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Die Blinddarmreizung

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Eine Blinddarmreizung ist der umgangssprachliche Begriff für eine Reizung des Wurmfortsatzes (Appendix) am Blinddarmabschnitt des Dickdarms. Der Blinddarmabschnitt des Dickdarmes und der zugehörige Wurmfortsatz sind nach neuesten Erkenntnissen keine Überbleibsel aus der Entwicklungsgeschichte des Menschen, sondern bilden eine Art Reservoir für wichtige Darmbakterien, mit denen der Körper die Darmflora nach einer Erkrankung schnell wieder aufbauen kann. Eine Reizung dieses Wurmfortsatzes kann entweder nach ein paar Tagen vorbeigehen oder sich zu einer Entzündung steigern. Ein Arztbesuch ist dann unumgänglich.

Blinddarmreizung: drei mögliche Ursachen

Durch die Sack-Form des Wurmfortsatzes können sich Erreger und Aggressoren leicht einnisten und werden nicht regelmäßig weggespült. Im Appendix bildet sich ein Sekret, das aber unter Umständen nicht in den Blinddarmabschnitt des Dickdarms zurückfließen kann und in Folge im Appendix zu einer Reizung führt. Die Medizin kennt drei mögliche Ursachen für Blinddarmreizungen: Infektionen, Fremdkörper oder ein Abknicken des Wurmfortsatzes. Bakterielle Infektionen, die durch Verstopfungen zwischen Blinddarm und Wurmfortsatz oder Vorerkrankungen des Darms ausgelöst werden, führen dazu, dass die im Appendix stationierten Lymphfollikel eine Abwehrreaktion in der Darmflora und dadurch Beschwerden auslösen. Fremdkörper wie Obstkerne oder Würmer können den Eingang des Appendix verstopfen und so Beschwerden hervorrufen. In sehr seltenen Fällen wird der Wurmfortsatz durch Sport oder ungeschickte Bewegungen im Alltag umgeknickt und so verschlossen. Die verschiedenen möglichen Ursachen wirken sich auch auf die nachfolgende Therapie aus.

So erkennt man eine Blinddarmreizung

Bei einer Blinddarmreizung ist die Embryonalstellung des Patienten in Verbindung mit dem Los-Lass-Schmerz – also Schmerzen, die nicht beim Drücken des betroffenen Bereichs auftreten, sondern beim Entlasten des linken Unterbauches – typisch. Dieses merkwürdige Verhalten hängt mit einer Art Flüssigkeitskissen im Bauchraum zusammen, das sich im rechten Unterbauch vergrößert, wenn die linke Seite zusammengedrückt wird. Lässt der Druck nach, vermindert sich dieses Flüssigkeitspolster um den Appendix und der Schmerz kehrt zurück.

Einen weiteren Hinweis zur Reizung des Appendix stellt die Temperatur-Differenz-Methode dar: Ergibt sich zwischen oral gemessener Temperatur und rektal gemessener Temperatur eine Differenz (die rektal gemessene Temperatur sollte mehr als ein Grad höher liegen als die oral gemessene) könnte eine Reizung die Ursache sein.

Tipp

Ein weiteres Mittel, die oft unklaren Bauchschmerzen näher zu bestimmen, ist das Anheben des rechten Beines gegen einen Widerstand, oder das Hüpfen auf dem rechten Bein. Verschlimmern sich die Schmerzen durch diese Bewegung, ist eine Blinddarmreizung wahrscheinlich.

Anhand dieser drei Methoden lässt sich allerdings lediglich vermuten, dass es sich um ein Problem mit dem Appendix handelt, nicht aber, ob eine Reizung oder eine Entzündung vorliegt. Diese Unterscheidung kann ausschließlich ein Arzt treffen. Da eine mögliche Entzündung schnell erkannt und behandelt werden muss, um schwerwiegende Folgen auszuschließen, ist bei diesen Symptomen eine unverzügliche medizinische Untersuchung notwendig.

