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Schub bei Colitis ulcerosa – Das musst du über Schübe wissen

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Colitis ulcerosa ist eine schubweise auftretende entzündliche Erkrankung des Dickdarms, die Betroffene ein Leben lang begleitet. Allerdings ist die Entzündung nicht immer gleich stark aktiv. So gibt es Phasen, in denen die Krankheit sich kaum äußert (Remission). Die Entzündung kann aber immer wieder ausbrechen und starke Beschwerden hervorrufen (Schub). Wie sich ein Schub äußert, was in einer akuten Phase hinsichtlich der Ernährung zu beachten ist und was speziell in Schwangerschaft und Stillzeit gilt, erklärt dieser Artikel.


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Kann trotz regelmäßiger Medikamenteneinnahme ein Schub auftreten?

Die regelmäßige Medikamenteneinnahme soll bewirken, dass die beschwerdefreie Phase so lange wie möglich andauert. Dennoch kann es zum erneuten Ausbruch der Erkrankung kommen. In diesem Fall muss für die Dauer des Schubs die Dosierung der Medikamente angepasst werden und es müssen gegebenenfalls andere Wirkstoffe zum Einsatz kommen (siehe Behandlung Colitis ulcerosa).

Welche Beschwerden begleiten einen Schub?

Im Schub flammt im Dickdarm eine Entzündung wieder auf. Diese Entzündungsreaktion schädigt die Schleimhaut und bewirkt folgende Symptome:

  • blutige Durchfälle
  • Bauchschmerzen
  • stark erhöhte Stuhlfrequenz (oft mehr als fünfmal pro Tag)
  • schmerzhafter Stuhldrang (Tenesmen)
  • Schwierigkeiten, den Stuhl zurückzuhalten
  • Fieber

Je nachdem, wie stark die Entzündungsreaktion ist und wie weit sie sich im Darm ausgebreitet hat, variiert auch die Stärke der Beschwerden. Es ist wichtig, sich im akuten Schub an den behandelnden Arzt zu wenden, um mit ihm die Therapie zu besprechen. Ziel der Colitis-ulcerosa-Therapie ist es, die Entzündungsreaktion in Schach zu halten und damit die Beschwerden zu minimieren. Von Colitis ulcerosa Betroffene sind auch anfälliger für Magen-Darm-Infekte. Ob ein Infekt oder ein Schub vorliegt, muss vom Arzt diagnostiziert werden. Bei einem unkomplizierten Magen-Darm-Infektliegen in der Regel aber keine blutigen Durchfälle vor.

Wie lange dauert ein Schub an?

Es lässt sich nicht vorhersagen, wie lange ein Schub andauern wird. Durch Medikamente, die die Entzündungsreaktion eindämmen oder die Aktivität des Immunsystems unterdrücken, wird versucht, den Schub zu beenden und zurück in die Remission zu kommen. Wie gut die Medikamente wirken, ist ganz individuell und hängt auch davon ab, wie ausgeprägt die Entzündung ist. Manchmal lässt sich auch keine vollständige Remission erreichen. Dann spricht man von einem chronisch-aktiven Verlauf. Doch auch in diesem Verlauf variiert die Intensität der Krankheit.

Wie schwer ist ein Schub?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Schweregrad eines Schubs zu bestimmen. Eine vereinfachte Einteilung findet sich in der folgenden Tabelle. Ein Arzt kann außerdem per Blutabnahme bestimmen, ob eine Blutarmut (Anämie) vorliegt. Bei schweren Verläufen kann es durch den Blutverlust zu einer Anämie können.

Schweregrad leicht mittel schwer
blutige Durchfälle < 4 pro Tag 4–6 pro Tag > 6 pro Tag
Körpertemperatur Kein Fieber< 37 °C Kein Fieber Abendliche Mitteltemperatur >37,5 °C / an 2 von 4 Tagen >37.8 °C
Blutsenkungsgeschwindigkeit (kann durch Blutabnahme bestimmt werden) normal normal erhöht
Puls < 100 Schläge pro min < 100 Schläge pro min > 100 Schläge pro min

Was löst einen Schub aus?

Oft gelingt es nicht, Auslöser eines Schubes zu identifizieren. Die Ernährung scheint keinen Einfluss auf den Remissionserhalt zu haben. Das Vergessen oder selbstständige Absetzen der remissionserhaltenden Medikamente kann ein Grund für einen Colitis-ulcerosa-Schub sein. Manche Betroffene berichten, dass ein belastendes Lebensereignis vor dem Schub auftrat. Dass psychische Belastung und Stress generell einen Schub auslösen können, ist aber nicht nachgewiesen. Allerdings beeinflusst zu viel Stress das allgemeine Wohlbefinden und kann dadurch zusätzlich belasten.

