Aphten erkennen und behandeln

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Aphten erkennen und behandeln

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Die meist im Mund auftretenden kleinen Bläschen (Papeln) schmerzen und brennen. Woher sie kommen, ist bislang nicht abschließend geklärt. Bekannt ist aber, dass sie häufig mit verschiedenen Magen-Darm-Erkrankungen einhergehen (zum Beispiel Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Zöliakie). Viele Betroffene bekommen immer wieder Aphten – man spricht dann von chronisch rezidivierenden Aphten. Glücklicherweise gibt es Möglichkeiten, die Symptome zu lindern.

Was sind Aphten?

Aphten sind kleine Geschwüre, die sich an den Schleimhäuten im Mund, selten auch an den Genitalien bilden. Sie treten plötzlich auf, schmerzen und stören beim Essen. Die gelblichen bis weißen Papeln sind rund oder oval und können je nach Art einen Durchmesser von 1 bis 30 Millimeter haben. Sie können einmalig auftreten oder immer wiederkehren. Von chronischen Aphten im Mund sind etwa 2 bis 10 Prozent der Bevölkerung betroffen, Frauen häufiger als Männer. Eine vollständige Heilung ist leider nicht möglich, doch der Arzt kann die Symptome behandeln.

Die Forschung unterscheidet drei Arten von chronisch wiederkehrenden Aphten:

  • Minor-Typ: 80 Prozent der Patienten leiden an dieser Aphten-Variante. Die Papeln sind hierbei weniger als einen Zentimeter groß – meist nur 2 bis 5 Millimeter. Sie sehen aus wie kleine gelbe oder weiße Punkte und heilen in der Regel von selbst nach ein bis zwei Wochen.
  • Major-Typ: Die Aphten des Major-Typs, der 10 bis 20 Prozent der Patienten betrifft, können bis zu 3 Zentimeter groß werden. Sie wirken zunächst wie kleine Knoten und bekommen später einen sogenannten Randwall. Zuletzt bildet sich ein grauer oder grünlicher Belag, der nach einer Weile abfällt. Der Heilungsprozess dauert bis zu drei Monate, manchmal bleiben Narben zurück.
  • Herpetiformer Typ: Bei diesem Typ bilden sich sehr viele kleine Aphten am Rand der Zunge, die höchstens 2 Millimeter groß sind. Die Beschwerden ähneln einer Herpeserkrankung im Mund, die allerdings sehr selten tatsächlich auftritt. Um herauszufinden, ob es sich um eine Aphte oder um Herpes handelt, muss der Arzt prüfen, ob die Zahl der Antikörper gegen das Herpesvirus im Blut angestiegen ist.

An welchen Körperstellen können Aphten auftreten?

Aphten befallen in den meisten Fällen die Mundschleimhaut. Sie können an der Innenseite der Lippen, den Wangen, am Gaumen oder am Zahnfleisch auftreten. Häufig sind sie auch auf der Zunge, vorrangig an der Zungenspitze oder am Zungenrand zu finden. Im Rachen kommen sie  ebenfalls bei einigen Patienten vor. In seltenen Fällen sind auch die Genitalien betroffen. Vor allem Aphten des Major-Typs befallen die genitalen Schleimhäute.

Woran erkenne ich Aphten?

Je nach Typ treten Aphten in verschiedenen Formen auf. Erkennbar sind sie als kleine helle Punkte auf der Mundschleimhaut oder als größere ovale Flächen mit gelblicher bis weißer Farbe. Aphten des Major-Typs sehen im fortgeschrittenen Stadium aus wie kleine Krater. Nicht nur sichtbar, sondern auch deutlich zu spüren sind die Papeln: Sie tun ziemlich weh und lassen sich mit der Zunge als kleine Erhebungen ertasten.

Brennen und Jucken sind weitere typische Symptome, die vor allem zu Beginn auftreten. Je nach Größe erschweren Aphten das Essen, Trinken, Schlucken und Sprechen. Auch Zähneputzen tut weh. Kleine Papeln heilen meist von selbst, sodass ein Arztbesuch nicht zwingend erforderlich ist.

Hinweis

Wenn die Beschwerden sehr unangenehm sind oder immer wiederkehren, suche deinen Hausarzt auf.

Wie diagnostiziert der Arzt Aphten?

Der Arzt erkennt Aphten an ihrem äußeren Erscheinungsbild. Es gibt keine Labortests, mit denen sich die Erkrankung anderweitig feststellen lässt. Da sie nicht nur eine eigenständige Erscheinung, sondern auch ein Hinweis auf weitere Krankheitsbilder sein können, wendet der Arzt die Differenzialdiagnostik an. Das heißt, er prüft, ob eines dieser Krankheitsbilder für die Entstehung der Papeln verantwortlich ist. Dann erfolgen weitere Untersuchungen.

Welche Ursachen haben Aphten?

