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Übelkeit bei Reizdarm - was tun?

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Unter Übelkeit versteht man das unangenehme Gefühl, dass man sich vielleicht gleich übergeben muss. Oft wird dies begleitet von Appetitlosigkeit, Schwitzen, Herzrasen und allgemeinem Unwohlsein. Das kann für Betroffene sehr belastend sein.1

Viele Menschen leiden hin und wieder an Übelkeit - in einer amerikanischen Befragung, gaben 7% der Menschen an, mindestens einmal in den letzen 3 Monaten Übelkeit gehabt zu haben.2

Auch wenn es nicht zu den häufigsten Symptomen zählt, kann Übelkeit in Verbindung mit dem Reizdarmsyndrom auftreten. Doch wie entsteht eigentlich Übelkeit? Und was kannst du dagegen tun? Das erfährst du im folgenden Artikel.

Kann es beim Reizdarmsyndrom zu Übelkeit kommen?

Die Hauptsymptome des Reizdarmsyndroms sind Bauchschmerzen, Blähungen und Veränderungen des Stuhlgangs wie Durchfall oder Verstopfung. Übelkeit und Erbrechen sind weniger typisch für das Reizdarmsyndrom. Regelmäßiges, schweres Erbrechen, insbesondere wenn es schwallartig und morgens auftritt, wird deshalb zu den Alarmsymptomen gezählt, die unbedingt ärztlich abeklärt werden sollten, weil behandlungsbedürftige Erkrankungen dahinterstehen könnten. 3

Wichtig: 
Regelmäßiges, schweres Erbrechen beim Reizdarmsyndrom ist ein Alarmsymptom, das ärztlich abgeklärt werden sollte, weil eine ernstzunehmende Erkrankung dahinter stehen könnte! 

Obwohl nicht unbedingt typisch, ist das Auftreten von Übelkeit beim Reizdarmsyndrom keine Seltenheit. Wie in der Einleitung bereits erwähnt, leiden etwa 7% der Bevölkerung ab und zu an Übelkeit.4 Dass es bei diesen Menschen eine gewisse Überschneidung mit Reizdarm-Betroffenen gibt ist anzunehmen. Insbesondere die Nahrungsaufnahme kann bei Menschen mit Reizdarmsyndrom Übelkeit auslösen.5

Reizdarm-Betroffene reagieren sensibler auf Veränderungen im Magen-Darm-Bereich. Ein Grund dafür kann auch eine stärker ausgeprägte Nervenverbindung zwischen Darm und Gehirn sein. Zusätzlich sind Menschen mit Reizdarmsyndrom oft aufmerksamer in Bezug auf ihren Bauch als andere und nehmen so schon kleinere Störungen der Verdauung wahr.6

Vom Reizdarmsyndrom abgrenzen muss man die sogenannte funktionelle Übelkeit. Bei diesem Krankheitsbild tritt über längere Zeit belastende Übelkeit mehrmals in der Woche auf. Die funktionelle Übelkeit ist eine Ausschlussdiagnose, das heißt, alle möglichen Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden auslösen könnten, müssen ausgeschlossen werden. Von der funktionellen Übelkeit sind meistens Kinder betroffen.7

Was für andere Ursachen kann Übelkeit beim Reizdarmsyndrom haben?

Kurzzeitig auftretende Übelkeit kann bei Magen-Darm-Infektionen auftreten. In diesem Fall kommt es meistens auch zu Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Fieber. Schuld an einer Darminfektion können Viren sein, die von Mensch zu Mensch übertragen werden und besonders häufig in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Pflegeeinrichtungen auftreten. Eine andere Quelle für Magen-Darm-Infektionen können verdorbene Lebensmittel sein.8

Häufig tritt Übelkeit auch als Nebenwirkung eines Medikamentes auf. Auch einige Medikamente, die beim Reizdarmsyndrom eingesetzt werden, können Übelkeit auslösen. Deswegen ist es sinnvoll, bei Übelkeit während einer Medikamenteneinnahme, Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin zu halten.9 Auch die Rauschmittel Alkohol und Cannabis können sowohl kurzzeitig nach Einnahme, wie auch langfristig Übelkeit verursachen.10

Übelkeit kann außerdem ein unspezifisches Begleitsymptom bei verschiedensten Erkrankungen sein. Dazu zählen die meisten Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Erkrankungen von Niere, Leber und den Gallenwegen, aber auch Herzkreislauferkrankungen, Störungen des Gleichgewichtsorgans und des Gehirnes.11

Wie entsteht eigentlich Übelkeit?

