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Ernährung bei Divertikulitis – Was darf ich bei Divertikulitis essen?

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Unter einer Divertikulitis versteht man allgemein die Entzündung von Ausstülpungen der Darmschleimhaut. In den allermeisten Fällen treten Divertikel und damit auch die Divertikulitis im Dickdarm und dort speziell im Sigma, einem S-förmigen Abschnitt des Dickdarms, auf. In der Therapie der Divertikulitis spielt die Ernährung eine wesentliche Rolle.

Welche Nahrungsmittel erlaubt sind ist von der jeweiligen Phase der Erkrankung abhängig. Im akuten Krankheitsausbruch sollte der Darm möglichst entlastet werden. Treten die Beschwerden der Divertikulitis immer wieder (rezidivierend) auf oder bestehen sie dauerhaft (persistierend), liegt eine chronische Divertikulitis vor. Ob der Verlauf und das erneute Auftreten dieser Erkrankung durch bestimmte Ernährungsgewohnheiten positiv zu beeinflussen ist, gilt als wissenschaftlich umstritten.

Was aber kann die Beschwerden konkret lindern? Welche Maßnahmen im Alltag sind hilfreich? Folgender Artikel bietet nützliche Ernährungstipps im Umgang mit der Erkrankung.


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Welche Ernährung ist bei einer akuten Divertikulitis empfehlenswert?

Eine akute Divertikulitis ist charakterisiert durch Bauchschmerzen, die meist im linken Unterbauch lokalisiert sind, sowie Blähungen und Veränderungen des Stuhlgangs. Stuhlveränderungen können sich in Form von Durchfall oder Verstopfung äußern. Während in schweren Fällen, insbesondere bei Patienten mit Vorerkrankungen, eine antibiotische Therapie notwendig ist, ist bei milden Formen der Divertikulitis nicht immer eine spezielle Therapie nötig.

In der akuten Entzündungsphase sollte der Darm möglichst nicht zusätzlich mit Nahrung belastet werden. In schweren Fällen kann eine vorübergehende, vollständige Nahrungskarenz notwendig sein. Die Ernährung muss dann über Infusionen unter Umgehung des Verdauungstraktes (parenteral) gewährleistet werden.

Bei leichteren Verläufen können ballaststoffarme Lebensmittel verzehrt werden. Dazu gehören beispielsweise Brühen, Weißbrot, Zwieback und gekochte Kartoffeln oder Karotten.

Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck (arterielle Hypertonie), chronische Niereninsuffizienz oder ein geschwächtes Immunsystem erhöhen das Risiko für einen komplizierten Krankheitsverlauf. In diesen Fällen sowie bei erstmalig auftretenden Beschwerden sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden. Dieser kann den Schweregrad der Divertikulitis einschätzen und über weitere Behandlungsmaßnahmen entscheiden.

Was kann man nach dem Abklingen einer akuten Divertikulitis essen?

In der ersten Woche nach einer akuten Divertikulitis sollte der Darm zunächst langsam wieder an feste Nahrung gewöhnt werden. In dieser Zeit wird empfohlen, auf schwer verdauliche Rohkost und Salat zu verzichten. Die Mahlzeiten sollten generell ausgewogen und leicht bekömmlich sein. Sobald die Entzündung vollkommen abgeklungen ist, muss kein Verzicht auf bestimmte Lebensmittel mehr erfolgen.

Eine ballaststoffreiche, fett- und fleischarme Ernährung schützt nachweislich vor der Ausbildung von Divertikeln (Darmausstülpungen). Der direkte Einfluss der Ernährung auf das Risiko eines erneuten Entzündungsgeschehens ist allerdings bisher wissenschaftlich nicht belegt. In der Leitlinie für die Divertikelkrankheit und Divertikulitis sind dementsprechend keine speziellen Ernährungshinweise zur Vorbeugung einer erneuten Darmentzündung enthalten.

Merke


Eine häufige Begleiterscheinung der Divertikelkrankheit sind Verstopfungsbeschwerden (Obstipation). Um die Darmbewegung anzuregen und einen weichen Stuhlgang zu fördern, ist eine ballaststoffreiche Ernährung ratsam. Täglich sollten Erwachsene 30 bis 40 Gramm Ballaststoffe mit der Nahrung zuführen. Sie sind in großen Mengen in Gemüse, Obst und Vollkornprodukten enthalten.

Zusätzlich sollten über den Tag mindestens eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit aufgenommen werden, bevorzugt in Form von Wasser und ungesüßtem Tee.

Zucker, fettiges Essen, helles Brot mit hohem Weizenanteil und Softdrinks sollten seltener auf dem Speiseplan stehen.


