Schluckstörungen (Dysphagien) – Ursachen, Symptome und Behandlung

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Schluckstörungen (Dysphagien) – Ursachen, Symptome und Behandlung

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Das Schlucken gehört zu den automatischen und selbstverständlichen Vorgängen in unserem Körper. Im Durchschnitt schlucken wir 1500 mal am Tag, ohne darüber nachzudenken. Für viele Menschen ist der Schluckvorgang jedoch ein Problem. Ungefähr 40 bis 60 Prozent der Patienten in Krankenhäusern sind aufgrund von Schluckbeschwerden unterernährt. Doch was genau versteht man unter Schluckstörungen und wie geht man mit diesen um?

Schluckstörungen (Dysphagien) sind Störungen des Schluckvorganges, die durch verschiedene Ursachen bedingt sein können. Erfahre mehr über die Ursachen, Symptome und Therapie von Schluckstörungen. Lerne außerdem, wie man sich mit einer Dysphagiekost ideal ernähren kann.

Welche Symptome gehen mit Schluckstörungen einher?

Zu den häufigsten Symptomen gehören unter anderem Schmerzen, die während oder nach dem Schluckakt auftreten. Die Schmerzen beginnen meistens im Bauch oder in der Brust, können aber in andere Körperteile zum Beispiel die Schulter ausstrahlen. Des Weiteren haben betroffene Menschen in der Regel ein gesenktes Durstempfinden und leiden gelegentlich an Rückströmen des Speisebreis aus der Speiseröhre in den Mund (Regurgitationen).

Welche Ursachen liegen Schluckstörungen zu Grunde?

Schluckstörungen können verschiedenste Ursachen haben. Angefangen von körperlichen Fehlbildungen bis hin zu Erkrankungen des Nervensystems. Im Folgenden werden die wichtigsten Ursachen aufgelistet:

  • Infektionen bzw. Systemerkrankungen
  • Muskel-, und Nervenerkrankungen: Myasthenia gravis, Guillain-Barré-Syndrom
  • Mund- und Rachenraum-Erkrankungen: zum Beispiel Entzündungen
  • __Erkrankungen des Nervensystems: __Schlaganfall, Hirnblutung, Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, Chorea Huntington
  • Speiseröhren-Erkrankungen zum Beispiel Refluxkrankheit oder Sodbrennen
  • Körperliche Fehlbildungen

Können Schluckstörungen psychisch bedingt sein?

In der Tat gibt es die sogennante Schluckangst (Phagophobie). Menschen, die an einer Phagophobie leiden, haben Angst sich zu verschlucken oder zu ersticken. Deswegen können sie keine Speisen, Flüssigkeiten oder Tabletten zu sich nehmen. Woher die Angst kommt, lässt sich schwer sagen. Häufig beruht dies auf einer schlechten Erfahrung zum Beispiel das Steckenbleiben der Nahrung im Hals. Manche Betroffene sind sehr empfindlich im Mund-, und Halsbereich und nehmen daher nur sehr kleine Häppchen zu sich, um die Erstickungsgefahr zu senken. Dadurch kann es zur Unterernährung kommen. Die Betroffenen leiden nicht selten an körperlicher Arbeitsunfähigkeit, Depressionen und sozialem Rückzug.

Nehmen Schluckstörungen im Alter zu?

Viele ältere Menschen sind von Schluckstörungen (Presbyphagie) betroffen. Das rührt daher, dass mit dem Alter Geschmacks-, und Geruchssinn nachlassen und damit auch der Appetit und das Durstempfinden. Dies hat zur Folge, dass die Schleimhäute anfangen auszutrocknen. Ein weiterer Grund ist, dass ältere Patienten verhältnismäßig mehr Medikamente einnehmen. Einige dieser Medikamente senken die Speichelproduktion und erschweren somit auch die Aufnahme der Nahrung. Zudem werden Reflexe, Muskelkraft und Bewegungen im Mundbereich mit der Zeit schwächer. Dadurch werden das Kauen und Schlucken beeinträchtigt. Hinzu kommt häufig noch ein schlechter Zustand der Zähne, der älteren Mitmenschen beim Essen Probleme bereitet.

