Iberogast

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Iberogast

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Magen-Darm-Beschwerden sind eine Volkskrankheit und auch in Deutschland ist jeder Fünfte von gelegentlichen Bauchkrämpfen, Blähungen und Sodbrennen betroffen. Iberogast lindert diese Beschwerden zuverlässig und nebenwirkungsarm. Das pflanzliche Medikament ist mittlerweile vor über 50 Jahren auf den Markt gekommen und noch heute eines der umsatzstärksten Medikamente der Firma Bayer. Dabei ist eines der Argumente für Iberogast: Die Wirkung beruht auf natürlichen Inhaltsstoffen und wird daher in der Regel gut vertragen. Insbesondere bei Verdauungsproblemen mit Bewegungsstörung des Darms (Motilitätsstörung), dem Reizdarmsyndrom und Magenentzündungen (Gastritis) wirkt Iberogast gut. Doch auch bei anderen Beschwerden überzeugt es mit seiner Wirkung.

Was ist Iberogast und woraus besteht es?

Iberogast ist der Handelsname des pflanzlichen Mittels (Phytopharmakon) SWT-5. SWT-5 enthält Stoffe aus neun verschiedenen Heilkräutern. Darunter fallen Extrakte aus folgenden Pflanzen:

  1. bittere Schleifenblume (Iberis amara)
  2. Kamillenblüte
  3. Kümmelfrüchte
  4. Mariendistelfrüchte
  5. Pfefferminzblätter
  6. Schöllkraut
  7. Angelikawurzel
  8. Süßwurzel
  9. Melissenblätter

Außerdem enthält Iberogast 31 Prozent Alkohol. Das ist nötig, um die Inhaltsstoffe aus den Pflanzen zu gewinnen.

Wo bekomme ich Iberogast?

Iberogast ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und wird als flüssiges Medikament in Form von Tropfen zum Schlucken verkauft. Dabei sind übliche Verpackungsgrößen 20, 50 und 100 ml Flaschen zum Preis von circa 25 Euro pro 100 ml.

Wie wirkt Iberogast?

Die genaue Wirkung von Iberogast ist noch nicht vollständig erforscht, dennoch hat sich Iberogast in Patientenstudien als sehr wirksam erwiesen. Hinzu kommt, dass Iberogast im Vergleich mit anderen, nicht-pflanzlichen Medikamenten wie MCP (Metoclopramid) gleich gute oder sogar bessere Ergebnisse erzielte.

Um zu verstehen, wie Iberogast bei Verdauungsproblemen hilft, müssen wir uns den Aufbau unseres Magen-Darm-Traktes vor Augen führen. Nahrungsbrei wird durch unseren Darm transportiert, indem sich die Darmwand-Muskulatur in wellenförmige Bewegungen anspannt und wieder lockerlässt. Wenn diese Darm-Muskeln verkrampfen, kommt die Darmbewegung zum Erliegen — und mit ihr der Transport des Speisebreis. Dies wiederum verursacht neben vielen anderen Beschwerden beispielsweise Völlegefühl, Magenschmerzen und -krämpfe, Druckgefühl im Bauch und Blähungen.

Iberogast greift an dieser Stelle an und wirkt im Magen-Darm-Trakt

  • beruhigend auf die Nerven
  • entspannend auf die Muskulatur
  • regulierend auf die Bewegung

Außerdem können Entzündungen der Magen- und Darmschleimhaut Grund für Magenschmerzen sein. Wenn unsere Magenschleimhaut häufig entzündet ist, reagiert der Körper, indem der Magen mehr sauren Magensaft produziert als er sollte. Dadurch, dass der Magesaft die bereits gereizte Magen- und Darm-Schleimhaut angreift, verschlimmern sich die Beschwerden – und die Folge sind Blähbauch und saures Aufstoßen (Sodbrennen). Hier wirkt Iberogast

  • ausgleichend auf die Bildung von saurem Magensaft
  • schützend auf die Magenschleimhaut
  • sowie lindernd bei Entzündungen

Bei welchen Beschwerden  kann ich Iberogast einnehmen?

Besonders gut wirkt Iberogast bei Verdauungsstörungen wie zum Beispiel

  • Magen-Darm-Krämpfen
  • Völlegefühl, Druckgefühl und Blähbauch
  • Übelkeit
  • Sodbrennen

Achtung: Wer darf Iberogast nicht  einnehmen?

Obwohl Iberogast ein in der Regel gut verträgliches Medikament ist, sollte es insbesondere aufgrund des Alkoholanteils durch folgende Personengruppen nicht eingenommen werden:

  • Kinder unter 3 Jahren, da Iberogast für sie noch nicht ausreichend getestet wurde
  • Patienten, die überempfindlich (allergisch) auf einen der Inhaltsstoffe von Iberogast reagieren
  • Patienten, die aus individuellen Gründen auf Alkohol verzichten müssen

Wie nehme ich Iberogast richtig ein?