Übelkeit und Erbrechen sind komplexe Vorgänge des Körpers, die im Brechzentrum, einer Ansammlung spezialisierter Nervenzellen im Hirnstamm, gesteuert werden. Das Brechzentrum erhält Informationen aus dem Verdauungstrakt, dem Rachenbereich und dem Gleichgewichtsorgan und kann außerdem die Konzentration bestimmer Botenstoffe im Blut wahrnehmen. Man geht davon aus, dass eine leichte Aktivierung des Brechzentrums zu Übelkeit führt, starke Aktivierung hingegen zu Erbrechen. Beim Erbrechen koordiniert das Brechzentrum einen komplizierten Reflex, bei dem viele Muskeln gleichzeitig angesteuert werden: Der untere Magenausgang verschließt sich, die Speiseröhre erschlafft und Bauchmuskeln und Zwechfell ziehen sich zusammen, sodass der Mageninhalt hochgepresst wird.12

Kann Übelkeit mit dem Essen zusammenhängen?

Bei vielen Menschen mit Reizdarmsyndrom hängen die Beschwerden eng mit dem Essen oder der Aufnahme spezieller Nahrungsmittel zusammen. So tritt auch Übelkeit bei vielen Betroffen oft während oder - noch häufiger - nach dem Essen auf.13

Wenn Übelkeit deutlich im Zusammenhang mit dem Verzehr spezieller Lebensmittel auftritt, kann das ein Hinweis auf eine Nahrungsmittelallergie sein. Bei Lebensmittelallergien treten meistens zusätzliche Symptome wie Jucken im Mund, Schwellung der Lippen oder des Kehlkopfs, Magenschmerzen und Durchfall sein. Häufige Auslöser von Lebensmittelallergien sind Früchte, Nüsse, Fisch und Meeresfrüchte, Milchprotein und Eiweißprotein.14

Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten können Übelkeit auslösen. Bei Unverträglichkeiten findet zwar keine Reaktions des Immunsystems wie bei Allergien statt, dafür können Nahrungsbestandteile aber nicht richtig abgebaut werden, oft weil ein dafür notwendiges Enzym fehlt. Zu den häufigen Auslösern von Nahrungsmittelunverträglichkeiten zählen Lactose, Fructose und Histamin.15

Was kann man gegen Übelkeit beim Reizdarmsyndrom tun?

Wenn Übelkeit in Verbindung mit Erbrechen auftritt oder über einen längeren Zeitraum besteht, solltest du die Symptome mit einem Arzt oder einer Ärztin besprechen. Dabei geht es vor allem darum herauszufinden, ob den Beschwerden eine behandlungsbedürftige Erkrankung zugrundeliegt, oder ob sie die Nebenwirkung eines Medikamentes sein könnten.

Bei nur gelegentlich auftretender, eher milder Übelkeit kannst du selbst viel selbst zur Kontrolle der Beschwerden beitragen. Da Übelkeit häufig mit dem Essen zusammenhängt, ist es sinnvoll nach einem Zusammenhang der Beschwerden mit speziellen Nahrungsmitteln zu suchen. Dabei kann ein Ernährungs- und Symptomtagebuch hilfreich sein. So kannst du selbst einer eventuell bestehenden Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit auf die Spur kommen.

Oft kann die Übelkeit auch durch die Gestaltung und Art der Mahlzeiten positiv beeinflusst werden. Ernährungswissenschaftler empfehlen deshalb:16

  • Langsam essen
  • Kleinere Mahlzeiten, nicht zu viel essen
  • Leicht verdauliche Speisen bevorzugen
  • Trinken nicht während des Essens, sonder 30 Minuten davor oder danach
  • Eine entspannte Atmosphäre beim Essen schaffen
  • Starke Gerüche beim Essen vermeiden (nach dem Kochen lüften; kalte, wenig riechende Speisen bevorzugen)
  • Nach dem Essen eine Stunde lang nicht hinlegen (daher auch nicht direkt vor dem Schlafengehen essen)
  • Nach dem Essen ausruhen, nicht direkt weiterarbeiten oder Sport treiben
  • Pfefferminze in Form von Bonbons oder Tee nach dem Essen

Außerdem gibt es verschiedene Medikamente die gut gegen Übelkeit wirken. Da sie jedoch teilweise Nebenwirkungen haben können, solltest du ihre Einnahme - insbesondere über einen längeren Zeitraum - immer mit einem Arzt oder einer Ärztin besprechen.

