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Reizdarm ein Reizwort – Aufruf anlässlich des “IBS Awareness Month” #ReizdarmReizwort 🎗️

Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Vor über zwei Jahren haben wir den Blog reizdarm.one ins Leben gerufen. Wir waren genervt von den schlechten Informationen über Ernährung, Intoleranzen und Verdauung im Netz und haben gesehen, wie wenig Hilfe Betroffene im aktuellen Gesundheitssystem erhalten.

April ist der internationale Reizdarm-Monat (IBS Awareness Month). Das bedeutet 30 Tage Zeit für Aufklärung Rund um das Reizdarmsyndrom. In diesem Zuge rufen wir zur Kampagne #ReizdarmReizwort auf und sammeln Erfahrungsberichte von Betroffenen, die schlechte Erfahrungen in unserem Gesundheitssystem, unserer Gesellschaft und sogar in der eigenen Familie oder im Freundeskreis gemacht haben. Damit wollen wir aufmerksam machen, dass aktuell Millionen von Menschen mit Verdauungsprobleme keine adäquate Hilfe erhalten, was enorme individuelle und volkswirtschaftliche Auswirkungen hat. Die Beiträge findest du weiter unten auf dieser Seite.

Reizwort

Jeder sollte jemanden kennen, der unter chronischen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfungen leidet. In Deutschland qualifizieren sich nämlich etwa 14 Millionen Menschen für die Ausschlussdiagnose “Reizdarmsyndrom”. Reizdarm ist bei vielen aber ein Reizwort. Wer die Ausschlussdiagnose erhält, tut sich schwer, diese als Diagnose zu akzeptieren. Vielmehr fühlt sich das Reizdarmsyndrom wie ein Stempel an. Ein Stempel, den Patienten bekommen, wenn alle anderen Ursachen für die Verdauungsbeschwerden ausgeschlossen sind und der Arzt mit der Krankenkasse abgerechnet hat, was er abrechnen darf. Einen Reizdarm bekommt man also, wenn selbst Ärzte nicht mehr weiter wissen. Mediziner nennen das dann funktionelle Erkrankung. Praktisch bedeutet das eine enorme Einschränkung der Lebensqualität – jeden Tag.

Wie wir nicht werden wollten

Gerade wenn man mit Betroffenen spricht, spürt man ihre Empörung und Enttäuschung. Spricht man mit Ärzten, spürt man ebenfalls ihre Frustration. Sie fühlen sich hilflos, weil es keine Pauschallösung gegen die Beschwerden gibt und für individuelle Lösungen und Beratungen keine Zeit und kein Geld da ist. Dadurch fühlen sich Betroffene häufig nicht ernst genommen und wahre Symptom-Ursachen, wie etwa Nahrungsmittelintoleranzen, Dünndarmfehlbesiedlung, Gallensäureverlustsyndrom oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen bleiben häufig unentdeckt. Bei Menschen im Umfeld der Betroffenen, aber auch manchen Ärzten fallen einem zusätzliche folgende Dinge auf:

  • Betroffene werden häufig für verrückt erklärt
  • Betroffene werden vorschnell und falsch diagnostiziert
  • Betroffene werden abwertend und respektlos behandelt
  • Viele Ärzte sind schlecht informiert über das Reizdarmsyndrom und aktuelle Therapieoptionen

Verhalten der Angehörigen und Ärzte & Beispiele

Fehlinformation

  • “Reizdarm? Da kann man leider nichts machen.”
  • “Du stresst dich einfach zu sehr.”
  • “Das kommt alles von der Psyche.”
  • “Die Bauchschmerzen sind doch eh psychisch, was soll ich da machen?”

Vorurteile

  • “Frau A. ist doch hirnorganisch.”
  • “Stell dich doch nicht so an.”
  • “Mit dir kann man ja gar nicht normal essen gehen.”

Fehldiagnosen und -einschätzungen Verdauungserkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa und Zöliakie werden häufig fälschlicherweise als Reizdarmsyndrom diagnostiziert, dadurch laufen Betroffene häufig jahrelang mit einer lebensbedrohlichen Krankheit herum, ohne es zu wissen.

  • “Wenn Sie schon bei so vielen Ärzten waren und die nichts gefunden haben, haben Sie auch nichts.”
  • “Übertreiben Sie mal nicht, das geht schon wieder von alleine weg.”
  • “Ich brauch Sie nur anzugucken und weiß, dass Ihnen was fehlt. Probieren Sie doch mal dieses Ergänzungsmittel.”

Respektlosigkeit

  • “Bist du schwanger oder ist das dein Blähbauch?”
  • “Die soll doch froh sein, dass sie nichts Richtiges hat.”
  • “Sie sind vermutlich nur sensibel, jeder bekommt schließlich von Zwiebeln Blähungen.”

Über uns

Wir sind ein Arzt und ein Medizinstudent und haben beide der klassischen Arztlaufbahn den Rücken gekehrt. Wir helfen nun Vollzeit unzähligen Menschen, die komplett durch das schulmedizinische System fallen und dadurch zum Teil bei äußerst dubiosen Gesundheitsangeboten landen.

Mit Cara Care, unserem ernährungstherapeutischen Angebot helfen wir Reizdarm-Betroffenen nachweislich dabei, ihre Lebensqualität zu steigern und ihre Symptome zu lindern. Gemeinsam mit deiner zertifizierten Ernährungsberaterin lernst du bei uns, welche Nahrungsmittel und dir wirklich gut tun und welche Routinen du für ein besseres Wohlbefinden etablieren kannst.

Mittlerweile haben wir schon Millionen von Menschen erreicht und können uns vor individuellen Anfragen und Geschichten kaum retten. Unser Blog ist nämlich zur größten deutschsprachigen Website rund um das Thema “Darmgesundheit” aufgestiegen.

Um auf die unzähligen Hilferufe eine Antwort zu finden, haben wir die kostenlose App Cara ins Leben gerufen, einem intelligentes Symptom- und Ernährungstagebuch, das hilft, individuelle Auslöser für Beschwerden zu finden. Über unsere App bieten wir seit kurzem eine videobasierte Ernährungsberatung an, die von den gesetzlichen Krankenkassen größtenteils erstattet wird. Wir haben die App in eine virtuelle Praxis (Cara Care) verwandelt, die immer und überall für einen da ist, wenn man Hilfe braucht. Unser Ziel ist es, Betroffene zu unterstützen, ihre Beschwerden besser zu verstehen, Symptome zu verringert und letztlich Lebensqualität zu steigern. Dies wird ermöglicht durch drei essentiellen Dinge:

  • geschulte und zertifizierte Ernährungsberater
  • neueste Erkenntnisse aus den Bereichen Medizin, Machine-Learning und Ernährungswissenschaft
  • Empathie

#ReizdarmReizwort Beispiele

Erzähle uns deine Geschichte. Was sind deine schlimmsten Erfahrungen? Wo in deiner Krankheitsgeschichte hast du dich allein gefühlt. Wurdest du inadäquat behandelt? Verrate dabei nur so viel, wie du möchtest. (Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht)

Jetzt Erfahrung eintragen

Probiert mal Cromoglicinsäure

Hallo alle !

