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Bandwurm – Symptome, Ursachen & Behandlung beim Menschen

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Der Bandwurm (Cestoda) zählt zu den Plattenwürmern (Plathelminthen). Von über 3.000 spezialisierten Arten befallen nur wenige den Menschen. Durch verunreinigte Nahrung oder engen Kontakt mit befallenen Tieren kann man mit Bandwurmeiern oder Larven in Berührung. Die Aufnahme der Erreger erfolgt über den Mund. Anschließend werden die Parasiten im Verdauungstrakt zu ungebetenen Untermietern. Nicht alle Wirte erleben bei Bandwurmbefall Beschwerden. Unspezifische Krankheitsanzeichen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Missempfindungen und Veränderungen des Stuhlverhaltens treten bei einem Drittel der Patienten auf. Weltweit infizieren sich pro Jahr zehn Millionen Menschen mit Bandwürmern. In Deutschland betreffen Wurmerkrankungen dank hoher Hygienestandards weniger als 0,01 Prozent der Bevölkerung. Unter deutschen Haustieren dokumentieren Übersichtsarbeiten des tierärztlichen Labors Freiburg 2011 einen Befall von einem Prozent. Die Dunkelziffer liegt laut ihren Schätzungen weit höher.

Wie bekommt man als Mensch einen Bandwurm?

Bandwürmer sind Überlebenskünstler, die sich durch Wirtwechsel auszeichnen. Wie Chamäleons integrieren sich die Parasiten ins Gewebe. Manche bleiben jahrzehntelang unerkannt. Mehr als zehn unterschiedliche Bandwurm-Arten nutzen den Menschen als Zwischen- oder Endwirt. Die verbreitetste Kontaktart betrifft die Nahrungsaufnahme. In halbrohen Fleisch- und Fisch-Produkten sind Larven oder verkapselte Wurm-Stadien enthalten, die im menschlichen Darm zum erwachsenen Bandwurm heranreifen. Sobald der Parasit die Geschlechtsreife erreicht, befruchtet er sich selbst. Dadurch gelangen Eier des Bandwurms im Stuhl des Menschen bis in die Kanalisation. Bei starkem Regen überlasten die Kanäle, wodurch Weideland und Süßgewässer mit verunreinigtem Abwasser in Berührung kommen. Der Kreislauf beginnt von vorne.

Neben dem Verzehr roher Fleisch- und Fisch-Produkte bergen ungewaschene Rohkost und verunreinigte Früchte Ansteckungsgefahr. Dasselbe gilt für mangelnde Hygiene nach dem Kontakt mit Exkrementen oder befallenen Tieren. Abhängig von der Bandwurm-Art unterscheidet sich der Entwicklungszyklus.

Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum)

Fischbandwurm-Befall hat in jüngster Vergangenheit weltweit abgenommen. In Deutschland ist die Ansteckungsgefahr durch verunreinigte Fisch-Produkte dank strengen Vorschriften bei der Fisch-Verarbeitung gering. Risiken bestehen bei Reisen in epidemische Gebiete wie Nordamerika und Skandinavien. Im Amerika der 80er und 90er Jahre hatte eine Sushi-Welle zu vermehrten Fällen geführt.

Im Kot infizierter Endwirte erreichen ausgereifte Wurm-Segmente (Proglottiden) die Süßgewässer. In acht bis zwölf Tagen reifen enthaltene Bandwurmeier zu Larven heran. Erste Zwischenwirte sind Wasserkrebse und kleine Fische. Die Zweitlarven werden mitsamt diesen Wirten von größeren Fischen gefressen. Erst jetzt werden ansteckende Erreger aus den Fischbandwürmern.

Mit der Nahrung nehmen fischfressende Säugetiere die infektiösen Larven auf. Neben Katzen und Hunden gilt der Mensch als möglicher Endwirt für den fischspezifischen Bandwurm. Menschen in Regionen wie Alaska haben ihren Darm in der Vergangenheit am häufigsten mit Fischbandwürmern geteilt. Lässt sich diese Form des Bandwurms im Stuhl nachweisen, ist von Diphyllobothriose die Rede.

