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Pfefferminzöl-Kapseln – pflanzliche Hilfe beim Reizdarmsyndrom

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Pfefferminze ist eine beliebte Nutzpflanze. Sie wird gerne als Tee oder Gewürz verwendet. Pfefferminze kann aber noch mehr: Als pflanzliches Heilmittel (Phytotherapeutikum) etwa in Form von Pfefferminzöl-Kapseln kann sie gegen Bauchschmerzen und Krämpfe helfen. Auch Blähungen und andere Bauchbeschwerden scheinen gut auf eine Kombination von Pfefferminz- und Kümmelöl anzusprechen. Diese Eigenschaften machen Pfefferminzöl auch zu einem sinnvollen Medikament beim Reizdarmsyndrom.

Was sind Pfefferminzöl-Kapseln?

Pfefferminze (mentha x piperita) ist an ihrem unverwechselbaren Geruch zu erkennen. Aus den Blättern und Stengeln der Pflanze wird ätherisches Öl gewonnen. Zur einfachen Anwendung wird dieses in Kapseln gefüllt. Die Kapsel selbst besteht meist aus Gelatine.

Wie wirken Pfefferminzöl-Kapseln?

Versuche haben gezeigt, dass die sogenannten glatten Muskelzellen des Magen-Darm-Traktes auf Pfefferminzöl reagieren, indem sie sich entspannen. Das Öl gehört somit zur Gruppe der krampflösenden Medikamente (Spasmolytika). Neben der krampflösenden Wirkung scheint sich Pfefferminzöl auch auf andere Oberbauchbeschwerden günstig auszuwirken. So können sich Blähungen und Völlegefühl unter der Einnahme von Pfefferminzöl-Kapseln verbessern. Die Anwendung über den Verdauungstrakt mittels Kapseln oder Tabletten kann beim Reizdarmsyndrom und bei Oberbauchbeschwerden helfen.1 2

Auch der untere Speiseröhrenmuskel scheint auf die entspannende Wirkung des Pfefferminzöls anzusprechen. Deshalb kann Pfefferminzöl als unerwünschte Wirkung auch dazu führen, dass saurer Magensaft in die Speiseröhre gelangt, da der Muskel nicht mehr so gut schließt. Dies bezeichnet man als Reflux. Hierdurch kann es zu Sodbrennen kommen. Magensaftresistente Kapseln wirken dem entgegen: Die Kapseln lösen sich erst nach der Passage des Magens auf. Dadurch wird das Pfefferminzöl erst im Darm freigesetzt und das Risiko für unangenehme Nebenwirkungen sinkt.1

Als Inhalation hilft Pfefferminzöl gegen Erkältungskrankheiten.

Hilft Pfefferminzöl auch gegen Kopfschmerzen?

Das Menthol im Pfefferminzöl hinterlässt bei äußerer Anwendung ein kühles Gefühl auf der Haut. Dadurch eignet es sich zur Behandlung von Spannungskopfschmerzen. In zwei Studien zur Wirkung von Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen berichteten mehrere Patienten von einer deutlichen Abnahme der Schmerzen innerhalb weniger Minuten. Außerdem schien die äußere Anwendung von Pfefferminzöl auf der Haut komplett nebenwirkungsfrei zu sein.1


Merke

Pfefferminzöl besitzt folgende medizinische Wirkungen:

  • krampflösend auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Traktes
  • hilfreich bei Blähungen und Völlegefühl (bislang unklarer Mechanismus)
  • kühlend, schmerzstillend bei Spannungskopfschmerz (äußerliche Anwendung)
  • wirkt kühlend und betäubend auf die Atemwege bei Erkältungskrankheiten (inhalativ verabreicht)

Wie helfen Pfefferminzöl-Kapseln gegen das Reizdarmsyndrom?

