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Der Schub beim Morbus Crohn – erkennen und behandeln

Laura Fouquette

Laura Fouquette

Die Krankheitsaktivität des Morbus Crohn wird häufig als schubartig beschrieben. Bei einem Schub steigt die Entzündungsaktivität im Körper. Krankheitstreibende Abwehrzellen und Entzündungsmediatoren (Körpersubstanzen, die eine Entzündungsreaktion anstoßen) lösen Beschwerden und Komplikationen aus. Zwischen den Schüben sind viele Betroffene beschwerdefrei. Diese Phase soll durch spezifische Therapie möglichst lange erhalten werden. Dieser Artikel beschreibt den Schub in seiner Bedeutung, Vorbeugung und Therapie. Außerdem geht er auf die Situation bei Schwangeren und Kindern ein.


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Wie erkennt man einen Schub?

Bei einem Schub erlebt der Betroffene ähnliche Symptome wie in seiner Vorgeschichte oder neue Symptome, die mit dem Morbus Crohn verknüpft sind. Typische Symptome lassen auf den Magen-Darm-Trakt schließen. Darüber hinaus können Entzündungen auch an anderen Stellen im Körper auftreten. Zu den Beschwerden des Morbus Crohn gehören:

Beschwerden im Magen-Darm-Trakt

  • Durchfall (in der Regel ohne Blutbeimengung)
  • Bauchschmerzen
  • Bauchkrämpfe
  • Gewichtsverlust
  • eitrige Entzündung oder veränderte Gänge am Anus
  • geschwürartige Veränderungen im Mund

Andere Beschwerden

  • Fieber
  • Gelenkschmerzen
  • Augenentzündungen
  • Hautveränderungen

Wie häufig sind die Schübe?

Die Anzahl und Schwere der Schübe sind für den einzelnen Betroffenen schwer abschätzbar. Grundsätzlich kann jeder Betroffene auch unter Therapie einen erneuten Schub erleiden. Nach Beginn einer medikamentösen Therapie erleiden 30 bis 70 Prozent einen weiteren Schub in den folgenden zwei Jahren. Nur etwa ein Fünftel der Betroffenen erlebt in den ersten fünf Jahren keinen einzigen weiteren Schub. Fast 25 Prozent bekommen eine chronische Aktivität. Bei ihnen dauert ein Schub länger als sechs Monate an.

Was sagen die Schübe über den Krankheitsverlauf aus?

Wer früh an wiederkehrenden Schüben leidet, wird später wahrscheinlich häufiger an Schüben leiden und auch einen komplizierteren und schwereren Verlauf erleben. Der Morbus Crohn hat in der Mehrzahl der Fälle einen eher komplizierten Verlauf. Bei der Diagnosestellung hat bereits ein Drittel der Betroffenen eine fortgeschrittene Entzündung. Die Hälfte aller neu Diagnostizierten entwickelt später eine Darmkomplikation und muss innerhalb von zehn Jahren operiert werden. Nur zehn Prozent der von Morbus Crohn Betroffenen bleiben langfristig schubfrei.

Wie wird ein akuter Schub behandelt?

Maßnahmen gegen die Entzündung

Abhängig von der betroffenen Körperregion stehen unterschiedliche Therapieoptionen zur Wahl. Bei leichten und mäßigen Entzündungsaktivitäten setzen viele Ärzte Glukokortikoide (Cortison) ein. Bei erhöhten Entzündungsaktivitäten können auch andere Medikamente wie zum Beispiel Sulfasalazin oder 5-ASA zum Einsatz kommen. Diese haben weniger Nebenwirkungen sind aber bei dem Morbus Crohn im gegensatz zur Colitis ulcerosa noch nicht ausreichend durch Studien belegt. In der Praxis werden sie oft angewendet. Trotz medikamentöser Therapien kann es zu Komplikationen kommen wie Engstellen, Abszessen oder Fisteln, also neu entstandenen Verbindungen zwischen zwei Strukturen wie zum Beispiel dem Darm und der Haut. In diesen Fällen ist eine Operation angezeigt. Generell wird bei einem Morbus Crohn im Gegensatz zur Colitis Ulcerosa jedoch sehr zurückhaltend operiert. Denn im Gegensatz zur Colitis Ulcerosa lässt sich der Morbus Crohn nicht durch eine Operation heilen.Maßnahmen gegen die Schmerzen

Folgende Medikamente werden zur Schmerztherapie eines akuten Morbus-Crohn-Schubs eingesetzt:

  • Paracetamol
  • krampflösende Mittel (Spasmolytika)
  • Opioide (Einsatz maximal 14 Tage)

Bei chronischen Bauchschmerzen und geringer Krankheitsaktivität empfehlen Experten Medikamente, die im Gehirn wirken, darunter Antidepressiva und Pregabalin. Auch psychologische Verfahren können helfen, wie zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie. Auch Akupunktur zeigte in einer Studie eine Wirksamkeit. Ebenso kann die darmbezogene Hypnose helfen, hier fehlen jedoch noch hochwertige Studien, die eine Wirksamkeit bei Morbus Crohn belegen.

