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Wechseljahresbeschwerden

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Wechseljahresbeschwerden sind ein Überbegriff für typische Symptome, die bei vielen Frauen mit dem Übergang in die Wechseljahre auftreten. Obwohl diese Symptome belastend für die Betroffenen sein können, lassen sich Wechseljahresbeschwerden mit einer passenden Therapie oftmals gut reduzieren oder sogar vollständig beseitigen.

Was sind Wechseljahresbeschwerden?

Als Wechseljahre oder auch Klimakterium bezeichnet man bei Frauen die Zeit des Übergangs von der fruchtbaren in die nicht mehr fruchtbare Lebensphase. Die Wechseljahre beginnen meist im Alter zwischen 45 und 55 Jahren und sind insbesondere durch eine kontinuierliche und irreversible Verringerung der körpereigenen Produktion weiblicher Sexualhormone (Östrogen und Progesteron) gekennzeichnet. Diese Hormone kontrollieren und beeinflussen über äußerst komplexe Regelkreise eine Vielzahl an Prozessen im Körper. Dadurch verändert sich in den Wechseljahren das Zusammenspiel von diversen Organen und funktionellen Systemen wie beispielsweise Geschlechtsorganen, Nervensystem, Knochen und Lipidstoffwechsel. Bis der Körper sich auf diese Veränderungen eingestellt hat, kommt es zu Schwankungen und Fehlregulationen. Diese äußern sich als typische Wechseljahresbeschwerden äußern und verschwinden nach den Wechseljahren größtenteils wieder.

Durch welche Symptome äußern sich Wechseljahresbeschwerden?

Eine Reihe von Symptomen zählen zu den klassischen, akuten Wechseljahresbeschwerden. Auch wenn diese von Frau zu Frau in stark unterschiedlichem Ausmaß auftreten oder teilweise komplett ausbleiben können, gelten folgende Anzeichen als Wechseljahresbeschwerden:

  • Hitzewallungen, Schweißausbrüche und reduzierte Hitzeverträglichkeit
  • Vaginale Trockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie erhöhte Anfälligkeit für vaginale Infektionen und Harnwegsinfekte
  • Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsveränderungen, Unruhe und vermehrte Reizbarkeit
  • Libidoverlust

Daneben gibt es Wirkungen der Wechseljahre, die zu chronischen Beschwerden führen können. Die belastbarsten Daten hierzu existieren für die Auswirkungen auf die Knochenfestigkeit. Die niedrigeren Hormonspiegel während und nach den Wechseljahren erhöhen das Risiko für Osteoporose und damit auch für Knochenbrüche.

Wie lange dauern Wechseljahresbeschwerden an?

Die Dauer der Wechseljahresbeschwerden ist nicht vorhersagbar und von Frau zu Frau unterschiedlich. Im Durchschnitt halten Wechseljahresbeschwerden zwischen sieben und acht Jahre lang an. Faktoren, die mit einer teils deutlich verlängerten Dauer der Wechseljahresbeschwerden einhergehen, sind:

  • Afroamerikanische Ethnie
  • Erstmaliges Auftreten der Beschwerden bereits deutlich vor der letzten Regelblutung

Wann hören Wechseljahresbeschwerden normalerweise auf?

Nach der letzten Regelblutung dauern die Beschwerden durchschnittlich noch rund fünf Jahre lang an, wobei die Intensität der Beschwerden meist graduell mit der Zeit abnimmt. Auch hier gibt es jedoch erhebliche Schwankungen zwischen verschiedenen Frauen, sodass diese Zeitspanne nur als grobe Orientierung dienen kann.

Was hilft gegen Wechseljahresbeschwerden?

Es existiert eine große Zahl verschiedener Mittel, die Wechseljahresbeschwerden lindern sollen. Diese lassen sich in mehrere Kategorien einteilen:

  • Die Hormonersatztherapie stellt die momentan wirkungsvollste Therapiemöglichkeit gegen Wechseljahresbeschwerden dar und reduziert als einzige Therapieoption bewiesenermaßen das Risiko für eine nachfolgende Osteoporose.
  • Bestimmte Naturarzneien und Tees besitzen einen positiven Einfluss auf Wechseljahresbeschwerden. Besonders in leichten Fällen können sie eine Alternative zu hormonellen Präparaten sein.
  • Teilweise nehmen Frauen auch homöopathische Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden ein. Es gibt jedoch keine haltbaren Beweise für eine Wirksamkeit typischer homöopathischer Präparate abseits des Placebo-Effekts.
  • Entspannungs- und Verhaltenstechniken wie Yoga können dazu beitragen, den Leidensdruck durch Wechseljahresbeschwerden zu reduzieren.
  • Psychotherapeutische Beratung bietet sich für Frauen an, bei denen Stimmungsveränderungen ein vorrangiges Symptom der Wechseljahre darstellen und die auf Medikamente verzichten möchten.

Welche Medikamente sind gegen Wechseljahresbeschwerden verfügbar?