Topfen Iberogast

Iberogast-Tropfen

Wenn nicht anders durch den Arzt oder Apotheker verordnet, nehmen Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren

  • je 20 Tropfen
  • bis zu 3__-mal täglich__
  • vor den Mahlzeiten
  • nicht länger als 3 bis 4 Tage

Tipp: Vor dem Gebrauch schütteln

Darf ich meinen Kindern Iberogast geben?

Außer in Ausnahmefällen können Kinder ab dem dritten Lebensjahr Iberogast in der für sie empfohlenen Dosierung einnehmen. Dabei nehmen

  • Kinder von 3 bis 5 Jahren nehmen jeweils 10 Tropfen
  • Kinder von 6 bis 12 Jahren 15 Tropfen
  • Jugendliche ab 13 Jahren sowie Erwachsene 20 Tropfen

Achtung: Kinder unter 6 Jahren sollten bei Bauchschmerzen immer einem Arzt vorgestellt werden.

Kann ich Iberogast auch bei Durchfall nehmen?

Da Iberogast regulierend auf die Darmtätigkeit wirkt, kann es auch bei Durchfall genommen werden. Allerdings reagiert die Magen- und Darmschleimhaut in Einzelfällen überempfindlich auf bestimmte Inhaltsstoffe, wodurch erneuter Durchfall ausgelöst wird. Außerdem kann der in Iberogast enthaltene Alkohol den Darm irritieren und abführend wirken. Daher empfiehlt es sich im Zweifel, Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu halten.

Ich bin schwanger oder stille — darf ich Iberogast einnehmen?

Seitens des Herstellers von Iberogast besteht keine ausdrückliche Gegenanzeige, Iberogast während der Schwangerschaft oder Stillzeit einzunehmen. Da Iberogast jedoch 31 Prozent Alkohol enthält, empfehlen wir eine Einnahme trotzdem grundsätzlich mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.

Beeinflusst Iberogast die Wirkung der Pille?

Zwischen Iberogast und der Antibabypille bestehen keine bekannten Wechselwirkungen. In Einzelfällen wird Iberogast aber nicht vertragen und löst Durchfall und Erbrechen aus. Dadurch ist der Verhütungsschutz durch die Antibabypille nicht mehr gewährleistet.

Hat Iberogast Nebenwirkungen?

Wie jedes Arzneimittel kann Iberogast Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem Patienten  auftreten müssen. Bei folgenden Überempfindlichkeitsreaktionen sollte Iberogast abgesetzt und ein Arzt aufgesucht werden

  • Hautausschlag
  • Juckreiz
  • Atembeschwerden
  • Schweißausbruch
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall

Außer als Ursache dieser Überempfindlichkeitsreaktionen steht Iberogast im Verdacht, schädigend auf die Leber zu wirken, da vereinzelt Fälle auftraten, in denen das in Iberogast enthaltene Schöllkraut schwere und unwiderrufliche Leberschäden bewirkte. Zu diesen potentiellen Leberschäden zählen Leberversagen (Leberzirrhose oder -insuffizienz) oder Entzündung der Leber (Hepatitis).

Behörden in der Schweiz sprachen aus diesem Grund Warnhinweise für Iberogast aus. Desweiteren forschten auch in Deutschland Pharmazeuten intensiv zu möglichen Gesundheitsrisiken. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) riet ausdrücklich von der Einnahme des Mittels ab. Bayer weigerte sich jedoch, diese Nebenwirkungen in den Beipackzettel aufzunehmen und wurde dafür zuletzt massiv kritisiert.

Auch wenn diese Leberschäden selten auftreten, sollten Patienten, die häufig Iberogast einnehmen, auf Warnzeichen einer Leberschädigung achten. Eine potentielle Schädigung der Leber kann sich folgendermaßen äußern:

  • Müdigkeit
  • Gelbfärbung der weißen Anteile des Augapfels oder der Haut (Gelbsucht, durch Ablagerung von Gallenpigment)
  • Dunkler Urin
  • Vertiefte, schnelle Atmung (Hyperventilation) und süßlicher, obstartiger Mundgeruch
  • Juckreiz (durch den Übertritt von Gallenflüssigkeit ins Blut), besonders am Fuß

Bei diesen Beschwerden sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Kann ich mich mit Iberogast selbst behandeln oder sollte ich mit meinem Arzt darüber sprechen?