Wie kann ein Schub verhindert werden?

In den Leitlinien von 2014, welche sich aktuell in Überarbeitung befinden, gibt es zwei konkrete Empfehlungen um die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Schubs zu verringern:

  1. Verzicht auf Rauchen
  2. Medikamente

Rauchverzicht

Das Beenden von Tabakrauchen gilt unter Wissenschaftlern als bewiesene Maßnahme zur Vorbeugung von Schüben. Durch Rauchverzicht kann die Häufigkeit der Schübe langfristig halbiert werden. Daher sollten alle von Morbus Crohn Betroffenen Beratung und Unterstützung zum Rauchverzicht in Anspruch nehmen.

Medikamente

Ärzte verschreiben einigen Betroffenen Medikamente zwischen den Schüben. Diese haben das Ziel, den beschwerdefreien Zustand zu erhalten (remissionserhaltende Therapie).

Eingesetzte Medikamente:

  • Azathioprin
  • 6-Mercaptopurin
  • Methotrexat
  • Anti-TNF-Antikörper

Es handelt sich hierbei um Medikamente, die das Abwehrsystem kontrollieren und in Schach halten (Immunsuppressiva). Sie steuern und verändern die Aktivität der Abwehrzellen und andere Entzündungsprozesse. Sie verzögern, verhindern oder dämpfen somit den nächsten Schub.

Kann eine gesunde Darmschleimhaut einem Schub vorbeugen?

Studien aus den vergangenen Jahren belegen, dass eine Heilung der Darmschleimhaut günstig für den Krankheitsverlauf des Morbus Crohn ist. Eine gesunde Schleimhaut ist demnach mit geringeren Operationsraten und weniger Krankenhausaufenthalten assoziiert. Sie scheint anderen Schädigungen am Darmgewebe und auch Langzeitkomplikationen vorzubeugen. Eine gesunde Darmschleimhaut kann als Marker zur Therapiekontrolle benutzt werden. Sie ist daher im klinischen Alltag oft das therapeutische Ziel.

Ernährungsberatung

Spezialisierte Fachkräfte beraten bei spezifischen Krankheitssituationen oder Mangelernährung. Die Leitlinien zu Morbus Crohn befinden sich aktuell in Überarbeitung. Bisher gibt es noch keine einheitliche Ernährungsempfehlung von Seiten der Fachgesellschaften. Dennoch gibt es verschiedene Diäten, die in Studien und Fallstudien eine Linderung der Symptome erreichen konnten. Die größte Bedeutung hat hierbei die Therapie von Mangelernährung und Untergewicht. Mehr Informationen zur richtigen Ernährung bei Morbus Crohn findest Du hier.

Psychologische Betreuung

Psychische Störungen können den Verlauf eines Morbus Crohn verschlechtern. Der Kontakt zu Psychotherapeuten und Ärzten, die sich mit den psychische Ursachen von körperlichen Krankheiten beschäftigen (Psychosomatiker), ist daher empfehlenswert. Zudem löst ein Schub vermehrt psychische Belastung aus, der sich ein Therapeut annehmen kann. Familien mit Morbus-Crohn-Betroffenen können psychosoziale Unterstützung in Anspruch nehmen.

Welche Therapieansätze gibt es aus der Komplementärmedizin?

Die Verfahren der Komplementärmedizin bzw. der Alternativmedizin können die Therapien aus der Schulmedizin ergänzen. Zu den meisten Vorschlägen gibt es keine Studien nach heutigen wissenschaftlichen Standards, die Wirksamkeit und Nebenwirkungen untersucht hätten. Die Komplementärmedizin findet Erwähnung in den derzeit gültigen Leitlinien zum Morbus Crohn, wird jedoch kritisch diskutiert.