Ich HING auch locker 10 Jahre und mehr in dieser Reizdarm-Diagnostik fest. Arztrennerei, Magen-Darmspiegelung, sämtliche Intolleranztest negativ.Ich hatte diese Probleme ständig Durchfall zu haben. Vor allem am frühen Morgen. Aus dem Haus gehen war irgendwann eine Qual. Stressige Momente triggerten das ganze nochmal. Dazu stellte sich eine soziale Phobie ein. Einkaufen, an der Kasse stehen, Frisör, öffentliche Verkehrsmittel waren kaum noch möglich. Panikattacken, Depressionen… , ständig krank. Volles Programm.

Dann probierte ich selbst mit Medikamenten und Diäten rum. Immodium nahm ich als Dauermedikamention. Entsprechend der Schläfrigkeit rannte ich dann nur noch als Zombie rum. Opipramol, sowie sämtliche andere Medikamte ohne Wirkung. So Sachen wie Flohsamenschalen und anderer Nahrungsmittelergänzungen ohne Wirkung, bzw. nur kurzzeitig…nichts von Dauer.

Hier mal ne Liste, falls jemand probieren will:

Buscopan: Hilft definitiv gegen Schmerzen

Immodium: Stoppt Durchfall, allerdings führts zu Bauchkrämpfen, Müdigkeit und Schwindel. Bei wichtigen Dates, hab ichs trotzdem genommen. Auch jetzt noch ständiger Begleiter, allerdings seit Monaten nicht mehr genommen. Ich habe Immodium oftmals Vorbeugend genommen. Wenn ich zum Beispiel morgens einen wichtigten TErmin hatten, am Voraband vor dem Schlafen 1 Tablette. Somit umgeht man die Müdigkeit ein bisschen, weil man die Akutphase überschläft. Die Wirkungsdauer hält ohnehin fast nen ganzen Tag an.

Vaprino: Durchfallstopper. Außer extremen Bauchschmerzen keine Wirkung

Parenterol: Darmsanierer. Wirkungslos

Lefax: Gegen Blähungen. Wirkt zwar, auch Krämpfelösend. Aber nicht gegen Durchfall

Kijimea Reizdarm: Hat eine Woche geholfen, auch gegen Durchfall. Eine Woche normales Leben, danach war alles wieder wie es war.

Daily Plus von Life Plus. Sündhaft teurer NAhrungsmittelergänzung. Stabilisiert den Darm, formt flüssigen Stuhl etwas fester. Zusammen mit 2 Proteinshakes von Designer Whey am Tag hat meinen allgemein-Zustand ETWAS verbessert.

…unzählige andere Medikamente auf die ich gar nicht erst eingehe…Globulis ohne Erfolg, Hypnose ohne Erfolg, Akkupunktur ohne Erfolg, Mittel der tradionellen chinesischen Medizin, Ostheopathie und Heilpraktikermethoden auch ohne Erfolg.

Iberogast: Krampflösend. Wirkt.

Klosterfrau Melissengeist: Ja, die Nerven werden beruhigt. Aber eigentlich kann man auch nen SChnaps trinken und Alkohol ist für Reizdarmpatienten einfach suboptimal.

Daher die bessere Lösung:

Dystolges S: Hömeopahtische Beruhigungstropfen. Wirken defintiv. Sehr mild. Gibts auch als Tabletten zum Mitnehmen.

Wie ihr merkt hab ich ne Menge Kohle in die ganze Geschichte gesteckt. Nebenbei halt wie wahrscheinlich viele von euch, sämtliche Bücher zu dem Thema studiert.

Nun habe ich noch länger an mir rumgedoktort, das schreib ich aber lieber nicht. XD

Unter Strich bin ich auf einen Mastzellenstabilisator gestoßen. Das Medikament, dass ich euch empfehlen möchte heißt: Allergoval. Die Wirkungsweise ist die, dass die Cromoglicinsäure die Mastzellen in eurem Körper unempfindlicher gegen entzündungsauslösende Botenstoffe macht. Das ist die Kurzfassung.

Nachteil…es geht tierisch auf den Geldbeutel. 100,- Euro im Monat kostet der Spaß. Ich nehm das Zeug nun 2 Monate und es wirkt wie am ersten Tag. Pro Tag 4×2 Kapseln in Wasser aufgelöst 30 Minuten vor der MAhlzeit bzw. irgendwas Essbaren. Kein Durchfall mehr, FAST völlig normaler Stuhl, kein Stuhldrang mehr, bzw. kann ich diesen zurückhalten. Krämpfe ganz selten mal. Überlebe ich aber ohne Medis. Dazu nehm ich Vitamin D3 ab und an mal ne Tablette. (Nicht der Brausescheiß aus dem Supermarkt, sondern echtes D3 aus der Apotheke). Allergoval wird von der Krankenkasse nicht bezahlt. Aber auf die 100,- Euro sind gesch*, wenn das der Preis für ein normales LEben ist.

Dazu habe ich nun meine Ernährung umgestellt. Irgendwie trau ich dem ärztlichen Histamintest nicht und ich denke, dass ich ein kleines bisschen mit Histamine Probleme habe. Also achte ich daruf, dass ich nicht zuuuu viele Histamine aufnehme. Kein Wein, Tomaten, reifer Käse…. Zudem lasse ich Gluten so gut wie möglich weg. Nur am Sonntag gibts ne Semmel. Ansonsten meide ich auch vieles wo HEfe drin ist. Zum Frühstück gibts Joghurt und co. Mir liegt mittlerweile nichts mehr an Getreideprodukten. Dadurch hab ich auch schon enige Kilo verloren. Ich habe angefangen Sport im Gym zu machen.

Durch die ganzen Besserungen hat sich auch mein psychischer Zustand extrem verbessert. Ich habe so gut wie keine Angst mehr vorm Supermarkt, Frisör, Bussen und co, weil ich meinen Darm wieder unter Korntrolle habe.

