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Der menschliche Darm – Aufbau und Funktion

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ohne ihn ist ein Leben nicht möglich: Der Darm ist das größte Verdauungsorgan des Menschen. Zu seinen Funktionen gehört es, lebenswichtige Nährstoffe aus den verspeisten Nahrungsmitteln in die Zellen aufzunehmen. Mit dem hochkomplexen und sensiblen Organ treten jedoch manchmal auch Probleme auf. Viele Menschen leiden unter Darmbeschwerden. Dieser Artikel erklärt alles zu Aufbau, Funktion und Erkrankungen des Darms.


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Wie ist der Darm aufgebaut?

Der menschliche Darm setzt sich aus dem Dünndarm, dem Dickdarm (Colon) und dem End- oder Mastdarm (Rectum) zusammen. Er beginnt direkt hinter dem Magenpförtner (Pylorus). Dieser Muskel reguliert den Weitertransport des Nahrungsbreis vom Magen in den Dünndarm. Am Ende des Darms befindet sich der Anus.

Was sind Darmzotten und Darmkrypten?

Darmzotten sind kleinste Ausstülpungen der Darmwand, die der Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm dienen. Einstülpungen der Dünndarmschleimhaut an der Basis dieser Zotten werden Krypten genannt. Bei Krypten handelt es sich um Drüsen, die aus verschiedenen Zellen zusammengesetzt sind. Im Gegensatz zu den Zotten dienen sie vorrangig der Absonderung von Verdauungsenzymen. Neueste Experimente mit gezüchteten Darm-Modellen aus Stammzellen zeigen jedoch, dass die Aufteilung in Zotten für Nährstoffaufnahme und Krypten für Sekretion möglicherweise nicht ganz eindeutig ist.1

Wie ist der Dünndarm aufgebaut?

Der erste und längste Teil des Darms ist der Dünndarm. Der Dünndarm wird in drei Abschnitte unterteilt. Der Zwölffingerdarm (Duodenum) ist der erste Teil des Dünndarms. Er ist C-förmig und befindet sich in etwa auf Höhe des Bauchnabels.

Auf den Zwölffingerdarm folgt in ungefähr auf Höhe des zweiten Lendenwirbels der Leerdarm (Jejunum). Der Leerdarm geht über in den Krummdarm (Ileum). Mit dem Krummdarm endet der Dünndarm und mündet im rechten Unterbauch in den Dickdarm.

Der Aufbau der Dünndarmwand weist eine anatomische Besonderheit auf. Der gesamte Dünndarm ist von der typischen Dünndarm-Schleimhaut ausgekleidet. Diese Schleimhaut ist in viele Falten geworfen, was der Oberflächenvergrößerung dient. Den Dünndarm-Falten sitzen wiederum Darmzotten auf. Durch Schleimhaut-Falten, Zotten und Krypten wird die Dünndarmoberfläche um das sieben- bis 14-Fache vergrößert.

Wie ist der Dickdarm aufgebaut?

An den Dünndarm schließt sich im rechten Unterbauch der Dickdarm an. Der Dickdarm wird ebenfalls in verschiedene Abschnitte unterteilt: Dazu gehört der Blinddarm, auch Coecum genannt, mit dem Wurmfortsatz (Appendix). Danach kommt der Grimmdarm (Colon).

Am Blinddarm hängt der Wurmfortsatz. Fälschlicherweise wird bei einer Entzündung des Wurmfortsatzes – einem häufigen, akuten Krankheitsbild – oftmals von einer Blinddarmentzündung gesprochen. Genau genommen ist dabei jedoch nicht der Blinddarm betroffen, sondern tatsächlich nur der Wurmfortsatz. Die korrekte medizinische Bezeichnung lautet daher Appendizitis.