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Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Ernährungsempfehlungen in den unterschiedlichen Phasen der Divertikulitis:

Divertikulitis-Phase geeignete Lebensmittel ungeeignete Lebensmittel
akute Entzündung
  • Tee
  • Suppe (ohne starke Gewürze)
  • Weißbrot, Zwieback
  • weich gekochte Kartoffeln
  • Haferbrei
  • rohes Gemüse
  • Salat
  • Obst
  • Vollkornprodukte
  • fettige Speisen
chronische Divertikelkrankheit in der entzündungsfreien Phase
  • jegliches Gemüse (zum Beispiel: Aubergine, Blumenkohl, Brokkoli, Erbsen, Kohl, rote Beete, Spargel, Spinat, Zucchini)
  • Bohnen, Linsen, Sojabohnen, Blattsalate
  • Obst (zum Beispiel: Äpfel, Beeren, Birnen, Orangen, kernlose Trauben)
  • Vollkornprodukte (zum Beispiel: Amaranth, Dinkel, Hirse, Reis, Quinoa, Haferflocken, Vollkornbrot, Vollkornnudeln)
  • Samen (zum Beispiel: Leinsamen, Sonnenblumenkerne)
  • Milchprodukte (zum Beispiel: ungesüßter Natur-Joghurt)
  • Fisch
  • Hühnerfleisch
  • viel Wasser trinken!
  • Zucker
  • fettige Speisen
  • helles Brot (Weizen)
  • Fertigprodukte
  • zu viele Bananen
  • Softdrinks
  • zu viel rotes Fleisch

Was ist ein geeignetes Rezept bei Divertikulitis?

Wie in der obigen Tabelle ersichtlich ist, hängt die Form der Ernährung wesentlich vom Stadium der Erkrankung ab. Da nach dem Abklingen der akuten Entzündung kein Lebensmittel wirklich tabu ist, muss grundsätzlich auf nichts verzichtet werden. Bekannterweise ist es der Gesundheit sowie dem Allgemeinbefinden allerdings zuträglich, überwiegend selbst gekochte Gerichte mit ausreichend frischem Gemüse zu verzehren. Hierfür gibt es zahlreiche Rezepte – der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Inspiration bieten zum Beispiel vegetarische Kochbücher.

Weißbrot/Toastbrot kann beispielsweise einfach durch Vollkornbrot ersetzt werden. Am Morgen ist ein warmer Hirsebrei mit gekochten Früchten für die Verdauung gut bekömmlich.

Was darf man nach einer Darmoperation essen?

Nach einer Darm-Operation findet zunächst ein Kostaufbau statt. Die Kostform hängt insbesondere vom individuellen Wohlbefinden und den Laborwerten ab. Generell darf am ersten Tag nach der Operation nur flüssige Nahrung wie Tee oder Suppe zugeführt werden. Am zweiten Tag wird in der Regel mit Breikost begonnen. Je nach Gesundheitszustand kann dann ab dem dritten oder vierten Tag nach der Operation Schonkost gegessen werden. Das bedeutet, dass zunächst auf unreifes Obst, Steinobst, fetthaltige Milchprodukte, fettiges Fleisch sowie blähendes Gemüse wie Kohl, Paprika oder Zwiebeln verzichtet wird. Ab dem fünften Tag steht wieder die reguläre Vollkost auf dem Speiseplan.

Ist der Konsum von Alkohol bei häufiger Divertikulitis erlaubt?

Grundsätzlich ist gegen mäßigen Alkoholgenuss bei Divertikulitis nichts einzuwenden. Eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigte keinen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Alkoholkonsum und einer Verschlechterung der Divertikulitis oder einer erhöhten Gefahr für Divertikelblutungen. Somit ist gegen ein gelegentliches Glas Wein oder Bier nichts einzuwenden. Treten nach dem Konsum jedoch Beschwerden auf, sollte besser zukünftig auf Alkohol verzichtet werden.

Einige Studien legen nahe, dass Alkohol die Entstehung von Divertikeln begünstigt. Der regelmäßige Konsum von Alkohol schädigt die Magen- und Darmschleimhaut sowie die Leber, senkt die Bewegungsfähigkeit des Darms und kann dazu führen, dass Nährstoffe nicht mehr richtig aufgenommen werden (Malabsorptions-Syndrom). Der Konsum von Alkohol ist daher prinzipiell eher nicht empfohlen.

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DiSiena, M., Birk, J.W. (2018). Diverticular Disease: The old, the New, and the Ever-Changing View. South Med J., 111(3), 144-150. Online abgerufen am 13.03.2018 unter https://sma.org/southern-medical-journal/article/diverticular-disease-old-new-ever-changing-view/.

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Tursi, A. (2017). Dietry pattern and colonic diverticulosis. Curr Opin Clin Nutr Metab Care, 20(5), 409-413. Online abgerufen am 14.03.2018 unter https://journals.lww.com/co-clinicalnutrition/Abstract/2017/09000/Dietarypatternandcolonicdiverticulosis.17.aspx.

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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