Ich möchte euch allen Mut machen und euch “Allergoval” empfehlen. Hört nicht nur auf Ärzte und beschäftigt euch mit dem Mist. Ich bin mir sicher, dass es für jeden eine Lösung gibt. Kauft euch Bücher, betreibt Selbststudium und probiert mal ein paar Medikamente an euch aus. Und haltet euch immer eins vor Augen: Nicht nur ihr habt damit Probleme. Statistisch jeder 15. XD

Ich wünsch euch viel Kraft!

  • Bene, 11. März 2019

Hallo IHR 🙂

Seit ich denken kann hatte ich noch nie regelmäßig normalen Stuhlgang, um ehrlich zu sein weiß ich garnicht was normal ist.

Als Kind hatte ich viele Krankenhausaufenthalte in denen viele test gemacht wurden wegen meiner starken Magenschmerzen. Alles ohne Erfolg. Meine häufigen Besuche im Krankenhaus und villeicht auch die Frustration der Ärzte führten erstmalig zur Diagnose Reizdarm und vor allem auf den Stress zurückführen den ich wohl mit einem Alter von 8 Jahren haben müsste. Ich erinnere mich sogar an die Worte das ich mir diese Schmerzen nur einbildet würde.

Nun irgendwann denkt man der Körper muss so funktionieren, das ist normal, du hast keine Schmerzen. Man redet sich immer wieder ein das es halb so wild ist und man sich wohl nur anstellt und zsm reisen sollte.

Mit den Jahren gewöhnte ich mich also daran und vergaß darüber nachzudenken ob es eine Krankheit ist und gewöhnte mich an die wöchentlichen Mägenkrämpfe und auch der Durchfall schien normal für mich,ich dachte allen Menschen würde es wie mir gehen..

Mit der Zeit wurde ich älter und wuchs zu einer jungen Frau heran und bemerkte im Freundeskreis oder Partnerschaften das das NICHT normal ist und ich litt nicht nur körperlich darunter.

Meine Symptome werden von Jahr zu Jahr schlimmer (bis 10 Durchfälle am Tag, meistens wie Wasser. Magenkrämpfe. Blähungen. Schmerzen beim Stuhlgang und viele Stunden danach. Nach fast jeder Mahlzeit – Übelkeit und morgendliche Übelkeit.)

Nun bin ich 23 Jahre alt, habe 3 Magen und Darm Spiegelungen, viele Besuche beim Proktologen, viele Untersuchungen bei 3 verschiedenen Gastroenterologen (Blut,intolenranz Teste,kortisontherapie), sogar bei der Psychosomatik bin ich gewesen und natürlich sehr viele Termine beim Hausarzt hab ich hinter mir.

Das Ende vom Lied..

Ich habe Reizdarm. Mein Darm ist gereizt weil mein Unterbewusstsein nicht mit Trauer,Stress oder alltagsproblemen umgehenkann es an meinem Darm auslässt oder die Erklärung meines Arztes. Ehrlich gesagt ist mir egal wie Sie es nennen wollen, Reizdarm, MC, CED oder was falsches gegessen.. ich möchte nur das mir geholfen wird.

Denn ich habe keine Darmprobleme weil es mir “schlecht” geht, es geht mir schlecht weil ich Darmprobleme habe !!!

  • Vicktoria, 30. Januar 2020

Mein Leben mit Reizdarm!

Ich habe überlegt, dass es mir vielleicht hilft, wenn ich hier meine eigene Erfahrungen mit der Diagnose „Reizdarm“ verschriftliche ..

Alles fing vor 6 Jahren im Sommer an. Ich war im Schwimmbad, war danach mit Freunden etwas Essen, kam nach Hause und seitdem ist nichts mehr wie es einmal war.

Ich bin mittlerweile 27 Jahre alt. Habe sämtliche soziale Kontakte eingeschränkt. Meine Arbeit schaffe ich gerade noch so .. aber danach ruft nur noch das Bett. Übelkeit, Druck im Oberbauch, abwechselnde Durchfälle – Verstopfung, Müdigkeit, Antriebslosigkeit ..

Ich war bei zich Ärzten. 6 Magenspiegelungen und 2 Darmspiegelungen, Unverträglichkeitstest, CT, Blut, Sonographie – Alles NIX! Die Aussage der Ärzte: SIE SIND KERNGESUND!

Psychisch geht es mir sehr schlecht. Irgendwann habe ich das Essen komplett eingestellt, da es bei Nahrungsaufnahme nur noch schlimmer wurde. Ich habe mich runter gehungert auf 40 Kilo. Irgendwann entschied ich mich für eine psychosomatische Klinik .. 9 Wochen war ich dort. Ich war so verzweifelt, weil mir einfach keiner helfen konnte. Ich habe während der Zeit in der Klinik etwas zugenommen ( Dort wurde mir aber dann gesagt, dass ich eine Essstörung hätte ) – was überhaupt nicht der Fall ist. Ich wäre gerne dicker, ich liebe es zu Essen und zu kochen .. Aber wenn man jeden Tag mit Übelkeit und Schmerzen rum rennt. Naja, mich wollte keiner verstehen und ich wurde entlassen .. Zu Hause ging das Theater dann weiter.

Das einzige was mir hilft ist MCP, Sab Simplex und Iberogast. Die Durchfälle halte ich einigermaßen aus .. oder besser gesagt: Ich habe mich dran gewöhnt. Meist ist es auch nach dem Stuhlgang etwas besser.

Ich bin immer noch auf der Suche nach einem vernünftigen Arzt, der mir zuhört und mich ernst nimmt. Vielleicht auch eine Art Reha Klinik, wo man speziell auf den Darm behandelt werden kann ..

Ich wünsche allen viel Kraft und gute Besserung!

  • Nadine, 12. Januar 2020

Wahl zwischen Pest und Cholera

Meine "Diagnosen": Reizdarm und Reizmagen, Ösophagitis, Reflux Erkrankung, einige Allergien und Intoleranzen,Magenentleerungsstörung,…

Keine nachgewiesenen Ursachen, keine organischen Ursachen, angeblich die Psyche. Ich müsste in die Psychosomatik. Blaaa…

Seit einem halben Jahr täglich Übelkeit, Brechreiz und stillen und sauren Reflux, Kloßgefühl im Hals, Wiederhochkommen von Nahrungsbestandteilen, die bereits vergährt sind, stahlhartem oder geblähter druckempfindlichen Magen, Blähungen, Krämpfen etc pp. Trotz Einnahme von MCP, Ranitidin, Lefax, Gaviscon etc pp. keine Besserung der Symptome…Wenn endlich mal Tage ohne starke Beschwerden kommen, habe ich dafür tagelang Verstopfung und Krämpfe im Unterbauch.

