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Soorösophagitis – Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Bei der Soorösophagitis handelt es sich um Entzündung der Speiseröhre (Ösophagus). Auslöser dieser Entzündung ist der Pilz Candida albicans (weißer Hefepilz). Betroffene Patienten haben Schmerzen beim Schlucken oder verspüren ein Brennen in der Brust. Die Erkrankung steht in engem Zusammenhang mit einem geschwächten Immunsystem. Der Pilz befällt in seltenen Fällen jedoch auch die Speiseröhre von Menschen mit einem gesunden Immunsystem. In diesem Artikel werden Ursachen, Beschwerden und die Therapie der Soorösophagitis erklärt.


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Ist eine Besiedlung der Speiseröhre mit Candida albicans immer ein Zeichen von Krankheit?

Nein, das alleinige Vorhandensein von Candida albicans ist noch kein Zeichen für Krankheit. Die Umwelt ist voll mit mikroskopisch kleinen Lebewesen – und auch unser Körper wird von unzähligen kleinen Organismen bewohnt. Hierzu gehören vor allem Bakterien und Pilze, die sich in einem natürlichen Gleichgewicht befinden. Als Teil unserer natürlichen Körperflora sind sie ungefährlich oder sogar nützlich. Beispielsweise kennt man allein von der Pilzgattung Candida circa 200 verschiedene Pilzarten, darunter Candida albicans. Diese Pilzart kommt beim Menschen am häufigsten vor. Bei einem Viertel der Frauen findet man Candida im Scheidensekret und bei der Hälfte der Bevölkerung im Magen-Darm-Trakt.

Normalerweise hält die körpereigene Abwehr den Keim soweit in Schach, dass er keinen Schaden verursachen kann. Deshalb haben Betroffene auch meistens keine Beschwerden. Wenn die körpereigene Abwehr allerdings geschwächt ist, kann der Pilz sich ungehindert ausbreiten und eine Entzündung auslösen.

Was sind Ursachen einer Soorösophagitis?

Es gibt zahlreiche Risikofaktoren, die das Entstehen einer Soorösophagitis begünstigen. Zu diesen zählen sowohl Erkrankungen der Speiseröhre und des Magens als auch die Einnahme verschiedener Medikamente. In seltenen Fällen liegt eine angeborene oder erworbene Erkrankung des Immunsystems vor. Auch ein stressiger Lebensstil oder belastende Lebensumstände können eine Soorösophagitis auslösen. Daher sollte vom Hausarzt oder Internisten abgeklärt werden, was im Einzelfall hinter der Entstehung einer Soorösophagitis steckt.

Risikofaktoren für das Entstehen einer Soorösophagitis

Krankheiten
  • Sodbrennen (gastro-ösophagealer Reflux)
  • Störungen der Darmflora (Dysbiose)
  • Aussackungen (Divertikel) und Einengungen der Speiseröhrenschleimhaut (Strikturen)
  • Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus
  • erweiterte Venen (Varizen)
  • Blutungen
  • Erkrankungen des Bindegewebes oder der Muskulatur, die Schluckstörungen verursachen (Achalasie, Sklerodermie)
  • angeborene oder erworbene Erkrankungen, die mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen (z. B. Antikörpermangel oder HIV-Infektion)
Medikamente
  • Kortison (insbesondere Sprüh-Aerosole gegen Asthma)
  • Antibiotika
  • Magensäureblocker
  • Weitere Immunsuppressiva
Therapien
  • Bestrahlung und Chemotherapie
  • Zahnprothesen
Lebensumstände
  • Stress
  • seelische Belastungen

Ist die Soorösophagitis ansteckend?

Eine Soorösophagitis kann in der Regel nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Es besteht also keine Ansteckungsgefahr für Personen mit einem gesunden Immunsystem. Der Erreger Candida albicans kann jedoch während eines Krankenhausaufenthaltes über Zugänge, zum Beispiel Ernährungssonden oder Venenkatheter, in den Körper gelangen. Wenn der Körper durch eine andere Krankheit stark geschwächt ist, kann der Hefepilz eine Speiseröhrenentzündung oder eine Entzündung von Organen auslösen.

Was für Symptome ruft eine Soorösophagitis hervor?

Die Symptome einer Soorösophagitis sind recht unspezifisch und reichen von leichter Übelkeit bis zu Schluckbeschwerden. Typisch sind ein Brennen in der Brust sowie Schmerzen beim Schlucken. Dies kann soweit gehen, dass Patienten Probleme haben, feste Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, und an Gewicht verlieren. Außerdem klagen Patienten manchmal auch über Bauchschmerzen oder sind von starker Übelkeit geplagt und müssen sich übergeben. Wenn der Pilz den Mund befällt, ist zudem der Geschmackssinn gestört.

Ein sehr auffälliges Merkmal des Candida-Befalls sind flächige, schmierig-weiße Beläge auf der Schleimhaut von Mund, Rachen oder Speiseröhre. Beim Blick in den Spiegel sind diese im Mundraum leicht zu erkennen und können mit einem Wattestäbchen abgewischt werden. Zurückbleiben dann gerötete, leicht blutende offene Stellen.

In vielen Fällen merken Patienten aber gar nicht, dass sie eine von Pilzen hervorgerufene Entzündung der Speiseröhre haben. Der Befall wird dann zufällig beim Zahnarzt oder während einer Untersuchung der Speiseröhre (Magenspiegelung) entdeckt.