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Wie ernähre ich mich im Schub?

Generell gibt es keine bestimmte Ernährungsempfehlung für Colitis-ulcerosa-Betroffene. Da Betroffene allerdings ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung haben ist es wichtig, auf ausreichende Aufnahme von Makro- und Mikronährstoffen zu achten.

Durch die Entzündung des Dickdarms im Schub ist der Darm aber sehr empfindlich. Die Durchfälle bedingen außerdem einen Verlust an wichtigen Nährstoffen und Flüssigkeit.Daher ist es im Schub besonders wichtig, auf eine ausreichende Wasserzufuhr zu achten. Liegt ein Nährstoffmangel vor, sollte dieser mit Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden. Im Schub kann eine ballaststoffarme, schonende Ernährung guttun. In der Praxis kann das bedeuten, nicht zu fettig sowie zu scharf zu essen. Betroffene sollten dabei darauf achten, dennoch nicht zu wenig energiereiche Nahrung zu sich zu nehmen, um einer Mangelernährung vorzubeugen.

Da durch die medikamentöse Therapie das Immunsystem geschwächt ist, sollte besonders darauf geachtet werden, nicht unnötig Bakterien aufzunehmen. Dazu gehört, Gemüse und Obst stets gründlich zu waschen, besonders aufmerksam dafür zu sein, ob Lebensmittel bereits verdorben sind, und besser auf rohen Fisch, Fleisch und Rohmilchprodukte zu verzichten.

Was hilft im Schub?

Die leitliniengerechte Therapieempfehlung ist im Fachartikel „Therapie bei Colitis ulcerosa“ beschrieben. Generell ist es wichtig, sich gut um seinen Körper und auch sein seelisches Wohlbefinden zu sorgen. Es gibt Hinweise, dass sich moderater Sport (namentlich auch Yoga) und Achtsamkeitsübungen positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken und die Lebensqualität steigern.

Birgt ein Schub in der Schwangerschaft ein besonderes Risiko?

Wenn eine Schwangerschaft in der Remissionsphase entsteht, haben Schwangere das gleiche Risiko für einen Colitis-ulcerosa-Schub wie Nicht-Schwangere. Kommt es zu einem Krankheitsschub während der Schwangerschaft, geht dieser mit einem erhöhten Risiko für die Gesundheit von Mutter und Ungeborenem einher. Deshalb ist es wichtig, remissionserhaltende Medikamente während der Schwangerschaft weiter zunehmen. Unverzichtbar ist hierbei die Betreuung durch einen erfahrenen Facharzt.

Was gilt für den Umgang mit einem Schub in der Stillzeit?

Die meisten Präparate zum Remissionserhalt können auch in der Stillzeit weiter genommen werden. Kommt es aber zum Schub, muss beachtet werden, dass Cortison über die Muttermilch an das Kind weitergegeben wird. Bei einem besonders schweren Schub müssen eventuell neuere Medikamente, sogenannte Biologika, eingesetzt werden.. Deren Einfluss auf das Kind ist jedoch noch nicht vollständig untersucht, weshalb Vorsicht geboten ist. In jedem Fall ist die Abstimmung mit einem erfahrenen Facharzt notwendig.

Das Wichtigste zu Colitis-ulcerosa-Schüben im Überblick


  • Colitis ulcerosa begleitet Betroffene lebenslang.
  • Beschwerdefreie Phasen und Schübe wechseln sich ab.
  • Eine individuell angepasste Medikation kann die beschwerdefreien Zeiten verlängern.
  • Ein Schub äußert sich in Symptomen wie blutigem Durchfall und Bauchkrämpfen.
  • Die Schwere und Dauer der Symptome variiert stark von Mensch zu Mensch.
  • In einem akuten Schub ist eine ballaststoffreduzierte, fettarme Ernährung empfehlenswert. Gleichzeitig muss besonders auf eine ausreichende Nährstoffzufuhr geachtet werden, die gegebenenfalls auch Nahrungsergänzungsmittel umfasst.
  • Besonders in Schwangerschaft und Stillzeit ist eine enge Betreuung durch einen fachkundigen Arzt wichtig.
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Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite wir eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet. Lade die Cara Care-App jetzt kostenlos herunter.

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