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Candida-albicans-Diät: Wie die Ernährung den Pilz beeinflusst

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Einer starken Besiedlung mit dem Pilz Candida albicans sagt man verschiedene Beschwerden wie Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen nach. Das sogenannte Candida-Syndrom konnte bislang in keiner wissenschaftlichen Studie bewiesen werden. Die Candida-albicans-Diät basiert auf einer zuckerarme Ernährung. So soll die Pilz-Besiedelung des Darms bekämpft werden. Wie läuft eine Candida-albicans-Diät ab und wann ist sie zu empfehlen?


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Wozu dient eine Candida-albicans-Diät?

Bei etwa 50 Prozent aller Menschen lassen sich in Stuhlproben Hefepilze der Candida-Gattung nachweisen. Häufigster Vertreter dieser Gruppe ist Candida albicans. Bei vielen Menschen finden sich die Pilzzellen neben dem Darm auch auf den Schleimhäuten des Mundes und in der Scheide. Candida-Pilze im Darm stehen allerdings nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht im Zusammenhang mit Magen-Darm-Beschwerden. Sie sind für Gesunde vermutlich absolut harmlos (anders sieht das bei Menschen mit krankhaft geschwächtem Immunsystem aus).

Dennoch empfehlen viele Heilpraktiker eine spezielle Anti-Pilz-Diät: Durch die Candida-albicans-Diät soll eine Pilzbesiedlung des Darms bekämpft werden.

Die Candida-albicans-Diät soll eine Candida-Besiedlung einschränken und Infektionen vorbeugen. Denn der Pilz kann Scheiden-Pilzinfektionen auslösen. Bei Menschen, deren Immunsystem durch eine Krankheit oder Medikamente geschwächt ist, kann Candida albicans außerdem zu einer Entzündung im Mund und in der Speiseröhre, in seltenen Fällen auch zu lebensbedrohlichen Infektionen des ganzen Körpers führen.

Wann muss Candida albicans behandelt werden?

Viele Menschen tragen Candida im Darm ohne Beschwerden zu zeigen. Aus diesem Grund gehen Mediziner davon aus, dass der Pilz keine Gesundheitsgefährdung darstellt, solange das Immunsystem gut funktioniert. Neugeborene, alte oder sehr kranke Menschen können jedoch unter einer Überbesiedlung des Darms mit Candida leiden. Dies kann insbesondere nach einer Therapie mit Antibiotika geschehen, da schützende Bakterien durch das Medikament abgetötet werden.

Es ist bisher nicht endgültig geklärt, ob eine Candida-Überwucherung gastrointestinalen Symptomen wie wässrigen Durchfällen und Bauchschmerzen führen kann. Candida sollte jedoch nicht in die Blutbahn geraten, weil dies zu einem schweren, lebensbedrohlichen Krankheitsbild führen kann. Davon Betroffene werden mit Anti-Pilz-Medikamenten, sogenannten Antimykotika, behandelt.

In der Naturheilmedizin wird eine Pilzbesiedlung des Darms hingegen mit verschiedenen Symptomen in Zusammenhang gebracht. Dazu gehören neben Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Kopfschmerzen auch Glieder- und Muskelschmerzen. Gelegentlich werden diese Beschwerden als „Candida-Syndrom“ oder „Candida-Hypersensitivitäts-Syndrom“ bezeichnet. Heilpraktiker vermuten auch einen Zusammenhang mit dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome) oder dem Reizdarmsyndrom. Bisher konnte aber keine wissenschaftliche Studie eine Verbindung zwischen den genannten Symptomen und einer Pilzbesiedlung des Darms festmachen.

Wie läuft die Candida-albicans-Diät ab?

Wird von einem Arzt oder Heilpraktiker eine Darmpilz-Besiedlung als Ursache bestimmter Beschwerden angenommen, besteht die Behandlung in den meisten Fällen aus zwei Komponenten. Zum einen werden Antimykotika verwendet. Einige dieser Mittel, zum Beispiel Nystatin, wirken nur im Darm und damit an der Zielstelle. Ins Blut gelangen die Mittel nicht. Antimykotika sind aus diesem Grund relativ nebenwirkungsarm. Sie können aber zu Bauchbeschwerden führen.

