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Sodbrennen

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Fast jeder hat es schon mal erlebt: Das schmerzhafte Brennen hinter dem Brustbein, das vom Oberbauch bis in den Hals und Rachen ausstrahlen kann (retrosternales und pharyngeales Brennen). Diese als Sodbrennen bezeichnete Empfindung hat in den letzten Jahren beachtlich zugenommen. Inzwischen leiden zwischen 18 und 40 Prozent der deutschen Bevölkerung an Sodbrennen. Häufig wird Sodbrennen von saurem oder bitterem Aufstoßen begleitet. Allerdings muss das unangenehme Gefühl nicht immer auf eine Krankheit hinweisen. Denn Sodbrennen wird durch bestimmte Nahrungsmittel ganz natürlich hervorgerufen. Sie bewirken einen Rückfluss (Reflux) aus dem Magen in die Speiseröhre. So bewirkt beispielsweise der Genuss von Hefegebäck oder fruchtsäurehaltigen Weinen diesen Rückfluss – und begünstigt damit Sodbrennen.


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Auf einen Blick

Wodurch wird der Schließmuskel der Speiseröhre geschwächt?
  • Übergewicht
  • Schwangerschaft
  • Alkohol
  • Nikotin
  • Medikamente (diverse Schmerzmittel, Antibiotika, Psychopharmaka und Herz-Kreislauf-Medikamente)

Wodurch entsteht Sodbrennen?

Sodbrennen kann unterschiedliche Ursachen haben. Auch durch unseren Lebensstil und unsere Ernährungsgewohnheiten kann es entstehen. Dieses Problem kenne viele – vor allem nach einem ausschweifendem Festessen. Dauerhaftes Sodbrennen kann aber auch ein Symptom bei verschiedenen Erkrankungen sein. Zu den brennenden Schmerzen kommt es, wenn saure Magensäfte vom Magen in die Speiseröhre zurückfließen. Normalerweise wird dies von einem Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen verhindert (unterer Ösophagussphinkter). Der untere Ösophagussphinkter grenzt den Übergang vom Magen zur Speiseröhre ab. Ist seine Muskelspannung jedoch herabgesetzt oder ist der Druck vom Magen zu groß, kann es zum Rückfluss (Reflux) kommen. Da die Speiseröhrenschleimhaut nicht für den Kontakt mit schädigenden Magensäften ausgerichtet ist, kommt es zu Schmerzen. Zusätzlich ist bei manchen Betroffenen der Bewegungsfluss in der Speiseröhre verzögert. So verweilt der Magensaft länger als normal in der Speiseröhre, bis er in den Magen zurückfließt (Motilitätsstörung). Der saure Reflux wird begünstigt durch:

  • Lebensstil (Rauchen, Alkohol, Ernährung, Stress)
  • Medikamente
  • Erkrankungen des Magens oder der Speiseröhre (zum Beispiel einen Zwerchfelldurchbruch)

Wie verursacht mein Lebensstil Sodbrennen?

Es wird angenommen, dass Stress und hohe Belastung im Alltag bei der Entstehung von Sodbrennen eine Rolle spielen. Hast du einen Hang zu üppige Mahlzeiten oder leidest du bereits an Übergewicht (Adipositas)? Dann kann auch darin dein Sodbrennen begründet sein. Denn der Druck auf den Magen durch Übergewicht oder enge Kleidung begünstigt den Rückfluss von Mageninhalt und Magensäure in die Speiseröhre. Auch die übermäßige Dehnung nach großen Portionen führt dazu, dass die Nahrung nach oben in die Speiseröhre zurückfließt. Alkohol und Nikotin hingegen verändern den Spannungszustand (Tonus) des Schließmuskels. Durch Herabsetzen der Spannung des Muskels ist seine Schließfunktion beeinträchtigt: Und wieder gelangt der Magensaft in die Speiseröhre. Da viele Lebensmittel einen Einfluss auf die Magensäureproduktion und Magendehnung haben, spielt auch unsere Ernährungsweise eine wichtige Rolle. Süße, fette und saure Speisen sollten bei Sodbrennen gemieden werden.

Schon gewusst?

Manche Betroffene leiden unter nächtlichem Reflux. Daran sollte gedacht werden, wenn diese Erkrankungen gehäuft auftreten:

  • chronische Kehlkopfentzündung
  • chronischer Husten
  • immer wiederkehrende Lungenentzündungen

Schlafen mit leicht erhöhtem Oberkörper schafft manchmal schon Besserung

Bei welchen Erkrankungen tritt Sodbrennen auf?