Ich ernähre mich mittlerweile größtenteils glutenfrei, laktosefrei, nach FODMAP, nussfrei, frei von Zwiebeln, Knoblauch und Fertigprodukten, ohne Tee, Kaffee, mit wenig kohlensäurehaltigen Getränken…

Abgenommen habe ich trotzdem auf ein gefährliches Untergewicht aufgrund der geringen Gesamtmenge, die ich am Tag esse bzw ja wieder erbrechen muss.

Ich nehme Probiotika, achte auf die Trinkmenge, esse Flohsamen Schalen und Haferkleie, bei Verstopfungen nahm ich erst Movicol, aktuell Dulcosoft, da ich Movicol selbst nicht mehr vertrage, vllt wegen den Zuckern, mache Entspannungsübungen, gehe am Tag 2 Runden spazieren, habe so einen Stuhlhocker und mir nun auch noch ein Einlauf Set bestellt aus lauter Verzweiflung.

Die Ärzte haben mir mal eine Magenspiegelung und vor ein paar Jahren eine Darmspiegelung gemacht, wobei ich damals nur manchmal einen Reizdarm für ein paar Wochen hatte und es dann wieder weg war. Nicht zu vergleichen mit den jetzigen Symptomen. Damals waren es nur Blähungen und leichte Verstopfungen.. Sie haben nichts gravierendes gefunden und das wars dann. Eine Psychosomatik wurde mir jetzt empfohlen.

Ich weiß nicht mehr weiter. Meine Lebensqualität ist seither gleich Null.

Vielleicht kennt jemand diese Stärke von Beschwerden und die Symptome. Manchmal denke ich ich habe ein Speiseröhre Problem, vllt mit den Klappen am Magen, vielleicht eine Dünndarmfehlbesiedelung, manchmal fühlt es sich an als käme Galle hoch, dann wieder als ob der Darm sich übermäßig bewegt und grummelt obwohl ich nicht auf Toilette kann…

Kein Tag ohne Beschwerden vergeht. Eure Mira

  • Mira Würtenburger, 18. Januar 2020

Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Reizdarm?

Alles fing an, als ich nach einem längeren Auslandsaufenthalt in Mittelamerika, der natürlich auch mit einer Magen-Darm-Infektion einherging, wieder zurück in Deutschland war.

Die Durchfälle und die Bauchschmerzen, Blähungen und Völlegefühl wollten einfach nicht aufhören. Zunächst dachte ich, ich vertrüge keine Laktose, da dies damals die einzige Unverträglichkeit war, die ich kannte, welche solche Beschwerden auslösen könnte.

Als nach einiger Zeit, trotz Verzicht auf Laktose, die Beschwerden weiterhin anhielten, ging ich endlich doch zum Arzt.

Dieser führte einen Test auf Fruktose- und Laktoseunverträglichkeit bei mir durch. Das Ergebnis war: ich vertrage keine Fruktose. Also musste ich zunächst drei Wochen überhaupt keine Fruktose zu mir nehmen, um meinen Darm zur Ruhe zu bringen. Kein Zucker, kein Obst oder Gemüse. Ich aß 3 Wochen nur Reis, Milchprodukte und Brot sowie gebratenes Fleisch. Auch auf Wurst musste ich verzichten und Kartoffeln vorher Wässern, damit sie weniger Fruktose enthielten. Danach fing ich an langsam Lebensmittel auszutesten. Die Beschwerden hörten aber nie ganz auf. Deswegen überwies mich mein Arzt dann zu einer Ernährungsberaterin. Das hat mir wirklich sehr geholfen, da ich es schwer fand herauszufinden, welche Lebensmittel ich essen konnte und welche nicht, welche viel Fructose enthalten und welche weniger und wie ich die Dinge kombinieren konnte, damit ich es besser vertrage. Die Ernährungsberaterin stellte außerdem fest, dass ich eine Histaminunverträglichkeit habe und, dass ich kein rohes Getreide wie Haferflocken essen kann. Nach der Ernährungsberatung wurden die Beschwerden ein wenig besser, sie blieben aber weiterhin bestehen. Jetzt kam auch noch Verstopfung hinzu. Mein Arzt empfahl mir deswegen Flohsamenschalen einzunehmen. Dies half meiner Verdauung, aber die Beschwerden hielten weiter an. Krampfartige Bauchschmerzen, dass man denkt man fällt in Ohnmacht, abwechselnd Durchfall und Verstopfung, vermehrt Blähungen und ein aufgeblähter Bauch. Vor allem dieser aufgeblähte Bauch war sehr belastend, da man sich ständig unwohl fühlte. Die Kleidung war eng, alles drückte. Hinzu kam Übelkeit und ein ständiges Völlegefühl, Aufstoßen und Sodbrennen. Der Arzt verschrieb Abführmittel und erwähnte beiläufig, dass es sich um eine funktionelle Darmstörung, also ein Reizdarmsyndrom, handeln würde, da ich mich ja entsprechend meiner Unverträglichkeiten ernährte.

Das hatte ich mir da längst schon selber gedacht. Nach Recherche im Internet war ich ziemlich resigniert. Es war auch schwer für mich zu unterscheiden, ob ich „falsch“ gegessen hatte oder, ob sich mein Reizdarm wieder meldete. Die Beschwerden wurden nicht besser, eher schlimmer, und ich wusste nicht wie ich mir helfen sollte. Ich nahm Lefax gegen die Blähungen, Flohsamenschalen und Abführmittel gegen Durchfall und Verstopfung, versuchte auf meine Ernährung zu achten und trank viel Kümmeltee, wenn der aufgeblähte Bauch zu schlimm wurde.

Nichts hat so richtig geholfen, bis meine Mutter auf eine Studie der Charite gestoßen ist

und ich das Medikament „Myrrhinil-Intest“ ausprobiert habe. Es hat wirklich sehr geholfen. Weniger Verdauungsbeschwerden, weniger Blähbauch.

Das ist jetzt ein Jahr her. Mein Reizdarm hat sich deutlich gebessert. Genauso wie meine Unverträglichkeiten. Ich kann mehr Gemüse essen und weiß, was ich vertrage und was nicht. Kaffee zum Beispiel ist eher schädlich, genauso wie Zwiebeln, Chili und Knoblauch. Die Flohsamenschalen nehme ich immer noch ein. Und wenn es mal wieder schlimmer wird mit dem Darm auch Myrrhinil-Intest.

