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Ist Iberogast gefährlich? Ein Warnhinweis: Risiken und Nebenwirkungen des pflanzlichen Mittels

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Im Jahr 2018 sorgte das pflanzliche Arzneimittel Iberogast des Pharmakonzerns Bayer für Schlagzeilen, weil starke Nebenwirkungen und Risiken bekannt wurden. Iberogast dient der Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl, Sodbrennen, Übelkeit, Bauchschmerzen und Übelkeit. Es galt bisher als harmloses Arzneimittel und ist in den Apotheken frei verkäuflich. Es wird sogar zur Daueranwendung empfohlen. Bis auf mögliche allergische Reaktionen, findet man in Deutschland keine anderen Nebenwirkungen im Beipackzettel des Präparates. Jedoch wird ein Bestandteil von Iberogast, das Schöllkraut-Extrakt, mit gefährlichen Leberschäden in Verbindung gebracht. Bayer steht in diesem Zusammenhang stark in der Kritik. Erst im September 2018 nach Bekanntwerden eines weiteren Todesfalls änderte der Konzern den Beipackzettel und fügte Warnhinweise ein.

Wichtige Informationen im Überblick:

  • Iberogast enthält Schöllkraut-Extrakte in einer Dosierung von 0,3 mg pro Tag bei korrekter Anwendung
  • Schöllkraut kann zu einer Leberschädigung bis hin zu Leberversagen führen
  • Bei korrekter Anwendung von Iberogast über einen kurzen Zeitraum ist das Risiko für eine Leberschädigung nach heutigem Kenntnisstand gering, aber nicht ausgeschlossen
  • Iberogast darf nicht angewendet werden von Schwangeren, Stillenden, Kindern unter 3 Jahren, bei Vorliegen einer Lebererkrankung oder gleichzeitiger Anwendung von Medikamenten, die die Leber ebenfalls schädigen können
  • Bei Daueranwendung oder vorbestehender Leberschädigung sollten regelmäßige ärztliche Konsultationen und Laborkontrollen erfolgen
  • __Bei Zeichen einer Leberschädigung darfst du Iberogast nicht weiter einnehmen.
    __
  • Im September 2018 fügte Bayer Warnhinweise in den Beipackzettel ein. Der Konzern steht für das späte Handeln in Kritik

Wie kann Iberogast der Leber schaden?

Iberogast enthält Bestandteile von neun verschiedenen Heilpflanzen, die in Alkohol gelöst sind: Iberis Amara, Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel. Bereits seit 1998 gibt es Dokumentationen einzelner Patientenfälle, aus denen hervorging, dass Schöllkraut-Extrakte eine Leberentzündung und Leberschädigung hervorrufen können. Andere Fallbeschreibungen folgten. Aus systematischen Untersuchungen geht hervor, dass Schöllkraut-Extrakte in seltenen Fällen eine Leberentzündung (Hepatitis) hervorrufen können.

Welche Maßnahmen sind bisher ergriffen worden, um Patienten vor einer Leberschädigung zu schützen?

Bereits 2008 hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen Bescheid bezüglich der leberschädigenden Wirkung von Schöllkraut erlassen. Arzneimittel, bei denen man nach den empfohlenen Dosierungsangaben pro Tag mehr als 2,5 mg Schöllkraut-Extrakte einnehmen sollte, sind auf dem Markt nicht mehr erhältlich. Arzneimittel, die gemäß den Dosierungen zwischen 2,5 µg und 2,5 mg Schöllkraut-Extrakte pro Tag enthalten, müssen im Beipackzettel Passagen aufnehmen, die auf die mögliche leberschädigende Wirkung hinweisen. Außerdem muss bei Daueranwendung eine Kontrolle der Leberwerte im Blut empfohlen werden und das Präparat darf nicht bei Schwangerschaft eingenommen werden. Bei Einnahme von Iberogast gemäß den Dosierungsempfehlungen erfolgt pro Tag die Aufnahme von etwa 0,3 mg Schöllkraut-Extrakt. Das liegt in dem Bereich für Präparate, die gemäß dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die neuen Warnhinweise führen müssen.