Vorsicht

Suche bei Symptomen sofort einen Arzt auf!

Was sind typische Symptome einer Blinddarmreizung?

Ein erstes, aber schwer einzugrenzendes Symptom, sind aufwallende Schmerzen oder Krämpfe im rechten Unterbauch, die oft rund um den Bauchnabel beginnen und sich dann in den rechten Unterbauch bewegen. Manche Patienten reagieren selbst auf leichte Berührungen der Bauchdecke extrem empfindlich und empfinden schon Kleidung oder Decken unerträglich. Diese sogenannte Abwehrspannung deutet auf eine Reizung des Bauchfells hin, kommt aber nicht immer in Verbindung mit Blinddarmreizungen vor. Weitere typische Symptome sind Appetitlosigkeit, Erbrechen, Fieber, Schüttelfrost und ein erhöhter Puls. Diese müssen aber auch nicht immer auftreten und reichen deshalb für eine eindeutige Diagnose nicht aus. Übrigens: Bei Schwangeren verrutscht der Appendix oft nach oben und es gibt Menschen, deren Appendix von Natur aus eine ungewöhnliche Lage aufweist. In diesen Fällen können die Schmerzen an einer etwas anderen Stelle auftreten.

Typische Symptome

Appetitlosigkeit, Erbrechen, Fieber, Schüttelfrost und ein erhöhter Puls

Test zur Unterscheidung von Blinddarmreizung und Blinddarmentzündung?

Um zu diagnostizieren, ob es sich um eine Blinddarmreizung oder Blinddarmentzündung handelt, muss eine Blutuntersuchung und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Sind die weißen Blutkörperchen und der CRP-Wert erhöht, deuten diese Werte auf eine Entzündung hin. In wenigen Fällen kommt auch eine Computertomographie zum Einsatz. Da eine nicht behandelte Blinddarmentzündung zu einer Darmperforation und im Anschluss zu einem lebensgefährlichen Darmdurchbruch führen kann, müssen bei Verdacht auf Blinddarmentzündung sofort entsprechende Untersuchungen in die Wege geleitet werden. Bei einer Entzündung wird in der Regel der Appendix – anders als bei einer Reizung – operativ entfernt. Dieser Standardeingriff dauert in der Regel nur wenige Minuten, kann aber Leben retten. Mehr Informationen zu Blinddarmentzündung gibt es hier.

Symptome einer Blinddarmreizung oder Blinddarmentzündung bei Kindern

Die Symptome einer Blinddarmreizung oder Blinddarmentzündung bei Kindern sind identisch, aber die Kommunikation stellt sich oft ein Problem dar. Die Diagnose eines Wurmfortsatz-Problems – unabhängig davon, ob es sich um eine Reizung oder Entzündung handelt – gestaltet sich schwierig, weil Kinder oft nicht genau definieren können, wo es weh tut. Da allerdings besonders Kinder im Alter von neun bis vierzehn Jahren an Blinddarmreizungen und -entzündungen erkranken, muss bei Verdacht sofort der Kinderarzt oder das Krankenhaus konsultiert werden.

Achtung!

Bei Verdacht auf Blinddarmentzündung bei Kindern sofort den Arzt aufsuchen!

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Wie lange dauert eine Blinddarmreizung?

Eine akute Blinddarmreizung dauert oft nur wenige Tage – die zweifellos unangenehm werden, da sich die Beschwerden in den ersten Tagen oft verschlimmern. Manchmal steigert sich eine Reizung zu einer Entzündung, die dann behandelt werden muss. In vielen Fällen klingen die Beschwerden allerdings wieder ab. Patienten, die unter einer chronischen Reizung leiden, haben diese Beschwerden oft mehrmals im Jahr. In diesen Fällen wird der Appendix normalerweise wie bei einer Entzündung entfernt, um den Patienten das Leben zu erleichtern.