Aufgrund ihrer krampflösenden und entblähenden Wirkung eignen sich Pfefferminzöl-Kapseln für die Therapie des Reizdarmsyndroms und anderer Oberbauchbeschwerden, die unter dem Namen Dyspepsie zusammengefasst sind. Ihre Wirkung ist durch mehrere Studien belegt. Häufig kann einem Großteil der Patienten durch die Behandlung mit Pfefferminzöl-Kapseln geholfen werden.1 2 3 4 Auch in den aktuellen Leitlinien zur Behandlung des Reizdarmsyndroms wird ein möglicher Therapieversuch mit Pfefferminzöl-Kapseln erwähnt.5

Wie verwendet man Pfefferminzöl-Kapseln beim Reizdarmsyndrom?

Bislang gibt es keine etablierte Standard-Therapie für das Reizdarmsyndrom. Die Empfehlungen zur Dosierung von Pfefferminzöl-Kapseln variieren. In den meisten Studien wurden Dosierungen von 0,2 bis 0,4 Milliliter Pfefferminzöl in Kapseln bis zu dreimal täglich verwendet. Bei sehr niedrigem Körpergewicht oder für die Therapie von Kindern kann die Dosis entsprechend niedriger ausfallen.1 Manche Produkte sollten auch erst ab einem bestimmten Alter angewendet werden.6 Vor der Verwendung ist es hilfreich, die jeweiligen Fachinformationen des Produktes zu lesen. Einige Hersteller geben die Menge des Öls in Millilitern an. Andere nutzen als Maßeinheit Milligramm.4

Da das Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln vorliegt, sollte man diese etwa eine halbe Stunde vor einer Mahlzeit einnehmen − so kann sich die Wirkung bestmöglich entfalten. Zudem sinkt das Risiko für unangenehme Nebenwirkungen wie Sodbrennen.


Tipp

Bislang hat es sich nicht als vorteilhaft erwiesen, die tägliche Menge an Pfefferminzöl-Kapseln auf mehrere Zeitpunkte am Tag aufzuteilen. Man kann demnach selbst entscheiden: Entweder man nimmt einmal am Tag eine größere Menge oder dreimal täglich zu den Mahlzeiten eine kleinere Menge.


Welche Nebenwirkungen können bei der Einnahme von Pfefferminzöl-Kapseln auftreten?

Generell ist die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen bei der Einnahme von Pfefferminzöl-Kapseln gering. In einigen Studien zur Wirkung von Pfefferminzöl beim Reizdarmsyndrom traten keine Nebenwirkungen auf.

Wenige Versuchspersonen beschrieben Sodbrennen, Aufstoßen, Pfefferminz-Geschmack oder -Geruch, Hautausschlag, Schwindel, Kopfschmerzen, einen erhöhten Appetit oder kühle Empfindungen im Analbereich.2 3

Wann wird von der Verwendung von Pfefferminzöl-Kapseln abgeraten?

Essentielle Öle wie Pfefferminzöl müssen mit Vorsicht dosiert werden, da es bei übermäßigem Gebrauch zu Gesundheitsschäden kommen kann. Bei Nierenschäden raten Mediziner von einer inneren Anwendung des Pfefferminzöls ab. Das Gleiche gilt für Patienten mit Gallen-Erkrankungen oder einer ausgeprägten Reflux-Erkrankung. Auch für Kinder unter 12 Jahren sind manche Präparate nicht empfohlen, so dass die Einnahme von Pfefferminzöl bei Kindern immer erst nach einer Beratung durch einen Arzt oder Apotheker erfolgen sollte. Bislang liegen noch keine ausreichenden Daten für die Sicherheit der Anwendung während einer Schwangerschaft vor. Schwangere sollten das Öl daher nicht verwenden, um mögliche Auswirkungen auf das Kind zu vermeiden.1

In welcher Form gibt es Pfefferminzöl noch?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen folgenden Produkten, die aus der Pfefferminze gewonnen werden können:

  1. Ätherische Öle enthalten die höchste Konzentration der Pflanzenstoffe und riechen stark nach Pfefferminze. Für ihre Herstellung ist kein Alkohol nötig. Stattdessen werden sie durch Destillation des Wasserdampfes gewonnen.
  2. Tinkturen bestehen aus einem Gemisch aus Alkohol und Pfefferminze. Der Alkohol dient als Extraktions-Mittel und lässt sich nicht komplett entfernen. Genau genommen handelt es sich daher beim fertigen Produkt nicht um Pfefferminzöl, sondern um eine Mischung aus Pfefferminzöl und Alkohol. Es eignet sich hauptsächlich zur äußerlichen Anwendung oder in minimaler Dosierung zur Aromatisierung von Getränken. Für die medizinische Anwendung beim Reizdarmsyndrom oder Magenbeschwerden eignet es sich aufgrund des Alkoholgehaltes nicht.