Zusammenfassung

Übelkeit ist ein Problem, an dem viele Menschen hin und wieder leiden. Auch beim Reizdarmsyndrom kann es vorkommen. Übelkeit tritt offt in Verbindung mit der Nahrungsaufnahme auf. Auch Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten können Übelkeit auslösen. Deshalb kann es sich lohnen, nach einem Zusammenhang zwischen der Aufnahme einzelner Lebensmittel und den Beschwerden zu suchen.

Durch langsames Essen in einer ruhigen Atmosphäre, kleinere Mahlzeiten und leicht verdauliche, geruchsarme Lebensmittel kannst du Übelkeit auch selbst vorbeugen.

Bei starker lang anhaltender Übelkeit sowie Übelkeit mit schwerem Erbrechen sowie vor Medikamenteneinnahme solltest du ärztlichen Rat suchen.


  1. Lacy BE, Parkman HP, Camilleri M. Chronic nausea and vomiting: evaluation and treatment. Am J Gastroenterol. 2018;113(5):647-659. doi:10.1038/s41395-018-0039-2

  2. Camilleri M, Dubois D, Coulie B, et al. Prevalence and socioeconomic impact of upper gastrointestinal disorders in the United States: results of the US Upper Gastrointestinal Study. Clin Gastroenterol Hepatol Off Clin Pract J Am Gastroenterol Assoc. 2005;3(6):543-552. doi:10.1016/s1542-3565(05)00153-9

  3. Layer P, Andresen V, Pehl C, et al. [Irritable bowel syndrome: German consensus guidelines on definition, pathophysiology and management]. Z Gastroenterol. 2011;49(2):237-293. doi:10.1055/s-0029-1245976

  4. Camilleri M, Dubois D, Coulie B, et al. Prevalence and socioeconomic impact of upper gastrointestinal disorders in the United States: results of the US Upper Gastrointestinal Study. Clin Gastroenterol Hepatol Off Clin Pract J Am Gastroenterol Assoc. 2005;3(6):543-552. doi:10.1016/s1542-3565(05)00153-9

  5. Lacy BE, Pimentel M, Brenner DM, et al. ACG Clinical Guideline: Management of Irritable Bowel Syndrome. Am J Gastroenterol. 2021;116(1):17-44. doi:10.14309/ajg.000000000000103

  6. Layer P, Andresen V, Pehl C, et al. [Irritable bowel syndrome: German consensus guidelines on definition, pathophysiology and management]. Z Gastroenterol. 2011;49(2):237-293. doi:10.1055/s-0029-1245976

  7. Hyams JS, Di Lorenzo C, Saps M, Shulman RJ, Staiano A, van Tilburg M. Functional Disorders: Children and Adolescents. Gastroenterology. Published online February 15, 2016. doi:10.1053/j.gastro.2016.02.015

  8. Graves NS. Acute gastroenteritis. Prim Care. 2013;40(3):727-741. doi:10.1016/j.pop.2013.05.006

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  10. Lacy BE, Parkman HP, Camilleri M. Chronic nausea and vomiting: evaluation and treatment. Am J Gastroenterol. 2018;113(5):647-659. doi:10.1038/s41395-018-0039-2

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  13. Layer P, Andresen V, Pehl C, et al. [Irritable bowel syndrome: German consensus guidelines on definition, pathophysiology and management]. Z Gastroenterol. 2011;49(2):237-293. doi:10.1055/s-0029-1245976

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  15. Bischoff SC, Renzer C. Nausea and nutrition. Auton Neurosci Basic Clin. 2006;129(1-2):22-27. doi:10.1016/j.autneu.2006.07.011

  16. Bischoff SC, Renzer C. Nausea and nutrition. Auton Neurosci Basic Clin. 2006;129(1-2):22-27. doi:10.1016/j.autneu.2006.07.01

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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