Rinderbandwurm (Taenia saginata) & Schweinebandwurm (Taenia solium)

Halbrohes Fleisch befallener Rinder und Schweine enthält verkapselte Wurmvorstufen (Finnen) des Rinder- und Schweinebandwurms. Beim Verzehr löst menschliche Magensäure die Kapsel auf. Die Wurm-Vorstufen reifen daraufhin zu eierlegenden Würmern heran. Tierärztliche Fleischbeschau soll in Deutschland vor Rinder- und Schweinebandwürmern schützen. In Entwicklungsländern existieren derartige Regelungen nicht. Laut dem Robert Koch Institut hängt die Erkrankungshäufigkeit deshalb eng mit Herkunft und Ernährungsgewohnheiten zusammen.  

Zwergbandwurm (Hymenolepis nana) & Rattenbandwurm (Hymenolepis diminuta)

Der Hymenolepis nana ist ein besonderer Bandwurm. Längen von vier Zentimetern machen den Parasiten zur kleinsten Art. Gleichzeitig ist der Schmarotzer der häufigste Bandwurm bei Kindern. Oft berührt diese Patientengruppe befallene Menschen oder verunreinigte Gegenstände und steckt danach die Hände in den Mund. Dadurch kommt es zur Schmierinfektion. Im Kontakt mit dem eigenen Kot drohen Selbstinfektionen.

Zwischenwirte braucht der Zwergbandwurm nicht. Neben Menschen nutzt der Parasit Nagetiere als Endwirte. Das zugehörige Krankheitsbild gilt als Hymenolepiasis, die am häufigsten in warmen Ländern auftritt. Hiervon ist der Rattenbandwurm zu unterscheiden, der den Menschen zufällig befällt und Insekten als Zwischenwirte nutzt.

Kleiner Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) & kleiner Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis)

Fuchs- und Hundebandwurm rufen beim Menschen die lebensgefährliche Echinokokkose hervor. Deshalb unterliegen Ansteckungen in Deutschland der Meldepflicht. Im Jahr 2014 infizierten sich laut Robert Koch Institut 112 Deutsche mit Echinokokken. Baden-Württemberg und Bayern gelten als Risikogebiete. Der Mensch ist für beide Bandwurm-Arten ein irrtümlicher Zwischenwirt. Die eigentlichen Zwischenwirte sind Nage- und Huftiere.

Echinokokken sind kältebeständig und bleiben über Monate ansteckungsgefährlich. Das relevanteste Ansteckungsrisiko stellt neben dem Verzehr verunreinigter Waldfrüchte der enge Kontakt mit verseuchten Tieren dar. Über die Blut- und Lymphbahnen befallen die Larven im Körper des Zwischenwirts Organe wie die Leber. Dort wuchern sie, um sich vor Abwehrzellen zu schützen. Dadurch entstehen Bandwurmzysten und bösartige Tumore, die das Krankheitsbild der zystischen und alveolaren Echinokokkose prägen.

An welchen Symptomen lässt sich der Bandwurm erkennen?

Laut Robert Koch Institut verursacht ein Drittel aller Bandwürmer Symptome wie.

  • Wühlen in der Nabelgegend
  • Juckreiz im Gesäßbereich
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit mit Erbrechen
  • Verstopfung & Durchfall
  • Gliederschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Schwäche
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Missempfindungen beim Stuhlgang

Oft sind es auch bloß Wurmglieder im Stuhl, woran Patienten den Bandwurm erkennen. Zwischen der Übertragung und den ersten Beschwerden liegt bei manchen Bandwurm-Arten eine jahrzehntelange Inkubationszeit. Wenn die Erreger über die Blutbahnen weitere Organe befallen, variiert das klinische Bild in Abhängigkeit von den Zielorganen. Neben Gelbfärbungen der Haut kann es zu Blutarmut, neurologischen Störungen und Blutbeimengungen im Urin kommen.

Wie lässt sich der Bandwurm diagnostizieren?

Wie Ärzte einen Bandwurm feststellen, hängt von der Art des Parasiten ab. Mangel-Erscheinungen im Hinblick auf Nährstoffe wie Vitamin B12 sind unspezifische Erscheinungen bei Bandwurmbefall. Die Stuhlprobe gibt spezifischere Hinweise auf die Infektion mit einem Bandwurm. Diagnosen bestimmter Wurm-Arten sind teilweise durch eine Blutprobe möglich. Beim Fuchs- und Hundebandwurm zeigen sich spezifische Antikörper im Western Blot und ELISA-Test.

