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Abführmittel vor der Darmspiegelung

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Die Darmspiegelung (Koloskopie) ist eine wichtige Untersuchungsmethode bei der Erkennung von Darmkrankheiten. Auch zur Darmkrebsvorsorge wird sie verwendet. Entscheidend für die Diagnostik ist, dass die Darmschleimhaut möglichst gut zu untersuchen ist. Daher müssen Patienten vor einer Darmspiegelung abführen. Dadurch wird der Darm möglichst sauber und frei von Stuhlresten. Wie wird abgeführt und welche verschiedenen Abführmethoden gibt es?


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Das Wichtigste im Überblick:

  • die Darmreinigung beginnt mindestens einen Tag vor der Darmspiegelung
  • vor der Darmspiegelung sollte der Stuhl klar und flüssig sein und etwa die Farbe von Kamillentee haben
  • jede Arztpraxis hat ihre eigenen Standards zur Darmreinigung: dazu händigt das Personal dem Patienten vorab ein Informationsblatt aus und klärt über das Vorgehen auf
  • zum Abführen gibt es Polyethylenglycol-Lösungen (PEG-Lösungen) und auf Salzen basierende, sogenannte salinische Lösungen: die Mittel unterscheiden sich unter anderem bezüglich Wirkweise und Trinkmenge
  • die Darmspiegelung ist nur aussagekräftig, wenn nach einer Darmreinigung gute „Sichtbedingungen” herrschen
  • bereits drei Tage vor der Darmspiegelung sollten Patienten keine Körner mehr verzehren
  • bei Ausbleiben der abführenden Wirkung sollte man die Arztpraxis kontaktieren

Warum muss man vor der Darmspiegelung abführen?

Die Darmreinigung ist für die Qualität und Aussagekraft der Darmspiegelung sehr wichtig. Bei einer Darmspiegelung führt der Untersucher einen mit einer kleinen Kamera versehenen Schlauch durch den After in den Darm ein. Über das vergrößerte Bild der Kamera wird die Darmschleimhaut beurteilt. Das Abführen im Vorfeld dient der Reinigung der Darmschleimhaut.

Gelingt das Abführen vor der Spiegelung nicht wie erforderlich, kann man die Darmschleimhaut nur eingeschränkt untersuchen, da mögliche Veränderungen nur schlecht sichtbar sind. Unter Umständen muss die Untersuchung in solchen Fällen wiederholt werden.

Erfolgen vor der Darmspiegelung weitere Untersuchungen?

Einige Tage vor der Darmspiegelung nimmt der Arzt dem Patienten Blut ab, um die Gerinnungswerte zu bestimmen. Eine intakte Blutgerinnung ist wichtig, da es während der Untersuchung zu Verletzungen kommen kann, die bluten können.

Auch können während der Darmspiegelung kleinere Eingriffe erfolgen. Wenn zum Beispiel bei der Spiegelung Schleimhautwucherungen (sogenannte Polypen) entdeckt werden, können diese gleich entfernt werden. Das kann dann zu Blutungen führen.

Die Untersuchung der Blutgerinnung kann meist durch die hausärztliche Praxis erfolgen. Wer Blutverdünner nimmt, sollte dies unbedingt dem Arzt mitteilen. Auch wenn Allergien wie zum Beispiel gegen Latex bestehen oder eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) vorliegt, sollte man dies im Beratungsgespräch ansprechen.

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Wie sieht die Ernährung vor der Darmspiegelung aus?

Die Einnahme des Abführmittels beginnt meist am Tag vor der Untersuchung. Einige Tage vor der Untersuchung beginnt die Vorbereitung des Darmes in Form einer Diät.

Drei bis fünf Tage vor der Untersuchung sollte der Betroffene auf Nahrungsmittel, die Körner enthalten, verzichten. Dazu zählen Müsli, Brot oder Brötchen mit Körnern, aber auch Kiwis oder Feigen, die im verzehrbaren Anteil der Frucht Körner enthalten.

Schon zwei Tage vor der Darmspiegelung kann es hilfreich sein viel zu trinken (mindestens zwei Liter). Außerdem können kleinere, häufigere Mahlzeiten bei der Vorbereitung helfen.

Am Morgen und Mittag des Tages vor der Untersuchung darf man nur leicht verdauliche Speisen zu sich nehmen. Erlaubt ist beispielsweise Brei, Joghurt oder klare Brühe. Betroffene, die zu Verstopfungen neigen, beginnen früher: Bereits einige Tage vor der Untersuchung sollten diese Personen nur noch leicht verdauliche Speisen verzehren.

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist sehr wichtig für die Darmvorbereitung, da Flüssigkeit die Wirkung des Abführmittels unterstützt. Bis zwei Tage vor der Darmspiegelung kann man trinken was man möchte. Ab dem Tag vor der Darmspiegelung sind dann nur noch klare Flüssigkeiten erlaubt. Der Grund hierfür ist, dass Farb- und Gerbstoffe in einigen Getränken wie Kaffee, Schwarztee oder Cola die Darmschleimhäute färben können. Dies kann die Aussagekraft der Darmspiegelung einschränken. Auch während der Einnahme des Abführmittels sollen Betroffene weiterhin viel klare Flüssigkeit trinken.

Wer Eisenpräparate zu sich nimmt, sollte diese vier Tage vor der Darmspiegelung weglassen.

Welche Abführmittel zur Vorbereitung auf die Darmspiegelung gibt es?

Man unterscheidet zwischen Polyethylenglycol-Lösungen (PEG-Lösungen) und salinischen Abführmitteln. In PEG-Lösungen ist etwa die gleiche Menge an Salzen wie in Körperflüssigkeiten. Der Geschmack ist daher leicht salzig.