Regelmäßig auftretendes Sodbrennen kann ein Hinweis auf die Refluxkrankheit (gastroösophageale Refluxkrankheit, kurz: GERD) geben. Da sich die Refluxkrankheit und das Symptom Sodbrennen ähneln, werden die beiden Begriffe Reflux und Sodbrennen häufig als Synonym verwendet. Sodbrennen kann aber auch als Beschwerde bei weiteren Erkrankungen auftreten:

Steckbrief Reizmagen (Dyspepsie)



Beim Reizmagen handelt es sich um eine Erkrankung mit unspezifischen Oberbauchbeschwerden ohne organischen Befund
  • betrifft ein Drittel der Bevölkerung
  • Frauen doppelt so häufig als  Männer

Symptome

  • epigastrischer Nüchternschmerz (Dyspepsie vom Ulkustyp)
  • frühes Sättigungsgefühl, Völlegefühl nach dem Essen, Aufstoßen (Dysmotilitätstyp)
  • Sodbrennen (Refluxtyp)
  • wechselnde Symptome (idiopathische Dyspepsie)
  • Erbrechen
  • aufgebläht sein (Meteorismus)

Steckbrief gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)



Der durch Reflux bedingte Säurereiz verursacht Schleimhautschäden in der Speiseröhre (Ösophagus)
  • ein Prozent der Bevölkerung ist betroffen
  • bei 95 Prozent liegt ein Zwerchfelldurchbruch (Hiatushernie) vor

Symptome

  • Sodbrennen
  • vermehrtes Aufstoßen
  • Rülpsen durch das Verschlucken großer Mengen Luft (Aerophagie)
  • Oberbauchschmerzen (epigastrischer Schmerz)
  • trockener Husten (bei dreißig Prozent der Fälle)

Sodbrennen ist zwar das Leitsymptom der Refluxkrankheit, es tritt aber nicht bei allen Betroffenen auf.
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Was kann Sodbrennen durch Reflux verschlimmern?

Häufig verschlimmern sich die Beschwerden direkt nach der Nahrungsaufnahme oder im Liegen. Daher solltest du nach dem Essen lieber einen Spaziergang machen als einen Mittagsschlaf. Außerdem verstärkt sich das Sodbrennen durch Nikotin- und Alkoholkonsum oder Stress.

Wichtig!

Sodbrennen ist nicht nur äußerst unangenehm sondern kann auch sehr gesundheitsschädigend sein! Daher sollten längerfristig bestehende Beschwerden immer beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt abgeklärt werden!

Bei chronischem Reflux kann es zu Komplikationen kommen:

  • Geschwür (Ulkus)
  • Verengung der Speiseröhre (Striktur)
  • Barrett-Ösophagus (Metaplasie der Ösophagusschleimhaut): hieraus kann sich ein Geschwür (Barrett-Ulkus) oder nach Jahren ein bösartiger Tumor (Adenokarzinom) entwickeln!

Einer von 1000 Patienten mit Refluxsymptomen (Sodbrennen) entwickelt mit den Jahren ein Adenokarzinom!

Welche Hausmittel helfen bei Sodbrennen?

Zwar gibt es keine wissenschaftlichen Belege, manche Betroffene berichten allerdings von einer Besserung ihrer Beschwerden durch Heilerde oder Natron. Die Pulver werden in Wasser aufgelöst und getrunken. Durch die bindende Eigenschaft soll die Magensäure gebunden werden und dadurch Sodbrennen reduzieren. Diese Wirkung wird auch Haferflocken nachgesagt. Experten der Pflanzenheilkunde empfehlen bei Sodbrennen täglich eine Leinsamentinktur zu trinken. Diese wirkt schleimhautschützend. Zusätzlich kann Kamillenblütenkonzentrat oder Kamillenblütentee getrunken werden. Denn Kamille wirkt entzündungshemmend und beruhigend.

Rezept Leinsamentinktur

  • zwei bis drei Esslöffel geschrotete Leinsamen
  • 1/4l bis 1/2  Liter Wasser

Weiche die Leinsamen über Nacht in Wasser ein. Koche die Mischung morgens kurz auf. Filter dann mit Hilfe eines Tuches die festen Leinsamen von der Flüssigkeit – fertig! Du kannst die Flüssigkeit nun abfüllen (zum Beispiel in eine Thermoskanne) und über den Tag verteilt trinken.

Fest steht, dass der Verzicht auf auslösende Substanzen die beste natürliche Abhilfe bei Sodbrennen schafft. Rauchentwöhnung und Verzicht auf Alkohol sowie auf süße und kohlensäurehaltige Getränke stehen im Vordergrund. Auch eine Gewichtsabnahme ist empfehlenswert.Durch eine leichte, ausgewogene Ernährung mit kleinen Portionen und genügend zeitlichem Abstand vor dem Schlafengehen bekommst du dein Sodbrennen vielleicht sogar schon in den Griff.

Falls nicht, ist eine ärztliche Untersuchung und die Verwendung von Protonenpumpeninhibitoren empfehlenswert.

Baenkler, H. W., Goldschmidt, H., Hahn, J. M., Hinterseer, M., & Knez, A. (2007). Kurzlehrbuch Innere Medizin. Georg Thieme Verlag. Online abgerufen am 20.09.2018 unter: https://bit.ly/2xAmvCE (Google Books)

Thompson, W.G. and Heaton, K.W., 1982. Heartburn and globus in apparently healthy people. Canadian Medical Association Journal126(1), p.46. Online abgerufen am 20.09.2018 unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1862803/

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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