Mein Fazit ist: jeder muss seinen eigenen Weg finden. Manchem hilft das eine, jemand anderem etwas anderes. Auf jeden Fall sollte man nicht den Mut verlieren. Und natürlich trotzdem dem Arzt vertrauen, sich durchchecken lassen und andere Erkrankungen ausschließen. Wenn man eigene Ideen hat sollte man diese aber trotzdem ausprobieren und sich vielseitig informieren, vielleicht findet man etwas das hilft. Und wenn der Darm trotzdem mal verrückt spielt: nicht den Mut verlieren.

  • Hanna, 1. April 2018

Jahrelanges Leiden mit der schulmedizin

Angefangen hatte es als ich ungefähr 14 oder 15 war. Damals waren es noch nicht ganz so schlimm, hin und wieder Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit. Mit den Jahren wurde es aber immer schlimmer. Ich weiß schon gar nicht mehr wie oft ich beim Hausarzt gewesen bin und gehört habe es sei stressbedingt. Leider konnte mir eine Heilpraktikerin damals auch nur bedingt helfen, aber immerhin hat es etwas geholfen. Anstatt besser wurde es immer schlimmer, täglich hatte ich mit Durchfall und teilweise mit starken Krämpfen zu kämpfen. Ich habe mich zeitweise nur mit Medikamenten aus dem Haus getraut, oder wenn ich wusste, dass ich unterwegs schnell eine Toilette finden konnte. Ein ganzes Jahr lang war mir täglich Übel. Immer wieder War ich beim Arzt, immer wieder wurde ich nicht ernst genommen und mit immer neuen Medikamenten abgespeist. Irgendwann wurde dann doch eine Magen-Darm Spiegelung durchgeführt ohne Ergebnis. Wieder wurde es auf die Psyche geschoben. Ja, wenn man sich wegen der Schmerzen nicht mehr raus traut hat man auch Stress. Dann machte ganz plötzlich mein Körper nicht mehr mit, ich bekam einen allergischen Shock. Die folgenden Monate waren die reinste Qual. Ich War mehrfach im Krankenhaus, immer nur zur Symptombehandlung. Ich hatte täglich Quadeln am ganzen Körper, Kloßgefühl im Hals bis hin zur Atemnot. Dazu noch Durchfall, Krämpfe, alles was dazu gehört. Ich hatte einen ÄrzteMarathon hinter mir. Doch die Krönung war eigentlich, dass ich einer Ärztin sagte, dass ich festgestellt habe, das die Symptome nach dem Essen Viel häufiger und heftiger auftreten. Auf meine Frage nach einer Nahrungsmittelunerträglichkeit sagte sie mir das könnte gar nicht sein. Ohne jemals auch nur einen Test gemacht zu haben!! Das ich die verschriebenen Allergietabletten nicht vertragen habe hat sie auch nicht geglaubt. Da gerät man irgendwann an seine persönlichen Grenzen. Zum Glück hatte mir damals ein sehr lieber Mensch eine Heilpraktikerin empfohlen, die sich mit Allergien aus kennt. Sie hatte mich mit Bioresonanz ausgetestet. Zu dem Zeitpunkt wäre ich auch zu einem Schadenersatz gegangen wenn es mir geholfen hätte. Sie hat eine Unverträglichkeit auf Weizen und Milcheiweiß festgestellt und siehe da, die Symptome verschwanden sofort. Natürlich brauchte mein Darm eine ganze Weile um wieder klar zu kommen, aber alles War weg. Kein Durchfall mehr, kaum noch Krämpfe und Übelkeit. Nach einem Jahr kamen die Allergie Symptome zurück und ich ließ mich wieder testen. Ich reagiere auf Gluten. Seit dem ich Milch und Gluten meide ( ca. 5 Jahre ) habe ich keinen Durchfall mehr, außer ich bin wirklich krank. Hin und wieder habe ich Krämpfe oder Übelkeit, aber das lässt sich an einer Hand abzählen. Histsmin und Fruktose Intoleranz wurden ( von der HP angeordnet) über Bluttest ausgeschlosden. Ich habe über 10 Jahre gelitten, weil kein Arzt es für nötig befunden hat mich auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit zu testen. Die meisten akzeptieren es,Es bleibt auch niemandem etwas übrig, ich lasse mir da nicht mehr rein reden und schon gar nicht von einem Arzt, der gerade mal sein Studium hinter sich hat. Hashimoto wurde auch gefühlt 10 Jahre später erst diagnostiziert, oder zumindest mir mitgeteilt. Es hieß immer, alles gut man muss nur einen Wert beobachten. Kein Wunder also, dass mein Vertrauen in Ärzte nur noch so mäßig ist oder?

  • Savina, 31. März 2018

Alltag mit einem Reizdarm

Seit einigen Jahren (vielleicht 15?) leide ich schon unter den „Verdauungsbeschwerden“. Angefangen hat es mit einem „nervösen Darm“. Das heißt wenn wir in den Urlaub gefahren sind, ich Prüfungen schreiben musste und vor sonstigen „neuen“ Geschehnissen kam ich früh morgens nicht mehr von der Toilette runter und hatte Durchfall ohne Ende. Damals habe ich sehr viel Immodium genommen, da ich dachte, dass das Symptom „Durchfall“ eben mit Durchfall-Medikamenten gestoppt werden muss. Mittlerweile beruhige ich meinen Darm in solchen Momenten mit z.B. Baldrian oder Bachblütentropfen. Als es dann schlimmer wurde (unter anderem nach dem Tod eines geliebten Menschen), hat es dann angefangen noch viel präsenter zu sein. Im Alltag hat es angefangen, dass ich nur noch mit üblen Bauchkrämpfen im Büro saß und je später der Mittag wurde, desto schlimmer aufgebläht wurde mein Bauch. Egal was ich gegessen hatte. Teilweise konnte ich grade noch irgendwie aus dem Büro rauslaufen ohne, dass dort drin schon irgendwie unkontrolliert Luft entwich…

Nach einer Magen- und Darmspiegelung vor ca. 2-3 Jahren ohne Befund, hieß es dann es sei vermutlich ein Reizdarm. Die darauffolgenden Jahre habe ich trotzdem noch Laktose und Fructose testen lassen (ohne Befund), 1 Jahr lang in Zusammenarbeit mit einer Heilpraktikerin auf Gluten und alle Milchprodukte verzichtet, überteuerte unaussagekräftige Tests machen lassen und sicherlich einige Hundert Euro zum Fenster rausgeschmissen.