Wie stark haben Schlaganfallpatienten mit Schluckbeschwerden zu kämpfen?

Schluckstörungen bei Schlaganfallpatienten sind tatsächlich ein ernstes Problem, da verschluckte Nahrung und Speichel nicht selten eine gefährliche

Lungenentzündung auslösen können. Besonders betroffen sind Patienten mit einem Schlaganfall im Bereich des Hirnstamms und einem daraus resultierenden Wallenberg-Syndrom. Der Schluckakt, insbesondere das willkürliche Kauen, erfordert fünf unserer zwölf Hirnnerven. Diese können nach einem Schlaganfall beeinträchtigt sein. Um eine Lungenentzündung oder Unterernährung zu vermeiden, ist es wichtig, eine Dysphagie so schnell wie möglich zu erkennen. Dabei bedarf es der Untersuchung motorischer und sensibler Funktionen sowie der Durchführung von Schluckversuchen.

Wie können Dysphagien therapiert werden?

Die Therapie einer Dysphagie richtet sich ganz nach ihrer Ursache und kann demnach sehr vielfältig sein. Beispielsweise werden bakterielle Infektionen im Mund- und Rachenraum antibiotisch behandelt.  Lebensbedrohliche Tetanus- oder Tollwut-Infektionen erfordern dahingegen eine Therapie mit künstlicher Nahrung. Liegt jedoch eine chronische Dysphagie im Rahmen einer Nervenerkrankung vor, wird eine sogenannte Schlucktherapie eingeleitet. Diese versucht, den Schluck-, und Hustenreflex wiederherzustellen. Dabei werden das motorische Ansteuern einzelner Muskeln, eine Veränderung der Körperhaltung beim Essen und das Pürieren von Speisen trainiert. In einigen Fällen bedarf es einer Nahrungszufuhr durch eine Magensonde, da eine Ernährung über den Mund nicht mehr möglich ist.

Was kann man sich unter einer Dysphagie-Kost vorstellen?

Eine Dysphagie-Kost beschreibt eine spezielle Ernährungsform für Patienten mit Schluckbeschwerden. Durch eine gezielte Nahrungszusammenstellung wird es den Betroffenen ermöglicht, problemfrei Nahrung zu sich zu nehmen. Eine hierzu erforderliche individuelle Ernährungsberatung wird den Patienten beispielsweise auf folgender Webseite angeboten: Klicke hier um mehr zu erfahren.

Grundsätzlich unterscheidet man bei der Dysphagie-Kost vier Formen, die sich nach dem jeweiligen Schweregrad der Dysphagie richten.

  • Dysphagie-Kost-Form-1: Feine homogene Speisen, zum Beispiel Wackelpudding, bei schweren Störungen
  • Dysphagie-Kost-Form-2: Pürierte dickflüssige Speisen, zum Beispiel Brei
  • Dsyphagie-Kost-Form-3: Weiche Nahrung, zum Beispiel Gemüse, Kartoffeln
  • Dysphagie-Kost-Form-4: Feste Nahrung, bei sehr leichter Dysphagie

Mertl-Rötzer, M. (2009). Dysphagie–Epidemiologie, Diagnostik, Therapie und Ernährungsmanagement. Laryngo-rhino-otologie, 48(04), 259-273. Online abgerufen am 14.03.2018 https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0029-1215554

von Renteln-Kruse, W. (2004). Ernährung und Mangelernährung im höheren Lebensalter. In Medizin des Alterns und des alten Menschen (pp. 142-154). Steinkopff, Heidelberg. Online abgerufen am 14.03.2018

Smoliner, C., Volkert, D., & Wirth, R. (2013). Die Ernährungsversorgung in geriatrischen Krankenhausabteilungen in Deutschland. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 46(1), 48-55. Online abgerufen am 14.03.2018

Warnecke, T., & Dziewas, R. (2013). Neurogene Dysphagien: Diagnostik und Therapie. Kohlhammer Verlag.

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.