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Therapie der Colitis ulcerosa – Wichtige Informationen zur Behandlung

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Colitis ulcerosa ist eine entzündliche Darmerkrankung. Die Ursache für die Entzündung ist noch nicht umfassend geklärt, sodass Colitis ulcerosa noch nicht ursächlich behandelbar ist. Von Colitis ulcerosa Betroffene erleben immer wieder in ihrem Leben Symptome. Deshalb ist Colitis ulcerosa eine sogenannte chronische Krankheit.

Die Therapie zielt vor allem darauf ab, die Entzündung einzudämmen und so Schübe zu verhindern (Schubprophylaxe). Es ist außerdem wichtig, einen Mangel an Nährstoffen wie etwa Eisen zu beheben.


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Welche Medikamente werden bei der Behandlung von Colitis ulcerosa eingesetzt?

Ob eine medikamentöse Therapie gegen Colitis ulcerosa nötig ist und welche sinnvoll ist, entscheiden die behandelnden Ärzte. Da die Medikamente stark auf den Körper einwirken, sind sie nur auf Rezept erhältlich.

Es gibt verschiedene Wirkstoffklassen, die zur Behandlung von Colitis ulcerosa eingesetzt werden:

  • 5-ASA-Präparate (Aminosalicylate)
  • Glucocorticoide
  • Calcineurin-Inhibitoren
  • TNF-Antikörper
  • Purin-Antagonisten

Die Substanzen setzen an verschiedenen Stellen des Immunsystems an. Eine wichtige Wirkweise der Mittel ist, dass sie die Aktivität bestimmter Botenstoffe des Immunsystems hemmen. Auf diese Weise kann die erneute Darmentzündung verhindert werden. Bei der Colitis ulcerosa können Medikamente zum Einsatz kommen, die nur am Ort der Entzündung im Darm wirken (lokale/topische Wirkung), aber auch Medikamente, die sich im ganzen Körper verteilen (systemische Wirkung).

Welche Wirkstoffklassen und Wirkstoffe gibt es und wie werden sie verabreicht?

Wirkstoffklasse Wirkstoff Darreichungsform
Aminosalicylat

(5-ASA-Präparate)

Mesalazin

selten: Sulfalazin, Osalazin (Nebenwirkungen sind häufig)

Tabletten, Zäpfchen, Schaum-Präparate (als Einlauf)
Glucocorticoide Budesonid, Cortison Zäpfchen/Einläufe, Infusion (intravenös),

Tabletten (oral)

Calcineurin-Inhibitoren Ciclosporin A, Tacrolismus Tabletten (oral), in Ausnahme Infusion (intravenös)
TNF-Antikörper Infliximab (zum Beispiel [Remicade®](https://cara.care/de/behandlung/medikamente/remicade/)) Selbstinjektion unter die Haut (subkutan), Infusion (intranvenös)
Purin-Antagonisten Azathioprin Tabletten (oral)

Tab. 1. Medikamente zur Colitis-ulcerosa-Therapie

Wie wird ein Schub behandelt?

Welche Medikamente zur Behandlung eines Schubs zur Anwendung kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • dem Schweregrad
  • der Häufigkeit der Schübe
  • der Ausbreitung der Entzündung
  • dem Ansprechen auf eine Therapie
  • Nebenwirkungen von bisherigen Therapien

Auch welches Medikament man bereits zur Erhaltungstherapie (Remission) einnimmt, spielt eine Rolle. Wenn dieses Mittel den Schub nicht beenden kann, kommt ein Stufenschema zum Einsatz. Das bedeutet, dass von schwächeren auf stärker wirksame (potentere) Medikamente oder Kombinationen umgestiegen wird. Dadurch wird die Entzündung mit höherer Wahrscheinlichkeit erfolgreich eingedämmt. Das heißt aber oftmals auch, dass stärkere Nebenwirkungen auftreten.

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Laut der momentan geltenden Leitlinien für die Behandlung wird das folgende Therapie-Schema empfohlen:

Indikation Medikamente
leichter Schub 5-ASA-Präparate örtlich (topisch)
mäßiger Schub 5-ASA-Präparate örtlich (topisch)

oder

5-ASA-Präparate örtlich (topisch) und 5-ASA-Präparate oral (systemisch)

oder

5-ASA-Präparate örtlich (topisch) und Glucocorticoide (topisch)

schwerer Schub Glucocorticoide (systemisch)
schwerer Schub und kein Ansprechen auf Glucocorticoide Immunsuppressiva (systemisch):

– Ciclosporin A, Tacrolismus

– Infliximab

– Azathioprin

Tab. 2.: Medikamentöse Therapie während eines Schubs

Kommt es im Schub zu einer Entzündung im letzten Abschnitt des Dickdarms, liegt eine sogenannte Proktitis vor. Hier kann die Behandlung mit 5-ASA topisch, also direkt an der betroffenen Stelle, erfolgen. Der Wirkstoff wird über Zäpfchen oder Einläufe (Klysmen) dafür direkt an die entzündete Dickdarmstelle gebracht.