Wenngleich Iberogast als pflanzliches Medikament sanfter und nebenwirkungsarmer wirkt, ist es nie verkehrt, bei Unsicherheiten und Fragen einen Arzt zu konsultieren. Denn jeder Mensch reagiert anders auf ein Medikament. So kann der Arzt die Vorgeschichte seines Patienten berücksichtigen und die Behandlung mit Iberogast individuell abstimmen. Auch auf mögliche Probleme und Gegenanzeigen kann der Arzt hinweisen. Darüber hinaus sollten folgende Patienten die Behandlung mit Iberogast in jedem Fall mit ihrem Arzt besprechen. Patienten, die

  • Überempfindlichkeiten oder Allergien gegen andere Medikamente haben
  • andere Medikamente nehmen müssen
  • an Magen-/Darmgeschwüren (Ulkuskrankheit) leiden
  • trotz Iberogast keine Besserung oder sogar eine Verschlimmerung der Magen-Darm-Beschwerden erleben
  • häufig von Magen-Darm-Beschwerden betroffen sind
  • Iberogast über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen einnehmen

Hilft Iberogast auch auf lange Sicht gegen meine Beschwerden?

Iberogast ist ein Medikament, das die Beschwerden einer Magen-Darm-Krankheit lindert — nicht aber deren Ursache. Diese sollten aus medizinischer Sicht immer abgeklärt werden. Eine wesentliche Rolle spielt dabei — neben der körperlichen Untersuchung — eine umfassende professionelle Ernährungsberatung.

Wir bieten eine solche individuelle Beratung auch online an. Diese wird durch unsere zertifizierten Ernährungsberater durchgeführt, welche auf Erkrankungen des Verdauungssystems und Nahrungsmittelintoleranzen spezialisiert sind und eine langfristige individuell verträgliche Ernährungsweise für Betroffene erarbeiten. Unsere Angebote werden außerdem von Krankenkassen übernommen und sind einsehbar unter diesem Link.

Welche Alternativen habe ich zu Iberogast?

Neben Iberogast werden auch von anderen Arzneimittelherstellern pflanzliche Medikamente gegen Magen-Darm-Beschwerden angeboten. Beispielsweise beruhen tetesept Magen-Darm Tropfen ebenso wie Iberogast auf natürlichen und gut verträglichen Inhaltsstoffen. Allerdings sind sie preisgünstiger und zudem in der Drogerie erhältlich.

Zum Beispiel werden viele der in Iberogast enthaltenen Wirkstoffe als Tees angeboten. Zum einen verkaufen Apotheken spezielle Magen-Darm-Tees mit lindernden Kräutern. Außerdem bieten Supermärkte und Drogerie preiswerter herkömmliche Kräutertees an. Darunter sind zum Beispiel Tees mit Kamille, Fenchel, Kümmel und Anis, die sich als empfehlenswert bei Bauchkrämpfen, Blähbauch und Völlegefühl erwiesen haben. Sie wirken krampflösend und beruhigend auf die Verdauung und das allgemeine Wohlbefinden.

Magen-Darm-Beschwerden können vielfältige Gründe haben. Nicht zu vernachlässigen sind dabei die psychische Komponente und Stress. Wer grundsätzlich darauf verzichten möchte, Medikamente einzunehmen, kann auf eine Vielzahl alternativer Möglichkeiten zurückgreifen:

  • Wärme (zum Beispiel in Form einer Wärmflasche oder eines heißen Bads) wirkt wohltuend und krampflösend
  • Entspannungsrituale wie autogenes Training oder Musik tragen bei vielen Patienten zur Linderung der Beschwerden bei
  • Leichte Bewegung hilft außerdem gegen Verstopfungen, Völlegefühl und Blähbauch — hierfür eignen sich Spaziergänge oder Yoga

Bei Cara Care gibt es dazu viele andere Artikel und Vorschläge, die bei Magen-Darm-Problemen helfen.

Malfertheiner, P. (2017). STW 5 (Iberogast) Therapy in Gastrointestinal Functional Disorders. Digestive Diseases, 35(S1), 25-29. Online abgerufen am 24.04.2018 unter https://www.karger.com/Article/FullText/485410

Lapina, Tatiana L., and Alexander S. Trukhmanov. “Herbal Preparation STW 5 for Functional Gastrointestinal Disorders: Clinical Experience in Everyday Practice.” Digestive Diseases35.S1 (2017): 30-35. Online abgerufen am 24.04.2018 unter https://www.karger.com/Article/FullText/485411

Allescher, Hans-Dieter, and Heba Abdel-Aziz. “Mechanism of Action of STW 5 in Functional Dyspepsia and IBS: The Origin of Multi-Target.” Digestive Diseases 35.S1 (2017): 18-24. Online abgerufen am 24.04.2018 unter https://www.karger.com/Article/Abstract/485456

Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. AWMF-Registriernummer: 021/016. Online abgerufen am 24.04.2018 unter https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2016/11/Leitlinie_Reizdarmsyndrom.pdf

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.