Das Colon umrahmt den Dünndarm. Es wird seinerseits in vier Abschnitte unterteilt:

  • aufsteigendes Colon (Colon ascendens)
  • Querkolon (Colon transversum)
  • absteigendes Colon (Colon descendens)
  • Sigma (Colon sigmoideum)

Das Sigma heißt Sigma, weil es S-förmig ist. Es bildet den letzten Abschnitt des Dickdarms. Mit dem Sigma mündet der Dickdarm in das Rectum und damit in den End- oder Mastdarm.

Wie lang ist der Darm des Menschen?

Mit einer durchschnittlichen Länge von circa 6,3 Metern ist der Dünndarm der längste Teil des Darms. Allerdings gibt es große Abweichungen von diesem Wert. In einer Studie mit mehreren hundert Teilnehmern wurden individuelle Längen zwischen 2,5 Metern und 13 Metern gemessen. Dies soll in einer gewissen Abhängigkeit zu Körpergröße und -gewicht stehen.2

Der Dickdarm ist unabhängig von Körpergröße und -gewicht in etwa 1,3 Meter lang3. Damit hat der menschliche Darm eine Gesamtlänge von circa 7,6 Metern.

Was passiert im Darm?

Die Nahrung gelangt als Speisebrei über die Speiseröhre in den Magen. Von dort aus erreicht sie den Dünndarm. Der Dünndarm ist für die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser aus Nahrung und Flüssigkeit verantwortlich.

Aus dem Dünndarm gelangt der Speisebrei in den Dickdarm. Hier wird dem Brei Wasser entzogen und der Stuhl dadurch eingedickt. Die Hauptfunktion des Dickdarms ist Speicherung und Transport sowie Ausscheidung des Stuhls. Auch wenn seine Hauptfunktion Verdauung und Ausscheidung von Nahrung ist, kann der Darm noch viel mehr. Er ist zum Beispiel ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems und reguliert Hormone und Botenstoffe.

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Was ist die Darmflora?

Der Begriff Darmflora bezeichnet unter anderem Darmbakterien, die im menschlichen Darm vorhanden sind. Bei Säuglingen besteht die Darmflora vor allem aus Milchsäurebakterien, die bei der Geburt aus der Scheide der Mutter auf das Kind übertragen werden. Mit der Umstellung der Ernährung ändern sich auch die Bakterien. Je nach Ernährungsweise gibt es unterschiedliche Verteilungsmuster, die sich auf die Gesundheit auswirken.4

Was ist die Funktion der Darmflora?

Die Darmbakterien übernehmen einen wichtigen Anteil der Verdauung für den Menschen. Sie zersetzen unverdauliche Nahrungsbestandteile wie Ballaststoffe durch Fermentation. Außerdem nimmt man an, dass sie durch ihre Fähigkeit zur Produktion von Buttersäure und anderer kurzkettiger Fettsäuren zur Ernährung der Darmschleimhaut beitragen. Eine der wichtigsten Funktionen der Darmflora ist jedoch ihre Immunfunktion. Als eine Art Platzhalter verdrängen und bekämpfen sie körperfremde Bakterien.4

Welche Darmkrankheiten gibt es?

Der Darm ist ein komplexes Organ, in dem häufiger Probleme auftreten. Es gibt zahlreiche Darmerkrankungen. Dazu gehören unter anderem:

  • Der Darmverschluss (entweder die Darmpassage oder die Darmbeweglichkeit ist gestört): Im schlimmsten Falle kann es beim vollständigen Darmverschluss zu einem Bruch der Darmwand (Perforation) mit einer Blutvergiftung kommen.
  • Ein Darminfarkt ist ein lebensbedrohliches Krankheitsbild, das durch den Verschluss eines arteriellen Gefäßes entsteht. Dann ist die Versorgung des betroffenen Darmabschnitts mit Nährstoffen und Sauerstoff eingeschränkt und der Darm wird geschädigt oder stirbt sogar ab.
  • Als Magen-Darm-Grippe werden umgangssprachlich vor allem Virusinfekte des Magen-Darm-Traktes bezeichnet.
  • Darmentzündung ist ein Sammelbegriff für verschiedene Entzündungen des Dünn- oder Dickdarms und umfasst sowohl akute als auch chronische Entzündungs-Zustände.
  • Bei Darmpolypen handelt es sich um Schleimhaut-Wucherungen, die zumeist gutartig sind. In manchen Fällen kann sich daraus jedoch auch Darmkrebs entwickeln.
  • Bei einer Divertikulose des Darms stülpt sich Schleimhaut in kleinen Taschen nach außen durch die Muskelschicht des Darms. Wenn es dadurch zu einer Entzündung kommt, spricht man von Divertikulitis.
  • Ein Darmtumor ist eine Raumforderung des Darms, die gut- oder bösartig sein kann.
  • Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland5 und bezeichnet insbesondere Krebserkrankungen des Dickdarms und des Rektums.
  • Bei Verstopfung (Obstipation) ist die Darmentleerung gestört − ein häufiges Problem, das Frauen häufiger betrifft als Männer.6
  • Hinter Blähungen stecken meist harmlose Ursachen, wie bestimmte Ernährungsweisen. In seltenen Fällen können aber auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten dazu führen.
  • Das Reizdarmsyndrom zeichnet sich durch chronische Magen-Darm-Beschwerden aus, bei der keine körperliche Ursache gefunden wird. Es ist häufig und nicht lebensbedrohlich, geht jedoch oftmals mit einem erheblichen Leidensdruck einher.

Zusammenfassung

Der menschliche Darm besteht aus mehreren Abschnitten: dem Dünndarm, der sich noch in weitere Segmente einteilen lässt, sowie dem Dickdarm und dem Enddarm. Die verschiedenen Abschnitte erfüllen in der Verdauung unterschiedliche Funktionen. Im Dünndarm werden vor allem Nährstoffe aufgenommen, während der Dickdarm dem Nahrungsbrei hauptsächlich Flüssigkeit entzieht. Auch die Darmflora, also die im Darm lebenden Bakterien, spielen eine Rolle in der Verdauung. Der Darm übernimmt neben der Verdauung aber auch noch andere Funktionen, zum Beispiel im Immunsystem. Es gibt viele unterschiedliche Krankheitsbilder, die den Darm betreffen können. Sie reichen von unangenehmen, aber normalerweise harmlosen Magen-Darm-Infekten bis hin zu ernstzunehmenden chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn oder auch Darmkrebs.


  1. Yu H, Hasan NM, In JG, et al. The Contributions of Human Mini-Intestines to the Study of Intestinal Physiology and Pathophysiology. Annu Rev Physiol. 2017 Feb 10;79:291-312. Doi:10.1146/annurev-physiol-021115-105211.

  2. Bekheit M, Ibrahim MY, Tobar W, Galal I, Elward AS. Correlation Between the Total Small Bowel Length and Anthropometric Measures in Living Humans: Cross-Sectional Study. Obes Surg. 2020 Feb;30(2):681-686. Doi:10.1007/s11695-019-04238-z.

  3. Phillips M, Patel A, Meredith P, Will O, Brassett C. Segmental colonic length and mobility. Ann R Coll Surg Engl. 2015 Sep;97(6):439-44. Doi:10.1308/003588415X14181254790527.

  4. Valdes AM, Walter J, Segal E, Spector TD. Role of the gut microbiota in nutrition and health. BMJ. 2018 Jun 13;361:k2179. Doi:10.1136/bmj.k2179.

  5. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF). S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Langversion 2.1, 2019, AWMF Registernummer: 021/007OL. https://www.awmf.org/uploads/txszleitlinien/021-007OLlS3Kolorektales-Karzinom-KRK2019-01.pdf. Aufgerufen am 23.03.2020.

  6. Andresen V, Enck P, Frieling T, et al. S2k-Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Z Gastroenterol. 2013;51(7):651-672. Doi:10.1055/s-0033-1335808.

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite wir eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet. Lade die Cara Care-App jetzt kostenlos herunter.

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