Hat sich die Entzündung jedoch bereits weiter aufwärts im Dickdarm ausgebreitet (linksseitige Kolitis), kann durch Zäpfchen die Entzündung nicht mehr überall erreicht werden. Daher wird zusätzlich 5-ASA als Tabletten oder Granulat verabreicht. Diese wandern dann zwar durch den gesamten Magen-Darm-Trakt von Mund, Speiseröhre und Magen über den Dünndarm bis in den Dickdarm, geben ihren Wirkstoff jedoch erst im Dickdarm ab.

Was bedeutet remissionserhaltende Therapie?

Von Remission spricht man, wenn der Betroffene komplett beschwerdefrei ist. In einer solchen Phase ist keine Entzündung im Darm nachzuweisen. Geheilt ist die Erkrankung zwar nicht, doch der Erkrankte hat keine Beschwerden und kann seinen Alltag frei gestalten. Diesen symptomfreien Zustand versucht man möglichst lange zu erhalten. Die medikamentöse Behandlung, die hierfür eingesetzt wird, nennt man remissionserhaltende Therapie.

Zum Remissionserhalt bekommen Betroffene 5-ASA-Präparate in Form von Tabletten (oral) oder als Zäpfchen oder Einlauf (rektal). Dies sind die gleichen Medikamente, die auch im akuten Schub zum Einsatz kommen. Bei der remissionserhaltenden Therapie sind die Mittel allerdings schwächer dosiert. Falls es während der Einnahme von 5-ASA-Präparaten zu erneuten Schüben kommt, können Immunsuppressiva (Azathioprin oder Infliximab) eingesetzt werden.

Die remissionserhaltende Therapie sollte mindestens zwei Jahre lang erfolgen. Da bei Colitis ulcerosa das Risiko für Dickdarmkrebs je nach Entzündungsaktivität erhöht ist, kann es aber auch sinnvoll sein, die Medikamente länger einzunehmen. Dies senkt das Krebsrisiko. Vorsicht gilt aber bei Glucocorticoiden. Auch wenn sie in der akuten Therapie eines Schubs wirksam sind, sollten sie nicht langfristig zum Remissionserhalt eingesetzt werden. Glucocorticoide greifen in den Hormonhaushalt ein und sind bei längerer Anwendung mit starken Nebenwirkungen verbunden.

Kann es trotz remissionserhaltender Therapie zu erneuten Schüben kommen?

Auch während der Einnahme remissonserhaltender Medikamente kann es unter Umständen zu weiteren Schüben kommen. Bei einem schweren Schub wird die medikamentöse Therapie angepasst, um die Entzündung möglichst schnell wieder zu beenden. Wenn im Rahmen der remissionserhaltenden Therapie bereits ein 5-ASA-Präparat eingenommen wurde, wird zunächst die Dosis gesteigert.

Auch eine Therapie mit Immunsuppressiva wie Anti-TNF, Vedolizumab oder mit Thiopurinen ist möglich. Kommen Immunsuppressiva bereits während der Schubprophylaxe zum Einsatz, wird der Schub direkt mit Glucocorticoiden behandelt.

Kann man Colitis ulcerosa operativ behandeln?

Bei einigen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie etwa Morbus Crohn ist keine Heilung durch eine Operation möglich. Bei Colitis ulcerosa ist das anders: Durch eine operative Entfernung des Dickdarms (Proktokolektomie) kann die Krankheit geheilt werden. Dabei handelt es sich aber um einen großen Eingriff: Damit das Zurückhalten und Speichern des Stuhls (Kontinenz) weiterhin gut möglich ist, wird zusätzlich zur Entfernung des Dickdarms ein künstliches Reservoir aus einem Teil des Dünndarms gebildet. Dieses Reservoir fängt dann den Stuhl auf. Somit ist ein Großteil des gesamten Darms vom operativen Eingriff betroffen. Außerdem ist zu bedenken, dass der Stuhl dann deutlich flüssiger ist. Das liegt daran, dass die Hauptfunktion des Dickdarms ist, dem Stuhl Flüssigkeit zu entziehen. Wenn dies nicht erfolgt, hat der Stuhl eine Konsistenz wie man sie sonst von Durchfall kennt. Aus diesen Gründen wird eine Operation bei Colitis ulcerosa eher selten empfohlen.