Als ich dann mal wieder bei meinem Hausarzt saß und dachte ich müsse doch endlich wissen und verstehen was ich habe, sagte er mir nur, dass ich viel zu viel Luft im Bauch habe um ein Ultraschall zu machen und ich doch einfach mit dem Reizdarm klar kommen soll. Ein anderer Arzt meinte übrigens, dass ich aufgrund des Reizdarms doch einfach mein Müsli morgens weg lassen solle, da das bei allen zu einem Blähbauch führen würde. Soo, lange Geschichte. Mittlerweile bin ich 27 Jahre alt und jeder Tag endet für mich mit einem Wärmekissen auf dem Sofa, da ich z.B aufgrund von dem enorm aufgeblähten Bauch auch nicht mehr in den Sport bzw. groß unter Menschen gehen kann/möchte. Der Darm „entscheidet“ welche Aktivitäten man machen kann oder nicht und das schränkt die Lebensqualität extrem ein. Meine letzte Hoffnung ist das Cara Care Programm, welches ich momentan starte. Ich erhoffe mir davon ein nahezu beschwerdefreies Leben und, dass ich endlich weiß was ich essen kann ohne Beschwerden zu bekommen. Allen da draußen die auch betroffen sind und noch nichts unternommen haben, rate ich sich direkt hier mit dem Team kurzzuschließen, somit bleiben euch eventuell viele schmerzhafte und unverständnisvolle Gespräche mit Ärtzen erspart, die eben leider alle noch nichts über den Reizdarm wissen oder wissen wollen. Vielen Dank an das Team von Reizdarm.one, dass ihr diese ganzen Informationen kostenfrei und jedem zugänglich ins Internet gestellt habt. Ich bin mir sicher, dass sich dies in den nächsten Monaten und Jahren enorm ausbreiten wird und hoffentlich bald jeder über die „Krankheit“ Reizdarm Bescheid weiß und Betroffene nicht nur unwissend belächelt werden.

  • LG, 2. April 2018

Schlechte Erfahrung mit Morbus Crohn

Ist die Medizin wirklich im Zeitalter der modernen Erkrankungen angekommen?

Viele Betroffene von Krankheiten wie Fibromyalgie, Reizdarm, Morbus Crohn, chronischem Erschöpfungssyndrom, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien kommen diesbezüglich zu einer niederschmetternden Erkenntnis: viele Patienten dieser “modernen” Erkrankungen fühlen sich von der klassischen Medizin “abgefertigt”.

Vielleicht bin ich hauptsächlich deswegen selbst Therapeut geworden, weil es mir vor vielen Jahren genauso ging.

Kurz vor meinem 17. Geburtstag wurde ich mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn diagnostiziert. Es ging mir lange Zeit sehr schlecht, und phasenweise wog ich bei einer Körpergröße von 1,87m weniger als 50 Kilo. Knapp zehn Jahre nach der Diagnose hatte ich einen erneuten Schub, mit einem großen Abszess an meiner Flanke. Der Abszess wurde von einer Fistel verursacht, die von meinem absteigenden Dickdarm ausging und wie eine Sackgasse im Nirgendwo endete. Nach wochenlangen Schmerzen und hohem Fieber wurde ich operiert. Der Abszess wurde chirurgisch eröffnet. Ich musste mit einer Dränage mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen. Anhand vieler Untersuchungen wurde schließlich die verursachende Fistel lokalisiert und der betroffene Darmabschnitt wurde mir entfernt.

Allerdings klaffte da, wo der Abszess war, eine ca. 10 cm tiefe Wunde. Diese sollte durch eine Klammernaht versorgt werden und so zur Ausheilung kommen. Da die Wunde groß war, wurde ich noch einmal unter Vollnarkose operiert. Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass ich in Anbetracht der Ausgangslage mit einem Antibiotikum von möglichen Wundinfektionen abgeschirmt würde. Doch nichts dergleichen. Der Arzt sagte seinerzeit: „die Wunde ist ja jetzt sauber.“

Nun, so sauber war die Wunde dann doch nicht: nicht ganz eine Woche nach der Operation hatte ich erneut Schmerzen in meiner linken Flanke, der Dränagekanal öffnete sich und es quoll Eiter hervor. Statt das Nahe liegende anzunehmen – nämlich, dass bei der Wundnaht schlicht und ergreifend doch Keime in die Wunde geraten waren – diagnostizierten die Ärzte einen erneuten Morbus-Crohn-Schub und eine erneute Fistel. Mein Darm wurde mittels eines Colon-Kontrasteinlaufs untersucht, es wurde aber keine Fistel gefunden. Doch die Ärzte beharrten auf ihrem Standpunkt. Daraufhin verließ ich das Krankenhaus „auf eigenes Risiko“. Durch eine Ernährungsumstellung und einige homöopathische Mittel heilte der offene, eiternde Dränagekanal binnen weniger Tage zu.

Zu dieser Zeit war mir klar geworden, dass der alte, berühmte Spruch “Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!” die einzige sinnvolle Alternative zu einer weiterführenden, medizinischen Behandlung geworden war.

Ich bin seinerzeit mit blauem Auge aus diesem offensichtlichen Behandlungsfehler davon gekommen. Heute, mit 20 Jahren Abstand zu diesem Ereignis, möchte ich den Ärzten auch keinen Vorwurf mehr machen. Sie waren und sind auch heute noch in unserem Gesundheitssystem mit der gegenwärtigen gesundheitlichen Lage von weiten Teilen der Bevölkerung überfordert.

Mittlerweile habe ich mich sozusagen ins Gegenlager geschlagen – in das der Therapeuten. Ich bin Heilpraktiker geworden und wenn mir eines in den vielen Jahren meiner Praxis klar geworden ist, dann das: die moderne Darmkrankheiten, von Reizdarm angefangen über Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bis Zöliakie und Divertikulitis sind so individuell in ihrer Symptomatik und in ihrer Therapie wie ein Fingerabdruck. Vor allen Dingen erweist sich das Reizdarm-Syndrom bei näherer Betrachtung bei weitem nicht so als „psychosomatisch“, wie viele Mediziner heute noch glauben. Die veränderte moderne Umwelt und Ernährung fordern neben unserer Lebensweise ihren Tribut…

  • Andreas Ulmicher, 31. März 2018

Meine Ernährung ist meine Medizin

Es ist so, als wäre ich niemals krank gewesen. Als hätte es die Jahre des Unwohlseins, der schlimmen Bauchschmerzen, die mich ein paar Mal in die Notaufnahme gebracht haben, der ständigen Durchfälle und Blähungen nie gegeben. Eigentlich habe ich Morbus Crohn. Aber ich bin beschwerdefrei und nehme keine Medikamente ein. Meine Ernährung ist meine Medizin.

