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Darmentzündung – Alles rund um Entzündungen im Darm

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen zählen zu den häufigsten Beschwerden überhaupt: In Deutschland leidet jeder Zehnte regelmäßig daran. In vielen Fällen versteckt sich hinter den Beschwerden eine Entzündung im Darm.

Wann spricht man von einer Entzündung im Darm?

Entzündungen sind Reaktionen des Körpers auf schädliche Reize. Die Durchblutung wird angeregt und Botenstoffe werden ausgeschüttet, die dann Immunzellen anlocken. So bereitet sich der Körper darauf vor, den Schaden abzuwehren und zu reparieren.

Wenn im Darm eine Entzündung auftritt, ist davon meist die Schleimhaut betroffen. Dabei handelt es sich um die Schicht, die die Darmwand von innen auskleidet. Die Zellen der Schleimhaut sind ständig äußeren Reizen ausgesetzt, etwa durch Nahrungsbestandteile, Bakterien, Viren, Pilze oder andere Eindringlinge. Auch wenn die Schleimhaut an sich sehr robust ist, können durch solche Reize Entzündungen ausgelöst werden. Da der Darm über eine eigene Immunabwehr verfügt, ist dann nicht selten eine ausgeprägte Reaktion die Folge.

Wo im Darm können Entzündungen auftreten?

Theoretisch kann der gesamte Darm (also Dünndarm und Dickdarm) von einer Entzündung betroffen sein. Dass die volle Länge des Darmes betroffen ist kommt aber selten vor. Meist sind je nach Ursache der Entzündung bestimmte Abschnitte im Darm vorwiegend betroffen.

Die entzündliche Darmerkrankung Colitis ulcerosa beispielsweise spielt sich ausschließlich im Dickdarm ab. Sie geht fast immer vom letzten Abschnitt des Darms (Mastdarm/Rektum) aus, kann aber auch den gesamten Dickdarm betreffen. Durch Viren verursachte Darmentzündungen befallen hingegen vorwiegend den Dünndarm und den Magen. Dann spricht man von einer Gastroenteritis.

Was verursacht eine Darmentzündung?

Die Ursachen einer Darmentzündung sind vielfältig. Krankheitserreger (Pathogene) wie Viren, Bakterien und Pilze können von außen in den Darm eindringen und eine Entzündung verursachen. Bestimmte Ernährungsgewohnheiten können die natürliche Darmflora beeinflussen und so eine Entzündung begünstigen. Wenn das eigene Immunsystem den Darm angreift, spricht man von einer autoimmunen Erkrankung. Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa haben eine solche autoimmune Ursache.

Viren, Bakterien und Pilze

Die häufigsten Verursacher von Darmentzündungen sind Viren. Man geht davon aus, dass sie in bis zu 70 Prozent der Fälle ursächlich für Entzündungen des Magen-Darm-Traktes (Gastroenteritis) sind. Viral verursachte Darmentzündungen können je nach ursächlichem Virus mit heftigen Beschwerden einhergehen, oft auch mit Erbrechen und Fieber. Meist heilen sie ohne medikamentöse Behandlung wieder ab. Bei Gastroenteritis ist es wichtig, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Bakteriell verursachte Darmentzündungen sind seltener als virale. Sie gehen meist mit stärkeren und länger andauernden Beschwerden einher und erfordern in vielen Fällen eine stationäre Behandlung im Krankenhaus. Zur Behandlung der bakteriellen Entzündungen können Antibiotika verwendet werden.

Bei von Pilzen verursachten Darmentzündungen spielt vor allem der Hefepilz Candida albicans eine wichtige Rolle. Er kommt zwar auch bei Gesunden auf der Darmschleimhaut vor (Besiedelung/Kolonisation), er kann sich aber auch drastisch vermehren und die Schleimhautbarriere durchbrechen. Dann kommt es zu einer Infektion. Dies passiert jedoch selten und vor allem bei Menschen mit gestörtem Immunsystem.

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Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zählen zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Es handelt sich um Krankheiten, bei denen das eigene Immunsystem sich gegen Bestandteile des Darmes richtet. Die genauen Ursachen für diese Reaktion des Immunsystems sind bis heute nicht ausreichend verstanden. Allerdings weiß man, dass sich die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen darin unterscheiden, wo im Magen-Darm-Trakt sie auftreten.