Die wirksamsten Medikamente gegen Wechseljahresbeschwerden sind sogenannte Hormonersatzpräparate. Dabei handelt es sich um Präparate, die ein Östrogen und/oder ein Gelbkörperhormon (Gestagen) enthalten. Sie gleichen den abgefallenen Hormonspiegel des weiblichen Körpers aus und sorgen so für einen Rückgang der Wechseljahresbeschwerden. Es existieren mehrere Varianten an Hormonersatzmitteln:

  • Kombinationspräparate enthalten sowohl ein Östrogen als auch ein Gestagen und stellen die Standardvariante der Hormonersatztherapie dar. Das Risiko für Brustkrebs kann unter der Einnahme von Kombinationspräparaten erhöht sein.
  • Reine Östrogenpräparate werden heutzutage nur noch verhältnismäßig selten eingesetzt. Da sie zusätzlich das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs stark erhöhen, dürfen sie nur bei Frauen eingesetzt werden, deren Gebärmutter bereits chirurgisch entfernt wurde.
  • Eine Sonderstellung nehmen Medikamente mit dem Wirkstoff Tibolon ein. Sie enthalten zwar nur diesen einen Wirkstoff, wirken aber dennoch wie ein Kombinationspräparat.

Alle genannten Medikamente sind rezeptpflichtig und können nur nach einer eingehenden ärztlichen Beratung verschrieben werden, die über Vorteile und mögliche allgemeine sowie individuelle Risiken aufklärt. Grundsätzlich vermindert eine Hormonersatztherapie die Wechseljahresbeschwerden aber deutlich und beugt Spätschäden der Wechseljahre, insbesondere Osteoporose, vor. Die Anwendung kann je nach Beschwerdebild auf verschiedene Arten erfolgen, nämlich in Form von:

  • Tabletten bzw. Pillen
  • Pflastern
  • Cremes, Gelen oder Salben
  • Vaginalringe
  • Nasenspray

Welche homöopathischen Mittel helfen gegen Wechseljahresbeschwerden?

Bislang gibt es keine wissenschaftlich haltbaren Belege für eine tatsächliche Wirksamkeit homöopathischer Mittel in den typischen Hochverdünnungen bzw. Potenzen von D30 oder höher. Dennoch können homöopathische Mittel für manche Frauen infolge des Placeboeffekts zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden beitragen. Zudem sind Homöopathika sehr gut verträglich und in der Anwendung nahezu vollkommen unbedenklich sowie frei verkäuflich. Die angewendeten Mittel unterscheiden sich dabei abhängig von den individuellen Beschwerden. Zu den häufigsten Präparaten in Form von Globuli, Tinkturen oder Tabletten zählen aber die folgenden:

  • Kuhschellen
  • Tintenfisch-Farbstoff
  • Traubensilberkerze
  • Ignatius-Brechnuss
  • Kanadischer Blutwurz

Sind Naturarzneien empfehlenswert bei Wechseljahresbeschwerden?

Einer Reihe von Naturstoffen wird eine positive Wirkung gegen Wechseljahresbeschwerden zugeschrieben. Die meisten dieser Stoffe wurden allerdings noch nicht hinreichend in standardisierten klinischen Studien untersucht, um eine definitive Aussage zu ihrer Wirksamkeit treffen zu können. Für einige wenige Mittel gibt es aber belastbare Daten:

  • Soja und Sojaprodukte scheinen eine moderate Wirkung gegen vegetative Symptome wie Hitzewallungen zu besitzen.
  • Traubensilberkerze besitzt ebenfalls eine gewisse Wirkung gegen Wechseljahresbeschwerden.
  • Rotklee soll aufgrund der enthaltenen Phytoöstrogene helfen.
  • Der regelmäßige Konsum von Tee wurde in einer Studie mit einer höheren Knochendichte bei älteren Frauen in Verbindung gebracht. Allerdings sind hierzu weitere Studien nötig. Insbesondere der regelmäßige Genuss grünen Tees wird aber häufig mit der Linderung von Wechseljahressymptomen assoziiert.

In der Regel sind Naturarzneien und Tees rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Patientinnen, die ihre Beschwerden mit Naturarzneien behandeln möchten, können dies daher prinzipiell selbstständig versuchen. Trotzdem ist es sehr empfehlenswert, zumindest den behandelnden Arzt zu informieren oder sich von einem Apotheker beraten zu lassen. Denn bestimmte Naturarzneien können Nebenwirkungen hervorrufen oder mit anderen Medikamenten wechselwirken.

Das Wichtigste im Überblick

  • Wechseljahresbeschwerden treten beim Großteil der Frauen erstmalig zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr auf und dauern meist fünf bis zehn Jahre.
  • Wechseljahre verursachen typische Symptome wie Hitzewallungen und Libidoverlust.
  • Die Stärke der Beschwerden variiert stark zwischen verschiedenen Frauen. Es stehen mehrere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
  • Die wirksamste Therapiemöglichkeit ist eine Hormonersatztherapie.
  • Außerdem können sanftere Behandlungsoptionen wie Naturarzneien oder Entspannungstechniken zur Linderung der Beschwerden beitragen.

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Kronenberg, F., & Fugh-Berman, A. (2002). Complementary and alternative medicine for menopausal symptoms: a review of randomized, controlled trials. Annals of internal medicine, 137(10), 805-813, online: http://annals.org/aim/article-abstract/715798/complementary-alternative-medicine-menopausal-symptoms-review-randomized-controlled-trials, abgerufen am 31.07.2018.

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern haben wir neben dieser Seite eine Therapie entwickelt, mit dem Betroffene die Ursachen und Zusammenhänge für ihre Verdauungsprobleme herausfinden können.