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Übersicht zur Komplementärmedizin bei der Behandlung von Morbus Crohn

Akupunktur In verschiedenene Studien nachgewiesener Effekt mit Abnahme der Krankheitsaktivität, es fehlen jedoch einheitliche Standards bezüglich der Anwendung
Arthemisia absintum (Wermut) in einzelnen Studien positive Effekte gegen akuten Schub, in Deutschland nicht zugelassen
Boswellia serrata (Weihrauch) Verschieden Studien haben ergeben, dass hier ein relativ sicheres Risikoprofil vorliegt, das heißt, dass keine starken Nebenwirkungen zu befürchten sind. In einer Studie von 2001 zeigte sich Weihrauch im Vergleich mit Mesalazin nicht unterlegen.
Probiotika Effekt bisher eher für Colitis ulcerosa nachgewiesen, für Morbus Crohn fehlen kontrollierte Studien
Omega-3-Fettsäuren positive Effekte zur Verhinderung von Schüben, wenn als magensaftresistente Kapseln eingenommen
Trichuris suis ovata (TSO) keine Hinweise auf positive Effekte, in Deutschland nicht zugelassen, nicht empfohlen

Was ist bei Kindern mit Schüben zu beachten?

Bei Kindern stehen neben den klassischen Beschwerden auch andere Zeichen im Vordergrund, die einen Morbus-Crohn-Schub kennzeichnen:

  • langsameres Wachstum (Wachstumsretardierung)
  • verzögerte Pubertät

Ansonsten gelten für Kinder die gleichen Therapieprinzipien wie für Erwachsene. Die aktuelle Leitlinie zur Therapie von Morbus Crohn hebt als zusätzliche Option insbesondere noch Ernährungstherapien hervor. Sie sollten bei der Therapieentscheidung für Kinder und Jugendliche bedacht werden, lösen jedoch die medikamentöse Therapie zwischen den Schüben nicht ab. Auch bei akuten Schüben wird Kindern und Jugendlichen eine spezielle Ernährungstherapie empfohlen anstatt die klassische Therapie mit Glukokortikoiden.

Beeinflusst ein Schub die Fruchtbarkeit?

Während der aktiven Phase des Morbus Crohn scheint die Fruchtbarkeit (Fertilität) der Frau beeinträchtigt zu sein. Während eines Schubs haben Betroffene ein erhöhtes Risiko für:

  • Verlust des Fötus
  • Totgeburten
  • Frühgeburten
  • niedriges Geburtsgewicht
  • Entwicklungsstörungen des Kindes

Findet die Befruchtung während eines Schubs statt, dann dauert der Schub bei zwei Drittel der Betroffenen an (Persistenz). Bei einigen verschlechtert sich der Schub nach einer Befruchtung. Operationen des kleinen Beckens im Rahmen von Morbus Crohn senken die Chance einer Schwangerschaft. In der schubfreien Phase ist die Fruchtbarkeit von Frauen nicht eingeschränkt. Männer mit Kinderwunsch sollten keine Sulfasalazin-Therapie erhalten und möglichst auf ein anderes Medikament wechseln.

Ist ein Schub während der Schwangerschaft gefährlich für das Kind?

Ein Schub während der Schwangerschaft ist für Frauen mit Morbus Crohn der größte Risikofaktor für Frühgeburten oder Kindstod innerhalb der Gebärmutter (intrauterin). Daher wird die medikamentöse Therapie zwischen den Schüben auch während der Schwangerschaft fortgesetzt. Lediglich das Medikament Methotrexat muss abgesetzt oder umgestellt werden, da es den Fötus schädigen kann. Wenn die Befruchtung in einer schubfreien Phase stattfand, dann erleiden zwei Drittel der Betroffenen keinen Schub während der Schwangerschaft.

Überblick

  • Die beste vorbeugende Maßnahme gegen einen Morbus-Crohn-Schub besteht im Rauchverzicht und mitunter auch in einer gut eingestellten Medikation zwischen den Schüben.
  • Psychologische Beratung und Betreuung kann Betroffenen und deren Angehörigen helfen, mit der Belastung durch einen Schub besser umzugehen.
  • Eine Ernährungstherapie wird vor allem bei Kindern mit Morbus Crohn empfohlen.

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Laura Fouquette

Laura Fouquette

Laura Fouquette is a digital health enthusiast from California. She completed a Master of Public Health (MPH) in Epidemiology/Biostatistics and a Bachelor's of Public Health at the University of California, Berkeley. Laura currently works at the Berlin Institute of Health.

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