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Wie wird Morbus Crohn behandelt?

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die meist in Schüben verläuft. Bei der Krankheit kann der gesamte Verdauungstrakt vom Mund bis zum After betroffen sein. Viele Patienten mit Morbus Crohn erhalten eine dauerhafte medikamentöse Therapie. Diese dient zur Vorbeugung (Prophylaxe) von Schüben. Komplikationen bei Morbus Crohn sind Verengungen (Stenosen) und röhrenartige Verbindungen zu anderen Organen (Fisteln), zum Beispiel im Bereich des Dünndarms. In solchen Fällen kann eine Operation erforderlich sein.


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Aus welchen Bausteinen setzt sich die Therapie des Morbus Crohn zusammen?

Allgemeine Maßnahmen bei Morbus Crohn sind zum Beispiel der Verzicht auf Nikotin. Außerdem ist eine ausgewogene Ernährung wichtig. Auch die Einnahme von bestimmten Nährstoffen, beispielsweise in Form von Nahrungsergänzungsmitteln, kann sinnvoll sein. Besonders schwere Schübe können den Einsatz von Trinknahrung oder eine künstliche Ernährung mittels Infusion erfordern.

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Eine medikamentöse Therapie dient der Prophylaxe von Schüben des Morbus Crohn. Außerdem können Medikamente eingesetzt werden, um Phasen mit wenigen Symptomen zu verlängern (Remissionserhaltung). Darüber hinaus gibt es Medikamente zur Behandlung im akuten Schub. Hier kommen sogenannte Glucocorticoide wie zum Beispiel Prednisolon oder Budesonid sowie weitere Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems zum Einsatz.

Eine chirurgische Therapie (Operation) ist beim Auftreten von Komplikationen wie zum Beispiel der Bildung von Stenosen (Verengungen) nötig. Im Gegensatz zu Colitis ulcerosa kann Morbus Crohn nicht durch eine Operation geheilt werden. Zudem kann es bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen vermehrt zu Komplikationen wie etwa einer verzögerten Wundheilung kommen. Operationen werden daher nur selten und nach genauem Abwägen der Risiken durchgeführt.


Durch Medikamente bleiben vielen Patienten Krankenhausaufenthalte, Komplikationen und Operationen erspart. Vor allem schwere Krankheitsschübe werden stationär im Krankenhaus behandelt.


Wie wird die Therapie auf die Patienten abgestimmt?

Die Therapie wird an den Krankheitsverlauf, das Alter und die Risikofaktoren des Betroffenen angepasst. Je schwerer der Erkrankungsverlauf ist und je mehr Komplikationen auftreten, desto stärker muss die Therapie ausfallen. Fühlt der Patient sich besser, kann der behandelnde Arzt die Medikation vorsichtig reduzieren. Gegebenenfalls stellt er auch auf besser verträgliche Medikamente mit weniger Nebenwirkungen um. Man nennt diese Strategie auch „Top-down Strategie“.

Bei leichteren Verläufen kann schon zu Beginn eine besser verträgliche Medikation ausreichen. Wenn dies nicht der Fall ist, kommen sogenannte „aggressive” Mittel zum Einsatz. Dieses Vorgehen wird auch „Bottom-up Strategie“ genannt.

Die Schwere eines Schubs hängt davon ab, wie weit sich die Entzündung ausgebreitet hat. Leichtere Schübe begrenzen sich häufig auf den letzten Abschnitt des Dünndarms (terminales Ileum) sowie die rechte Hälfte des Dickdarms (Kolon). Hierbei zeigen sich nur leichte bis mittlere Symptome der Entzündung. Bei schwereren Verläufen von Morbus Crohn sind auch andere Abschnitte des Darms betroffen. Außerdem können sich Entzündungsherde außerhalb von Dünn- und Dickdarm zeigen.