Warum ich meine Ernährung umgestellt habe

Ich fing vor zweieinhalb Jahren mit der SCD an – es war spontan und aus der Not heraus, denn ich merkte, dass mein Crohn wieder aktiv wurde und ich wollte nicht zu meinem Gastroenterologen gehen. Ich fühlte mich von ihm unverstanden. Zum einen sagte er, „Ihr Crohn ist doch gar nicht so schlimm“, zum anderen wäre seine nächste Vorgehensweise die Immunsuppression. Für mich ein Widerspruch schlechthin, als würde ich gleich den halben Arm amputieren, bloß weil ich mir einen kleinen Kratzer zugezogen habe. „Wenn es Ihnen wieder schlechter geht, versuchen wir als nächstes Azathioprin.“, waren seine Worte. In mir sträubte sich alles dagegen, ein immununterdrückendes Medikament einzunehmen – und dann hörte ich zum Glück von der SCD.

Was ist SCD?

SCD ist die englische Abkürzung für Specific Carbohydrate Diet, zu Deutsch Spezielle Kohlenhydrat-Diät. Dabei handelt es sich um eine reizarme Ernährung aus Gemüse, Obst, Honig, Fleisch, Fisch und Eiern, selbstgemachtem Joghurt und bestimmten Käsesorten, und Nüssen und Samen. Sie ist frei von Gluten, Laktose, Zucker und industriell verarbeiteten Lebensmitteln und entlastet den gereizten und entzündeten Darm. Mehr Informationen zur SCD kannst du hier nachlesen.

Jahrelange Darmprobleme und keine richtige Hilfe von den Ärzten Heute bin ich 31 Jahre alt, doch meine Darmprobleme fingen mit zwölf oder dreizehn Jahren an, als bei mir eine Laktoseunverträglichkeit diagnostiziert wurde. Meine Eltern und ich waren inkonsequent in der Vermeidung von Laktose. Aus Unwissenheit und auch weil wir von unserer damaligen Hausärztin damit allein gelassen wurden. Sie sprach nie die Empfehlung einer Ernährungsberatung aus, wir wussten nicht einmal, dass es diese Möglichkeit gab. Das einzige, was ich in Unmengen aß, waren diese „tollen“ Laktasetabletten. Ich liebte einfach Milchprodukte: Joghurt, Käse, Schokolade. Wir dachten, die Tabletten würden schon helfen.

Aber mein Bauch kam nicht zur Ruhe. Immer wieder war ich bei unserer Hausärztin, bis sie mir irgendwann mit fünfzehn oder sechzehn Jahren einen Reizdarm diagnostizierte – und das obwohl ich bis dato noch nicht einmal eine Darmspiegelung hatte oder auf andere Unverträglichkeiten hin getestet wurde, die diese Ausschlussdiagnose rechtfertigen würden.

Mit dieser Diagnose war ich unzufrieden. Denn es hieß, man könne da nicht viel machen. Ich müsse Stress vermeiden. Leichter gesagt als getan. Ich ging aufs Gymnasium und obwohl ich eine gute Schülerin war, lastete ein enormer Leistungsdruck auf mir. Und durch diese Diagnose bekam ich den Eindruck, dass ich selbst schuld war für meine Verdauungsprobleme.

Starke Bauchschmerzen gepaart mit Erbrechen brachten mich sogar ein paar Mal in die Notaufnahme – doch auf dem Ultraschall, in den Blutwerten und im Urin war nichts zu finden. Ich wurde noch am selben Abend nach Hause geschickt. Meistens ging es mir durch die Infusionen, die ich dort bekam, auch schnell wieder besser. Wenn sich die Bauchschmerzen und das Erbrechen mal wieder meldeten, verbrachte ich meistens einen ganzen Tag im Bett, aß ein, zwei Tage lang Schonkost und danach war es in der Regel vorbei. So vermied ich Besuche beim Arzt oder in der Notaufnahme.

Wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Mit knapp zwanzig Jahren fing meine eigene Suche nach der Lösung meiner Darmprobleme an. Ich kaufte mir ein Kochbuch zum genussvollen Kochen bei Laktoseunverträglichkeit. Obwohl ich die Diagnose schon Jahre zuvor erhalten hatte, habe ich nicht darauf geachtet, was ich aß. Die Laktasetabletten nahm ich nicht mehr, denn ob mit oder ohne Laktase war das Ergebnis das gleiche. Aber nun waren meine Darmprobleme so nervig, dass ich versuchte, etwas zu ändern. Ich war am Abend immer aufgebläht, musste mehrmals am Tag zur Toilette. Die langen Studientage waren eine Qual, ich konnte mich nicht konzentrieren, so sehr drückte mein Bauch am Nachmittag. In der Regel war mein Stuhl breiig, dann hatte ich Episoden mit Durchfall. Während und nach dem Essen bekam ich Bauchkrämpfe. Ich achtete darauf, alles mit Laktose zu meiden. Ich las Etiketten, mein Partner unterstütze mich. Doch es wurde nicht besser.

Wir fingen an Fertigprodukte zu meiden: Tiefkühlpizza, Soßen aus der Tüte, alles, was man nur auspacken und aufwärmen oder mit Wasser übergießen muss. Ich hatte bemerkt, dass ich davon Blähungen bekam. Ich verzichtete auch auf meine geliebten Frühstücksflocken. Das alles brachte jedoch keine Linderung.

Also musste ich noch andere Unverträglichkeiten haben

Konnte ich eine Glutenunverträglichkeit haben? Ein Test bei meiner Hausärztin fiel negativ aus. Irgendwann hatte ich Fruktose im Verdacht. Laktosefreie Schokolade verursachte Bauchgrummeln, bestimmte Obstsorten auch. Doch ich traute mich nicht mehr, zu ihr zu gehen und um einen Test zu fragen. Ich hatte den Eindruck, man hielt mich für eine Hypochonderin, die im Internet nach Symptomen und Krankheiten suchte und auf sich selbst übertrug.

Ich fing an, mir aus der Bibliothek Bücher auszuleihen zum Thema Reizdarm, zu Fruktose, Histamin – auch das hatte ich irgendwann im Verdacht. Ich war mit der Diagnose Reizdarm noch immer unzufrieden. Das konnte doch nicht alles vom Stress kommen. Nach dieser Logik wäre ich ja dauergestresst und hätte nie auch nur einen Tag, an dem ich entspannt wäre. Das wollte ich so nicht akzeptieren.

