-Intoleranz ist, kann diese Unverträglichkeit auch durch eine Gen-Untersuchung festgestellt werden. Eine solche Untersuchung ist allerdings teurer als der H2-Atemtest. Entweder die Krankenkasse genehmigt den Test oder man muss ihn selbst bezahlen.

Test auf Fructose-Unverträglichkeit (Fructose-Intoleranz)

Fruktoseunverträglichkeit Test

Hier geht’s zum Fruktoseintoleranz-Selbstest

Diese Form der Nahrungsmittelunverträglichkeit wird durch eine nicht ausreichende Funktion eines Fructose-Transporters hervorgerufen. Diese mangelhafte Funktion kann entweder an einer reduzierten Anzahl oder einer gestörten Funktionsweise des Transporters liegen. Der Transporter, der den Namen GLUT-5 trägt, liegt in der Schleimhaut des Darmes. Er sorgt dafür, dass Fructose durch die Schleimhaut in den Körper gelangen kann.

Bei einer Fructose-Intoleranz kann auch ein H2-Atemtest erfolgen. Er funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie der H2-Test, der bei der Diagnose der Lactose-Intoleranz zum Einsatz kommt.

Außerdem kann eine Fructose-Intoleranz über einen Fructose-Belastungstest ermittelt werden. Im Rahmen dieses Tests nimmt der Patient eine große Menge Fructose auf nüchternen Magen auf, zum Beispiel ein großes Glas naturtrüben Apfelsaftes. Dann beobachtet man, ob innerhalb der nächsten Stunden Symptome auftreten. Einen solchen Test kann der Patient zunächst zu Hause durchführen. Treten Symptome auf, sollte er Rücksprache mit einem Arzt halten, um die Diagnose beispielsweise mithilfe des H2-Atemtests zu bestätigen.

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Test auf Histamin-Unverträglichkeit (Histamin-Intoleranz)

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Histamin kommt vor allem in Nahrungsmitteln vor, die einen Reifungsprozess durchlaufen haben. Zu diesen zählen Käse, Rotwein, Sauerkraut und viele weitere.

Die Ausschüttung von Histamin spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Allergien. Allerdings kann Histamin auch ohne das Vorhandensein einer Allergie Symptome auslösen. Beim Verzehr großer Mengen von Histamin (zum Beispiel in verdorbenem Fisch) kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen. Es ist umstritten, ob auch kleine Mengen Histamin Unverträglichkeitsreaktionen auslösen können.

Einige Patienten berichten davon, dass histaminhaltige Lebensmittel bei ihnen Übelkeit, Bauchschmerzen, aber auch allergieähnliche Symptome wie Juckreiz, Nasenlaufen, tränende Augen, Atemnot und Schwindel auslösen können. Ob diese Beschwerden wirklich durch Histamin ausgelöst werden ist unter Forschern umstritten und aktuell gibt es keinen eindeutigen Beweis dafür.

Eine Theorie, wieso einige Menschen größere Mengen an Histamin schlecht vertragen, betrifft die Enzyme, die Histamin abbauen. Dies sind sogenannte Dioxidasen (DOA). Eine erniedrigte Aktivität dieser Enzyme könnte der Grund für Histamin-Unverträglichkeit sein. Die Aktivität von DOA kann mit Labortests aus dem Blut bestimmt werden. Allerdings werden diese Bluttests von einigen Experten als unbrauchbar bewertet. Bei Verdacht auf eine Histamin-Unverträglichkeit wird stattdessen als Erstes eine histaminarme Ernährung empfohlen, bei der man beobachten kann, ob die Beschwerden nachlassen.

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Was für weitere Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt es?

Es gibt zwei weitere Testverfahren, die leicht durchzuführen und zur Diagnostik der meisten Nahrungsmittelunverträglichkeiten geeignet sind:

  • Provokationstests
  • Eliminationstests

Provokationstest bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Provokationstests beruhen auf einem einfachen Testprinzip: Besteht der Verdacht darauf, dass ein bestimmtes Nahrungsmittel eine Unverträglichkeitsreaktion hervorruft, nimmt der Patient dieses Nahrungsmittel zu sich und beobachtet, ob eine Reaktion auftritt. Die Identifikation solcher Nahrungsmittel kann zum Beispiel durch das Führen eines Ernährungstagebuchs geschehen. Darin notieren sich die Patienten genau, was sie essen und wie sie sich nach dem Essen fühlen. Provokationstests sind einfach durchzuführen. Dennoch sollten sie immer in Absprache mit dem Arzt erfolgen, da Symptome wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe und Durchfall auftreten können.

Eliminationstests bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Ein Eliminationstest ist in gewisser Weise das Gegenteil eines Provokationstests. Hier werden nach und nach Nahrungsmittel entfernt, die im Verdacht stehen, eine Unverträglichkeitsreaktion auszulösen. Tritt eine Besserung der Symptome auf, ist davon auszugehen, dass eines der ausgelassenen Nahrungsmittel tatsächlich für diese Reaktion verantwortlich ist.

Bei welchen Ärzten kann man einen Unverträglichkeitstest machen?

Der Hausarzt kann als erste Anlaufstelle zu Unverträglichkeiten beraten und bei Bedarf an Spezialisten überweisen:

1. Internisten und Gastroenterologen

  1. Lactose-Intoleranz (Atemtest)
  2. Fructose-Intoleranz (Atemtest)
  3. Sorbit-Intoleranz (Atemtest)
  4. Zöliakie/Glutenunverträglichkeit (IgA-Antikörper)

2. Hautarzt (Dermatologe)

  1. Nahrungsmittel-Allergietest auf der Haut (zum Beispiel Haut-Pricktest)
  2. IgE-Antikörper-Testung auf Allergien (Bluttest)
  3. Histamin-Unverträglichkeit (DAO)

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind sehr häufig. Sie stellen für die Betroffenen eine große Belastung dar. Einerseits treten starke Symptome auf, andererseits kann man das Essen weniger genießen. Es existiert aber eine Reihe von Tests, um die Ursache der Nahrungsmittelunverträglichkeit ausfindig zu machen.

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Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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