Salinische Abführmittel enthalten zum Beispiel Magnesiumcitrat oder Natriumphosphat. Im Vergleich zu Körperflüssigkeiten liegen in ihnen mehr Salze vor (hyperosmolar). Aus diesem Grund entziehen sie dem Körper über die Darmwand viel Wasser. Das führt zu dem gewünschten Effekt, dass der Stuhl voluminös und dünnflüssig wird. Oft werden noch Mittel beigesetzt, die die Darmbewegung anregen. Ein Beispiel hierfür ist Natriumpicosulfat. Bei salinischen Abführmitteln bedarf es nur einer vergleichsweise geringen Menge an Abführmittel: zweimal 150 Milliliter genügen. Zusätzlich zu der Lösung sollten Patienten insgesamt mindestens zwei Liter klare Flüssigkeiten zu sich nehmen.

PEG-Präparate werden in Wasser aufgelöst und getrunken. Meist handelt es sich um zwei Mal einen Liter Wasser plus mindestens einen Liter frei wählbare klare Flüssigkeiten. Es sind relativ hohe Flüssigkeitsmengen erforderlich. PEG-Lösungen ziehen durch ihre Struktur Wasser an und machen so den Stuhl flüssig. Gleichzeitig aktivieren sie die Darmmotilität, das heißt sie bringen den Darm in Bewegung. Durch die große Flüssigkeitsmenge und die Bewegung wird der Darm gereinigt. Seit 2018 gibt es außerdem ein neues, PEG-basiertes Abführmittel mit dem Namen Plenvu. Hier ist für die gesamte Vorbereitung nur ein Liter Abführmittel plus ein Liter klare Flüssigkeit erforderlich.

Welche Nebenwirkungen kann die Darmreinigung haben?

Das Abführen vor der Darmspiegelung ist nicht angenehm: Betroffene müssen große Flüssigkeitsmengen aufnehmen und auf feste Nahrung verzichten. Dazu kommt es zu Durchfall, bis nur noch klare Flüssigkeit ausgeschieden wird. Dennoch ist das Abführen vor der Darmreinigung leider nicht zu vermeiden und in der Regel für die Betroffenen erträglich.

Zu diesen Nebenwirkungen kann es kommen:

  • Übelkeit bis hin zu Erbrechen: Die Übelkeit kann auch so stark sein, dass es dem Betroffenen nicht möglich ist, die Vorbereitung auf die Darmspiegelung fortzuführen.
  • Kopf- und Magenschmerzen
  • Dehydration: Die Abführmaßnahmen führen zu einem hohen Wasserverlust. Aus diesem Grund ist eine hohe Flüssigkeitszufuhr zusätzlich zur Einnahme der Abführmittel wichtig. Besonders ältere Patienten können Schwierigkeiten haben, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
  • Elektrolyt-Verschiebungen: Vor allem salinische Abführmittel entziehen dem Körper Wasser. Dabei kann es zu Veränderungen im Salzhaushalt des Körpers kommen. Dies wird auch als Elektrolyt-Verschiebung bezeichnet. Eine Beispiel ist die Hyponatriämie, also ein Natriummangel im Blut. Mögliche Symptome sind dann Übelkeit, Fieber, Verwirrtheit und Kopfschmerzen. Eine Hyponatriämie kann unter Umständen gefährlich sein und muss behandelt werden.

Welche Vor- und Nachteile haben PEG- und salinische Abführmitteln?

Die Darmreinigung mit PEG und salinischen Abführmitteln bietet verschiedenen Vor- und Nachteile.

PEG-basierte Abführmittel (zum Beispiel Moviprep):

  • Vorteile:

    • bessere Sicht auf die Darmschleimhaut und damit bessere Untersuchungsbedingungen
    • Elektrolyt-Verschiebungen im Blut des Patienten treten seltener auf und sind weniger schwerwiegend
  • Nachteile:

    • Patienten müssen mehr Abführmittel trinken, dadurch entsteht gegenüber salinischen Mitteln häufiger Übelkeit

Salinische Abführmittel (zum Beispiel Picoprep)

  • Vorteile:

    • das Abführmittel wird in weniger Volumen gelöst, die Trinkmengen sind kleiner; dadurch weniger Übelkeitals bei PEG-Lösungen
  • Nachteile:

    • schlechtere Reinigungsergebnisse als bei PEG-Lösungen
    • schwerwiegende Nebenwirkungen sind häufiger (unter anderem Elektrolyt-Verschiebungen)

Wann ist die Darmreinigung erfolgreich?

Etwa eine bis drei Stunden nach Einnahme der Abführmittel setzt Durchfall ein. Vor der Koloskopie soll der Stuhl klar, flüssig und gelblichsein, vergleichbar mit der Farbe von Kamillentee oder Urin. Falls das nicht der Fall ist, muss der Arzt verständigt werden.

Was tun, wenn das Abführmittel nicht wirkt oder erbrochen wird?

Wenn der Geschmack des Abführmittels Übelkeit erregt, kann es hilfreich sein, das Mittel durch einen Strohhalm zu trinken. Hierdurch werden weniger Geschmacksknospen auf der Zunge gereizt. Wenn man das Gefühl hat, dass das Abführmittel nicht ausreichend wirkt, sollte man den behandelnden Arzt kontaktieren. Dieser kann dann zusätzliche abführende Maßnahmen veranlassen.

Eine Alternative zur Damreinigung gibt es bisher nicht. Jede Arztpraxis, die Darmspiegelungen durchführt, hat ein eigenes Vorgehen für die Darmreinigung. Oft berät sich der Arzt zuvor mit dem Betroffenen, welche Methode je nach individueller Situation am besten geeignet ist.

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Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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