Morbus Crohn kann theoretisch den gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After befallen und dabei auch einzelne Abschnitte auslassen. Colitis ulcerosa hingegen tritt nur im Dickdarm und nur kontinuierlich aus, das heißt ohne Auslassen von Darmabschnitten.

Kann auch eine falsche Ernährung zu Darmentzündungen führen?

Der menschliche Darm beherbergt etwa 40 Billionen Bakterien. Das entspricht einem Gewicht von etwa 200g. Diese Darmflora ist darauf abgestimmt, mit uns gemeinsam zu leben. Sie verarbeitet Bestandteile unserer Nahrung und hilft uns, wichtige Nährstoffe zu gewinnen, etwa kurzkettige Fettsäuren und Vitamine.

Unsere Ernährung und unsere Darmflora beeinflussen sich gegenseitig. Je nach dem, was wir essen, ziehen wir damit auch andere Arten von Bakterien an. Zuckerhaltige Speisen locken Zucker-verarbeitende Bakterien und Pilze an. Eine ballaststoffreiche Nahrung ködert Ballaststoff-verarbeitende Bakterien.

Um schädliche Bakterien in Schach zu halten, ist es wichtig, dass die Darmflora im Gleichgewicht bleibt. Diejenigen Bakterien, die Bestandteil einer gesunden und natürlichen Darmflora sind, hindern nämlich schädliche Bakterien daran, sich auszubreiten und zu vermehren. So beugt eine gesunde Darmflora Entzündungen im Darm vor.


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Welche Symptome treten bei einer Entzündung im Darm auf?

Die Symptome einer Darmentzündung sind vielfältig und können von Patient zu Patient unterschiedlich ausfallen. Ein Symptom, das bei vielen Patienten mit Darmentzündungen auftritt, ist Durchfall. Durch die Schädigung verliert die Schleimhaut ihre Fähigkeit, der Nahrung Wasser zu entziehen. Die Folge ist, dass der Darminhalt flüssig bleibt und den Darm schneller wieder verlässt als bei gesunden Menschen.

Durchfall geht oft mit starken Bauchschmerzen und Krämpfen einher. Je nach Ursache der Darmentzündung treten die Schmerzen an verschiedenen Stellen im Bauch auf. Bei der klassischen Gastroenteritis schmerzt meist der gesamte Bauch. Colitis ulcerosa betrifft vor allem das Rektum und ist häufig von Schmerzen im linken Unterbauch begleitet.

Bei Entzündungen des Darmes kommt es zusätzlich oftmals zu Übelkeit und Erbrechen. Zum einen erschwert das die Nahrungsaufnahme und zum anderen kommt es durch das Erbrechen (häufig in Kombination mit Durchfall) zum Wasserentzug (Dehydratation). Deshalb ist es bei Entzündungen des Darmes wichtig, auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten.

Besonders bei viralen und bakteriellen Entzündungen treten häufig auch Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf.

Die häufigsten Symptome einer Darmentzündung sind:

  • Durchfall
  • Übelkeit und Erbrechen
  • starke Bauchschmerzen und -krämpfe
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen.

Entzündung im Darm ohne Durchfall – kann das sein?

Durchfall ist ein häufiges Symptom von Darmentzündungen. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Darmentzündung auch mit Durchfall einhergehen muss. Der Durchfall kommt zustande, wenn die geschädigte Schleimhaut die Flüssigkeit im Darm nicht mehr richtig aufnehmen kann. Auch bestimmte Stoffe, die zum Beispiel von Bakterien freigesetzt werden, können die Flüssigkeitsaufnahme behindern.

Doch während bei vielen Darmentzündungen Durchfall auftritt, gibt es auch Fälle, in denen das nicht der Fall ist. Milde Magen-Darm-Entzündungen führen häufig nur zu geringen oder gar keinen Veränderungen in der Stuhlfrequenz und -konsistenz.

Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehen zwar in der Regel mit Durchfall einher. Aber auch hier kann es zu Phasen kommen, in denen zwar Schmerzen auftreten, der Durchfall aber fehlt.


Schon gewusst?

Durchfall ist ein häufiges Symptom von Darmentzündungen, aber nicht bei jeder Darmentzündung muss es zu Durchfall kommen.