Warum erschien die Leberentzündung lange nicht im Beipackzettel von Iberogast?

Die Firma Steigerwald, die Iberogast produzierte, legte Widerspruch gegen den Bescheid ein. Dadurch musste der Produzent die entsprechenden Warnhinweise erst einmal nicht in den Beipackzettel aufnehmen. Das BfArM wies den Widerspruch zunächst nicht zurück. Ein Grund dafür könnte sein, dass erst wenige dokumentierte Fälle zum Thema Schöllkraut und Leberentzündung vorlagen. Wenn es im Fall einer Zurückweisung des Widerspruchs zu einer Gerichtsverhandlung gekommen wäre, hätte möglicherweise zu wenig Beweismaterial vorgelegen. Erst im Sommer 2017 wies das BfArM den Widerspruch zurück.

Der Konzern Bayer, der Iberogast nach der Übernahme von Steigerwald produzierte, klagte gegen den Bescheid zur Aufnahme der Warnhinweise. Daraufhin erfolgte die Verhandlung des Falls. Im September 2018 wurde ein zweiter Todesfall bekannt, der mutmaßlich auf Iberogast zurückzuführen ist. Bayer entschied sich daraufhin, die Warnhinweise in der Packungsbeilage zu führen. Das Vorgehen des Produzenten hat dem Präparat Iberogast und Steigerwald bzw. Bayer viel Kritik eingefangen. Es schien nach außen, als ob Steigerwald bzw. Bayer aus Angst vor Umsatzeinbußen die möglichen Risiken verschweigen wollten.

Wie gefährlich ist Iberogast für die Leber?

Letztlich ist es weiterhin schwierig zu beurteilen, welche Bedeutung die Schöllkraut-Extrakte in Iberogast für die Gesundheit haben. Studien haben gezeigt, dass nicht bei allen dokumentierten Patientenfällen die Leberentzündung tatsächlich wegen Schöllkraut-Extrakten aufgetreten ist. Oft ließen sich andere Ursachen finden oder es ließ sich nicht deutlich feststellen, dass Schöllkraut-Extrakte mit höherer Wahrscheinlichkeit als andere Faktoren die Leberentzündung bewirkten. Trotzdem sind Fälle bekannt, bei denen nach heutigem Wissensstand eindeutig eine Leberschädigung durch Schöllkraut-Extrakte, unter anderem in Iberogast, aufgetreten ist. Die Schöllkraut-Dosierung in Iberogast liegt in einem relativ niedrigen Bereich. Das macht eine schädliche Wirkung auf die Leber weniger wahrscheinlich als bei anderen pflanzlichen Präparaten, die mehr Schöllkraut enthalten. Dennoch besteht ein Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen auf die Leber durch Iberogast.

Wie wird Iberogast mit den wenigsten Nebenwirkungen eingesetzt?

Iberogast sollte nur für kurze Zeit und in der niedrigsten wirksamen Dosierung eingesetzt werden. In folgenden Fällen darf die Anwednung von Iberogast nicht erfolgen:

  • Bei Lebererkrankungen oder vorbestehenden Leberschädigungen
  • In der Schwangerschaft oder Stillzeit
  • Im Fall von Allergien gegen einen Bestandteil von Iberogast
  • Bei gleichzeitiger Einnahme  von möglicherweise leberschädigenden Arzneimitteln
  • Für Kinder unter 3 Jahren

Bei dauerhafter Anwendung (4 Wochen oder mehr) sollte ein Arzt konsultiert und die Leberwerte im Blut kontrolliert werden. Wenn Anzeichen einer Leberschädigung auftreten (zum Beispiel Gelbfärbung der Haut oder der Bindehaut, Gallestau), muss die Einnahme von Iberogast sofort beendet und ein Arzt konsultiert werden.

Was sind die häufigsten Nebenwirkungen von Iberogast?