Wie stellt der Arzt die Diagnose Soorösophagitis?

Erste Hinweise für die Diagnose Soorösophagitis erhält der Arzt durch die Beschreibung der typischen Beschwerden durch den Patienten. Um seinen Verdacht zu erhärten, veranlasst er dann in der Regel eine Untersuchung der Speiseröhre (Magenspiegelung, auch Ösophago-Gastro-Duodenoskopie genannt). Im Fall einer Soorösophagitis fallen eine stark gerötete und mit weißen Belägen überzogenen Schleimhaut auf. Damit der Hefepilz nachgewiesen werden kann, entnimmt der Arzt eine Probe des Belags und schickt diese für eine mikrobiologische Untersuchung ins Labor. Das ist einerseits wichtig, um zu wissen, mit welchem Pilztyp man es zu tun hat. Andererseits kann man so feststellen, ob der Pilz schon Resistenzen gegen geläufige Anti-Pilz-Mittel gebildet hat. Resistenz heißt, dass der Pilz nicht mit einem bestimmten Medikament behandelt werden kann, da er unempfindlich gegenüber dem Wirkstoff ist. Wenn der Pilzbefall sehr ausgeprägt ist, kann der Arzt sogar im Blut des Patienten Hinweise in Form von Antikörpern gegen diesen Pilz finden. Bluttests spielen allerdings in der Praxis nur eine untergeordnete Rolle.

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Wie wird die Soorösophagitis behandelt?

Die Soorösophagitis wird mit einem Anti-Pilz-Mittel (Antimykotikum) behandelt. Dabei ist der Wirkstoff Fluconazol am wirksamsten. In welcher Form der Patient das Medikament erhält, hängt von dessen gesundheitlicher Verfassung und der Schwere der Entzündung ab. Normalerweise verschreibt der Arzt Tabletten. Um den Pilz loszuwerden, sollte man die Tabletten über 14 bis 21 Tage gewissenhaft einnehmen.
Zur Behandlung von Entzündungen durch Pilzbefall, die sich auf den Mund und die obere Speiseröhre beschränken, reichen Anti-Pilz-Lutschtabletten, Gels oder Spüllösungen. Diese sollten über sieben bis 14 Tage angewendet werden.
Die Therapiedauer sollte strikt eingehalten werden, denn durch vorzeitiges Abbrechen der Behandlung riskiert man einen Rückfall. Die Beschwerden sollten jedoch bereits nach sieben Tagen nachlassen. Treten weiterhin unangenehme Erscheinungen wie Übelkeit und Bauchschmerzen auf, muss mit dem Hausarzt Rücksprache gehalten werden.

Das Antimykotikum selbst kann unerwünschte Nebenwirkungen auslösen, die den Beschwerden der Soorösophagitis ähneln. In den allermeisten Fällen kann die Entzündung aber nur so geheilt werden.
Ist die Behandlung jedoch nicht erfolgreich, kann der Arzt die Therapie auf ein anderes Anti-Pilz-Mittel umstellen. In sehr schweren Fällen kann der Wirkstoff auch über einen Venenzugang verabreicht werden.

Medikamente zur Behandlung der Soorösophagitis

In folgender Tabelle findest du Wirkstoffe, die am wirksamsten und am zweitwirksamsten bei der Behandlung der Soorösophagitis sind. Man spricht von Medikamenten erster und zweiter Wahl.

Medikament erster Wahl Fluconazol (als Tablette oder über die Vene)
Medikamente zweiter Wahl Itraconazol

Voriconazol

Posaconazol

Anidulafungin

Caspofungin

Micafungin

liposomales Amphotericin B

Amphotericin-B-Deoxycholat

Welche Ernährung wird bei Soorösophagitis empfohlen?

Die in diesem Artikel beschriebene Therapie entspricht den aktuellen Empfehlungen der deutschen Leitlinien für Ärzte. Daneben existieren aber auch Therapie-Ansätze aus der Alternativmedizin. Dazu zählt die Anti-Pilz-Diät. Sie ist die bekannteste alternative Heilmethode und wird in Kombination mit einem Antimykotikum eingesetzt. Aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Belege für die Wirksamkeit der Anti-Pilz-Diät bei Soorösophagitis, wird sie jedoch bisher nicht offiziell empfohlen. Dies gilt ebenfalls für andere alternative Behandlungsansätze. Trotzdem besteht die Chance, dass eine solche Diät die Beschwerden von Patienten lindert. Der Artikel „Anti-Pilz-Diät“ liefert weitergehende Informationen zum Thema.

Die Soorösophagitis ist eine durch den Pilz Candida albicans hervorgerufene Entzündung der Schleimhäute von Mund, Rachen und Speiseröhre. Im Mund fallen weißliche Beläge auf. Kommt es zu Beschwerden, sind das vor allem ein Brennen in der Brust, Übelkeit und Schmerzen beim Schlucken. Als wirksame Therapeutika sind verschiedene Anti-Pilz-Mittel auf dem Markt.

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. AWMF – S1-Leitlinie. Diagnose und Therapie von Candida Infektionen. Register Nummer 082-005. Online abgerufen am 28.02.2018 unter http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/082-005l_S1_Candida-Infektionen_Diagnose_Therpie_2016-07.pdf

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Online am 02.03.2018 unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25518495

Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow und Ruth Lang-Roth, 2015

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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