Das Wichtigste zu Morbus Crohn im Überblick

  • Morbus Crohn kann zwar nicht geheilt, aber in den meisten Fällen gut therapiert werden.
  • Bei der Therapie wird zwischen der Behandlung von akuten Schüben und der Dauertherapie zur Vorbeugung von Schüben (Prophylaxe) unterschieden.
  • Die Behandlung passt der behandelnde Arzt individuell an den Krankheitsverlauf an. Ein allgemeingültiges Schema gibt es nicht.
  • Die medikamentöse Behandlung stützt sich auf entzündungshemmende Medikamente und solche, die das Immunsystem unterdrücken.
  • Verzicht auf Nikotin und eine angepasste Ernährung können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
  • Eine rein alternativmedizinische Behandlung ohne schulmedizinische Therapie bringt keinen Nutzen und kann das Auftreten von schweren Komplikationen begünstigen.

Wie sieht die Akuttherapie des Morbus Crohn aus?

Zur Behandlung von akuten Schüben werden anfangs Glucocorticoide (Kortison-Präparate) eingesetzt. Einige dieser Glucocorticoide wirken im ganzen Körper (systemische Wirkung). Andere setzen lokal an der Wand des Darms an (topische Wirkung).

Diese Glucocorticoide werden in der Therapie des Morbus Crohn verwendet:

  • Prednisolon wird bei Morbus Crohn häufig eingesetzt. Patienten nehmen es als Tablette (oral) ein oder erhalten es als Infusion (intravenös). Prednisolon wird bei oraler Einnahme im Verdauungstrakt aufgenommen. Das Mittel entfaltet seine entzündungshemmende Wirkung im ganzen Körper. Allerdings kann es bei der Einnahme zu Nebenwirkungen kommen. Möglich sind Wassereinlagerungen, Heißhungerattacken, Bluthochdruck und Einflüsse auf den Hormonhaushalt. Prednisolon wird vor allem bei schweren Krankheitsschüben angewandt.
  • Budesonid ist ein weiteres Glucocorticoid. Es ruft weniger Nebenwirkungen hervor und wird vor allem bei leichten Schüben eingesetzt. Das Medikament wirkt bei Einnahme als Tabletten hauptsächlich lokal im Darm. 80 Prozent der gegebenen Dosis (Menge des verabreichten Medikaments) wird über die Leber abgebaut. Was danach noch im Blut übrig bleibt verteilt sich dann im Körper. Budesonid kann man auch über den After (rektal) als Schaum anwenden. Es wird dann zu noch geringeren Mengen in den Körper aufgenommen und wirkt fast nur lokal.

Nach Besserung der Symptome wird die Glucocorticoid-Dosis langsam reduziert (Ausschleichen). Wenn der akute Schub mit Glucocorticoiden nicht behandelt werden kann oder keine Besserung auftritt, sind andere immunsuppressive Medikamente nötig. Diese kommen ansonsten auch in der Dauertherapie zum Einsatz.

Wer benötigt eine dauerhafte Therapie?

Wenn die Entzündungssymptome nach der Akuttherapie abklingen, entscheiden Arzt und Patient gemeinsam, ob eine Dauertherapie zur Remissionserhaltung notwendig ist. Bisher gibt es keine ausreichenden Studien, die definieren, welche Patienten von einer Therapie zur Remissionserhaltung und Schub-Prophylaxe profitieren. Die Entscheidung für oder gegen eine Dauertherapie soll gemeinsam mit dem behandelnden Arzt individuell getroffen werden. Für eine Dauertherapie sprechen:

  • ein früher Beginn der Erkrankung im Kindes-, Jugend- oder jungen Erwachsenenalter (schwere Schübe können Wachstum und Entwicklung des Betroffenen beeinträchtigen)
  • Nikotinkonsum
  • schnelles Aufeinanderfolgen von Schüben
  • erneutes Auftreten von Entzündungssymptome beim Ausschleichen der Steroide.

Wie sieht die Dauertherapie bei Morbus Crohn aus?

Zur Dauertherapie werden Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva). Dazu gehören zum Beispiel Azathioprin, 6-Mercaptopurin und Antikörper, die in Regulationsmechanismen des Immunsystems eingreifen. Diese Antikörper heißen zum Beispiel Infliximab (Remicade®) oder Adalimumab und werden in regelmäßigen Abständen als Spritze oder Infusion verabreicht.