Die häufigsten Nebenwirkung ist eine allergische Reaktion auf Bestandteile von Iberogast. Zu den Reaktionen gehören:

  1. Hautausschlag und Rötungen
  2. Juckreiz
  3. Atembeschwerden
  4. Übelkeit

Diese Nebenwirkungen sind selten und es ist bisher nicht bekannt, dass diese Nebenwirkungen lebensgefährlich geworden sind.

Welche anderen Nebenwirkungen kann Iberogast haben?

Neben der seltenen Leberschädigung können bei Allergien oder Unverträglichkeiten gegen einzelne Bestandteile von Iberogast allergische Symptome auftreten. Dazu zählen Juckreiz, Nesselsucht und in schlimmeren Fällen auch Atemnot. Treten solche Symptome bei dir auf, musst du die Einnahme sofort stoppen, und spätestens bei Auftreten von Atemnot solltest du notfallmäßig einen Arzt aufsuchen.

Durchfall ist keine typische Nebenwirkung von Iberogast. Da Iberogast auch bei Durchfällen angewendet werden kann, kann Durchfall auch nach der Einnahme von Iberogast auftreten. Das ist dann aber eher auf die bestehende Erkrankung zurückzuführen, als auf Iberogast.

Was sind Alternativen zu Iberogast?

Die meisten Medikamente für Magen-Darm-Gesundheit auf dem Markt lindern Symptome und bekämpfen keine Ursachen. Außerdem können manche Nebenwirkungen potenziell gefährlich werden, wie die aktuelle Kritik an Iberogast zeigt. Heute weiß man, dass die Darmflora eine Schlüsselrolle in der Gesundheit spielt. Gleichzeitig liegt die Ursache vieler Erkrankungen in einer Dybalance der Darmflora. Um die Ursachen zu bekämpfen, ist die Ernährung die größte Stellschraube. Eine falsche Ernährung löst Krankheiten aus und verschlimmert bestehende.

Über eine darmfreundliche Ernährung können eine gestörte Darmflora wieder aufgebaut und Symptome gelindert werden. Wir haben hierzu ein Darmgesundheitsprogramm entwickelt, das die grundsätzliche Notwendigkeit solcher Medikamte verringern kann. Lade dir unsere kostenlose Darmgesundheits-App herunter und fang an deine Symptome zu bekämpfen.

Teschke, R., Glass, X., Schulze, J., & Eickhoff, A. (2012). Suspected Greater Celandine hepatotoxicity: liver-specific causality evaluation of published case reports from Europe. European journal of gastroenterology & hepatology24(3), 270-280., online: https://insights.ovid.com/pubmed?pmid=22189691 (aufgerufen am 21.05.2018)

Teschke, R., Genthner, A., Wolff, A., Frenzel, C., Schulze, J., & Eickhoff, A. (2014). Herbal hepatotoxicity: Analysis of cases with initially reported positive re-exposure tests. Digestive and Liver Disease46(3), 264-269., online: https://www.dldjournalonline.com/article/S1590-8658(13)00653-1/fulltext (abgerufen am 21.05.2018)

Benninger, J., Schneider, H. T., Schuppan, D., Kirchner, T., & Hahn, E. G. (1999). Acute hepatitis induced by greater celandine (Chelidonium majus). Gastroenterology117(5), 1234-1237., online: http://www.medigraphic.com/pdfs/hepato/ah-2012/ah126d.pdf (abgereufen am 21.05.2018)

Bescheid des Bundesinsitutus für Arzneimittel und Medizinprodukte vom 09.04.2008, online: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Risikoinformationen/RisikoBewVerf/s-z/schoellkraut_bescheid_080409.pdf?__blob=publicationFile&v=4 (abgerufen am 21.05.2018)

Gelbe Liste Pharmaindex (Arzneimittelverzeichnis für Deutschland): Information zur Änderung der Fach- und Gebrauchsinformation von Iberogast, online: https://www.gelbe-liste.de/nachrichten/iberogast-aenderung-fach-und-gebrauchsinformation, abgerufen am 04.11.2018

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.

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