Medikamente

Je nach Konstitution sowie Vorgeschichte des Patienten und Ausmaß der Schmerzen, kann bei einer diagnostizierten Blinddarm-Reizung eine Antibiotika-Therapie erforderlich sein, oder Ruhe und Schonkost sich als beste Medizin erweisen. Da ohne weiterführende Untersuchungen die Abgrenzung zwischen Reizung und Entzündung nicht möglich ist, wird der behandelnde Arzt die geeignete Therapieform wählen. Hausmittel wie Schüssler-Salze oder homöopathische Mittel (mit denen bei einer Reizung oft gute Ergebnisse erzielt werden) dürfen erst nach erfolgter Diagnose Verwendung finden – eine Selbstmedikation ist bei Verdacht auf Blinddarmreizung nicht zu empfehlen.

Vorsicht!

Von Selbstmedikation bei Verdacht auf Blinddarmreizung wird dringend abgeraten!

Wie kann man mit Ernährung eine Blinddarmreizung vermeiden?

Blinddarmreizungen entstehen zum Beispiel durch das Anschwellen der zahlreichen Immunzellen im Appendix aufgrund einer Infektion. Es kann auch sein, dass eine Verstopfung des Appendix-Ausganges verhindert, dass das im Appendix produzierte Sekret austreten kann.

Für den ersteren Fall sollten keine Risiken bei der Lebensmittel-Hygiene eingegangen werden. Diese entstehen beispielsweise durch eine unzureichende Kühlung leicht verderblicher Lebensmittel.

Verstopfungen des Appendix-Ausganges können beispielsweise durch geschluckte Obstkerne entstehen – dieses Risiko kann leicht minimiert werden. Resultiert die Verstopfung des Appendix-Ausganges aus einer Verstopfung des Darmes, kann eine ballaststoffreiche Ernährung helfen.

Was sollte man bei einer akuten Blinddarmreizung essen?

Nachdem eine Reizung des Blinddarmes durch eine Verstopfung des Darmes ausgelöst werden kann (aber nicht muss), empfiehlt es sich, während der Beschwerdephase auf Schonkost zu setzen, um den Darm zu entlasten. Schwere, fettreiche Mahlzeiten können das Problem verschlimmern, weshalb eine typische Ernährungsempfehlung leichten schwarzen Tee und Zwieback beinhalten kann. Schonkost kann allerdings lediglich Linderung verschaffen und ersetzt keine medizinische Diagnose. Nach eine Diagnose kann eine individuelle Ernährungstherapie helfen, die Blinddarm-Beschwerden zu lindern und herauszufinden, welche Lebensmittel wirklich vertragen werden. Mehr Informationen zur Therapie gibt es hier.

Soll der gereizte Blinddarm gekühlt werden?

Anders als bei Gelenken, die im Entzündungsfall gut auf Kühlung ansprechen, sollte bei einer Blinddarmreizung von Kühlung abgesehen werden. Zu drastische Kühl-Versuche können sich im Gegenteil negativ auf das Immunsystem auswirken. Eine nicht zu heiße Wärmflasche ist im Falle einer Blinddarmreizung das Mittel der Wahl.

Francis (1979). The grumbling appendix. Br Med J. 2/6195: 936. Online abgerufen am 21.06.2018 unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1596720/?page=1

Acosta, E. F. Crain, H. S. Goldman (2005). CT can reduce hospitalization for observation in children with suspected appendicitis. Pediatric Radiology, 35, 5. 495–500. Online abgerufen am 21.06.2018 unter https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00247-004-1384-4

A. Kurer (2007). Solitary caecal diverticulitis as an unusual cause of a right iliac fossa mass: a case report. Journal of Medical Case Reports 1. 132. Online abgerufen am 21.06.2018 unter https://jmedicalcasereports.biomedcentral.com/articles/10.1186/1752-1947-1-132

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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