Die erste Darmspiegelung

Meine Beschwerden erreichten 2012 ihren Höhepunkt. Damals war ich 25 Jahre alt. Ich hatte Hunger, doch sobald ich anfing zu essen, verging mir der Appetit. Nach kürzester Zeit hatte ich heftige Bauchkrämpfe. Ich hatte mehrmals pro Tag Durchfall. So konnte es nicht weitergehen und ich machte bei einer gastroenterologischen Praxis, deren Werbung ich in der Münchner U-Bahn auf dem Weg zu meiner Arbeit gesehen hatte, einen Termin aus. Kurz danach hatte ich meine erste Darmspiegelung – und erhielt die Diagnose Morbus Crohn. Von selbst wäre ich nie darauf gekommen. Ich hatte ja „nur“ Durchfälle, breiige Stühle und Blähungen.

Schulmedizinische Therapie

So komisch das auch klingen mag, aber die Diagnose nahm ich zu Beginn positiv auf. Endlich wird man mir helfen können, dachte ich. Damals vertraute ich den Ärzten und ich hinterfragte am Anfang gar nichts. Natürlich wurde ich zuerst mit Budenofalk therapiert. Eineinhalb Jahre. Ich hatte den Eindruck, dass meine Beschwerden tatsächlich besser wurden – ganz beschwerdefrei war ich jedoch nie. Mein Stuhl war noch immer breiig, Blähungen hatte ich auch noch regelmäßig. Das einzige, was nachgelassen hatte, waren die Bauchkrämpfe während und nach dem Essen. Eine spezielle Ernährung gebe es nicht, versicherte mir mein Arzt. Ich solle essen, was mir guttue. Nach einer Kontrolldarmspiegelung im Herbst 2013, bei der festgestellt wurde, dass mein Darm nur noch minimal entzündet war, wurde ich eben mit dem Satz von meinem Arzt nach Hause geschickt, denn ich einleitend erwähnt habe: Als nächstes ist dann AZA dran, falls es mir wieder schlechter geht.

Suche nach der richtigen Ernährung

2014 stieß ich dann auf einen Blogartikel, in dem ein junger Mann beschrieb, wie er durch die SCD seinen Morbus Crohn in den Griff bekommen hat. Es war zu schön um wahr zu sein und sein Krankheitsverlauf war richtig heftig. Er hatte schon alle Medikamente durch, die man bei Morbus Crohn geben kann – ich hingegen war „erst“ beim Kortison angelangt und auch mein Arzt gab mir immer wieder zu verstehen, dass ich ja „kein so schlimmer Fall“ sei. Wenn er es geschafft hatte, dann konnte ich das sicher auch. Doch damals ging es mir mit meinem Crohn relativ gut, so war der Leidensdruck nicht groß genug, um auf diese Ernährung umzusteigen.

Wie zu Beginn beschrieben, musste mein Crohn erst wieder aktiv werden. Im Herbst 2015 hatte ich also zwei Optionen – meinen Arzt aufsuchen (schon bei dem Gedanken an ein Gespräch mit ihm fühlte ich mich unwohl) oder meine Ernährung umstellen und schauen, wie es mir damit geht. Ich entschied mich für die Ernährung und bin glücklich, diesen Schritt gewagt zu haben.

Was läuft schief zwischen Arzt und Patient?

Meinen Gastroenterologen habe ich seit Januar 2016 nicht mehr gesehen. Er hat sich immer nur auf die Behandlung der Symptome konzentriert, was mir zu wenig war. Kein einziges Mal wurde mir eine Ernährungsberatung angeboten, kein einziges Mal wurden spezielle Diäten erwähnt, kein einziges Mal wurde ich gefragt, wie ich mit Stress umgehe. Unsere Arzt-Patienten-Beziehung war geprägt von Unverständnis. Ich fühlte mich aufgrund seiner Bemerkungen nicht in meinem Leiden ernst genommen, konnte dadurch kein Vertrauen zu ihm und seinen Empfehlungen fassen. Wie er sich fühlte, kann ich nicht sagen, aber er machte mir einen genervten Eindruck, wenn ich Fragen zu Alternativen stellte, ob es eine Ernährung gäbe, die mir helfen könne. Bei meinem letzten Termin erzählte ich ihm von der SCD. Er hat es in meine Patientenakte notiert, aber keinerlei Regung gezeigt. Ich kann nicht festmachen, woran das lag. War es Desinteresse? Fühlte er sich belehrt? Hatte er keine Zeit? Er ist leider nicht der einzige Arzt, der mir gegenüber so ein Verhalten gezeigt hat.

Die SCD ist meine Medizin

Inzwischen sind zweieinhalb Jahre seit meiner Ernährungsumstellung vergangen und es geht mir besser als je zuvor. Die SCD ist meine Ernährung und auch wenn es nicht immer leicht ist, sich im Alltag so zu ernähren, lohnt sich dieser Aufwand für mich. Eines meiner größten Wünsche war, medikamenten- und beschwerdefrei zu sein. Mit der SCD habe ich das erreicht.

Nach der Ernährungsumstellung habe ich mich auch mit Entspannungsmethoden beschäftigt. Es gibt Zusammenhänge zwischen Stress und Verdauungsproblemen und jeder sollte für sich einen ganzheitlichen Lösungsansatz suchen. Ernährung kann viel, ist aber nicht alles.

In der Zwischenzeit war ich sogar schwanger. Die Schwangerschaft verlief schubfrei, mir und dem Baby ging es immer gut. Mein Sohn ist gesund auf die Welt gekommen und auch die Hormonumstellungen nach der Schwangerschaft haben bei mir keinen Schub ausgelöst.

Um anderen in ähnlicher Situation, ob mit Reizdarm, CED oder sonstigen Verdauungsproblemen zu helfen, habe ich die Website SCD-Blog.de ins Leben gerufen – dort teile ich meine Erfahrungen mit der SCD im Alltag, meine Rezepte und auch aktuelle Entwicklungen zur SCD.

  • Aleksandra, 18. April 2018
Dr. med. Andre Sommer

Dr. med. Andre Sommer

Ich arbeite als Arzt in Berlin. Zusammen mit einem Team aus MedizinerInnen, PsychologInnen und ErnährungsberaterInnen haben wir neben dieser Seite eine App zur Darmgesundheit entwickelt, die Betroffene ganzheitlich begleitet.

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