Immunsuppressiva begünstigen Infektionen, können das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen und Nebenwirkungen wie Unverträglichkeiten oder Veränderungen von Laborparametern hervorrufen. Glucocorticoide sollten in der Dauertherapie eher nicht eingesetzt werden, da sie langfristig viele Nebenwirkungen haben und für den Remissionserhalt nicht vorteilhaft sind.

Kann Morbus Crohn auch ohne Medikamente behandelt werden?

Sehr leichte Schübe erfordern nicht unbedingt eine medikamentöse Behandlung. In solchen Fällen sollte man auf eine leichte, gut verträgliche Kost (Schonkost) und körperliche Ruhe achten. Viele Patienten erhalten zudem Schmerzmittel. Wenn allerdings die Entzündung zunimmt, keine Besserung eintritt oder zusätzliche Darmabschnitte befallen sind, dann ist eine anti-entzündliche Therapie mit Medikamenten nötig.


Eine ausreichende Therapie eines Morbus Crohn-Schubs ist wichtig. Ansonsten kann es zur Bildung von Abszessen (Eiteransammlungen), Fisteln oder Stenosen kommen.


Welche Rolle spielt die Ernährung in der Behandlung des Morbus Crohn?

Für Morbus Crohn-Patienten ist eine ausreichende und ausgewogene Ernährung sehr wichtig. Die Krankheitsschübe gehen oft mit Mangel an Appetit und Verdauungsstörungen einher. Bei Kindern kann die Krankheit das Wachstum einschränken. Außerdem schwächt sie den Körper durch Untergewicht und Unterversorgung mit Nährstoffen.

Auch während eines Schubs ist eine ausreichende Ernährung sehr wichtig. Falls dem Patienten eine ausreichende Nahrungsaufnahme nicht möglich ist, kann eine Magensonde verwendet werden.


Betroffene vertragen häufig auch keine Laktose (Laktoseintoleranz). Laktose ist eine bestimmte Art von Zucker, die in Milchprodukten vorkommt. Bei Verdacht auf eine Laktoseintoleranz sollte dies beim Arzt abgeklärt werden. Wenn bei Laktoseintoleranz Milchprodukte gemieden werden, kann das auch den Verlauf des Morbus Crohn positiv beeinflussen. Wer nicht auf Milchprodukte verzichten möchte, sollte auf laktosefreie Produkte zurückgreifen.


Welche neuen Therapien gibt es?

Zu Therapiemöglichkeiten gegen die Bildung von Fisteln am Darmausgang gibt es einige neue Erkenntnisse. Durch Entzündungen können sich Verbindungen von der Darmwand nach außen bilden. Diese bergen ein Risiko für Abszesse und Infektionen. Zudem können die Patienten durch die Fisteln manchmal den Stuhlgang nicht kontrollieren (Stuhlinkontinenz). Eine Operation ist nicht immer erfolgreich, da das Vorgehen kompliziert ist und sich schnell neue Fisteln bilden.

Ein neues Medikament (Darvadstrocel) erscheint vielversprechend, um Fisteln am Darmausgang zu behandeln. Es enthält Stammzellen aus dem Fettgewebe von gesunden Menschen und wird in die Fistelgänge eingebracht. In einer Studie heilten Fistelgänge dann auch ohne Operation besser aus. Die europäische Arzneimittelbehörde sprach sich bereits für die Zulassung des Präparats aus.

Kann Morbus Crohn auch durch Alternativmedizin behandelt werden?

Bei Morbus Crohn sind schulmedizinische Maßnahmen wie eine anti-entzündliche medikamentöse Therapie und gegebenenfalls operative Eingriffe sehr wichtig. Von einer rein alternativmedizinischen Behandlung wird ausdrücklich abgeraten. Dennoch können alternative Behandlungsmöglichkeiten zusätzlich infrage kommen.


Morbus Crohn ist zwar eine unheilbare Erkrankung, aber sie kann trotzdem durch eine Schub- und Dauertherapie in vielen Fällen gut behandelt werden. Unbehandelt kommt es jedoch häufig zu Komplikationen wie zum Beispiel Abszessen oder Darmverschlüssen, die lebensbedrohlich sein können.


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Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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