Die andere Säule der Anti-Pilz-Therapie ist die Candida-albicans-Diät. Das Konzept der Diät besteht darin, dass Pilze Zuckerverbindungen (Kohlenhydrate) nutzen, um daraus Energie zu ziehen. Wenn diese Zuckerverbindungen nicht mehr über die Ernährung zur Verfügung gestellt werden, können die Pilze auf diese Weise „ausgehungert“ werden. Die Anti-Pilz-Diät soll so innerhalb von mindestens vier Wochen die Anzahl der Mikroorganismen im Darm stark senken.

Der Ansatz dieser Diät erscheint allerdings fragwürdig, da mit der Nahrung aufgenommener Zucker bereits im Dünndarm resorbiert wird und nie in relevanten Mengen den Dickdarm erreicht - den Ort wo sich die Hefepilze befinden. Es scheint daher wenig sinnvoll, die aufgenommene Zuckermenge drastisch zu reduzieren.

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Welche Lebensmittel darf ich essen?

Die Anti-Pilz-Diät verzichtet vollständig auf Haushaltszucker. Süßwaren aller Art sind daher Tabu. Auch Fruchtzucker ist verboten, weshalb zumindest in den ersten Wochen auch auf Obst verzichtet wird. Erlaubt sind hingegen kohlenhydratfreie Süßstoffe wie Aspartam oder auch Milchzucker, der von Hefen schlechter verstoffwechselt werden kann.

Auch Stärke wird gemieden. Denn sie besteht aus Kohlenhydraten. Besonders viel davon kommt in Brot, Nudeln, Kartoffeln und Reis vor. Therapeuten sind im Hinblick auf Vollkorn-Produkte unterschiedlicher Meinung. Auch diese enthalten Kohlenhydrate. Durch einen höheren Anteil an Ballaststoffen können Vollkorn-Produkte aber die Ausscheidung von Pilzen vorantreiben. Alkohol ist während der Zeit der Diät komplett zu vermeiden.

Was muss man bei der Diät beachten?

Viele Kohlenhydrate sind auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen. So enthalten panierte Fleisch- oder Fischstücke durch die Panade Stärke. In süßen Getränken steckt dagegen häufig viel Zucker. Auch Produkte mit Zucker-Ersatzstoffen können unter Umständen der Diät abträglich sein.

Die Ernährung so stark einzuschränken und dies über Wochen oder sogar Monate weiterzuführen, kann gefährlich für die Gesundheit werden. Aus diesem Grund sollte eine solche Umstellung nur unter ärztlicher Kontrolle geschehen. Eventuelle Mangelzustände müssen durch Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden. Die Anti-Pilz-Diät sollte zudem nie die einzige Therapiemaßnahme sein und nur in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung durchgeführt werden.


Achtung-Box

Chronisch Kranke − insbesondere Diabetiker − sollten die Diät eher nicht durchführen.


Wie lange führe ich die Diät durch?

Es gibt keine optimale Dauer für die Candida-albicans-Diät. Man sollte die Diät nicht länger als vier Wochen durchführen – je kürzer, desto besser. Denn der Nutzen der Diät ist nicht nachgewiesen. Risiken gibt es hingegen.

Hilft eine Anti-Pilz-Diät?

Eine Anti-Pilz-Diät kann, wie auch Medikamente, nicht alle Pilze aus dem Darm entfernen, sondern bestenfalls die Anzahl reduzieren. Ebenso wie das Krankheitsbild des „Candida-Syndroms“ selbst konnte eine Wirksamkeit der Candida-albicans-Diät weder bei unspezifischen Symptomen noch bei Scheidenpilzinfektionen wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass für einzelne Personen eine Linderung der Beschwerden eintritt. Dies kann unter anderem davon abhängen, dass man sich intensiv mit der Ernährung auseinandersetzt. Auch die Wahl von gesünderen, zuckerarmen Lebensmitteln kann eine Rolle spielen.

Auch Patienten, die unter einem Reizdarmsyndrom leiden, können eventuell von der Diät profitieren, da sie Parallelen zur bei Reizdarm angewendeten Low-FODMAP-Diät hat. In beiden Ernährungs-Modellen wird weitestgehend auf Kohlenhydrate verzichtet. Die Candida-albicans-Diät sollte jedoch immer mit ärztlicher Begleitung und nur über einen begrenzten Zeitraum durchgeführt werden. Ansonsten können Mangelerscheinungen auftreten. Alternativen, die bei der Behandlung von Candida-Besiedlungen diskutiert werden, sind Kokosöl und Probiotika.

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Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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