Kann man Pfefferminzöl selbst herstellen?

Theoretisch ist es möglich, Pfefferminzöl selbst herzustellen. Allerdings ist die Herstellung ein langwieriger Prozess, da die Wasserdampf-Destillation sehr aufwendig ist. Außerdem erfordert sie eine bestimmte Ausrüstung. Deshalb kann man kaum selbst zuhause Pfefferminzöl herstellen. Wenn das Öl als medizinisches Produkt angewendet werden soll, ist es außerdem nicht zu empfehlen, es selbst zu destillieren, weil man nur sehr schwer die nötige Sauberkeit und Reinheit sicherstellen kann.

Wo kann man Pfefferminzöl-Kapseln kaufen?

Pfefferminzöl-Kapseln sind rezeptfrei in der Apotheke, in Drogerien oder im Internet erhältlich. Es gibt sie in verschiedenen Dosierungen. Sie werden entweder als reines Pfefferminzöl oder in Kombinations-Präparaten mit anderen Inhaltsstoffen wie beispielsweise Kümmelöl angeboten. Die Preise variieren je nach Hersteller und Dosierung. Grob überschlagen können für die Therapie mit Pfefferminzöl-Kapseln monatliche Kosten in Höhe von 20 Euro entstehen.

Zusammenfassung

Pfefferminzöl kann die Darmmuskulatur entspannen und Blähungen reduzieren. Als krampflösendes Medikament wird es zur Behandlung des Reizdarmsyndroms empfohlen. Seine Wirksamkeit ist in Studien belegt. Auch bei Bauchschmerzen kann Pfefferminzöl Abhilfe schaffen. Nebenwirkungen wie Sodbrennen kommen vor, sind aber eher selten.

Deshalb ist Pfefferminzöl ein beliebtes pflanzliches Heilmittel, das leicht erhältlich ist und eine relevante Therapieoption beim Reizdarmsyndrom und anderen Darmbeschwerden darstellt.


  1. Kligler B, Chaudary S. Peppermint Oil. AFP. 2007;75(7):1027-1030.

  2. Alammar N, Wang L, Saberi B, et al. The impact of peppermint oil on the irritable bowel syndrome: a meta-analysis of the pooled clinical data. _BMC Complement Altern Med. _2019;19(1):21. doi:10.1186/s12906-018-2409-0

  3. Ford AC, Talley NJ, Spiegel BMR, et al. Effect of fibre, antispasmodics, and peppermint oil in the treatment of irritable bowel syndrome: systematic review and meta-analysis. BMJ. 2008;337:a2313. doi:10.1136/bmj.a2313

  4. Khanna R, MacDonald JK, Levesque BG. Peppermint oil for the treatment of irritable bowel syndrome: a systematic review and meta-analysis. J Clin Gastroenterol. 2014;48(6):505-512. doi:10.1097/MCG.0b013e3182a88357

  5. Reizdarmsyndrom. DGVS - Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. https://www.dgvs.de/wissen-kompakt/leitlinien/leitlinien-der-dgvs/reizdarmsyndrom/. Aufgerufen am 15. Dezember 2019.

  6. Fachinfo Buscomint® 0,2 ml magensaftresistente Weichkapseln. Sanofi-Aventis GmbH. https://mein.sanofi.de/produkte/Buscomint-bei-Reizdarm/Downloads?id=4b70d2e8-35b5-4c4b-97db-6e8eae00012c. Aufgerufen am 09. Januar 2020.

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.

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