Man weiß nicht genau, warum Aphten im Mund oder im Genitalbereich entstehen. Allerdings ist bekannt, dass verschiedene Faktoren eine Erkrankung begünstigen. Dazu gehören:

  • kleine Verletzungen der Mundschleimhaut oder des Zahnfleischs
  • feste Zahnspangen oder falsch sitzender Zahnersatz
  • akute Infekte
  • Stress und psychische Belastungen
  • Eisenmangel, Folsäuremangel oder Zinkmangel
  • Vitamin-B12-Mangel
  • hormonelle Störungen
  • schlecht vertragene Lebensmittel (wie Nüsse, Zitrusfrüchte oder Alkohol) und Zahnpasta
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  • ein allgemein geschwächtes Immunsystem
  • andere Erkrankungen

Sind Aphten ein Symptom von anderen Krankheiten?

Manche Infektionskrankheiten, Magen-Darm- und andere Erkrankungen begünstigen ihre Entstehung. Bei Morbus Behçet, einer autoimmunen Entzündung der Blutgefäße, gehören sie sogar zu den Hauptsymptomen – 98,5 Prozent der von dieser Krankheit Betroffenen leiden an den schmerzhaften Papeln. Auch HIV-Infizierte bekommen sie häufig.

Gut zu wissen:

Es gibt auch eine Reihe von Darmkrankheiten, bei denen Aphten auftreten. Besonders häufig ist das der Fall bei: Morbus CrohnColitis ulcerosa und Zöliakie.

Wie behandelt man Aphten?

Die Heilung kleiner Aphten können Betroffene begünstigen, indem sie vorübergehend auf einige Nahrungsmittel verzichten. Dazu gehört alles, was hart, sauer oder stark gewürzt ist. Zu meiden sind vor allem Obstsäfte, Getränke mit Kohlensäure, Zitrusfrüchte, Gewürze wie Pfeffer, Paprika und Curry sowie Tomaten. Für die Mundhygiene sollten sie eine Zahnpasta ohne Natriumlaurylsulfat (SLS) verwenden.

Wenn sie nicht verschwinden, ist ein Besuch beim Hausarzt ratsam. Er kann eine Creme oder ein Gel verschreiben. Auch Sprays, Lutschpastillen und Mundspülungen gibt es. Sie enthalten schmerzlindernde oder lokal betäubende Wirkstoffe wie Lidocain, Polidocanol oder Benzocain. Auch antiseptische Medikamente verschreibt der Arzt häufig. Sie unterstützen das Abheilen der Papeln. Die Behandlung lässt Aphten allerdings nicht für immer verschwinden; wer chronisch unter ihnen leidet, wird sie trotzdem wieder bekommen. Bislang ist eine vollständige Heilung nicht möglich, da die Ursachen des Phänomens noch unklar sind.

Hinweis

Aphten sind nicht ansteckend – anders als beispielsweise Herpes –, denn sie werden nicht durch Viren übertragen.

Wie kann ich Aphten vorbeugen?

Es ist nicht wirklich möglich, Aphten vorzubeugen – dazu müsste die Ursache bekannt sein. Aber gegen einige Faktoren, die ihre Entstehung begünstigen, können Betroffene etwas tun. Wichtig ist, sich auf Mangelerscheinungen und hormonelle Probleme testen zu lassen. Nährstoffe wie Vitamin B12, Zink und Folsäure haben noch weitere bedeutende Funktionen für den Körper und sollten deshalb in ausreichender Menge zugeführt werden. Wer allergisch auf Nüsse und andere Lebensmittel oder seine Zahnpasta reagiert, sollte diese meiden. Ein Besuch beim Zahnarzt hilft, wenn eine falsch sitzende Zahnspange oder Zahnersatz zu Aphten führt. Liegen Erkrankungen wie Morbus Behçet oder eine der Darmkrankheiten zugrunde, weiß der Hausarzt Rat.

Konrad Bork, Walter Burgdorf, Nikolaus Hoede: Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten. Klinik, Diagnostik und Therapie. Atlas und Handbuch mit 37 Tabellen. Schattauer Verlag, 2008, S. 49-60. Online: https://books.google.de/books?id=Dk5_N1F2yAkC&pg=PA60&redir_esc=y&hl=de#v=onepage&q&f=false, abgerufen am 19.06.2018.

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: Wissenschaftliche Stellungnahme. Chronisch rezidivierende Aphten. 2005. Online: https://www.dgzmk.de/uploads/tx_szdgzmkdocuments/20040201_Chronisch_rezidivierende_Aphthen.pdf, abgerufen am 19.06.2018.

Crispian Scully, Meir Gorsky, Francina Lozada-Nur: The diagnosis and management of recurrent aphthous stomatitis: a consensus approach. In: Journal of the American Dental Association. Nr. 134, Februar 2003, S. 200–207. Online: http://www.grahamazon.com/Aphthous%20Stomatitis.pdf, abgerufen am 19.06.2018.

Altenburg u. a.: Behandlung chronisch-rezidivierender oraler Aphthen. In: Deutsches Ärzteblatt Int. Band 111, Nr. 40, 2014, S. 665–673. Online: https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=162417, abgerufen am 19.06.2018.

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.