Wenn sich die Erkrankung akut verschlimmert und es dadurch zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommt, muss jedoch operiert werden. Dazu zählt zum Beispiel das Platzen des Dickdarms (Perforation). Es gibt auch Situationen, in denen man sich ohne akute Verschlechterung zu einer Operation entscheiden kann (elektive OP-Indikation). Das ist zum Beispiel der Fall, wenn es häufig zu schweren Schüben kommt. Dasselbe gilt, wenn sich das Allgemeinbefinden verschlechtert oder es bereits zu Veränderungen der Schleimhautzellen gekommen ist (Epitheldysplasie). Die Epitheldysplasie ist eine Vorstufe von Dickdarmkrebs.

Lässt sich Colitis ulcerosa auch mit naturheilkundlichen Verfahren therapieren?

Für viele naturheilkundliche Verfahren ist die Wirkung wissenschaftlich nicht nachgewiesen. In diesem Fall rät die Leitlinie zur Therapie der Colitis ulcerosa daher davon ab, naturheilkundliche Verfahren zur Therapie anzuwenden. Für einige wenige Therapien gibt es jedoch Hinweise auf eine positiven Effekt. Es ist aber wichtig, diese ergänzend zu den empfohlenen Medikamenten einzusetzen (siehe oben). Ergänzende Anwendung zusätzlich zur Standardtherapie nennt man integrative Medizin oder auch komplementäre Anwendung.

  • Für diese naturheilkundlichen Mittel zeigte sich in einzelnen Studien eine Wirkung:
  • Curcumin (Gelbwurzel): zur Remissionserhaltung (plus 5-ASA-Präparate)
  • Plantago ovate (Wegerich): zur Remissionserhaltung (plus 5-ASA-Präparate)
  • Kombination aus Myrrhe, Kamillenblüten-Extrakt und Kaffee-Kohle: zur Remissionserhaltung (plus 5-ASA-Präparate)
  • Probiotika (Escherichia coli, Lactobacillus, Bifidobacterium): zur Remissionserhaltung (plus 5-ASA-Präparate)
  • Mind and Body Medicine (Meditation, Achtsamkeitstraining, Yoga): zur Verbesserung der Lebensqualität
  • Akupunktur: leichter bis moderater Schub (plus jeweilige Standard-Schub-Therapie)

Welche homöopathischen Mittel eignen sich zur Therapie von Colitis ulcerosa?

Die Wirkung von homöopathischen Mitteln ist in wissenschaftlichen Kreisen sehr umstritten und wird in Fachkreisen abgelehnt. Die Datenlage zur Wirksamkeit ist nämlich schlecht, so dass generell keine Empfehlung für eine homöopathische Therapie gegeben werden kann. Dennoch interessieren sich viele Patienten für Homöopathie und erhoffen sich, von der Einnahme der Globuli (homöopathische Kügelchen) zu profitieren. Die eingesetzten homöopathischen Therapeutika beziehen sich auf die Behandlung der Symptome und Beschwerden, die bei Colitis ulcerosa auftreten (Durchfälle, Bauchschmerzen, Blutungen).

Wenn homöopathische Therapie gewünscht ist, sollte ein Arzt oder Heilpraktiker, der in Homöopathie ausgebildet ist, ein geeignetes Präparat empfehlen. Befragungen zeigen jedoch, dass nur wenige Patienten tatsächlich von Homöopathie und anderen Verfahren einen Nutzen haben. In jedem Fall sollten Betroffene unter keinen Umständen auf die Standardtherapie verzichten.

Wie wichtig ist die Ernährung in der Therapie?

Die Ernährung spielt eine große Rolle bei der Therapie einer Colitis ulcerosa. Sie hat direkten Einfluss auf die Darmflora und damit auch auf die gesamte Darmgesundheit. Es empfiehlt sich, mit einem qualifizierten Ernährungsberater herauszufinden, welche Ernährung individuell am besten geeignet ist.

Arastéh, K., Baenkler, H. W., Bieber, C., Brandt, R., & Chatterjee, T. T. (2012). Duale Reihe Innere Medizin. Georg Thieme Verlag.

Authors, Collaborators: [Updated S3-Guideline Colitis ulcerosa. German Society for Digestive and Metabolic Diseases (DGVS) - AWMF Registry 021/009]. Z Gastroenterol. 2018;56(9):1087-1169. doi:10.1055/a-0651-8174

Sang L-X, Chang B, Zhang W-L, Wu X-M, Li X-H, Jiang M. Remission induction and maintenance effect of probiotics on ulcerative colitis: a meta-analysis. World J Gastroenterol. 2010;16(15):1908-1915. doi:10.3748/wjg.v16.i15.1908

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite wir eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet. Lade die Cara Care-App jetzt kostenlos herunter.

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