Zum Nachweis des Rinderbandwurms lassen sich bei der mikroskopischen Untersuchung Eier anreichern. Der Abgrenzung einzelner Wurm-Arten gegenüber anderen Bandwürmern dient in diesem Fall ein unfixiertes Quetsch-Präparat der Wurmsegmente. Die Anzahl an Uterus-Ästen lässt die Einordnung zu.

Bei Organ-Befall sind Bildgebungen erforderlich. Echinokokkosen lassen sich ertasten und werden anschließend per Ultraschall, Computer– oder Magnetresonanztomografie erfasst.  

Wie sieht bei Bandwürmern die Behandlung aus?

Schwere und Art des Befalls entscheidet darüber, wie Patienten ihren Bandwurm loswerden. Unterschiedliche Medikamente helfen gegen Parasiten wie den Bandwurm. Behandlungen konzentrieren sich entweder auf eine Blockierung der Nährstoffaufnahme oder die vollständige Lähmung der Bandwürmer.

Hierzu kommen Wurm-Mittel (Anthelmintika) wie Niclosamid, Praziquantel und Mebendazol zum Einsatz. Die Einnahme erfolgt in Tabletten- oder Saft-Form. Patienten scheiden die abgestorbenen Parasiten nach erfolgreicher Behandlung über den Darm aus.

Bei Bandwurmzysten und Tumoren ist eine chirurgische Entfernung angezeigt. Falls die Patienten nicht operabel sind, erhalten sie ersatzweise Benzimidazolen wie Mebendazol und Albendazol. Bei unvollständiger Entfernung ist eine Langzeit-Behandlung mit Wurm-Mitteln erforderlich.

Studien aus dem Jahr 2013 eröffneten die Diskussion über den Einsatz von Krebsmedikamenten zur zukünftigen Bandwurm-Behandlung.  

Sind Bandwürmer immer schädlich?

Im 20. Jahrhundert wurden in den USA Bandwürmer zum Abnehmen verabreicht. Bei dieser umstrittenen Bandwurm-Diät nutzen Patienten den Parasiten als natürlichen Fettblocker. Experten raten von der schädlichen Diät-Maßnahme ab.

Mittlerweile geht das Interesse der Pharmaindustrie über Bandwürmer zum Abnehmen hinaus. Weltweit beschäftigen sich entsprechende Studien mit der Idee, Überreaktionen des Abwehrsystems durch Bandwürmer in Schach zu halten. In der Diskussion sind die ungebetenen Untermieter heutzutage als zukünftige Medikamente zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose, Morbus Crohn und Allergien.

Bundesinstitut für Risikobewertung (2001): Rinderbandwurm. Abgerufen unter http://www.bfr.bund.de/cm/350/rinderbandwurm.pdf (18.06.2018, 15:05 Uhr).

Bundesinstitut für Risikobewertung (2005): Hinweise für Reisende in tropische und subtropische Länder zur Vorbeugung lebensmittelbedingter Erkrankungen. Abgerufen unter https://www.bfr.bund.de/cm/350/hinweise_fuer_reisende_in_tropische_und_subtropische_laender_.pdf (18.06.2018, 15:35 Uhr).

Center for Disease Control and Prevention: Hymenolepiasis (also known as Hymenolepis nana infection). Abgerufen unter www.cdc.gov (18. 06. 2018, 15:08 Uhr).

Freie Universität Berlin: Bandwurminfektionen. Abgerufen unter https://www.kenhub.com/de/library/pathologie/infektionen-durch-bandwuermer (18.06.2018, 14:31 Uhr).

Brehm, Klaus et al. (2013): The genomes of four tapeworm species reveal adaptations to parasitism. Nature 496, S. 57-63, DOI: 10.1038/nature12031.

Robert Koch Institut (2005): Echinokokkose – RKI-Ratgeber. Abgerufen unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Echinokokkose.html (18.06.2018, 16:07 Uhr).

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.

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