Wie wird eine Entzündung im Darm festgestellt?

Es gibt verschiedene diagnostische Mittel, um eine Darmentzündung festzustellen. Eine virale Gastroenteritis, die einen großen Teil der Darmentzündungen ausmacht, kann schon anhand der Schilderungen des Patienten erkannt werden. Die Untersuchung einer Stuhlprobe ist bei einer gewöhnlichen viralen Gastroenteritis nicht notwendig.

Bei komplexeren Fällen oder wenn man Bakterien als Auslöser vermutet, kann die Untersuchung einer Stuhlprobe sinnvoll sein. Außerdem können Untersuchungen des Blutes helfen, das Ausmaß der Entzündung festzustellen.

Gelangt man mit diesen Mitteln noch zu keiner Diagnose, kann eine Darmspiegelung (Koloskopie) zum Einsatz kommen. Mit dieser Methode lassen sich die meisten Darmentzündungen sicher diagnostizieren.

Welche Rolle spielen Ultraschall-Untersuchungen bei der Diagnose von Entzündungen im Darm?

Eine Ultraschall-Untersuchung ermöglicht es, ohne Strahlung Strukturen im Inneren des Körpers darzustellen. Im Bereich des Magen-Darm-Traktes findet Ultraschall zum Beispiel Anwendung, um eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) festzustellen. Für die Diagnose von Darmentzündungen sind Ultraschall-Untersuchungen allerdings nur eingeschränkt sinnvoll. Der Grund ist, dass sie zwar unter Umständen grobe Entzündungszeichen sichtbar machen, aber das genaue Ausmaß der Entzündung und ihre Ursache lassen sich nur schwer ermitteln.

Außerdem handelt es sich beim Ultraschall um ein Verfahren, das stark vom jeweiligen Untersucher abhängig ist: Je mehr der Untersucher auf den Ultraschall von Darmerkrankungen spezialisiert ist, desto eher wird er Darmentzündungen mit dieser Methode diagnostizieren können.

Wie kann man eine Entzündung im Darm behandeln?

Die häufigste Art der Darmentzündung, die virale Gastroenteritis, heilt meist ohne Behandlung wieder aus. Die wichtigsten Maßnahmen sind hier Bettruhe und eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Am besten eignen sich Wasser, Tee und klare Brühen, zum Beispiel Gemüse- oder Hühnerbrühe. Diese Brühen enthalten zusätzlich wichtige Mineralstoffe, die dem Körper im Rahmen der Darmentzündung ebenfalls fehlen können.

Bei schweren Durchfallerkrankungen oder besonderen Patientengruppen wie alten Menschen oder kleinen Kindern ist die sogenannte Oral Rehydration Solution aus der Apotheke wichtig, um Mineralstoffe (Elektrolyte) zuzuführen. Wie die richtige Ernährung aussieht, ist von Person zu Person unterschiedlich.

Die Einnahme von Antibiotika ist bei einer durch Viren verursachten Darmentzündung nicht sinnvoll, da Antibiotika nur gegen Bakterien wirken. Bakterielle Darmentzündungen heilen teilweise spontan aus, dann gleicht die Behandlung der viralen Darmentzündung. In manchen Fällen kann auch die Gabe von Antibiotika hilfreich sein.

Bei Darmentzündungen, die durch ein Ungleichgewicht der Darmflora (Dysbiose) entstehen, ist die Ernährung ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Das liegt daran, dass Patienten durch eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung das Wachstum „guter“ Bakterien aktiv fördern können. Sind ausreichend dieser „Gesundheits-Helfer” vorhanden, hindert das zudem schädliche Bakterien am Wachstum.

Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden in Stufen behandelt. Hierfür kommen vornehmlich Medikamente zum Einsatz, die das Immunsystem unterdrücken und damit die Reaktion des Körpers in Schach halten. Zu diesen Medikamenten zählt zum Beispiel Kortison, das zur Behandlung von akuten Krankheitsschüben eingesetzt wird.

Darmentzündungen sind häufig. Um den Beschwerden optimal zu begegnen, ist es wichtig, die Auslöser und typischen Symptome der Darmentzündungen zu kennen, da abhängig von der Ursache viele unterschiedliche Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen.

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Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.

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